Evie Wyld

 4,1 Sterne bei 12 Bewertungen
Autor von Die Frauen, The Bass Rock und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Evie Wyld

Evie Wyld, 1980 in London geboren und in Australien aufgewachsen, erhielt für ihr literarisches Werk zahlreiche Auszeichnungen und Preise, unter anderem den John Llewellyn Rhys Prize, den Miles Franklin Award, den Literaturpreis der Europäischen Union und zuletzt, für «The Bass Rock» (dt. «Die Frauen»), den Stella Prize 2021. Sie wurde nicht nur als eine von Grantas «Best of Young British Novelists», sondern auch von der BBC als eine der zwölf besten neuen Schriftstellerinnen ausgezeichnet. Wyld lebt im Londoner Stadtteil Peckham. 

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Evie Wyld

Cover des Buches Die Frauen (ISBN: 9783498002060)

Die Frauen

 (9)
Erschienen am 15.06.2021
Cover des Buches The Bass Rock (ISBN: 9781911214397)

The Bass Rock

 (1)
Erschienen am 26.03.2020
Cover des Buches Everything is Teeth (ISBN: 9780224099714)

Everything is Teeth

 (1)
Erschienen am 06.08.2015
Cover des Buches All the Birds, Singing (ISBN: 9780307907769)

All the Birds, Singing

 (1)
Erschienen am 15.04.2014
Cover des Buches All the Birds, Singing (ISBN: 9781482995985)

All the Birds, Singing

 (0)
Erschienen am 15.04.2014

Neue Rezensionen zu Evie Wyld

Cover des Buches Die Frauen (ISBN: 9783498002060)VanaVanilles avatar

Rezension zu "Die Frauen" von Evie Wyld

Eine feministische Geistergeschichte an der schottischen See
VanaVanillevor 2 Monaten

Viv weiß mit ihrem Leben nichts so recht anzufangen. Sie ist Single, hat eine gestörte Beziehung zur Mutter und eine Schwester, deren perfekte Fassade zu bröckeln beginnt. Um ihrem eigenen Dasein zu entfliehen, entscheidet sich die junge Frau, das zum Verkauf stehende Familienanwesen am Bass Rock zu entrümpeln. Dabei entdeckt sie Fotos und Artefakte, die ihr das Schicksal jener verschrobener Frau näher bringt, die sie als kleines Kind immer gefürchtet hat: die Stiefmutter ihres Vaters. Denn auch sie lebte einst in diesem Haus, welches nicht nur von Geistern heimgesucht wurde.

Lasst euch von der Friedlichkeit dieses Bildes nicht täuschen, denn der Inhalt von Die Frauen von Evie Wyld ist weit davon entfernt. Wie es der Titel bereits verspricht, handelt der Roman nicht von einer einzigen, sondern von vielen Frauen, alle angesiedelt in Schottland, nahe des Bass Rock. Sie sind Töchter, Mütter, Schwestern, Freundinnen, Ehefrauen und Geliebte, mal zeitlich in der Gegenwart, mal ein paar Generationen zuvor. Doch was sie alle verbindet, ist nicht nur das Frausein; es ist die Hilflosigkeit gegenüber den Männern in ihrem Leben. Männer, die sie als Hexe anprangern, sie vergewaltigen, sie misshandeln und ermorden. 

Die Frauen ist keine leichte Kost und schürte in mir nur erneut das feministische Feuer. Es vereint Geistergeschichte mit Gegenwartsliteratur, ist mal zynisch mal kraftvoll, aber vor allem aufregend und wild wie die schottische See. Ich brauchte ein paar Tage, um all das zu verdauen, was während der Geschichte ans Licht kommt. Nicht alles wird der Leserschaft auf einem Silbertablett serviert, denn auch das Lesen zwischen den Zeilen ist notwenig. Für mich ist der Roman definitiv ein Leseheighlight dieses Jahres, weshalb ich die Autorin auch im Auge behalten werde.

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Cover des Buches Die Frauen (ISBN: 9783498002060)B

Rezension zu "Die Frauen" von Evie Wyld

Eine Chronik der Grausamkeiten und ungleichen Geschlechterverhältnisse
buchlesenliebevor 3 Monaten

[engl. The Bass Rock, 2020, übersetzt von Tanja Handels ]

„Es gab nichts, was sie hätte tun oder sagen können, es ging nur darum, den Sturm zu überstehen. (...) Um den Sturm zu überstehen, war es wichtig, Kopf und Körper voneinander zu trennen, das wusste sie inzwischen. Der Körper war robuster, er konnte die Gewalt ertragen, die ihm angetan wurde” (S.415)

North Berwick, eine beschauliche schottische Küstenstadt. Immer im Blick der Bass Rock - der geheimnisvolle Fels in der Brandung. Sarah, Ruth und Viv. Drei Frauen aus sehr unterschiedlichen Epochen, deren Schicksale die Autorin eng miteinander verwebt und dabei in drei Erzählsträngen nur peu á peu offenbart, inwiefern sie miteinander in Beziehung stehen und welche ähnlichen Erfahrungen sie teilen. Generationsübergreifende Erfahrungen von sexueller Gewalt, Missbrauch, (non-)verbaler Erniedrigung, systematischer Unterdrückung und ungleichen Machtverhältnissen in legitimierten patriarchalischen Strukturen, die über Jahrhunderte fortwähren. Wyld fokussiert auch den langen, steinigen Weg zur weiblichen Selbstermächtigung aus toxischen Beziehungen, die Befreiung aus tradierten Normen, Selbstzweifeln, depressiven Verstimmungen, die Verarbeitung von Verlusterfahrungen, Einsamkeit und ungewollter Kinderlosigkeit. Ferner rückt sie den notwendigen Zusammenhalt von Frauen, von Müttern, Schwestern, Freundinnen in den Fokus. Frauen, die ihre Kinder schützen müssen und den immanent weitervererbten Schmerz von ungleichen Geschlechterverhältnissen mit viel zu viel Alkohol betäuben und viel zu selten aufbegehren (können)...

Die anglo-australische Autorin Evie Wyld legt mit „Die Frauen“ ein äußerst gut durchdachtes, abgestimmtes und nuanciert konstruiertes Werk vor. Es liest sich intensiv, thematisch bedrückend, mal düster, mystisch, magisch, spirituell, teils sehr brutal, aber ab und an auch sehr amüsant, grotesk und immer landschaftlich-atmosphärisch passend. Imponiert hat mir auch, wie Wyld den Sprach-und Sprechwandel über die Zeiten aufgreift und meist sehr authentisch den jeweiligen Figuren zuordnet. 

Meine Kritik auf sehr hohem Niveau: so wirklich atemlos von der ersten bis zur letzten Seite fesseln, konnte mich diese Chronik der Grausamkeiten und ungleichen Geschlechter-Verhältnisse nicht konstant, weil der Spannungsbogen dieses als Gothic Novel angepriesenen Werks aus meiner Sicht doch regelmäßig kippte und einzelne Passagen durch hölzerne Dialoge recht langatmig zu lesen waren. Auch hat es etwas gedauert, sich in der Textdichte und den drei aufeinander bauenden Handlungsträngen zurechtzufinden. Und sicherlich hätte ich mir auch noch ein wenig mehr emanzipatorisches Aufbegehren, eine Rebellion der Frauenfiguren und etwas weniger Stereotypisierung gewünscht. Aber die authentische Verortung im historischen und gesellschaftlichen Kontext muss dabei selbstverständlich bedacht werden. Alles andere wäre wohl abstrus geworden.
Fazit: insgesamt ein sehr lesenswertes Buch mit kleineren Abzügen. Auch sollte man wissen, worauf man sich einlässt- die mitunter wirklich schockierenden Szenen kommen nämlich doch oft sehr unerwartet um die Leseecke und fahren einem gehörig durch Mark und Bein.

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Cover des Buches Die Frauen (ISBN: 9783498002060)KateRapps avatar

Rezension zu "Die Frauen" von Evie Wyld

Komplexe Geschichte der Misogynie verpackt in eine Art moderner Schauerroman
KateRappvor 3 Monaten

Alles beginnt mit einer toten Frau und doch ist dies kein Krimi. Weitere tote Frauen säumen den Weg, den diese Geschichte nimmt. Und die Namenlosigkeit dieser Opfer irritiert nicht nur die Leser*innen, sie geistern durch die Leben und Häuser der Protagonistinnen dieser Erzählung, verwirren diese ebenfalls, teilweise bis hin zur Psychose.

Es ist ein starkes Buch und ein verwirrendes Buch. Denn wer mit wem wie verwandt ist, erschließt sich erst nach und nach. Es mischt trockenen Humor und zynische Grausamkeit in die Erzählung angesichts von Internatsskandalen und verschwundenen Mädchen, von Untreue, sexuellen Übergriffen, Vergewaltigung,Mord.

Hier wird auf verschiedenen Zeit- und Bewusstseinsebenen mit Hilfe von Gruselelementen wie Klopfgeräuschen in Schränken, Schritten auf dem Dachboden oder kaltem Luftzug das Unbehagen heraufbeschworen, das im Unterbewusstsein einer jeden Frau sitzt, unabhängig vom Alter. Dieses unausgesprochene Wissen, dass sie immer bedroht ist, ihr Leben lang, ob als Mädchen, junge Frau, Gattin oder Witwe. Dass die Männer nicht lange fackeln, dass aus dem scherzhaft-übergriffigen Kitzeln schnell Gewalt werden kann, man sie als Hexe foltern oder mit abgeschlagenen Gliedern in einem Koffer entsorgen kann.

Wie die Geschichte des Femizids von der frühen Hexenverfolgung bis zum modernen Eifersuchtsdrama das kollektive weibliche Unterbewusstsein prägt und damit Frauen schwächt und ängstigt, ist hier kunstvoll und fesselnd in eine komplexe Familiensaga integriert. Wurde je ein Mann wegen Hexerei angeklagt oder wegen Ehebruch getötet? Wenn man sich die Systematik hinter diesen Vorfällen erst einmal bewusst macht, dann hört das Gruseln gar nicht mehr auf.

Komplex, spannend, beängstigend und sehr empfehlenswert!


Aus dem Englischen von Tanja Handels, Rowohlt 2021

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