Fabio Bacà

 3,4 Sterne bei 8 Bewertungen
Autor*in von NOVA.

Lebenslauf

Fabio Bacà, 1972 in San Benedetto del Tronto geboren, lebt in Alba Adriatica. Er hat einige Jahre als Journalist gearbeitet, bevor er 2019 seinen hochgelobten Debütroman »Benevolenza Cosmica« (Adelphi) veröffentlichte. »Nova« wurde unter anderem für den wichtigsten italienischen Buchpreis, den Premio Strega, nominiert und ist Bacàs erster Roman, der auf Deutsch erscheint.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Fabio Bacà

Cover des Buches NOVA (ISBN: 9783956145605)

NOVA

(8)
Erschienen am 17.08.2023

Neue Rezensionen zu Fabio Bacà

Cover des Buches NOVA (ISBN: 9783956145605)
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Rezension zu "NOVA" von Fabio Bacà

Gwhynwhyfar
Ist er ein Feigling?


«Er konnte es nicht leugnen.

Er war ein Feigling.»


Der Neurochirurg Davide Ricci weiß alles über das menschliche Gehirn und die menschliche Psyche. Glaubt er. Aber stimmt das? Als er ein Restaurant betritt, in dem er mit seiner Familie verabredet ist, befindet sich seine Frau bereits dort, wird in diesem Augenblick von einem Mann massiv belästigt. Anstatt ihr zur Hilfe zu kommen, erstarrt Davide, versteckt sich dann hinter einer Gruppe von Touristen, hofft, dass sein Sohn ihn nicht erkannt hat. Ein fremder Mann hilft Barbara gegen diesen extrem übergriffigen Mann, packt ihn, schiebt ein Messer zwischen seine Beine und hält ihm eine Ansprache über sein Benehmen.


«Manche hielten auch jedes frühere Zeitalter für besser, einfach, weil es früher war. Doch das würde logischerweise heißen, dass die glückliche Zeit der Menschheitsgeschichte mit den ersten Zuckungen eines Urmenschen im Pleistozän zusammenfiel.» 


Wie geht man mit Gewalt um, wenn man ihr im Alltag persönlich begegnet? Die Klappe halten mit Haltung? Weglaufen – was nicht immer möglich ist. Davide ist beeindruckt von dem Fremden, der Barbara zur Hilfe kam. Wie macht der das? Und überhaupt, sollt man nicht manchmal Eier in der Hose haben und Gewalttätigen entgegentreten und ihnen zeigen, wo der Hammer hängt? Gern würde Davide seinem Nachbarn Massimo Lenci mal so richtig die Meinung über den Lärm seiner Nachtbar geigen. Gewalt ist keine Lösung. Davide ist intellektuell. Oder doch, sollte man …? Unsicher, mit seinen Gefühlen umzugehen, freundet sich Davide mit Diego an, dem mutigen Mann aus dem Restaurant. Der Roman ist eine langsam aufbauende Geschichte mit vielen Randerzählungen und Gedanken von Davide, teils recht abschweifend. 


«‹Weißt du, auf was ich hier mit Daumen und Mittelfingen drücke?› fragte Davide leise. ‹Wohl kaum. Man nennt das Sinus caroticus. Ein sehr interessanter Punkt, weißt du das?›»


Viel Personal wird aufgefahren, da es gleichzeitig auch um Barbara, die Frau von Davide geht und den Sohn Tomasso, ein Jugendlicher. Letztendlich sind es drei Geschichten, die sich kreuzen, bei denen ich manchmal den Faden verloren habe. Wo will Fabio Bacà eigentlich hin, habe ich mich manchmal gefragt. Erzählen kann er, auch philosophieren – einige Passagen habe ich genossen. Und dann habe ich wieder Seiten geblättertquergelesen … Sprachlich auf jeden Fall sehr lesenswert, auch das Grundthema fand ich interessant. Aber insgesamt war mir das alles zu zerrissen, zu viel auf einmal, zu abschweifend an vielen Stellen. Das Thema hätte sich in dieser Form prägnant als Essay geeignet. So ist mir persönlich zu viel drumherum erzählt worden, um den Text aufzublasen – auch wenn das ein oder andere Interessante dabei war.


Fabio Bacà, 1972 in San Benedetto del Tronto geboren, lebt in Alba Adriatica. Er hat einige Jahre als Journalist gearbeitet, bevor er 2019 seinen hochgelobten Debütroman »Benevolenza Cosmica« (Adelphi) veröffentlichte. »Nova« wurde unter anderem für den wichtigsten italienischen Buchpreis, den Premio Strega, nominiert und ist Bacàs erster Roman, der auf Deutsch erscheint.


Cover des Buches NOVA (ISBN: 9783956145605)
Nina_Alberts avatar

Rezension zu "NOVA" von Fabio Bacà

Nina_Albert
„Was man mit Gewalt gewinnt, kann man nur mit Gewalt behalten.“ - Mahatma Gandhi

„Von einem der auszog…“

Davide Ricci führt mit seiner Frau Barbara und seinem Sohn Tommaso ein unbesorgtes Leben im beschaulichen Städtchen Lucca in Italien. Als Neurochirurg hat er außerordentliche Kenntnisse über das Gehirn und die menschliche Psyche. Gewalt verstört ihn, er ist friedliebend, sanftmütig und geschickt im rhetorischen Umgang mit Worten. Bis er plötzlich eines Tages dazu gezwungen wird, sich mit der eindringlichen Frage auseinandersetzen ob Gewalt wirklich verurteilt werden sollte oder ob die Aussicht auf Erfolg lediglich auf einer inneren Kontrolle derselben fußt…


In seinem Roman „Nova“ bringt uns Fabio Bacà mit dem Urinstinkt Gewalt in Berührung und lässt uns in seiner literarisch kunstvollen und wortgewandten Lektüre die Transformation des Protagonisten in raffiniert verschachtelten Sätzen miterleben. Sprachlich höchst talentiert beleuchtet er das zentrale, anspruchsvolle Thema und lässt es in einem überraschenden, finalen Szenario gipfeln. Der Glaube Gewalt mit Gewalt beherrschen zu können entpuppt sich unwiderruflich als meisterhafte Illusion in dieser höchst tragischen, spannenden und  skurrilen Geschichte. 


Cover des Buches NOVA (ISBN: 9783956145605)
S

Rezension zu "NOVA" von Fabio Bacà

SofieWalden
Sich Gewalt anzutrainieren, das macht etwas mit dem Menschen

Der Neurochirug Davide führt mit seiner Frau Barbara und Tommasco, dem inzwischen zum Jugendlichen herangewachsenen Sohn ein recht zufriedenes Leben. Seine Arbeit erfüllt ihn, bald steht eine Beförderung an und das Leben läuft in ruhigen Bahnen, bis zu diesem einen Tag. In einem Restaurant werden Ehefrau und Sohn von einem Mann geradezu übergriffig belästigt und er schaut dem Ganzen, wie gelähmt, zu. Er greift nicht ein. Das tut dann ein Anderer für ihn und klärt die Situation auf recht brutale Weise. Davide ist geschockt über sich selbst und hat das Gefühl, ein Feigling zu sein. Er war immer ein Mann der Worte und jetzt 'hat er versagt'. Das beschäftigt ihn so sehr, dass er beschließt, der Gewalt, der körperlichen Durchsetzungskraft mehr Gewicht zu geben. Und das führt, ganz langsam, auch zu Wandlung seiner selbst.

Dies ist mal eine ganz andere Art, sich mit dem Thema Gewalt auseinanderzusetzen. Ein Mensch versucht sich nicht, ihrer zu entledigen, nein, er trainiert sie sich, sozusagen bewusst, an, um ein Mann zu sein und vor sich selbst zu bestehen. Das ist spannend in der Konzeption, doch die Umsetzung in diesem Buch hat mich nicht überzeugt. Emotionen, Intensität, eine Geschichte, die einen mitreißt, das ist die Vorstellung, die einem dabei geradezu entgegenspringt, doch dies hier ist 'schön'. Im wahrsten Sinne des Wortes, schön, sprachlich ganz großes Kino. Hier liebt einer den Umgang mit seiner Sprache und setzt sie dementsprechend äußerst kunstvoll, literarisch gehoben ein. Aber der Autor will uns ja auch eine Geschichte erzählen, sie an uns Leser herantragen und uns begeistern. Und da ist hier noch viel Luft nach oben. Ich bin überzeugt, wünsche es mir zumindest, er bekommt das hin, beim nächsten Mal. Ein bisschen objektive Fachkunde seitens des Verlags hätte sicherlich nicht geschadet. Und es ist ja noch kein Meister vom Himmel gefallen. Also die vertraute 'Wohlfühlzone' verlassen, Mut zur Emotion und dann ist man auch gerne wieder mit dabei.

Gespräche aus der Community

Wie geht man mit Gewalt um, wenn man im Alltag damit unvermittelt konfrontiert wird? Flüchten oder standhalten, das ist die große Frage, die dieser mit feiner Ironie erzählte Roman aufwirft, und so die Werte unserer Gesellschaft auf den Prüfstand stellt.

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56 BeiträgeVerlosung beendet
chiaralara36s avatar
Letzter Beitrag von  chiaralara36

Ich kann die Kritik teilweise nachvollziehen. Ich sehe die Ursache jedoch nicht in der Erzählperspektive, sondern eher darin, dass die Protagonistinnen in der Beschreibung seltsam farblos bleiben, der Fokus liegt im Beschreiben ihres Verhaltens, jedoch wenig in ihren Motivationen und Emotionen. So wird beispielsweise recht ausführlich Barbaras Veganismus thematisiert, aber wer IST Barbara, was fühlt sie, wie ist sie aufgewachsen, was denkt sie, etc… Darüber erfährt man, ebenso wie bei den anderen Figuren erstaunlich wenig. Das gelingt anderen Autoren auch in der 3. Person sehr gut einzufangen, sodass ich nicht primär die Erzählperspektive als Grund für die Entfernung von den Charakteren sehe, die ich auch empfinde. Die Figuren sind für mich einfach nicht gut ausgearbeitet.

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