In der heutigen Zeit kommen Männer an die Macht, die ohne jegliche Reue vergewaltigt haben. Brett Kavanaugh, US Supreme Court Justice, ist wohl das beste Beispiel dafür. Sein Opfer, Christine Blasey Ford, musste mehrfach umziehen, da sie bedroht wurde. Wie kann sie es wagen, gegen ihn auszusagen. Er habe ja nichts getan.
Aktuell geht auf Tiktok, speziell Booktok, ein Sound viral, in dem ein Mann gesteht, dass er eine Frau fast umgebracht hat. Der Sound geht nicht viral, weil seine Tat so abartig ist. Nein, der Sound wird für lustige "haha, ich kann in Bücherläden gehen, ohne ein Buch zu kaufen" Videos genutzt. Obwohl er darüber spricht, dass er eine Frau beinahe getötet hat. Weil es ja nicht so ernst ist, es ist ja nur ein Witz.
Brock Allen Turner, mittlerweile unter dem Namen Allen Turner, hat 2015 Chanel Miller vergewaltigt und bekam nur ein paar Monate, um "seine Zukunft nicht zu ruinieren" wegen "20 Minuten Action".
Und deswegen trifft mich das Buch heute noch einmal anders als es vielleicht sonst getan hätte. Männer, denn in den meisten Fällen sind es Männer, kommen mit ihren Taten sehr einfach davon. Es wird schnell nach Gründen gesucht, weshalb das Opfer Schuld sein könnte. Was sie getan haben könnte, um es zu verdienen. Oder, wieso sie lügt und all das ja nie passiert ist. Zurück bleiben die Überlebenden, die damit leben müssen, dass ihre Gesundheit niemals so viel Wert ist wie der Ruf eines reichen, weißen Mannes.
Darum geht es in Where Sleeping Girls Lie. Die Überlebenden, die versuchen, damit klarzukommen. Ihre Angehörigen, die selbst versuchen, die Scherben aufzusammeln.
Und was passiert, wenn sie sich finden, und kämpfen.
Deswegen ist es mir egal, was für Fehler das Buch haben könnte, auch wenn ich Kleinigkeiten hätte. Das Thema und die Aufarbeitung ist so wichtig und so gut, dass ich nicht aufhören wollte, zu lesen. Hoffentlich gibt es denjenigen, die es brauchen, Hoffnung.