Evgeny Morozov Smarte neue Welt

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Inhaltsangabe zu „Smarte neue Welt“ von Evgeny Morozov

Ein renommierter junger Autor zerpflückt kompetent die Dogmen des digitalen Zeitalters

Dem Silicon Valley verdanken wir die technischen Errungenschaften, die unsere Welt so ganz anders machen, als sie einst war. Mehr noch, die Vordenker aus den Eckbüros von Google, Apple und Facebook lieferten die dazugehörige Philosophie gleich mit - und wir alle haben sie verinnerlicht. Das Internetzeitalter gilt als epochaler Einschnitt. Die digitale Revolution stellt die Daseinsberechtigung althergebrachter Strukturen und Institutionen infrage. Politik, Wirtschaft, Kultur und unsere Lebenswege sind heute transparent, individualisiert und jederzeit abrufbar. Evgeny Morozov hinterfragt diese smarte neue Welt mit Verve. Ist sie wirklich besser, sicherer, lebenswerter?

Evgeny Morozov entlarvt diese digitale Utopie in seinem weitgreifenden Werk als gefährliche Ideologie. Durch die Brille der digitalen Utopisten sehen wir ineffizient, unberechenbar und ungenügend, kurz: nicht optimiert aus. Wir sind nicht smart genug. Und die Lösung für dieses vermeintliche Problem heißt: mehr Technik - mehr Daten, mehr Algorithmen, mehr Kontrolle. Mit 'Smarte neue Welt' drängt Morozov darauf, diese Brille abzusetzen und differenziert darüber nachzudenken, wie wir das digitale Universum mit unserem analogen Dasein sinnvoll in Einklang bringen und Demokratie, Kreativität und Selbstbestimmung retten können.

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  • Das Bestehen des analogen Menschen im digitalen Universum

    Smarte neue Welt

    michael_lehmann-pape

    02. December 2013 um 16:02

        „Gut ist besser als Perfekt“.   Dies ist eigentlich ein Satz, der im Zeitmanagement massiv verwendet wurde und wird. Um etwas „perfekt“ zu machen statt nur „gut“ (was durchaus in der überwiegenden Zahl der Fälle völlig ausreichen würde), bedarf es eines solch potenziert höheren Aufwandes an Energie, dass der Aufwand die (meist nur schmale) Verbesserung nicht rechtfertigt.   Da aber der Mensch, zumindest in den westlichen Hemisphären, von Schulzeiten an auf ein Noten- und Leistungssystem hin „geeicht“ wird, welches eigentlich Perfektionismus verlangt (dazu muss man nur die NC´s der diversen Studiengänge sich zu Gemüte führen, für die ein bis vor 10 Jahren noch gutes bis sehr gutes Abitur kaum mehr ausreicht), ist der „Drang zum Perfekten“ im Menschen tief verankert und wird natürlich in der „digitalen Welt“ bis auf die letzte Spitze noch getrieben.   In der „smarten neuen Welt“ der digitalen Vernetzung und der technischen Gestaltung von Gesellschaft und Wirtschaft ist der „analoge“ Mensch einfach die größtmögliche Fehlerquelle. Nicht effizient genug, nicht schnell genug, nicht „perfekt“ genug und damit eben gegenüber Anforderungen immer schneller laufender Informationen und maschinengestützter Entscheidungen als „ungenügend“ zu kennzeichnen. Besser, man hört auf das, was die „Maschinen“ als Ergebnis vorschlagen, um möglichst keine Fehler zu machen.   Hier setzt Morozov mit seinen breiten und fundierten Gedanken ein.   „Gut“ statt „Perfekt“ als Maß und Ziel für den Menschen, so kann man seine Gedanken knapp zusammenfassen. Mit weitreichenden Folgen.   Vor allem dahingehend, dass er ein leidenschaftliches Plädoyer dafür hält, dass nicht der Pulsschlag der digitalen Technik den Takt vorgibt und damit den Menschen als „Mangelware“ stehen lässt, sondern dass (jede, nicht nur die digitale) Technik sich nach der „analogen“ Verfasstheit des Menschen dienend zu richten hat. Nicht der Mensch ist für den Takt der Technik da, sondern die Technik für den Menschen.   Die Welt immer weiter „offener und vernetzter“ zu machen, wie Mark Zuckerberg es anstrebt oder „perfekt“ die gewaltigen, täglichen Datenmengen zu sammeln und auszuwerten (erklärtes Ziel nicht nur von Google), ständig und rund um die Uhr alle Probleme zu lösen (die „Atmosphäre“ des Silicon Valley), all das nimmt Morozov auf und, mit spürbarem Ärger, überaus kritisch, teils mit vernichtendem Urteil, unter die Lupe.   Wobei ebenso deutlich wird, dass Morozov nicht als „ewig Vorgestriger“ einfach eine Abscheu gegen Technik hätte. Er selbst nutzt des Internet zielgerichtet und in breiter Form.   Aber die Haltung hinter den Technikjüngern, dieses „Verbesserung über alles“, dem setzt er mit seinen Betrachtungen eine deutliche und den Leser sehr überzeugende Grenze.  Eine Grenze, die sich nicht nur vordergründig gegen die „Mittel“ der Technik wendet. Diese können je nach Haltung „gut“ oder „überzogen“, „hilfreich“ oder „belastend“ eingesetzt werden. Wohl aber stellt Morozov überzeugt und in aller Klarheit den „Zweck hinter den Mitteln“ in Frage. Jene technisch durchgestylte, allseits überwachte, ständig transparente und auf ständige Verbesserung zur Perfektion hin gerichtete Haltung.   „Das Vorhaben des Silicon Valley, uns alle in eine digitale Zwangsjacke zu stecken und Effizient, Transparenz, Gewissheit und Perfektion zu fördern ....  wird uns langfristig sehr teuer zu stehen kommen“.   Das ist die Kernaussage des Buches, die Morozov selber formuliert und deren Validität er auf den knapp 600 Seiten des Buches nachweist. Allein schon über die „Risiken des algorithmischen Gatekeepings“ zu lesen, wie Suchfilter blindlings auf Stichworte reagieren und unkontrolliert damit zunächst Handlungen auslösen, verdeutlicht präzise treffend die ungute Entwicklung, die in den letzten Jahren an rasanter Geschwindigkeit gewonnen hat.   Ein hoch interessantes Buch mit vielen Beisielen und Fakten aus der „digitalen Welt“, die jeden kritischen Verstand alarmieren sollten. Sehr empfehlenswert auch dafür, lieber in einer „guten“ statt einer „digital perfekten“ Welt leben zu wollen und dahingehend sich zu auch verhalten. Mit dann immerhin eigenen Fehlern statt einem bedingungslosen Hören auf ein „Rechnerergebnis“.   Ein nicht leicht zu lesendes, aber eines mit vielfachem Erkenntnisgewinn und jeder Menge „Aha“ –Erlebnisse.

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