F. Scott Fitzgerald Für dich würde ich sterben

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Inhaltsangabe zu „Für dich würde ich sterben“ von F. Scott Fitzgerald

Eine literarische Sensation. Neu entdeckte Erzählungen von F. Scott Fitzgerald. Der Traum von Ruhm und Geld, das Streben nach persönlichem Erfolg, die Mystifikation der Frau und der Liebe, rauschende Partys, Höhenflüge und Abstürze ins Bodenlose – das waren die Themen seines Lebens und seines Werks. Am Ende hatte F. Scott Fitzgerald, der umschwärmte Erfolgsautor, sein Publikum verloren. Kaum einer erinnerte sich an ihn, einen der bestbezahlten Story-Schreiber der zwanziger Jahre. Und kaum eine Zeitschrift wollte seine Erzählungen drucken. Man erwartete noch immer Geschichten über junge Liebende von ihm. Aber Fitzgerald wollte sich nicht beschränken. Änderungsvorschläge lehnte er meist ab. So blieben viele Erzählungen bis heute unveröffentlicht. Nun erscheinen sie endlich: 14 abgeschlossene Storys, drei Filmskizzen und ein Fragment – im unnachahmlichen Fitzgerald-Ton. Eine literarische Wiedergutmachung.

Fitzgerald schafft es doch noch mich mit seinen kürzeren Arbeiten zu begeistern. Sehr schöne Sammlung von unterschiedlichsten Geschichten.

— Marina_Nordbreze
Marina_Nordbreze

Eine über alle Maßen spannende Erzählsammlung, die sowohl Fitzgeralds sprachliches Genie als auch seinen Sinn für Realismus offenbart.

— seschat
seschat

Kurioses, Komisches, Ernstes und Romantisches im gereiften Fitzgerald-Style - ein Lesegenuss!

— RosaEmma
RosaEmma

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  • Ein ansprechender Zeitvertreib

    Für dich würde ich sterben
    Girdie

    Girdie

    21. June 2017 um 16:01

    Mit „Für dich würde ich sterben“ liegen erstmals Texte von Francis Scott Key Fitzgerald in gedruckter Form vor, die zu Lebzeiten des Autors in der vorliegenden Fassung keinen Verleger fanden. Das Buch enthält achtzehn Geschichten, davon sind vierzehn abgeschlossene Erzählungen, ein Fragment und drei Exposés zu Filmen. Die erste der im Buch enthaltenen Storys hat F. Scott Fitzgerald 1920 geschrieben, die anderen Texte viele Jahre später in den 1930ern.Nach seinen großen Romanerfolgen wurde der Name des Autors in Verbindung mit Liebesgeschichten gebracht, in denen junge Männer aus minderbemitteltem Haus um Töchter reicher Eltern buhlten. Fitzgeralds eigene Eltern gehörten der oberen Mittelschicht an. Als Lieutenant bei der Army lernte er seine spätere Frau Zelda kennen, die eine Heirat aber zunächst aufgrund ungesicherter Lebensverhältnisse ablehnte. Doch nach ersten schriftstellerischen Erfolgen heirateten sie und führten ein mondänes Leben bei denen das zur Verfügung stehende Geld nicht ausreichte. Seine Erfahrungen flossen in seine Werke ein. So bewegt er sich in der ersten Geschichte „Spielschulden“ auf bekanntem Terrain in der Verlagswelt.In den folgenden Jahren kam zu den Sorgen um‘s Geld die psychische Erkrankung seiner Frau hinzu, die immer wieder und zunehmend Aufnahme in psychiatrischen Kliniken suchte. Auch seine eigenen Probleme mit Alkohol und Gewaltanwendung gegen seine Frau blieben der Öffentlichkeit nicht verborgen. Bereits die zweite Geschichte „Böser Traum“ nimmt den Leser mit in eine psychiatrische Klinik und spielt mit dem Gedanken, ob sich klar trennen lässt, wer hier Patient oder Arzt ist. Die folgenden Erzählungen sind tragisch, schicksalhaft, erheiternd, aber grundsätzlich mit einer Spur von Dunkelheit versehen. Beispielhaft hierfür steht die Titelstory „Für dich würde ich sterben“, die vom Thema „Selbstmord“ durchzogen ist. Kurze Zeit nach Verfassen der Geschichte versuchte der Autor sich mit einer Überdosis Tabletten umzubringen. Seine Beliebtheit sank zunehmend, doch die Umarbeitung der einmal geschriebenen Erzählungen, um sie dem Geschmack des Publikums anzupassen, verweigerte er und so blieb eine Veröffentlichung aus.Die Geschichten lesen sich leicht und unterhaltsam und wirken aus einer heutigen Perspektive gesehen modern, vielleicht weil gerade die beinhalteten Frauenfiguren meist sehr selbstbewusst agieren. Im Anhang des Buchs finden sich zahlreiche Erläuterungen und Stellenkommentare zu den einzelnen Geschichten. Für mich waren die Storys ein ansprechender Zeitvertreib, für Fans des Autors die auch an seinem Lebensweg Interesse haben, sind sie ein Muss.

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  • Eine lohnenswerte Sammlung bisher unveröffentlichter Stories

    Für dich würde ich sterben
    Marina_Nordbreze

    Marina_Nordbreze

    14. June 2017 um 10:59

    Ich wiederhole mich gerne, wenn ich an dieser Stelle sage, dass meine literarische Liebe zu F. Scott Fitzgerald (und ebenso zu Zelda) groß ist. Auch wenn mich nach "Der große Gatsby" keine seiner Geschichten in diesem Maße begeistern konnte, so bin ich doch immer hingerissen vom Gefühl der Roaring Twenties, welches aus seinen Worten strömt.Nun sind mit "Für dich würde ich sterben" 18 bisher unveröffentlichte Stories erschienen – 14 Erzählungen, 3 Exposés für Filme und ein Fragment. Was alle eint? Jede einzelne Arbeit wurde von den damaligen Redakteuren unterschiedlichster Zeitschriften abgelehnt. Sie entsprachen nicht dem, was man von Fitzgerald erwartet hat. Nämlich leichte, unterhaltsame Geschichten über die Liebe. In den Erläuterungen erfährt man von Herausgeberin Anne Margaret Daniel zu jeder einzelnen Geschichte den Grund für die Ablehnung, was diesen Band ganz besonders interessant gestaltet. Ich hatte es bereits bei "Neu im Bücherregal - Die April-Bücher 2017" angesprochen, die kürzeren Texte von Fitzgerald haben mich bisher nie so richtig begeistern können. Ein Beispiel dafür: "Die Straße der Pfirsiche", eine kurze Road-Novelle, bei der mir der Schwung fehlt. Dementsprechend skeptisch war ich bezüglich "Für dich würde ich sterben". Aber! Nun kommts!Auch, wenn mich zugegebenermaßen nicht alle 18 Geschichten überzeugen konnten, so enthält diese Sammlung doch einen Großteil von wirklich eindrucksvollen Ideen, bei denen es schade ist, dass sie nicht weiterverfolgt wurden."Ich bin Verleger, ich verlege alles. Ich suche nach einem Buch, von dem ich fünfhunderttausend Exemplare verkaufen kann. Zur Zeit sind Romane mit übersinnlicher Wendung in Mode. Mir wäre ein Stoff von einem überzeugten Materialisten über ein wohlhabendes Klubmitglied und eine dunkle Ganovenbraut lieber, wenn ich die Wahl hätte – oder eine Liebesgeschichte. Liebe ist eine sichere Karte – zum Lieben braucht man einen lebenden Menschen." Aus: Spielschulden von F. Scott Fitzgerald, enthalten in "Für dich würde ich sterben", Seite 29Bereits die erste Geschichte "Spielschulden" enthält mit dem Verleger, der auf ein sehr großes Problem mit einem seiner verlegten Bücher stößt, eine gar großartige Perspektive auf Fitzgeralds Kampf zwischen wirtschaftlichem Erfolg und künstlerischem Schaffen. "Die große Frage" und "Auszeit von der Liebe" spielen geschickt mit den Erwartungen der Redakteure und liefern zwar Liebesgeschichten, diese sind aber weder leicht, noch unterhaltsam (also – sind sie schon! Aber nicht auf eine leichte Art und Weise) und gefallen mir gerade aus diesem Grund ganz besonders. Und auch die Geschichten, die zu Serien werden sollten, wie "Die Perle und der Pelz", zeigen deutlich, welches erzählerische Talent Fitzgerald besitzt.Ja, viele der enthaltenen Geschichten sind nur Skizzen, die aus wirtschaftlichen Beweggründen entstanden sind, die Fitzgerald vor dem finanziellen Ruin retten sollten. Vielleicht ist das auch einer der Gründe, warum die Stories abgelehnt wurden – es fehlt die Leidenschaft, das Leben.Fitzgerald ist immer dann am besten, wenn er für sich, über sich schreibt. Allein für diese Feststellung hat sich die Lektüre von "Für dich würde ich sterben" gelohnt. 

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  • Kurzgeschichten aus der Feder eines großen Literaten

    Für dich würde ich sterben
    seschat

    seschat

    09. June 2017 um 07:34

    Der amerikanische Autor F. Scott Fitzgerald war der gefeierte Romancier der 20er Jahre. Er gab dieser umtriebigen Zeit ("Roaring Twenties") ein Gesicht. Leichte Liebesgeschichten und Einblicke in die damalige Avantgarde bzw. mondäne Partyszene mit all seinen Verlockungen prägten Fitzgeralds Œuvre. Werke wie "Diesseits vom Paradies" oder "Der große Gatsby" stammen aus dieser Zeit.Doch mit der Weltwirtschaftskrise 1929, dem Nervenleiden seiner Frau Zelda und Scotts eigener Trunksucht sollte sich seine Weltsicht und sein literarischer Anspruch ändern. Fortan schrieb er exzessiv Kurzgeschichten/Erzählungen, die brüchige Charaktere und selbstbestimmte Frauen thematisierten. Dem schönen Schein der Filmwelt Hollywood konnte er auf einmal nichts mehr abgewinnen.Das Verlagshaus Hoffmann & Campe hat Fitzgeralds letzte, bisher unveröffentlichte Erzählungen in einem Band mit dem Titel "Für dich würde ich sterben" nun, im Jahr 2017, herausgebracht. Die darin enthaltenen 14 Kurzgeschichten geben einen guten Einblick in Fitzgeralds damalige Seelenzustände, da sie mit seinen Süchten (Alkoholismus, Spielsucht) und Ängsten (Existenzängste, Unverstandensein, Krankheit der Ehefrau) spielen. Trotz der vermeintlichen Düsternis verfügen seine Alterswerke über den typischen, leicht bekömmlichen Erzählstil, den man aus früheren Werken des Schriftstellers kennt. Man hört ihm und seinen Geschichten einfach gern zu und ist jedes Mal von den unkonventionellen bis alles andere als schöngefärbten Enden überrascht. Im Laufe der Lektüre konnte mich vor allem die Titel gebende Geschichte "Für dich würde ich sterben" von sich überzeugen, weil sie realistisch und sprachlich formvollendet die Irrungen und Wirrungen junger bzw. blinder Liebe abbildet.Darüber hinaus bot der sich an den Fließtext anschließende Kommentarteil genügend Raum für Einordung bzw. Verortung von Fitzgeralds Erzählungen, weil Originalquellen zitiert wurden. FAZITEine über alle Maßen spannende Erzählsammlung, die sowohl Fitzgeralds sprachliches Genie als auch seinen Sinn für Realismus offenbart. Mein Tipp: Muss man gelesen haben.

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  • Jenseits des Glamours

    Für dich würde ich sterben
    RosaEmma

    RosaEmma

    21. May 2017 um 15:06

    Er war der schillernde Paradiesvogel unter den Schriftstellern der Amerikanischen Moderne. Sein Romanklassiker Der große Gatsby machte ihn unsterblich und katapultierte ihn – wenn auch erst nach seinem Tod – auf den Olymp der weltbesten Literaten: F. Scott Fitzgerald, dessen glamouröses, exzessives Party-Leben mit Flapper-Gattin Zelda ebenso legendär war wie sein künstlerisches Schaffen, hat der Nachwelt ein einzigartiges literarisches Erbe hinterlassen. Werke wie Zärtlich ist die Nacht, Diesseits vom Paradies, Die Schönen und Verdammten, Die Liebe des letzten Tycoons und nicht zuletzt die brillante Kurzgeschichtensammlung Flappers and Philosophers reflektieren die gesamte Bandbreite seines Könnens und zeugen von beeindruckender sprachlicher Ausdruckskraft. Fitzgeralds außergewöhnlicher Erzählstil und seine unvergleichlichen Protagonisten zeichnen ihn als exzellenten, kritischen Chronisten des Jazz Age aus. Kein anderer fing den Zeitgeist der wilden 20er Jahre, die Blütezeit des künstlerischen Schaffens, die von wirtschaftlichem Wohlstand geprägt war, so gekonnt ein wie er. Niemand ging mit der moralischen Dekadenz, dem damit einhergehenden Werteverfall und der zunehmenden Oberflächlichkeit härter ins Gericht als dieser beeindruckende Autor, der die pervertierte Interpretation des amerikanischen Traums von Luxus und Überfluss der Schönen und Reichen dieser Zeit schonungslos offenlegte. Was seine Werke zeitlos macht, ist seine Sicht der menschlichen Natur, für die Erfolg und Geld zu den wichtigsten Maximen geworden sind, die die Sinnleere der Schnelllebigkeit füllen sollen. Dies hat sich – damals wie heute – als Trugschluss erwiesen. 18 neue literarische Erbstücke Nunmehr sind 18 neu entdeckte Erzählungen Fitzgeralds – 14 Erzählungen, 3 Filmexposés (Gracie auf See, Ballettschuhe, Liebe kostet Nerven) und 1 Fragment (Auszeit von der Liebe) – unter dem Titel Für dich würde ich sterben erschienen, die eine völlig andere Seite des Ausnahme-Schriftstellers zeigen und die von Maturität und literarischer Weiterentwicklung zeugen. Fitzgerald wollte diese Geschichten unbedingt veröffentlicht bzw. verfilmt wissen, doch Verleger und Filmproduzenten taten sich schwer mit seinen gereiften Erzählungen/Filmscripts, denn sie passten ihres Erachtens nicht zu seinem alten Stil, mit dem er berühmt geworden war. Stories ohne ausschweifende, glamouröse Parties, ohne Luxus, ohne schöne Protagonistinnen und Protagonisten, die in tragischer Liebe zueinander entbrennen, passten nicht in die Schublade, in die sie Fitzgerald gesteckt hatten. Doch der Autor blieb sich treu und ließ sich trotz seines verblassenden Ruhms und seiner unbefriedigenden Arbeit in Hollywood schriftstellerisch nicht verbiegen. Das ist ein großes Glück für seine Leser, die sonst nie in den Genuss dieser wunderbaren Geschichten gekommen wären. Ein neuer Quell "/…/Ich müsste entweder zaubern können oder ein Zeilenschinder sein, wenn ich drei Jahrzehnte lang ein und dasselbe produzieren könnte./…/Ich weiß, was von mir erwartet wird, aber der Brunnen ist am Versiegen, und ich halte es für klüger, ihn nicht weiter auszuschöpfen, sondern einen neuen Brunnen, einen neuen Quell zu erschließen." Dies schrieb Fitzgerald 1939 an Kenneth Littauer, Redakteur der Zeitschrift Collier‘s. Seine jetzt von Anne Margaret Daniel herausgegebenen letzten unveröffentlichten Erzählungen zeigen, dass er diesen neuen Quell gefunden hatte. Doch was ist so anders an diesen Stories, dass man sie zu seinen Lebzeiten nicht veröffentlichten wollte? Die Frauen und Männer seiner Geschichten sind – wenigstens zum Teil – immer noch schön, begehrenswert und zuweilen auch jung, der amerikanische Traum hat zwar seinen Glamour, nicht aber seine Anziehungskraft verloren, und Liebe ist immer noch das Elixir, das die Menschen antreibt und ihnen höchstes Glück und tiefste Verzweiflung beschert. Die Antwort liegt auf der Hand: Die Geschichten sind in all ihrer Brillanz, Kuriosität, Exzentrik, Komik und Lebensklugheit sehr down-to-earth. Als Leser gelingt es nicht mehr, in eine verlockende Glitzerwelt abzutauchen und sich den verheißungsvollen Traum von Rags to Riches – wenn auch nur kurzzeitig – zu eigen zu machen. Kurioses, Komisches, Ernstes und Romantisches im gereiften Fitzgerald-Style In seinen letzten Geschichten zeigt Fitzgerald ein breit gefächertes literarisches Portfolio. Keine Story gleicht der anderen, bei einigen kann man kaum glauben, dass sie von Fitzgerald sind. Letzteres trifft insbesondere auf Gracie auf See zu, in der er die reiche, tolpatschige Gracie karikiert, deren ramponiertes Image Werbefachmann George wieder aufpolieren und darüber hinaus einen Ehemann für sie finden soll. Gracies peinliche Auftritte und die eingebauten Slapstick-Einlagen sind Fitzgerald wirklich gelungen – das Skript hätte meines Erachtens einen gelungenen Film abgegeben. In Spielschulden begegnen wir einem abgezockten, desillusionierten Verleger, der alles veröffentlicht, was auch nur ansatzweise Geld verspricht, bis er eines Tages die Quittung für seine Oberflächlichkeit und Geldgier erhält. Die Geschichte Böser Traum spielt in einer psychiatrischen Klinik, in der ein Gesunder systematisch krank gemacht wird. Hier konnte Fitzgerald – so scheint es – aufgrund der oftmaligen Aufenthalte seiner Frau Zelda in solchen Kliniken auf eigene Erfahrungswerte zurückgreifen. Das Klinikszenario, die äußerst realitätsnahe Darstellung der Ärzte und der Verrückten und das Verschwimmen der Grenze zwischen Wahn und Normalität ist Fitzgerald wirklich exzellent gelungen. Gleiches gilt für die ebenfalls in einem Krankenhaus spielende Geschichte Wirbelsturm in stillen Gefilden, wo Assistenzarzt Dr. Bill Craig den Fehler seines Lebens begeht, als er die schöne Schwesternschülerin Benjamina, genannt Trouble, vor allen blossstellt. Im Gegensatz zu Böser Traum ist diese Story sehr komisch und hat ausgesprochenen Wortwitz. Am Ende kann man nicht umhin, leise in sich hinein zu schmunzeln, denn Trouble hat ihren Namen nicht umsonst. In Zusammen unterwegs zeigen sich ebenfalls einige Parallelen zu Fitzgeralds Leben, denn hier überwirft sich ein berühmter Drehbuchautor, Chris Cooper, mit einem Produzenten, der seinen neuen Stil nicht akzeptieren will, um seinen eigenen Weg zu gehen und mit der schönen und klugen Judith Downs, die er auf einer abenteuerlichen Zugfahrt kennengelernt hat, ein neues Leben fernab von Hollywood zu beginnen. Darüber hinaus gefällt mir auch die Kurzgeschichte Danke für das Feuer sehr, in der eine Handlungsreisende für Mieder und Hüfthalter eine äußerst merkwürdige Erscheinung in der Kirche hat. Sehr bemerkenswert sind auch die beiden Geschichten Daumen hoch und Zahnarztbehandlung, die beide im Amerikanischen Bürgerkrieg spielen. Diese zwei völlig unterschiedlichen Fassungen einer Basisgeschichte dechiffrieren den Mythos einer Epoche und zeigen sie in all ihrer Brutalität und Menschenverachtung. Meine Lieblingsgeschichte ist die gleichnamige Titelstory Für dich würde ich sterben. Ich muss zugeben, ich hatte eine absolut romantische Love Story erwartet und war verblüfft, was tatsächlich dahinter steckt. Sie spielt in North Carolina, wo eine Filmcrew zwecks Dreharbeiten in einem Hotel abgestiegen ist. Schauspielerin Atlanta erwidert die Gefühle von Kameramann Roger nicht und fühlt sich von der Ausstrahlung eines mysteriösen Fremden magisch angezogen. Dieser entpuppt sich als zivilrechtlich gesuchter „Selbstmord-Carley“, dessen Freundinnen sich bisher alle aus verzweifelter Liebe zu ihm das Leben genommen haben. Atlanta kann dies in keiner Weise nachvollziehen, denn Carley ist weder schön noch außergewöhnlich. Doch auch sie verfällt seinem Charme – genauso wie Isabelle, Carleys ständige Begleitung, die die Beziehung der beiden mit Argwohn beobachtet. Als beide Frauen zur gleichen Zeit spurlos verschwinden, geht man vom Schlimmsten aus, aber für moderne Frauen ist Suizid wegen eines Mannes nun wirklich keine Lösung… Von der Essenz des amerikanischen Traums Fitzgeralds Erzählungen, von denen ich hier nur einige meiner Favoriten kurz vorgestellt habe, sind in all ihrer Diversität ein wirklicher Lesegenuss. Von dem einst auf bodenständigen moralischen Fundamenten basierenden amerikanischen Traum, der von Geld und Macht korrumpiert wurde und der stets ein durchscheinendes Thema in Fitzgeralds Werken war, hat er die stärkste Maxime und wichtigste Essenz in den Vordergrund gerückt: Hoffnung. Jenseits des Glamours ist sie geblieben und lässt in den Menschen den notwendigen Mut zu einem Neuanfang wachsen, der sie antreibt und sie ihrem individuellen Lebenstraum jeden Tag ein wenig näherbringt. Mein Fazit: Ein Buchjuwel und Must Read – nicht nur für Fitzgerald-Fans!

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  • Eine echte (Wieder-)Entdeckung!

    Für dich würde ich sterben
    dubh

    dubh

    07. May 2017 um 22:17

    Für die Literaturwelt ist "Für dich würde ich sterben" eine Sensation, denn mit diesem Buch liegen neu entdeckte Erzählungen des 1940 in Los Angeles verstorbenen Schriftstellers vor.Vierzehn abgeschlossene Erzählungen, drei Filmskizzen und ein Fragment - bislang unveröffentlicht, weil diverse Zeitungen sie ablehnten, da Fitzgerald nicht das liefern wollte, was sie von einem der erfolgreichsten Story-Schreiber der 1920er Jahre erwarteten. Nach Erfolgen wie "Diesseits vom Paradies" (1920) und "Backfische und Philosophen" (1934) verlangten scheinbar alle Liebesgeschichten von ihm, doch Fitzgerald wollte sich nicht dem beugen, wollte seine Geschichten nicht umschreiben, nur weil das von ihm erwartet oder gar verlangt wurde. Gestorben ist er 44jährig nach zwei Herzinfarkten in der Annahme, dass er als Schriftsteller versagt habe; dass er als Autor letztlich gescheitert ist. Doch im selben Jahrzehnt wurde er wiederentdeckt und noch heute als wichtiger US-amerikanischer Schriftsteller des 20. Jahrhunderts bewertet.Die Stories erzählen von rauschenden Partys, Abstürzen, von Ruhm und Geld, aber auch vom Streben nach Glück und Erfolg - also stellvertretend von all dem, das Fitzgerald auch in seinem Leben umgetrieben hat.Fitzgerald lebte mit seiner Frau Zelda ein exzessives, verschwenderisches Leben und galt als typischer Vertreter der 'Lost Generation', die in Frankreich ein schillerndes Leben geführt hat. Doch als er in den 30er Jahren zunehmend in Vergessenheit geriet, nahmen die Probleme weiter zu: Fitzgerald hatte mit Alkoholismus und Schulden zu tun und spätestens nach den schwachen Kritiken und schlechten Verkaufszahlen von "Zärtlich ist die Nacht" (1934) kämpfte er auch zunehmend mit Depressionen. Hinzu kam, dass in dieser Zeit seine Ehe mit Zelda, die wiederholt aufgrund ihrer psychischen Erkrankung eingewiesen wurde, vollends zerbrach.Die Erzählungen stammen aus einem Archiv, das seine Tochter Scottie der Princeton University überlassen hatte. Sie erzählen von Schulden, aber auch von der Konkurrenz und der Eifersucht, die zwischen Scott und Zelda herrschte - denn auch Fitzgeralds Frau war eine begnadete Schriftstellerin. Nicht umsonst wird vermutet, dass er vor allem aufgrund ihres Talents ganze Passagen ihres Tagebuches für sein Werk verwendet hat...Diese teils wehmütigen, teils auch sarkastischen Erzählungen lassen tief blicken und vielleicht einen der großen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts und seinen Fall etwas besser verstehen. Selbst in vielleicht nicht perfekt gelungenen Stories zeigt sich die Brillanz Fitzgeralds.Fazit: Ein intimer Blick auf ein großes schriftstellerisches Talent. Ich würde mit wünschen, dass F. Scott Fitzgeralds Werk dadurch wieder ein wenig mehr Aufmerksamkeit bekäme.

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