Vor 50 Jahren bezeichnete sich der Autor Peter Handke in einem Essay als einen Bewohner des Elfenbeinturms. Als solcher könnte er es jetzt mit der Angst zu tun kriegen, den Fabian Burstein plant, wie es der Titel seiner Streitschrift ankündigt, einen Angriff auf diese Bastion.
Ein Sturm auf die Bastille. Nur, daß darin keine Gefangenen und Kanonen lagern, sondern das Selbstverständnis der österreichischen Kulturschickeria (nebst ein paar großen Selbstbeweihräucherungsvorräten). Und dieser Schickeria (und ausserdem den Leser:innen) erklärt Burstein umfangreich, warum sie aufhören sollte, den Leuten zu sagen, sie sollen einen Kuchen essen, den die Kulturelite hauptsächlich unter sich aufteilt (und in mancherlei Hinsicht auch nur für sich selbst gebacken hat).
Es geht Burstein um nicht weniger als um eine ganz neue Kulturpolitik, im Angesicht von Corona, aber auch im Angesicht von Strukturen und Institutionen, die durch viele Jahre Selbstverliebtheit und Überheblichkeit verkrustet sind; denen der Elfenbeinturm nicht mehr nur Arbeitszimmer, sondern auch Bühne, Versammlungsort und Wohnzimmer geworden ist.
In einem Post alles zu summieren, was angesprochen wird, ist schwer möglich. Ich hoffe die Textbeispiele tun ihr übriges, um Bursteins Buch als durchdachten und in jedem Fall anregenden Blick auf Österreichs Kulturlandschaft auszuweisen. Er bietet aber nicht nur Einblicke, sondern auch viele Perspektiven. So verbreitet das Buch nicht nur Kritik, sondern auch Aufbruchstimmung, Mut und liefert in jedem Fall Denkanstöße, egal von welcher Warte man es betrachtet.







