Fabien Nury , Pierre Alary Silas Corey

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Inhaltsangabe zu „Silas Corey“ von Fabien Nury

Für die einen ist er ein Held, für die anderen ein Dandy und vaterlandsloser Geselle, dem es einzig und allein ums Geld geht. Tatsache ist, dass Silas Corey als Detektiv und Spion zur Not auch ein doppeltes oder dreifaches Spiel treibt. Und dass man in Paris im Frühjahr 1917 gut verdienen kann, wenn man die Gunst der Stunde zu nutzen versteht. Silas Corey hat auf jeden Fall Stil, und das lässt sich ohne Weiteres auch über diesen ersten Doppelband sagen, in dem Fabien Nury ('Es war einmal in Frankreich') und Pierre Alary ('Sinbad', 'Belladonna') ihn auf den deutschen Meisterspion Aquila ansetzen – sofern es den überhaupt gibt. Der charmanteste Schuft dieses Comic-Winters!

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    Silas Corey
    Iudas

    Iudas

    01. October 2016 um 22:51

    Silas Corey ist ein französischer Lebemann und Dandy, wie er im Buche steht. Und er ist ein Doppelagent, der auch schon im Ersten Weltkrieg agierte. Nun ist 1918, der Krieg ist vorbei und Frankreich befindet sich im Siegestaumel. Doch Corey kann nur kurze Zeit seinem leichten Leben in Etablissements Paris‘ nachgehen. Ein Detektiv im Auftrage der Millionärin Zarkoff schleppt sich schwerverwundet zu Coreys Appartement und nennt mit letztem Atemzug die Waffenhändlerin Zarkoff und die Vereinigung Wotan. Der Agent macht sich auf den Weg in die Schweiz, um den Auftrag der alten, im Sterben liegenden Zarkoff anzunehmen, die nach ihrem unehelichen Sohn Johann Zichler, der in Deutschland leben soll, suchen läßt, um ihr Testament zu erfüllen. Und so reist Corvey nach München, das sich in den Nachkriegswirren der Räterepublik befindet, um Zichler und seine Frau Nina zu finden. Doch ihm wird klar, daß die Verschwörung um Zichler größer ist und sein und Ninas Leben in Gefahr bringt. Man muß den Vorgänger »Der Aquila-Ring«, ebenfalls bei Splitter erschienen, nicht gelesen haben, um »Das Zarkoff-Testament« zu verstehen. Anspielungen auf Coreys Bekanntschaften lassen sich einfach aus dem Kontext erschließen. Und dieser Kontext ist klug durchdacht und in verbürgte historische Gegebenheiten und Settings eingewoben, sodaß man im Hintergrund zum Beispiel immer wieder Plakate aus der politisch umkämpften Zeit sieht oder von Kurt Eisner hört. Es ist keine Wohlfühlgeschichte, die dem Leser wohlig warm einlullen, sondern eine actiongeladene, turbulente Agentengeschichte, ausgestattet mit den unterschiedlichen Charakteren, die alle ihre eigenen Facetten haben. Als besonders ausdifferenziert sind Corey und sein asiatisch angehauchter Diener Nam zu nennen, die als Partner sehr gut zusammen harmonieren und den Fall zu einem Abschluß bringen. Die Rollenverteilung ist aber klar definiert; wenngleich Corey kein strahlender, moralisch einwandfreier Held ist, ist er der, der das Böse, das in Form der Geheimorganisation Thule seine Schatten auf die Herrschaft der NSDAP vorauswirft, erkennt. Einzig Nina Zichler darf als unschuldige Ehefrau Johann Zichlers und mit einer schwierigen Vergangenheit eine positive Rolle an der Seite Coreys einnehmen und ihn unterstützen. Hier scheinen an einigen Stellen doch arg der französische Nationalstolz und der Blick auf das dunkle Reich der Deutschen durch. Und so ist auch die farbliche Stimmung. Ist der erste Teil, der vorrangig in Frankreich und der Schweiz spielt, farbenfroh und intensiv, wird die Atmosphäre im erschütterten München um einiges düsterer. Nächtliches Blau durchzieht die Bilder, nur hier und da von einem Feuerschein erhellt und dieser Schatten legt sich auch auf die Gesichter. Es wirkt alles sehr bedrohlich und geheimnisvoll. Diese Bedrohlichkeit transportiert sich aber nicht nur durch die gelungene Kolorierung von Bruno Garcia, sondern auch die szenische Darstellung der Szenerien durch Pierre Alary. Detaillierte Blicke auf die Gesichter, schnelle Perspektivwechsel und eine dynamische Darstellung von Bewegungen sorgen für Spannung und lassen den Leser in die Geschichte eintauchen. Trotz allem sollte man sich bewußt sein, daß die Graphic Novel sich durch ein Maß an Brutalität und Gewalttätigkeit auszeichnet. Verletzungen und Tode einzelner Charaktere sind fast schon obligatorisch und werden nicht beschönigt. Eine im Rahmen der künstlerischen Ausarbeitung realistische Darstellung dieser Grausamkeiten unterstreicht den Schrecken noch zusätzlich. Dagegen wirken die Gesichter bei geschwungener Linienführung oft unnatürlich und karikiert. Mit hageren, fast übertrieben langen Gesichtern und stark eingefallenen Wangenknochen soll die ausgemergelte Gestalt der alten Zarkoff, die so schon eher erschreckend wirkt, dargestellt werden und auch Corey wirkt stellenweise überzeichnet. Aber eben auch interessant und mysteriös. Und das zusammen mit der ausgeklügelten Geschichte, die einen in seinen Bann zieht, hat man hier eine Graphic Novel, die der Lektüre wert ist. Thule, Rudolf von Sebottendorf und ein Goebbels ähnelndes Johann Zichler-Double wecken das Interesse. Fabien Nurys Paralleluniversum rund um den Doppelagenten Silas Corey funktioniert, ist glaubhaft, biete einige interessante Wendepunkte und bietet noch viel Stoff für Fortsetzungen.

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