Der slowenische Autor Evgen Bavčar ist in seiner Kindheit erblindet. Ein Auge verlor er durch einen Ast und das zweite Auge durch eine Mine. Für jeden Sehenden ist die Welt der Blinden unvorstellbar und niemand würde freiwillig auf das Sehen verzichten. Doch der Autor gibt uns hier einen spannenden Einblick in seinen Alltag, erzählt von seinem sozialen Umfeld, vom Leben und vom Sterben. Er lässt uns teilhaben an seiner Kindheit, seiner Jugend und seinem Erwachsenenleben. Zeigt die Bedeutung von Liebe und Sexualität auf. Doch vor allem erfahren wir einiges von seiner Arbeit als Fotograf, wie er mit Licht und Schatten arbeitet. Die Geschichte hört sich so fantastisch an, dass man meint, bereits der Realität entflogen zu sein. Wie er mit den Händen und Fingerkuppen seine Modelle ertastet, um deren Schönheit ins rechte Licht zu rücken oder welche Vorstellung er vom Sehen und auch Nicht-Sehen hat, sind beeindruckend.
Ich habe das Buch zu Weihnachten geschenkt bekommen und durfte das Geschenk erst Anfang Jänner, so um den Welt-Braille-Tag (4. Jänner), öffnen. Für mich war es die erste Begegnung mit Evgen Bavčar und ich habe dann noch einiges recherchiert. Interessant, welche Fotos er macht. Davon sind auch einige in dem Buch zu finden.
Der Schreibstil der Erzählungen ist sehr poetisch und man wird gefangen von dem Blick des Blinden auf die Welt der Sehenden mit dem Fokus durch die Linse. Welche Bedeutung haben Erinnerungen auf die heutige Arbeit Evgen Bavčars? Was ist real und was ist abstrakt?
Gerne habe ich mich in eine mir unbekannte Welt entführen lassen, vergebe dafür 5 Sterne und möchte mich bei meinen Kindern bedanken, die dieses wunderbare Buch für mich ausgesucht haben.


