Evelyn Waugh

 4 Sterne bei 147 Bewertungen
Autor von Wiedersehen mit Brideshead, Brideshead Revisited und weiteren Büchern.
Autorenbild von Evelyn Waugh (©kein Urheberrecht mehr)

Lebenslauf von Evelyn Waugh

Evelyn Waugh wurde im Oktober 1903 als Sohn eines Verlegers in London geboren. Er studierte zunächst Geschichte am Hertford College, das er jedoch ohne Abschluss wieder verließ. Es dauerte nicht lange, bis Waugh das Schreiben für sich entdeckt hatte. Sein Debütroman "Decline und Fall (dt. Titel: Auf der schiefen Ebene) wurde im Jahre 1928 veröffentlicht. Als Waugh`s Buch "Wiedersehen mit Bredshire" verfilmt wurde, bedeutete dies für den Autor den internationalen Durchbruch. Evelyn Waugh starb im Alter von 63 Jahren in Taunton. Er zählt auch heute noch zu den wichtigsten englischen Autoren des 20. Jahrhunderts.

Alle Bücher von Evelyn Waugh

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Cover des Buches Wiedersehen mit Brideshead (ISBN:9783257243192)

Wiedersehen mit Brideshead

 (37)
Erschienen am 18.01.2017
Cover des Buches Scoop (ISBN:9783257242744)

Scoop

 (8)
Erschienen am 18.12.2013
Cover des Buches Auf der schiefen Ebene (ISBN:9783257211733)

Auf der schiefen Ebene

 (7)
Erschienen am 01.10.2003
Cover des Buches Befremdliche Völker, seltsame Sitten (ISBN:9783821847610)

Befremdliche Völker, seltsame Sitten

 (7)
Erschienen am 01.12.2007
Cover des Buches Lust und Laster (ISBN:9783257243833)

Lust und Laster

 (6)
Erschienen am 24.01.2018
Cover des Buches Eine Handvoll Staub (ISBN:9783257243826)

Eine Handvoll Staub

 (6)
Erschienen am 22.03.2017
Cover des Buches Verfall und Untergang (ISBN:9783257243819)

Verfall und Untergang

 (5)
Erschienen am 22.03.2017

Neue Rezensionen zu Evelyn Waugh

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Rezension zu "Expeditionen eines englischen Gentleman" von Evelyn Waugh

Was vom Reisen übrig bleibt
nordberlinervor 3 Monaten

Ein Klassiker der Reiseliteratur zwischen den Weltkriegen


Die Lust an der Provokation war ein Wesenszug von Evelyn Waugh. Er stand kurz vor seinem 27. Geburtstag, als er im Oktober 1930 zu einer Reise durch Afrika aufbrach, die bis März 1931 dauerte. Seine Beobachtungen und Erlebnisse schildert er in “Remote People”, erschienen Ende 1931, und sind erst seit wenigen Jahren auf deutsch verfügbar. Sie sind auch heute, neunzig Jahre später, sehr lesenswert, weil sie unmittelbaren Einblick geben in die Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg, in einen Teil des Britischen Weltreichs, und weil der Autor mit seiner glasklaren, schnörkellosen Schilderung eine haftenbleibende Prosa hinterlassen hat.
Dass die geschilderten Beobachtungen von Land und Leuten nicht in unvordenklichen Zeiten erfolgten, zeigt etwa die aus einem Gespräch in Aden berichtete Erwähnung der "niedlichen Prinzessin" in England, die heute noch lebt: wir kennen sie als amtierende Königin Elisabeth II.

Der Reiseroman hat zwei Teile: Im ersten Teil berichtet Evelyn Waugh von seiner Reise nach Abessinien zur Krönung des Kaisers Haile Selassie im noch jungen Addis Abeba - und damit aus einem Land, dass nie Kolonie war; im zweiten Teil schildert der Autor seine anschließende Reise über Aden, Sansibar, Kenia, Uganda, Tansania und Kongo nach Kapstadt - und somit durch jenen Teil des afrikanischen Kontinents, der - mit Ausnahme des Kongo - zum Britischen Weltreich gehörte. Erst 1922 hatte das Empire seine größte Ausdehnung erreicht, als die Kolonialpolitik längst im Umbruch war.
1930/31 war das britische Empire noch mehr als bloß existent, erfuhr aber bereits eine Änderung seines imperialistischen Charakters. Evelyn Waugh zeichnet in seinem Reiseroman Figuren vor Ort, die das Bild vom britischen Imperialismus geprägt haben. Er zeichnet auch ein bekannt anmutendes Bild von einem Teil der Welt, in dem sich Juden, Christen, arabische und asiatische Moslems und nicht zuletzt Animisten gar nicht aus dem Weg gehen können.

Der Wandel der Sichtweisen der verschiedenen Beteiligten auf den Kolonialismus wird ein Stück weit erkennbar, obwohl der Eindruck überwiegt, dass der Autor politische Wertungen zu vermeiden sucht. Er sieht Politik zutreffend nicht als exakte Wissenschaft (S. 218) und zieht es vor, unmittelbare Eindrücke zu schildern. Hierzu bedient sich der  Menschen-Beobachter Waugh glasklarer Sätze und der Zuspitzung beobachteter Widersprüche, teilweise mit beißendem Spott und ätzendem Humor. Das führt dann zu ungeschliffenen literarischen Rohdiamanten wie diesem: “Die kenianischen Siedler sind keine Spinner jener Art, die Neu-England kolonosiert haben, auch keine Verbrecher und Ganoven der Art, die nach Australien ausgewandert sind.”

Drei Albträume beschreibt der Autor in seinem Buch, die das Reisen mit sich zu bringen scheint: Zum Ende des ersten Teils seiner Afrikareise, in Äthiopien, muss er geraume Zeit mit Warten verbringen - sein hartnäckiger Gegner ist die kurzweilig beschriebene Langeweile. Der zweite Albtraum besteht im Warten unter wechselnden, widrigen Bedingungen in Tansania und die Ungewissheit seiner Reisepläne im Kongo, deren drastische Schilderung den Leser darin bestärkt, die Grenze zwischen Tourismus und Reisen gut zu überdenken. Der dritte Albtraum schließlich plagt den Heimkehrer: nach der Rückkehr nach London besucht der Autor ein dort neuerdings angesagtes Lokal, das er als heiß und laut erlebt und in dem er wenig Gastfreundschaft erfährt - man sehe nur, so sein bissiges Resumee, wie London den schwarzen Kontinent in die Tasche steckt.

In einer unscheinbaren Fußnote teilt der Autor die Kosten seiner Reise mit, die in sechs Monaten knapp 500 Pfund verschlungen hat, “einschließlich verschiedener Einkäufe von Tropenkleidung, lokalen Kunstwerken usw. sowie aller Verluste bei Karten- und Glücksspiel”. 500 Pfund Sterling entsprachen damals - kurz vor der Abschaffung des Goldstandards in Großbritannien im Oktober 1931 - stolzen 10.000 Reichsmark, was heute ungefähr 40.000 Euro entspricht. Eine Luxusreise war es dennoch nicht, und der Reisebericht zeigt anschaulich, was den Reisenden vom Touristen unterscheidet.

Das Buch ist  mit einem Anhang ausgestattet, bestehend aus einem Nachwort von Rainer Wieland (“Glücklichere Menschen beobachten Vögel”), das Aufschluss über den Lebensweg und das literarische Schaffen von Evelyn Waugh gibt, sowie einer Zeittafel.

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Rezension zu "Ohne Furcht und Tadel" von Evelyn Waugh

Durch und durch britisch
Giselle74vor 9 Monaten

Als Leser springe ich ziemlich häufig in unbekannte Gewässer. Ich schlage ein neues Buch auf und weiß meistens nicht wirklich, was mich erwartet. Natürlich gibt es den Klappentext, natürlich kenne ich die ungefähre Richtung, das Genre, vielleicht auch andere Werke des Autors. Aber ein ungelesenes Buch eröffnet immer eine unbekannte Welt. Bei einem Vielleser, wie ich es ja bin, sind das ziemlich viele Welten, die man da nacheinander, manchmal auch nebeneinander bereist. Nicht alle lassen sich gleich gut bereisen, manche sind arg holperig, manche steinig und manche so langweilig, dass man innerlich Hüpfekästchen spielt. Und dann gibt es Bücher, die sind wie ein erfrischender Sprung ins Meer, Bücher, bei denen man wieder weiß, warum man eigentlich das Lesen so liebt.
"Ohne Furcht und Tadel" ist so eines. Man atmet förmlich auf, wenn man die wohldurchdachten Formulierungen liest. Kein Geschwafel, keine Klischees und aufgebauschten Banalitäten, dafür ein klares Konzept und rasiermesserscharfe Spitzen. Waugh erzählt von Guy Crouchback, einem liebenswerten Gentleman der britischen Oberschicht, der es trotz fortgeschritteneren Alters für angebracht hält, anläßlich des Zweiten Weltkriegs der britischen Armee beizutreten. Der Leser erfährt von Korpstraditionen, Aufstiegsschacher, wirren Missionen, irren Offizieren. Es ist bemerkenswert, dass jemand so eindringlich über den Krieg schreiben kann, ohne dabei großartig Blut zu vergießen. Waugh bleibt meist hinter den Linien und hat mit Crouchback einen Klischeebriten erfunden, der lernen muss, dass Fairplay für die anderen zumeist ein Fremdwort ist, einen guten Menschen, dessen Qualitäten nicht anerkannt werden, der stets beinahe unter die Räder gerät. Gleichzeitig nimmt Waugh die Abläufe beim Heer auseinander, das starre Regelwerk, Willkür und Kadavergehorsam.
Es gehört schon ein immenses Können dazu, eine 976 Seiten starke Satire auf das englische Kriegswesen zu schreiben, die nicht eine Sekunde langweilig oder -atmig ist. UInd den Leser trotz aller Ironie und eleganten Wendungen nie vergessen zu lassen, dass ein Krieg menschengemacht ist und dass es Menschen gibt, die im Krieg regelrecht aufblühen, dass es immer sinnlose Opfer gibt und eigentlich keine Seite dabei wirklich gewinnen kann.
Es sind Romane wie dieser, die einen Maßstab dafür geben können, was Literatur sein kann. Die geradezu leuchten durch ihre Fabulierlust, einzigartigen Charaktere und geschliffenen Formulierungen. Aus denen man ständig vorlesen oder zitieren möchte, weil man hier eine Wendung gelungen findet und dort eine Bemerkung treffend. Romane, die man drei, viermal lesen kann, um immer noch neue Aspekte zu entdecken.
"Ohne Furcht und Tadel" ist zu Recht ein Klassiker der englischen Literatur, ein Werk, das auch nach über sechzig Jahren nichts von seinem Funkeln verloren hat.

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Rezension zu "Expeditionen eines englischen Gentleman" von Evelyn Waugh

Etwas langatmig
leserattebremenvor einem Jahr

Evelyn Waugh reiste 1930 für die Times als Sonderkorrespondent nach Addis Abeba, um den Krönungsfeierlichkeiten von Haile Selassie beizuwohnen. In diesem Buch beschreibt er nicht nur die ausführlichen Feiern, sondern auch seine Reiseerfahrungen, die Menschen, auf die er traf und die Abenteuer, die er erlebte.
Der Autor hat einen etwas bissigen und noch sehr imperialistischen Blick auf die Welt. Auch wenn er sich aufgeschlossen gibt, wirkten die Geschichten auf mich beim Lesen doch sehr vom Gedanken der Kolonisierung geprägt, was aber schlicht der Entstehungszeit geschuldet ist und keine Kritik sein soll. Sein Blick auf die Menschen, die er trifft, ist kritisch und teilweise bitterböse, andere Male merkt man ihm die Zuneigung wieder an. Alles in allem sind seine Reisebeschreibungen unterhaltsam, an manchen Stellen hätte meiner Meinung nach eine Kürzung jedoch eindeutig gut getan. Er verliert sich teilweise in uninteressanten Details, während ich mir noch mehr Beschreibung von Land und Leuten gewünscht hätte als von dem nächsten langweiligen Treffen mit einem Zigarren rauchenden Briten.
Evelyn Waughs Reisebericht „Expeditionen eines englischen Gentleman“ ist zwar unterhaltsam und stellenweise recht amüsant geschrieben, mir war es aber etwas zu langatmig und ohne Tempo. Ich hatte beim Lesen das Gefühl, dass diese Reise ihn häufig gelangweilt hat und dass er das auch mit seinen Beschreibungen transportiert. Mir hat der ihm zugeschriebene satirische Biss doch etwas gefehlt. 

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Evelyn Waugh wurde am 28. Oktober 1903 in London (Großbritannien) geboren.

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