Fabrizio Gatti

 4.5 Sterne bei 22 Bewertungen
Autor von Bilal, Bilal: Als Illegaler auf dem Weg nach Europa und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Fabrizio Gatti

Fabrizio Gatti, Journalist beim "Corriere della Sera", inzwischen Chefreporter des "Espresso", hat unter falschem Namen bereits als illegaler Erntehelfer, in Obdachlosenquartieren, einer Strafanstalt sowie im Mafia- und Drogenmilieu gelebt und recherchiert. Dreimal wurde er während seiner Reportagen inhaftiert. 2007 erhielt Gatti den Europäischen Journalistenpreis; für "Bilal" wurde er mit dem Premio Terzani ausgezeichnet.

Alle Bücher von Fabrizio Gatti

Bilal

Bilal

 (19)
Erschienen am 01.09.2011
Gli anni della peste

Gli anni della peste

 (0)
Erschienen am 01.11.2014

Neue Rezensionen zu Fabrizio Gatti

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Rezension zu "Bilal" von Fabrizio Gatti

Radikal subjektiv, aber lesenswert
SwissCouchPotatovor 2 Jahren

Einwanderer aus Afrika: Wenn sie es nach Europa schaffen, sind sie als abstrakte (viel zu hohe) Zahl für viele Bürger und Politiker ein Ärgernis; wenn sie auf dem Weg umkommen, im besten Fall eine Randnotiz in der Zeitung. Der italienische Journalist Fabrizio Gatti wollte es genauer wissen und hat den selben Weg auf sich genommen. Er hat auf Gelände- und auf völlig überladenen Lastwagen die Sahara durchquert und sich als "Illegaler" auf Lampedusa festnehmen lassen.

Auf diese Weise konnte er einigen wenigen der vielen Tausend Namenlosen einen Namen und eine Stimme geben, so dass ich als Leser ein wenig an ihrem Schicksal und an ihren Träumen teilhaben kann. Gattis Gespräche mit ihnen unterwegs gehören zu den bewegendsten Passagen des Buches. Anderen Abschnitten hingegen hätte eine Straffung nicht geschadet. Spannend wiederum Gattis Erlebnisse auf Lampedusa, und der Kontrast zum Befund einer offiziellen EU-Delegation. Schockierend waren die E-Mails und Gespräche mit Bekannten aus Libyen, die enthüllen, was mit schwarzafrikanischen Migranten passierte, nachdem Ghaddafi zum Verbündeten Italiens im Kampf gegen illegale Migration geworden war.

Der Autor nimmt vorbehaltlos Partei für jene, die sich auf den Weg machen nach Europa, dem Ziel ihrer Träume, und die unterwegs immer wieder beraubt und geschlagen werden. Einerseits ist das eine Stärke des Buches, und ich bin geneigt, ihm beizupflichten, andererseits hat mich seine etwas zu selbstverständliche Einteilung in Gute, ja sogar "Helden", und Böse – die europäischen Staaten und ihre Beamten – zeitweise gestört. Insgesamt ein Buch mit wichtigen Erkenntnissen – vier Sterne.

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Rezension zu "Bilal" von Fabrizio Gatti

Unfassbar aber wahr!
Ginvor 4 Jahren

Es ist schwer, in Worte zu fassen, was ich in "Bilal" zu lesen bekommen habe.  


Die Geschichte eines couragierten italienischen Journalisten, der die Aufgabe auf sich nimmt, die sogenannte "Sklavenroute" zu durchlaufen, dieselbe, welche die Flüchtlinge aus Nord- und Westafrika durchmachen, um ans Ufer von Lampedusa zu gelangen.  

Dabei beschreibt der Autor nicht nur die unermesslichen Strapazen der Flüchtlinge auf dem Weg: Durst, Hunger, unhygienische Verhältnisse, aber auch die Gefahren, die das "Geschäft" mit sich bringt. 

Denn das Flüchtlingswesen ist ein äußerst lukratives Business für die auf der Sklavenroute etablierten Schlepperbanden, Polizisten, Militärs, LkW-Fahrer, Bootskapitäne und der Geier weiß, wer noch dabei mitverdient. 

Dass der Mensch aus jeder Situation Kapital zu schlagen versucht, ist keine Neuheit. Man kann diese Tatsache begrüßen oder verabscheuen. Ich verabscheue sie, wenn sie auf Kosten der Menschenwürde erfolgt. Die Flüchtlinge werden von ihren Peinigern nicht nur systematisch geplündert, sondern auch noch seelisch gedemütigt,  geschlagen oder in der Wüste sich selber überlassen.


Was sind das für Menschen, die anderen so was antun? Mir ging beim Lesen den kalten Rücken ab. Laufend. 

Die dauerhaften Probleme in Libyen und Nordafrika werden uns in Europa noch lange beschäftigen. Es ist also davon auszugehen, dass die Situation sich ab dem Jahr massiv verschärfen wird. 

Wir Westler, Europäer, EU-Mitglieder, die allergrößten, die es geschafft haben, den Kommunismus zu bodigen, sind nicht in der Lage, das Flüchtlingsproblem aus Nordafrika in den Griff zu kriegen. Mehr noch, unsere Regierungen tragen mit ihrem Zynismus dazu bei, das Problem noch größer zu machen.

Aufwachen, Leute! Wir befinden uns vor einer humanitären Katastrophe!

Dem Autor dieses Buch kann ich nur noch sagen: chapeau! 

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Rezension zu "Bilal" von Fabrizio Gatti

Rezension zu "Bilal" von Fabrizio Gatti
Ein LovelyBooks-Nutzervor 7 Jahren

Einwanderer aus Afrika: Wenn sie es nach Europa schaffen, sind sie als abstrakte (viel zu hohe) Zahl für viele Bürger und Politiker ein Ärgernis; wenn sie auf dem Weg umkommen, im besten Fall eine Randnotiz in der Zeitung. Der italienische Journalist Fabrizio Gatti wollte es genauer wissen und hat den selben Weg auf sich genommen. Er hat auf Gelände- und auf völlig überladenen Lastwagen die Sahara durchquert und sich als "Illegaler" auf Lampedusa festnehmen lassen.

Auf diese Weise konnte er einigen wenigen der vielen Tausend Namenlosen einen Namen und eine Stimme geben, so dass ich als Leser ein wenig an ihrem Schicksal und an ihren Träumen teilhaben kann. Gattis Gespräche mit ihnen unterwegs gehören zu den bewegendsten Passagen des Buches. Anderen Abschnitten hingegen hätte eine Straffung nicht geschadet. Spannend wiederum Gattis Erlebnisse auf Lampedusa, und der Kontrast zum Befund einer offiziellen EU-Delegation. Schockierend waren die E-Mails und Gespräche mit Bekannten aus Libyen, die enthüllen, was mit schwarzafrikanischen Migranten passierte, nachdem Ghaddafi zum Verbündeten Italiens im Kampf gegen illegale Migration geworden war.

Der Autor nimmt vorbehaltlos Partei für jene, die sich auf den Weg machen nach Europa, dem Ziel ihrer Träume, und die unterwegs immer wieder beraubt und geschlagen werden. Einerseits ist das eine Stärke des Buches, und ich bin geneigt, ihm beizupflichten, andererseits hat mich seine etwas zu selbstverständliche Einteilung in Gute, ja sogar "Helden", und Böse – die europäischen Staaten und ihre Beamten – zeitweise gestört. Insgesamt ein Buch mit wichtigen Erkenntnissen – vier Sterne.

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