Evelyn Waugh Lust und Laster

(4)

Lovelybooks Bewertung

  • 7 Bibliotheken
  • 0 Follower
  • 0 Leser
  • 1 Rezensionen
(0)
(3)
(1)
(0)
(0)

Inhaltsangabe zu „Lust und Laster“ von Evelyn Waugh

Adam ist überall dabei: Nachts tanzt er mit der jungen hübschen Nina von Party zu Party, um tags darauf als "Mr Chatterbox" in seiner Kolumne den neusten Londoner Tratsch zu verbreiten. Doch wird sein größter Wunsch, die Hochzeit mit Nina, jemals in Erfüllung gehen? Eine Satire auf die Spaßgesellschaft der zwanziger Jahre noch heute hochamüsant zu lesen. In der brillanten Neuübersetzung von pociao.

Stöbern in Klassiker

Unterm Rad

Eine zeitlose Geschichte. die sich auch auf heutige Verhältnisse fabelhaft übertragen lässt.

DieseAnja

Krieg und Frieden

Ein Klassiker, den man gelesen haben sollte (wenn man viel zeit und ein gutes Gedächtnis hat!)

Kinanira

Meine Cousine Rachel

Ein Roman ganz nach meinem Geschmack: Tolle Erzählweise, spannende Figuren und Handlung, schöne alte Sprache.

Jana_Stolberg

Die Blechtrommel

Ein dezent verstörendes Meisterwerk!

RolandKa

Stolz und Vorurteil

einer meiner liebsten Romane!

sirlancelot

Der Steppenwolf

Der Spiegel, der die 'Fratze' der Wahrheit zeigt, wird von den Dummen gehasst.

Hofmann-J

  • Rezensionen
  • Leserunden
  • Buchverlosungen
  • Themen
  • Rezension zu "Lust und Laster" von Evelyn Waugh

    Lust und Laster
    serpent

    serpent

    27. September 2010 um 10:54

    Adam ist verliebt in Nina. Nina ist sich nicht ganz sicher, aber meint, immerhin einmal kurz in Adam verliebt gewesen zu sein. Das mit der Hochzeit klappt trotzdem nicht so recht wie es soll… Zu „Lust und Laster“ eine Inhaltsangabe zu schreiben ist irgendetwas zwischen schwer und unmöglich. Immerhin erklärt das, warum man auch sonst nirgendwo eine findet. Evelyn Waugh skizziert in seinem zweiten Werk ein überspitztes Bild der Partygesellschaft Englands in den 20er Jahren. So ist es nicht verwunderlich, dass das gesamte Buch wie ein grotesker Vergleich mit einer ausgelassenen Feier aufgebaut ist: Es beginnt chaotisch mit einer Schiffsfahrt, auf der allerhand Personen vorgestellt werden von denen man sich als Leser aber noch keinen einzigen Namen merken kann – ganz ähnlich wie auf einer Party mit lauter fremden Gästen anzukommen. Bereits dort wird das auf die Spitze getriebene, ironische Bild deutlich, dass Waugh von der Gesellschaft hat: junge Frauen mit Namen wie „Destiny“ und „Charity“ tragen konsequent das ganze Buch über Engelsflügel, der Prediger ist eher scheinheilig als gottesfürchtig und betrunkene Männer unter Deck versuchen um jeden Preis ihre Seekrankheit für sich zu behalten um sich in der Öffentlichkeit von ihrer besten Seite zu präsentieren. Alles eher Schein als Sein. Adam, der vom Pech verfolgte Schriftsteller, erlebt auch gleich nach dem Anlegen des Schiffes in England seinen ersten Rückschlag aus einer Reihe von unglücklichen Zufällen: sein Manuskript wird ihm von einem übereifrigen Zollbeamten abgenommen und verbrannt. Damit ist seine gesamte Arbeit der letzten Monate dahin und er ab sofort Mittellos. Nicht einmal seine geliebte Nina kann er nun noch heiraten weil ihm das Geld fehlt. Dennoch nimmt die Party ihren Lauf. Folgend stolpern und torkeln die verschiedenen Charaktere – darunter immer wieder Adam, Nina und ein betrunkener Major sowie der Minister – von einem Schauplatz zum nächsten. Wilde, dekadente Partys auf denen eigentlich niemand Freunde hat und die Presse hinter jeder Gardine lauter, prägen das Bild des mittleren Teils des Buches. Geradezu schmerzhaft dämlich agieren die Protagonisten und geraten in Situationen, von denen man beim Lesen schon Kopfschmerzen bekommt. So bleibt es nicht aus, dass man sich irgendwann dem exzessiven Spaß hingibt und von Seite zu Seite mehr lachen muss. Der spitzfindige Sarkasmus und die maßlosen Übertreibungen treiben letztendlich auch dem Leser die Tränen vor Vergnügen in die Augen. Den Höhepunkt der Geschichte stellt dann ein komplett außer Kontrolle geratener Tag bei einem Autorennen dar. Um wieder den Vergleich mit einer Party zu ziehen: hier ist der Punkt erreicht, wo man so betrunken ist, dass der Spaß so langsam im Schwindel und Übelkeit umschlägt. Man weiß praktisch, dass nun Schluss sein sollte… aber fragt sich zugleich, ob nicht noch wenigstens ein weiteres Glas ginge…? Evelyn Waugh lässt in seiner Geschichte noch eine ganze Flasche folgen. Beim Autorennen gibt es Tote, die wenig betrauert werden, ist es wichtiger sich ein Glas Sekt zu sichern und eine Zigarette zu rauchen als verantwortungsvolle Aufgaben wahrzunehmen und letztendlich steigt eine betrunkene Frau in eines der Rennautos und fährt mit Volldampf davon – bis sie unsanft von einer Steinstatue gebremst wird. Durch den Unfall kündigt sich dem Leser so langsam das böse Erwachen am Morgen nach der Party an: leisere Untertöne werden hörbar, das Lachen bleibt einem so langsam im Halse stecken. Denn so schön und lustig das unbekümmerte, exzessive Partyleben auch sein mag – auf Dauer kann die Falschheit und perfide Lüge über den Frohsinn nicht aufrechterhalten werden. Waugh unterzeichnet damit das Todesurteil der typischen Gesellschaft der 20er Jahre und führt uns vor Augen, wie zerbrechlich die heile Welt der Dekadenz eigentlich ist. Auch Adam und seine Nina erwartet ein ernüchterndes Ende ihre Liebelei… aber mehr soll hier nicht verraten werden Mir persönlich war das Ende etwas zu abrupt, etwas zu ernüchternd. Dennoch habe ich es sehr genossen das Buch zu lesen weil es sowohl unanständig lustig als auch tieftraurig und erschreckend ist - wenn man sich traut hinter die Fassade zu blicken. Definitiv eine Empfehlung für alle, die sich an Gesellschaftskritiken, den 20er Jahren, verrückten Geschichten und Wortwitz á la Oscar Wilde erfreuen können!

    Mehr