Fabio Andina

 4 Sterne bei 7 Bewertungen
Autor von Tage mit Felice, Tage mit Felice und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Fabio Andina

Fabio Andina, geboren 1972 in Lugano, studierte Filmwissenschaften und Drehbuch in San Francisco. Heute lebt er wieder im Tessin, im Malcantone und im Bleniotal. Sein mehrfach ausgezeichneter Roman Tage mit Felice, erschienen im Frühjahr 2020, war ein großer Publikumserfolg

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Fabio Andina

Cover des Buches Tage mit Felice (ISBN: 9783858698636)

Tage mit Felice

 (7)
Erschienen am 27.03.2020
Cover des Buches Tage mit Felice (ISBN: 9783492317597)

Tage mit Felice

 (0)
Erscheint am 30.09.2021
Cover des Buches Tessiner Horizonte – Momenti ticinesi (ISBN: 9783858699220)

Tessiner Horizonte – Momenti ticinesi

 (0)
Erscheint am 03.08.2021

Neue Rezensionen zu Fabio Andina

Cover des Buches Tage mit Felice (ISBN: 9783858698636)Susanne_Probsts avatar

Rezension zu "Tage mit Felice" von Fabio Andina

Bezaubernde, entschleunigende und lesenswerte Lektüre!
Susanne_Probstvor 9 Monaten

Meine Eindrücke und Gedanken zu „Tage mit Felice“ von Fabio Andina.


Der 224 seitige Roman spielt in einem Dorf in den Tessiner Bergen.

Es geht um Felice, einen 90 jährigen Mann, der sehr einfach und genügsam lebt, Vegetarier ist und sich selbst versorgt.

Der anonyme Erzähler bleibt dezent im Hintergrund und begleitet und beobachtet den alten Mann einige Wochen lang.

Felice läuft trotz Kälte barfuß und  badet jeden Morgen wie Gott ihn schuf in einem eiskalten Bergbach.
Irgendwie ist er ein Exot. 
Ein Unikat. 
Ein Sonderling. 
Ein Eigenbrötler. 
Aber er ist nicht weltfremd.

Man bewundert ihn, möchte aber nicht so sein und leben wie er.
Man findet Gefallen an dem Dorf, will aber nicht dort wohnen.

In diesem Roman findet so gut wie keine Handlung statt. Wer einen Plot sucht, sucht vergeblich. 
Aber trotzdem langweilt man sich nicht.

Man könnte sich fragen, ob die Geschichte zu idyllisch und überzeichnet ist? 
Wird Felice zu bescheiden, zu glücklich und zu exotisch dargestellt? Ist die Dorfgemeinschaft zu solidarisch? 
Sind die Figuren zu skurril?

Ja, man kann und darf sich das natürlich fragen, aber mein Eindruck ist, dass es dem Autor immer wieder gelingt, diese „zu“ zu umschiffen. 
Die Schwelle zum Unrealistischen oder zum Kitsch wird nie überschritten.

Fabio Andina beherrscht das Schreiben. 
Er bringt dem Leser den Alltag von Felice und das Dorfleben lebendig, bildhaft und plastisch nahe. 
Eigentlich könnte diese unspektakuläre, aber keineswegs banale Geschichte verfilmt werden.

Es ist ein bezaubernder, gehaltvoller und berührender Roman aus einfachen Worten und mit liebevollen und detailreichen Beschreibungen. Ein stiller Roman, der entspannt und  entschleunigt und zum Nachdenken anregt.

Nach der Lektüre fühlt man sich geerdet und ist einem wieder bewusst, was das Wesentliche im Leben ist.

Allen, die ruhige Bücher ohne aufregenden Plot mögen, möchte ich diesen Roman unbedingt empfehlen.


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Cover des Buches Tage mit Felice (ISBN: 9783858698636)Claris avatar

Rezension zu "Tage mit Felice" von Fabio Andina

Dorfleben im Tessin
Clarivor 10 Monaten

Es handelt sich hier um eine wunderschöne Erzählung aus den Tessiner Alpen.

 

Ein Icherzähler berichtet, wie die Tage in diesem Dorf vergehen. Langsam! Das darf man schon sagen!

 

Der namenlose Erzähler begleitet den 90 jährigen Felice eine Woche lang in seinem Alltag. Es ist November und der Winter kündigt sich mit Kälte und Schnee an. Der Alltag von Felice besteht aus fast immer gleichen Handlungen. Er fährt mit seinem Auto über die umliegenden Dörfer. Morgens früh läuft er den Berg hinauf, wo er in einem Flussloch, einem so genannten Gumpen, ein Bad nimmt. Im Winter muss zuerst eine Eisschicht durchstoßen werden. Das ist wahrlich ein entbehrungsreiches Einsiedlerdasein!

 

Das Leben um das Dorf Leontica herum ist karg und einsam. Zahlreiche Einwohner begegnen sich bei unterschiedlichen Gelegenheiten. Man trinkt zusammen einen Schoppen und schwätzt über dies und das und erzählt sich die Neuigkeiten der Dorfbewohner. So ist man immer auf dem Laufenden.

Die Menschen sind genügsam in ihrer Armut. Es gibt die kleinen Läden, Restaurants und Bars, in denen sich die Dorfbewohner treffen. Doch auch der Schwatz über die Straße reicht häufig zum Gedankenaustausch.

 

Mehrheitlich sind die Bewohner alt, d.h. um die 70 bis 80 Jahre. Es tut sich nicht viel, und es gibt in diesem kurzen Roman keinen Handlungsstrang. Allerdings sind die Figuren in ihren Eigenheiten charakterlich meisterhaft gezeichnet. Sie sind skurril und zuweilen auch witzig.

Zentrale Figur bleibt Felice, auch er ein armer Kauz, der doch Zufriedenheit ausstrahlt.

Er fährt mit seinem alten Auto die Dörfer ab, und unser erzählender Begleiter erlebt ihn und seine Welt mit staunender Bewunderung. 

 

Gekocht wird, was die Natur hergibt. Viele Male wird aus den geernteten Kräutern ein Sud gekocht, der als Tee herhalten muss. Das Feuer im Kamin muss als Heizung reichen.

 

In langen Schilderungen der Natur bei Schnee, Regen und Sonnenschein taucht man ganz in die Stimmung aus Kälte, Einsamkeit und Kargheit ein.

Dieses Buch liest man mit Beschaulichkeit und hingegeben an die Atmosphäre einer hinreißenden Landschaft. Die Ruhe überträgt sich auf den Leser und man meint fast, selber die herrliche Luft und das Bergpanorama zu erleben. Ein paar Tiere, Kinder und wenige jüngere Bewohner bereichern das Bild von einem Ort der Stille.

 

Man weiß nicht, was den Icherzähler dazu angeregt hat, sich mit Felice und dem Leben dort zu befassen.

 

Im SFR Literaturclub wurde das Buch empfohlen als Möglichkeit, sich zu entschleunigen. So sehe ich es auch: man kommt zur Ruhe! Die poetischen Beschreibungen der Naturereignisse bieten so viel Abwechslung, dass man immer wieder hineinversetzt wird in diese ruhige Bergwelt mit ihren grünen Oasen, kleinen Wasserquellen und vielseitigen Früchten.

 

Das Buch ist etwas für Liebhaber ruhiger Lebenseindrücke. So geht es zu in den abgelegenen Dörfern der Schweizer Bergwelt! Da gibt es keine Hetze und kein Jagen nach immer neuen Events und Abwechslung.

 

Der Roman verlangt dem Leser einiges an Geduld und Ausdauer ab. Er wird belohnt mit der Sichtweise eines beschaulichen und reizvollen Lebens fern aller sonst allenthalben zu beobachtenden

Hektik und Unruhe. Felice, der Glückliche, macht es einem vor, wie es sich auf diese Weise lebt!

 

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Cover des Buches Tage mit Felice (ISBN: 9783858698636)aus-erlesens avatar

Rezension zu "Tage mit Felice" von Fabio Andina

Schlicht und einfach: Ergreifend
aus-erlesenvor einem Jahr

Ein kleines Tal im Tessin. Hier ist die Welt noch in Ordnung. Kaum Touristen, kaum Fremde, die mit ihrer Funktionskleidung ihrem ökologischen Gewissen frönen. Hier lebt der Erzähler. Hier lebt auch Felice. Ein Eigenbrödler, einer, der sich seine eigen Welt geschaffen hat, nachdem er die Welt gesehen hat. Bei Weitem kein Weltenfremdler. Er weiß sehr wohl, was vor sich geht. Er hat ein Auto und eine Melkmaschine. Ernährt sich vegetarisch – ohne das obligatorische, schulmeisterhafte „streng“ davor zu setzen. Doch sein Weg ist nicht der der Anderen. Wenn alle in der Kälte bibbern, läuft er barfuß durch die Wälder. Badet nackt im eiskalten Wasser eines Baches. 

Dem Erzähler ist Felice vertraut. Auch die Geschichten, die sich um ihn ranken, sind ihm bekannt. Was wahr ist und was Fiktion, ist erst einmal egal. Er fragt Felice, ob er ihn nicht mal ein paar Tage begleiten dürfe. Ein bisschen mürrisch, nicht abweisend, aber auch nicht einladend, stimmt Felice zu. Und schon sitzen beide im eiskalten Wasser. Felice erzählt nicht viel, doch wenn man ihn fragt, gibt er Auskunft. 

Es ist ein karges Leben, es reicht vorn wie hinten allemal. Kein Grund zur Klage. Worüber denn auch?! Dass das WLAN nicht funktioniert? Wozu? Es gibt genug – Wichtigeres – zu tun. Kaki pflücken zum Beispiel. Oder auf Latschenkiefertrieben herumzukauen. Die sind gesund und halten einen am Leben. 

Ein prall gefülltes Leben wie man es in der Stadt zu tun pflegt, sucht man in dieser Idylle vergeblich. Wenn man es sucht. Warum soll man nach etwas suchen, das man nicht vermisst oder gar kennt? Alltagstrott kennt man hier nicht. Jeder Arbeitsschritt ist vorgegeben, notwendig, nicht wert darüber nachzudenken. Man tut, was man tun muss. Aufregung gibt es keine. Erst zum Schluss, als der Erzähler noch einmal mit Felice unterwegs sein will…

Fabio Andina versteht es mit zärtlicher Sprache eine Welt in den Fokus zu rücken, sie man so nicht auf den ersten Blick erwartet. Felice mag ein Unikum sein. Aber keines, dem man aus dem Weg geht. Mit ihm ein Stück des Weges, den man Leben nennt, zu gehen, ist ertragreicher als so manche Erde, die dauerhaft gedüngt ihre Kinder in die Regale der Zivilisation entlässt. Schritt für Schritt taucht man in die Bergwelt ein wie sie wirklich ist. Es braucht nicht viele Worte, um zu verstehen, dass Zufriedenheit ein dehnbarer Begriff ist. Wenn man schon mit dem Namen Felice – der Glückliche – bedacht wurde, kann das Leben einfach nur gut zu einem sein. Fast bis zum Schluss, zumindest in Felices Fall.

Ein zauberhaftes Buch über Freundschaft und Zuneigung zum Leben, die einfachen Dinge des Lebens und echte Liebe zur Natur.


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