Evi Hartmann

 3.8 Sterne bei 5 Bewertungen

Alle Bücher von Evi Hartmann

Evi HartmannWie viele Sklaven halten Sie?
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Wie viele Sklaven halten Sie?
Wie viele Sklaven halten Sie?
 (3)
Erschienen am 01.02.2016
Evi HartmannIhr kriegt den Arsch nicht hoch
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Ihr kriegt den Arsch nicht hoch
Ihr kriegt den Arsch nicht hoch
 (2)
Erschienen am 01.03.2018
Evi HartmannSupply Techniques - Best Practice-Instrumente im Einkauf
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Evi HartmannB-to-B Electronic Marketplaces
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R_Mantheys avatar

Rezension zu "Ihr kriegt den Arsch nicht hoch" von Evi Hartmann

"Posen statt Performen"
R_Mantheyvor 7 Monaten

Das ist doch mal ein krasser Buchtitel! Gemeint sind aber nicht die selbsternannten politischen Eliten dieses Landes, sondern vor allem Teile des gut ausgebildeten Mittelbaus in deutschen Unternehmen, die viel mehr leisten könnten als sie es tun, aber diese Leistung systematisch verweigern und geschickt auf andere verlagern, um sich dann aber wichtigtuerisch in den Vordergrund zu spielen. Dieses auf den ersten Blick seltsame, aber im Kontext durchaus verständliche Phänomen zu untersuchen und zu beschreiben, hat sich die Autorin, BWL-Lehrstuhlinhaberin an der Universität Erlangen-Nürnberg, zum Ziel ihres Buches gesetzt.

Es gäbe eine Epidemie der Leistungsverweigerung, liest man bereits im Klappentext. Und die Leistungselite würde immer kleiner werden. Ist das so? Überprüfen lässt sich eine solche Behauptung nicht. Tatsächlich jedoch kann man den Eindruck gewinnen, dass es in dieser Republik um ein Leistungsethos nicht gut bestellt ist. Schon lange bewegt sich das innere Koordinatensystem Deutschlands stetig nach links, und sozialistisches Gedankengut greift immer mehr Platz. Ein Anspruchsdenken, gut versteckt hinter wohlklingenden Begriffen, verdrängt Eigenverantwortung. Wer den real existierenden Sozialismus auf deutschem Boden erlebt hat, wird sich deshalb auch nicht über die Mentalität der Leistungsverweigerung wundern, die sich als Folge dieser Entwicklung ausbreitet. Da die Autorin diesen Zusammenhang vermutlich wegen ihrer Sozialisierung nicht erkennen kann, geht sie darauf auch nicht ein.

Was sie jedoch klar sieht, ist die Tatsache, dass Leistung in dieser Republik kein wichtiges Thema mehr ist. Leistung verbindet man mit Stress und all seinen Folgen. Man lebt schließlich nicht, um zu arbeiten, sondern um das Leben zu genießen. Das politische Establishment, das für seine Leistungskraft auch nicht gerade berühmt ist, drängt andere Themen in den Vordergrund, die weniger etwas mit Leistung zu tun haben, sondern eher mit Verteilungsgerechtigkeit und Gleichheit in all ihren seltsamen Ausprägungen. Es soll jedoch immer noch Menschen geben, die Freude und Genugtuung an ihren Leistungen und ihrer Tätigkeit haben.

Im Buch findet man zunächst eine Unterscheidung zwischen diesen leistungsbereiten Menschen und denen, die gemessen an ihren Möglichkeiten zwar leistungsfähig, aber nicht leistungswillig sind und dies raffiniert tarnen. Die Autorin schreibt: "Es gibt Angehörige der traditionellen Eliten, die Großes, Herausragendes, weit Überdurchschnittliches leisten. Und es gibt solche, die das nicht tun. Sie vernichten Werte, treiben Banken in staatliche Rettungsprogramme, zerstören Unternehmen, lehnen Projekte ab, fragen beim Bewerbungsgespräch erst einmal nach der Work-Life-Balance oder tun schlicht und einfach nicht, was getan werden muss." Man könnte nun denken, dass die ganze Palette dieser Leistungsverweigerer im Buch abgehandelt wird. Tatsächlich geht es jedoch weniger um das höhere Management, sondern nur um die darunter liegenden Ebenen.

Die Autorin beschreibt diese Mitarbeiter so: "Sie bringen die besten Voraussetzungen mit, um ebenfalls Herausragendes zu leisten – aber sie tun es nicht. Sie … arbeiten im Schongang. … Sie finden sich selbst besonders clever, weil sie weniger tun als die Vielleister, weil sie ihren Freizeitwert maximieren und gleichzeitig auf die echte Leistungselite herabschauen, sie abwerten und behindern." Und weiter: "(Sie) torpedieren Arbeitsklima und Beziehungsqualität nicht absichtlich oder vorsätzlich! Das sind lediglich Kollateralschäden. Ihre eigentlichen Ziele sind Bequemlichkeit, Schonung, Aufmerksamkeit und Anerkennung."

Fast der gesamte Text befasst sich mit der detaillierten Beschreibung solcher Menschen und den Folgen ihres Daseins in Unternehmen. Wiederholungen sollte man schon wegen des Umfangs dieses Buches erwarten. Auf universelle Antworten oder Lösungen zu hoffen, wäre vermessen, denn die kann es schon deshalb nicht geben, weil die Randbedingungen in den einzelnen Unternehmen und bei den Leistungsverweigerern ganz unterschiedlich sein können. Natürlich kann man fordern, dass auch gut getarnte Leistungsverweigerung nicht hingenommen, sondern offen angesprochen und diskutiert wird, denn schließlich müssen andere die Verweigerung ausbaden. Das erfordert jedoch auch den Mut zu Konflikten, der bei den Leistungsträgern nicht immer vorhanden ist, sonst könnte sich eine solche Situation nämlich erst gar nicht herausbilden.

Die Autorin geht in ihrem Text auch darauf ein, wie man Leistungsverweigerer wird. Vielen Menschen macht ihre Arbeit einfach keinen Spaß, sie haben irgendwann die falsche Wahl getroffen und suchen Sinn in anderen Lebensbereichen. Andere sind schlicht überfordert, können mit Druck nicht umgehen und versuchen dies zu verbergen. Und dann gibt es auch noch Ursachen in der kindlichen Entwicklung, die ein Leistungsstreben später zu verhindern wissen. Eine einfache offene Ansprache wird da nicht helfen. Klar ist jedoch ein wichtiger Umstand in diesem Zusammenhang: Leistung wird gewöhnlich nicht aus Spaß verweigert, sondern weil es für diese Menschen ein durchaus erfolgreiches Konzept ist. Jeder Mensch sucht sich eine Nische, in der er möglichst energiesparend leben kann. Wenn die persönlichen und/oder die äußeren Umstände ein grundsätzliches Handeln als erfolgreich darstellen, besteht kein Anlass, etwas daran zu ändern. So jedenfalls kann man die entsprechenden Ausführungen im Text auch deuten.

Leistung macht einsam, heißt eine Kapitelüberschrift in diesem Buch. Wer will schon einsam sein? Die angeblichen Streber kennen dieses Gefühl schon aus der Schule. Manchen macht das nichts aus, anderen schon. Was man jedoch auf keinen Fall tun sollte, so die Autorin, ist Leistungsverweigerung zu übergehen, denn dadurch wird es eher größer als kleiner. Sollte es die Autorin vorgehabt haben, Leistungsträgern dafür Mut zu vermitteln, dann ist ihr das sicher gelungen. Das gesellschaftliche Klima, das Leistungsverweigerung erst hervorbringt, kann man als Einzelner kaum ändern. Man kann sich allerdings in seinem Umfeld schon wehren. Dazu bietet dieser Text genügend Anregungen, auch wenn er sich hauptsächlich bei der Beschreibung und Analyse solcher Vorgänge in Unternehmen aufhält.

Das Buch liest sich trotz einiger Wiederholungen gut. Eine klarere Struktur und einige Verkürzungen hätten es noch besser gemacht.

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thursdaynexts avatar

Rezension zu "Wie viele Sklaven halten Sie?" von Evi Hartmann

Wie viele Skalven hält denn jeder von uns und was ist mit Ethik?
thursdaynextvor 2 Jahren

Wie viele Sklaven halten Sie/du? Die Verfasserin dieser Zeilen hielt sich bis dato nicht für eine Sklavenhalterin, egal was meine Söhne behaupten, wenn sie ihre häuslichen Dienste verrichten sollen – auch wenn ich mich im Zuge der zu verrichtenden familiären Mithilfe schon mehrmals seitens der unwilligen Söhne mit dem Begriff Sklaventreiberin auseinandersetzen musste. (Nur zur Klarstellung: Die sanitären Anlagen werden von mir persönlich geputzt ;) )

Ein provokativer Eyecatcher-Titel, den Campus hier herausgegeben hat. Zudem Moral und Globalisierung, für mich zwei Begriffe sind, die so gar die nicht zueinander passen. Dem Campus Verlag ist hier ein treffliches Cover geraten.

Die Autorin Evi Hartmann, Professorin für Betriebswirtschaftslehre (Supply Chain Management), Bloggerin auf weltbewegend und vierfache Mutter forscht und lehrt an der Schnittstelle zwischen Wirtschaft und Wissenschaft. Sachkenntnis trifft auf Intellekt, das klang interessant und ist es auch.

Wie sich zeigt, passt nur die herrschende Unmoral zur Globalisierung und hier legt Frau Hartmann sehr sachlich und leicht verständlich dar, woran unser derzeitiges System seit Jahren krankt. Es ist sowohl das System Sowohl das System als auch wir, die wir uns damit arrangiert haben.

Niemand muss mehr so unwissend sein, dass ihm die Folgen der billig produzierten, outgesourcten Verarbeitungs- und Herstellungsprozesse und des ungebremsten Konsums, der derzeit praktiziert wird, unklar sind. In allen Bereichen die unser persönliches Leben betreffen spielt die Globalisierung eine Rolle. Wir sind teilweise noch die Profiteure, aber das Spiel beginnt sich gegen uns zu wenden …

Frau Hartmanns Blick auf die Globalisierung ist erfrischend: Sie spricht das Scheitern der Moral an. Jenen Grund, weswegen die Globalisierung sich als ein Verbrechen an der Menschheit gestaltet.

„Im Namen der Globalisierung jedoch geschieht ein Verbrechen an der Menschheit. Und damit meine ich nicht nur jenen Teil der Menschheit, der für unseren Konsum im Sinne des Wortes mit seinem Leben bezahlt (Motto: Nähen bis der Tod kommt!). Das ist das Schreckliche und zugleich Irrsinnige an der derzeit praktizierten Globalisierung: Wir zahlen alle drauf! Die da unten ebenso wie wir hier oben. Sie bezahlen mit ihrer körperlichen Gesundheit, wir mit unserer moralischen Gesundheit. Denn so umfänglich wir auch die technischen Abläufe der Globalisierung verstanden haben, eines haben wir nicht verstanden: Produktion kann ausgelagert werden, Moral nicht. Und eine persönliche Moral ist ebensowenig an <> oder ans Internet delegierbar.“

Harte Kost für einen Bewohner und Konsumenten der westlichen Hemisphäre. Auch wenn man sich für informiert hält und in den eigenen Maßen versucht fair und nachhaltig zu konsumieren. Man ist und bleibt ein Ausbeuter. Ein Imperialist. Wer flüchtet sich also nicht ab und an in die selektive Wahrnehmung? Evi Hartmann ist da gnadenlos ehrlich gekoppelt mit Sachverstand und Fachwissen. Das schmerzt, wenn man sich bei eigenen fragwürdigen Konsumentscheidungen ertappt und nein, es sind nicht nur die bösen psychopathischen Manager, die einem keine andere Wahl lassen wie sie in ihrem Buch fundiert aus mehreren Perspektiven betrachtet bestens belegt. Den heiligen Sankt Florian (verschon‘ mein Haus, zünd‘ andre an) macht sie klar als den Schutzpatron der Globalisierung aus. Geduldig legt sie den Finger auf die Wunden. Es sind nicht nur die Geiz ist geil Konsumenten und die pathologischen Manager es sind wir alle und it’s the system, Stupid! Die Kosten der Gewinnmaximierung betreffen alle Menschen weltweit.

Und diese verschliessen angestrengt die Augen davor soweit es ihnen möglich ist. Selektive Wahrnehmung. Nichtwissen ist Ohnmacht und schützt auch nicht vor Unbill, wie die Autorin klarstellt. Übrigens nicht anklagend, sondern aufklärend. In kleinen Schritten führt sie an das Thema Moral heran. Globalisierung bedeutet Beggar the neighbor! Dank TTIP und CETA kommt der Nachbar leider immer näher.

Das liest sich anfangs für bereits informierte Leser ein wenig mühsam, weil etliches bereits bekannt ist und die Autorin sehr durchdacht kleinschrittig erklärt. Spannend bleibt es durch geschickt eingestreute Zitate und die Vermischung psychologischer mit ökonomischen, philosophischen und politischen Aspekten und Auswirkungen.

Die Autorin beklagt auch nicht nur den IST – Zustand, sondern zeigt konkrete Lösungsstrategien samt Vorteilen für jeden einzelnen auf. Anfangs mithilfe von Nudges (Stupsern) „Wer zu faul für Moral ist kriegt den Nudge“. „Wenn Vernunft und Lustprinzip im Clinch liegen gewinnt neun von zehn Runden wer?“

Ergo greift man zwecks Verhaltensänderung zum manipulatorischen „Stupser“. Dass dies auf Dauer keine Lösung sein kann wird in einem späteren Kapitel „Denken ist besser als nudgen“, in welchem Gedanken zur Moral anhand Philosophie und Psychologie dargelegt werden, ausführlich behandelt.

Moral braucht Marketing ist ebenfalls ein nicht unbedingt neuer, aber doch stark vernachlässigter Aspekt:

1.80 Euro Aufschlag für einen fairtrade Bio Honig rettet tatsächlich Leben!

Faszinierend, aber auch schockierend ist es, wenn sie aus dem „Nähkästchen“ der Wirtschaft plaudert. Privat geäußerte Managergedanken preisgibt und von Verhaltensweisen berichtet, die man sich nur mit Schrecken ausmalt, beispielsweise bei der von einer jungen Managerin angewandten Mini Salami Taktik, die ihr heillos zerstrittenes Team zu einem besseren Umgang miteinander bewegen wollte:

Wir grüßen uns. Wir sagen Bitte. Wir sagen Danke. Wir sagen Entschuldigung.

Das erschien mir gar zu erbärmlich, aber passte dennoch ins Bild und führte zum Erfolg.

Wie viele Sklaven halten Sie? Ist nicht das erste Buch zu diesem Themenspektrum, aber ein sehr lesenswertes mit einem interessanten, leichtverständlichen und alltagspraktischen Konzept. Die Autorin hat sich der Pragmatik verschrieben und das Thema ist ihr eine Herzensangelegenheit.

Die eingestreuten Zitate beleuchten die Thematik noch durch zusätzliche interessante, teils uralte, teils neue Gedanken von Plato bis Denis Metz, dessen Vorschlag für ein neues Ökotextillabel Zu 100% aus nicht abgebrannten Textilfabriken doch alleine für sich spricht.

Wie viele Sklaven halten Sie? lohnt sich deshalb auch für Menschen, die wie ich anfangs beim Lesen des VorwortsVom Elefant in unserem Wohnzimmer“ und des ersten Kapitels der Überzeugung waren bereits wohl informiert zu sein.

Wer schauen mag, wie viele Sklaven für ihn arbeiten kann gerne den Test machen.

Momentan sind Moral & Globalisierung Begriffe die definitiv nicht zusammengehören.

(Siehe auch im Buch die 14. Spielregeln der Globalisierung)

Eine Chance, diese Tatsache zu ändern ist aber gegeben, für jeden einzelnen von uns, und selbst wenn die Macht der Konzerne nicht zu brechen ist, bleibt die Möglichkeit ein glücklicheres bewussteres Leben zu führen. Professorin Hartmanns Wunsch statt eines Nachworts ist in diesem Zitat David Crosbys enthalten:

Ein Trauerspiel ist das. Nur: Das bedeutet ja nicht, dass man es nicht weiter versuchen sollte. Ich meine die Welt ist träge, die Gesellschaft auch. Es hat uns zehn Jahre gekostet den Vietnamkrieg zu beenden, dabei dachten wir, wir  schaffen das in einem Jahr. Das liegt in der Natur der Dinge. Aber es heißt ja nicht, dass wir uns umdrehen, alle viere von uns strecken und aufgeben sollten. Ich für mein Teil werde das jedenfalls nicht tun.

Wir könnten damit beginnen die Moral wiederzuentdecken. Dieses Buch kann helfen.


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