F. Scott Fitzgerald Wiedersehen mit Babylon

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Inhaltsangabe zu „Wiedersehen mit Babylon“ von F. Scott Fitzgerald

Nach dem Schwarzen Freitag von 1929 ist nichts mehr wie zuvor. Das muss in ›Wiedersehen mit Babylon‹ auch der Börsenspekulant Charlie Wales erfahren. Schnell hat er sein Vermögen gemacht, noch schneller hat er es wieder verloren. Charlie kehrt nach Paris zurück, sein Geld ist weg, die Frau tot, die kleine Tochter will man ihm nicht anvertrauen – und selbst die Ritz-Bar ist leer. Geschichten aus den Jahren 1929–1934, über Gewinn und Verlust – über das Leben in Zeiten der Krise.

Meisterhafte Erzahlungen - ein Buch, dass man immer in Reichweite haben sollte.

— Bri
Bri

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    Wiedersehen mit Babylon
    Bri

    Bri

    Vorab: Einen Fitzgerald zu rezensieren ist für mich persönlich das Höchste, was mir passieren kann, das Schwerste was ich mir vorgenommen habe und fast schon blasphemisch. Wagen will ich es trotzdem. Die Erzählungen meines literarischen All-time-heroes, versammelt in einem Band unter dem vielsagenden Titel Wiedersehen mit Babylon erreichten mich schon im Jahr 2013 - alleine die Lektüre zog sich hin. Und das aus einem einzigen Grund: diesen Band mit den wunderbaren Erzählungen F. Scott Fitzgeralds aus den Jahren 1930 bis 1934 wollte ich genießen, nicht mehr so schnell aus der Hand legen.                                                                                                                                             Wie kein anderer schafft es Fitzgerald mit der ihm eigenen Leichtigkeit und Eleganz, menschliche Höhenflüge und Abgründe auf eindrücklichste Art und Weise darzustellen. Er schuf Sätze, die in ihrer treffsicheren Knappheit Menschen in ihrer ganz eigenen Komplexität, eine Situation in Gänze greifbar, ja lebendig werden ließen. Sätze, die mich in die Knie zwingen, die mir Bilder von Gefühlen in den Kopf setzen, die ich nicht mehr vergesse. " ...  Sie waren alle wieder da, die Kellner mit ihren geschäftsmäßigen Mienen, die wachsamen Französinnen mit ihren hohen Absätzen und ihren neugierigen Augen, Phil Hoffmann, der ihr gegenüber saß und sein Herz auf einer Gabelspitze balancierte ... " Das Seelenleben eines Menschen liegt ausgebreitet da, in einem kurzem Nebensatz hingeworfen, ohne große Beschreibung der inneren Vorgänge skizziert und genau deshalb so beeindruckend klar. Konzeptionell gleichen Fitzgeralds Erzählungen Miniatur-Romanen - für eine weitere Ausarbeitung als eigene Romane fehlte wohl die Zeit, waren die Ideen zu vielfältig, das Geld zu knapp und die Möglichkeiten, diese kurzen Geschichten als Spielwiese für neue Ideen, Techniken und Dialoge zu nutzen, zu verlockend. Noch dazu gibt es keine Not, aus etwas Perfektem etwas Aufgebauschtes zu machen. In Wiedersehen mit Babylon kommt Fitzgeralds große Stärke der treffgenauen, stilistisch unglaublich sicheren Sprache, gepaart mit seiner unnachahmlichen Meisterschaft im Erschaffen einer bestimmten Atmosphäre, eines bestimmten Gefühls, wieder einmal grandios zum tragen. Die hier versammelten Erzählungen handeln alle von einem Themenkomplex: Überwindung, Verlust, Konfrontation mit Ängsten und alten Dämonen, aber auch von Gewinn und persönlicher Entwicklung. Entstanden in unsicheren Zeiten finden die Geschichten ihre Substanz in persönlichen Erlebnissen Fitzgeralds. Geld, Reichtum und was dieser aus den Menschen macht, aber auch das doch bewundernswerte amerikanische Credo, sich nicht unterkriegen zu lassen und ein "Yes we can" auf den Lippen zu tragen, prägen die Erzählungen. Doch schon liest man Sätze, die ahnen lassen, dass die Lage sich ändern könnte, dass der Fall zu befürchten ist. Fitzgeralds bekannte Verve, die mich immer und plötzlich zum Lachen reizt fehlt auch hier nicht: " ... Die Schweiz ist ein Land, wo sehr wenige Dinge ihren Anfang nehmen, aber viele ihr Ende ... " Ein Satz, der aus einer strukturell erstaunlichen und absolut nachhallenden Erzählung mit dem Titel "Eine Reise ins Ausland" stammt, in der Fitzgerald virtuos mit Eigenwahrnehmung, Täuschung und Erkenntnis spielt. Aber nachhaltig sind F. Scott Fitzgeralds Geschichten immer. Dicht gewebte Lebensgeschichten von jungen Menschen, die aufgrund der zeitlich rastlosen Umstände, in denen sie sich befinden, älter wirken als sie sind. Kurz gesagt: Phantastischer, süchtig machender Buchstoff. Wiedersehen mit Babylon ist kein Buch, das man einfach so durchliest und ins Regal stellt. Es ist ein Buch, das immer in Reichweite sein muss, immer bereit, aufgeschlagen zu werden, damit man eintauchen kann in die Zeit der Lost Generation, Tag für Tag ein Stückchen, das man in sich aufnimmt, das einen selbst aufnimmt und nicht mehr verlässt.

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    Bri

    Bri

    09. February 2014 um 20:51