Ewald König Merkels Welt zur Wendezeit

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Inhaltsangabe zu „Merkels Welt zur Wendezeit“ von Ewald König

Seit gut zehn Jahren ist sie deutsche Bundeskanzlerin. Die allerersten Schritte in die Politik deuteten nicht darauf hin, dass Angela Merkel eine der mächtigsten Frauen der Welt werden würde. Der Autor lernte sie in seiner Funktion als einziger Korrespondent für beide deutsche Staaten zu DDR-Zeiten kennen. Er beschreibt ihre Anfänge beim neu gegründeten Demokratischen Aufbruch (DA), ihr Umfeld und die folgende Sozialisierung in der West-CDU.

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    Merkels Welt zur Wendezeit
    R_Manthey

    R_Manthey

    11. January 2016 um 09:39

    Dieser Merkelsche Ausspruch soll verbürgt sein und aus der Wendezeit stammen. Damals war sie noch in der Akademie der Wissenschaften der DDR in Berlin angestellt und hatte gerade über Quantenchemie promoviert. Allerdings sah sie für sich in der von Abwicklung bedrohten DDR-Wissenschaft keine Zukunft, womit sie sich als duchaus hellsichtig erwies. Also versuchte Merkel ihr Glück in der Politik. Auch mit diesem Entschluss bewies sie eindrucksvoll Klarsicht und Entschlusskraft. Man darf nun allerdings nicht vermuten, dass diese Frau über beide Eigenschaften generell verfügt. Merkwürdigerweise kommen sie immer nur zum Tragen, wenn sie sich in die Enge gedrängt fühlt. Ansonsten neigt sie wohl eher zu langen Überlegungen und zum Aufschieben von Entscheidungen. Man möchte zu gerne verstehen, was in dieser Bundeskanzlerin, die wahrscheinlich zu den meist überschätzten Führungsfiguren Deutschlands gehört, wohl tatsächlich vorgeht. Ob uns Ewald König mit diesem Buch einen Einblick gewährt? Schließlich glaubt er, Merkels Welt zur Wendezeit beschreiben zu müssen. Leider aber erfüllt der Autor diese Hoffnung nicht. Im Gegenteil: Mit Merkel befasst sich dieses Buch eher selten. Und wenn, dann geht es keineswegs über bereits bekannte Tatsachen hinaus. Jedenfalls nicht für die Leser, die sich mit dieser Frau schon einmal auseinandergesetzt haben. Man erfährt von Ewald die bekannte Geschichte, dass Merkel sich zur Wendezeit bei den damals vorhandenen Parteien und Gruppierungen zunächst einmal informierte. Bei der neugegründeten Ost-SPD war sie wohl zuerst. Bei näherem Hinsehen erweist sich das keineswegs als ein Zufall, stammt Merkel doch aus einer bekennend roten evangelischen Pfarresfamilie, die einst aus dem Westen in die DDR zog. Merkel kam jedoch nicht mit Chaos dieser jungen Partei und der Dame, die sie dort antraf, klar. Was ja nichts anderes beweist, als dass es ihr nicht um eine prinzipielle, weltanschaulich begründete Entscheidung ging, sondern einzig und allein um eine Karriere in der Politik. Und diesen Entschluss zog sie mit der ihr eigenen Sturheit knallhart durch. So landete sie zunächst in der Splittergruppe "Demokratischer Aufbruch", die später von der CDU geschluckt wurde. In die CDU ist Merkel also nie eingetreten, noch hat sie irgendeine innere Beziehung zu deren Geschichte. Dafür aber ist sie unfassbar weit gekommen. Als Physikerin musste sie über eine überdurchschnittliche Intelligenz und die Fähigkeit zu klarem Denken verfügen. Ihr damaliges Outfit entsprach genau dem Aufzug, der bei Physikern snicht ganz selten ist. Scheinbar müssen dies und ihre zunächst zurückhaltenes Auftreten zu einer gewaltigen Unterschätzung bei den westdeutschen Politbonzen geführt haben, die sie dann auf ihrem weiteren Weg einen nach dem anderen kaltgestellt hat. Merkel besitzt weder eine feste politische Überzeugung, noch einen großen Plan, noch ein tiefes Verständnis für ökonomische oder soziale Prozesse, aber sie kennt die Spielregeln des politischen Machtkampfes, die sie extrem schnell gelernt hat. Entscheidungen trifft sie einsam und gelegentlich aus dem Bauch, vielleicht, weil mehr zur Entscheidungsfindung tatsächlich nicht vorhanden ist. Dass ihr bei ihrem Machtstreben ihre Jugenderfahrungen mit ihrer nicht einfachen Rolle als Pfarrestochter in der DDR sehr geholfen haben, geht wahrscheinlich an den meisten Autoren völlig vorbei, weil sie das nicht kennen und folglich meistens falsch einschätzen. Ewald macht da keine Ausnahme. Er erklärt lediglich, dass Merkel die Fähigkeit besitzt, eiskalt Brücken zu zerschlagen, wenn sie ihr nicht mehr nutzen. Das hat er von einer ehemaligen Staatssekretärin der letzten DDR-Regierung, die Merkel bei ihrem politischen Senkrechtstart kurz erlebt hat. Mehr steht über Merkel nicht in diesem Buch, eher weniger. Dafür füllt Ewald die Seiten mit Geschichten aus der Wendezeit, die vielleicht für den einen oder anderen ganz interessant sein mögen, aber im Zusammenhang mit dem Titel seines Werkes eher zu einer heftigen Enttäuschung führen. Als Krönung neigt er dann wie viele Presseleute aus unerfindlichen Gründen zu fast hymnischen Lobpreisungen an Merkels Adresse, wo man doch eigentlich kritische Distanz erwarten sollte. Und er gibt anderen Leuten (Eppelmann) eine Bühne zur Glorifizierung dieser Kanzlerin, über die die Geschichte vermutlich ganz anders urteilen wird. Das Lesen dieses Textes wird zusätzlich dadurch erschwert, dass es keinen roten Faden gibt, noch nicht einmal einen chronologischen. Alles in allem ein enttäuschendes Buch, das dem Titel kaum gerecht wird. Immerhin enthält es dafür eine Reihe von Geschichten und Anekdoten aus der Wendezeit, die vielleicht für Leser interessant sein können, die diese kurze Periode der deutschen Geschichte nicht direkt erlebt haben.

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