Fatma Aydemir

 4.3 Sterne bei 98 Bewertungen
Autorin von Ellbogen, Eure Heimat ist unser Albtraum und weiteren Büchern.
Autorenbild von Fatma Aydemir (©Bradley Secker/ Quelle: Hanser)

Lebenslauf von Fatma Aydemir

Fatma Aydemir wurde 1986 in Karlsruhe geboren. Sie studierte Germanistik und Amerikanistik in Frankfurt am Main und San Diego. Seit 2012 arbeitet sie als Redakteurin bei der taz. Darüberhinaus schreibt sie als freie Autorin unter anderem für die Zeitschriften Spex und Missy Magazine. Heute lebt sie in Berlin.

Alle Bücher von Fatma Aydemir

Cover des Buches Ellbogen (ISBN: 9783446254411)

Ellbogen

 (80)
Erschienen am 30.01.2017
Cover des Buches Eure Heimat ist unser Albtraum (ISBN: 9783961010363)

Eure Heimat ist unser Albtraum

 (14)
Erschienen am 22.02.2019
Cover des Buches Eure Heimat ist unser Albtraum (ISBN: 9783548062402)

Eure Heimat ist unser Albtraum

 (2)
Erscheint am 02.11.2020
Cover des Buches Georgien. Eine literarische Reise (ISBN: 9783627002572)

Georgien. Eine literarische Reise

 (2)
Erschienen am 31.08.2018

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Rezension zu "Eure Heimat ist unser Albtraum" von Fatma Aydemir

So wichtig!
LiveReadLovevor 5 Monaten

Inhalt

In diesem Buch kommen 14 deutschsprachige Autor*innen zu Wort, die verdeutlichen wollen, wie es sich anfühlt, tagtäglich als Bedrohung wahrgenommen zu werden. Wie es ist, wenn man sich nach jeder Krise im Namen des gesamten Heimatlandes oder der Religionszugehörigkeit rechtfertigen zu müssen. Sie wollen klarstellen, wieso der Begriff „Heimat“ für Deutschland der Falsche ist und ob es überhaupt noch möglich ist Vertrauen in die Behörden zu haben. In persönlichen Essays wird Einblick gegeben in einen Alltag, der dem vermeintlich so aufgeklärte Deutschland den Spiegel vorhält und zeigt, dass unzählige Menschen als „anders“ abgestempelt, kaum geschützt und nicht wertgeschätzt werden.


Ich habe Anfang des Jahres auf Instagram das erste Mal von diesem Buch erfahren und es mir dann direkt gekauft. Es war mir sofort klar, dass ich diese Essays lesen möchte. Ich bin eine weiße cis hetero Frau und habe mit Rassismus nur eines am Hut: ich reproduziere ihn gedankenlos. Damit muss nun endlich Schluss sein und durch dieses Buch wird mir ein Spiegel vorgehalten. Welche Fragen, welche Haltungen, welche Aussagen sind rassistisch. Was muss ich verändern, um diesem Alltagsrassismus die Stirn zu bieten und wie kann ich besser darauf achten, diese Rassismen nicht weiter zu reproduzieren? Ich finde dieses Buch kann mich zu einem besseren Menschen machen. Es ist noch ein weiter Weg aber immerhin ein Anfang.


„Vertrauen heißt, dass ich mir sicher sein kann, dass es den falschen Ort und die falsche Zeit für mich nicht gibt.“ (S. 42)


Es fällt mir sehr schwer diese Rezension zu schreiben, weil ich nicht so wirklich weiß wie ich in Worte fassen soll, was in mir ausgelöst wurde, als ich diese Essays gelesen habe. Das, was ich oben bereits gesagt habe, ist mit jedem Essay deutlich geworden: mir wurde ein Spiegel vorgehalten. Ich habe gesehen, auf wie vielen Ebenen ich mich falsch verhalten habe und noch immer falsch verhalte. Aber ich habe durch dieses Buch auch gesehen, dass ich etwas verändern kann. Dass ich dazulernen kann, indem ich zuhöre, mich selbst zurücknehme und auf die Achte, die vermeintlich „anders“ sind, obwohl sie genauso zu Deutschland gehören wie ich weiße Kartoffel, die einen so deutschen Namen hat, dass es fast schon weh tut.
Mein Herz blutet, wenn ich lesen muss, dass sich einige der Autor*innen als Kind gewünscht haben, weiß zu sein. Mein Herz blutet, wenn ich lesen muss, dass einigen der Autor*innen ihre Qualifikation und Kompetenz abgesprochen wird und ein „Ausländerbonus“ vorgeschoben wird. Mein Herz blutet, wenn ich lesen muss, dass niemand der Autor*innen wirklich Vertrauen in das eigene Land hat, denn viel zu viel ist schief gelaufen. Mein eigenes Vertrauen in dieses Land ist erschüttert. War es schon vor dem Lesen, denn der Rechtsruck macht mir große Angst und Sorge und doch haben diese Essays mir die Dringlichkeit, mit dem wir alle gegen die Afd kämpfen müssen, nur noch einmal mit aller Kraft verdeutlicht.
Ich möchte „Teil einer Gesellschaft sein, in der jedes Individuum ob Schwarz und / oder jüdisch und / oder muslimisch und / oder Frau und / oder queer und / oder nicht binär und / oder arm und / oder mit Behinderung gleichberechtigt sind“ (S. 10). Ich will aufstehen und für die Rechte und Sicherheiten aller Minderheiten kämpfen. Und dieses Buch hat mir klar gemacht, wie wichtig und dringend es ist.


„Migration verändert Deutschland. Das ist unbestreitbar. Aber ist das etwas Schlechtes? (…) Migration schärft den Blick auf die eigenen Werte und stellt die Frage danach, welche davon noch immer sinnvoll sind.“ (S. 120-121)


Dieses Zitat finde ich eines der Wichtigsten im gesamten Buch. Vielfalt ist nichts schlechtes. Vielfalt ist ein Gewinn. Vielfalt lässt etwas wachsen, größer werden und Vielfalt lässt uns voneinander lernen. Durch Migration können wir, wie im Zitat gesagt, die eigenen Werte prüfen und erkennen, was davon noch Bestand haben sollte und was veraltet ist. Wir alle müssen immer und immer wieder unsere Privilegien überprüfen, überdenken und wenn wir erkannt haben, was das Problem ist, können wir daran arbeiten und unsere Denkweise verändern. Dabei hilft uns die Vielfalt und durch ein solches Buch können wir das erkennen. Nichts ist so wunderschön wie Vielfalt.

Fazit

Ich kann euch nur ans Herz legen dieses Buch zu lesen, wenn ihr bereit seid in einen sehr unangenehmen Spiegel zu blicken. Doch dieser Spiegel schadet euch nicht, sondern hilft euch etwas zu erkennen. Zu erkennen welche Privilegien ihr genießt und wie ihr diese erkennen und zurücknehmen könnt. Dieses Buch ist ein Angriff, ja. Aber nicht gegen Menschen, sondern gegen meine Privilegien. Wenn ich es schaffe, diese Privilegien hinunterzuschlucken, andere Perspektiven einzunehmen und versuche Schritt für Schritt meine Rassismen abzubauen, dann kann ich (und jeder andere auch) es schaffen, dieses Land zu einem zu Hause für jeden zu machen.


„Ich glaube nicht an Heimat. Ich glaube an Heimaten.“ (S. 194)


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Rezension zu "Eure Heimat ist unser Albtraum" von Fatma Aydemir

Alltagrassismus
Buecherseele79vor 5 Monaten

Als ich noch Kind war, da war ich mit vielen Kindern aus verschiedenen Ländern in einer Klasse und fand das immer toll weil soviele Kulturen aufeinander treffen.

Und natürlich gab es auch Ausdrücke wie „dummer Türke“, „Spagettifresser“ oder „Kartoffelgesicht“, und damals wie heute weiß ich dass es jeden geschmerzt hat wenn er auf so ein Wort reduziert wurde, es hat die anderen geschmerzt, ebenso wie mich.


Wie sieht es heute aus?
Ist der Rassismus aus Deutschland „verschwunden“?
Kann man von einem „gerechtfertigten“ Rassismus reden oder sind das eben die Nazis und die AfD die nur so reden?

Wie werden „andere Mitbürger“ in unserer Mitte respektiert, angenommen, wahrgenommen?


„Eure Heimat ist unser Albtraum“ besticht schon durch sein Cover, denn wenn man genau hinsieht fallen ein paar Worte weg und geben so eine neuen und doch gleichen Sinn.


Die Idee zu diesem Buch kam, als 2018 das Amt des „Heimatministeriums“ ins Leben gerufen wurde, mit einem Politiker an der Spitze, der eigentlich keine Ahnung von Heimat und Gemeinschaftsgefühl hat.

Dem seine erste Amtshandlug daraus bestand zu behaupten dass der Islam nicht zu Deutschland gehöre...


14 Menschen schreiben hier ihre Gedanken, Erfahrungen und Ansichten auf, was sie bewegt, was sie erschreckt, schockiert und sie auch ratlos zurücklässt.

Auch beider Autorinnen/Herausgeberinnen schreiben ihre Erfahrungen nieder und das Buch ist wichtiger denn je, so einfach ist das.


Beim lesen hatte ich ständig eine immense Wut im Bauch, ich habe mich geschämt, ich habe gelacht und war oft fassungslos, ich habe noch einiges dazugelernt und vor allem gemerkt -  Nein!!, Deutschland hat seinen Rassismus nicht im Griff, auch nicht im Alltag.


Das Buch ist keines was Menschen nutzen um zu jammern, Aufmerksamkeit zu erhaschen oder einen Gegenwind ohne Sinn zu erzeugen, sondern sie erzählen wie es  ihnen im Alltag ergeht.

Dass sie oft in 2ter oder 3ter Generation in Deutschland zu Hause sein sollten, hier geboren wurden und doch werden sie auf ihre Hautfarbe, Augen – oder Haarfarbe, auf ihr Gewicht oder Äusseres reduziert, müssen sich ständig anhören woher sie denn kommen, warum sie so gut die deutsche Sprache sprechen und ob sie nicht irgendwann wieder zurückwollen, in ihr Heimatland... doch Deutschland ist ihre Heimat, sie sind hier geboren, also haben sie die gleichen Rechte wie jeder andere Bürger auch.


Und genau hier hapert es schon.


Nicht nur dass man die Politik in dieser Angelegenheit komplett in die Tonne kicken kann, eigentlich halb Europa, nein, auch die Gesellschaft versagt.

Und hier wird nicht nur die AfD erwähnt sondern das was man als „Alltagsrassismus“ bezeichnen kann.

Nicht nur die Fragen an die Mitbürger, nein, auch dass man sie verurteilt wenn sie nur an meinem vorbeilaufen, aus „Spass“ werden eben mal so „nette“ Worte wie „Kanake“ oder „Spagettifresser“ oder „Nigger“ gesagt, die Leute sollen doch nicht alles so ernst nehmen.

Sollte auch nur einer der „anderen“ Mitbürger meinen die Arbeit ist sehr anstrengend oder man fühlt sich krank, wurde belästigt, verdrängt, beleidigt, angegriffen – dann kommt der Standartsatz - „Dann geh doch zurück in deine Heimat!“


Diese 14 Menschen schreiben auch, was ihre Großeltern als Gastarbeiter damals in Deutschland geleistet haben, wie ihr Leben damals aussah, wie es für sie weiterging.

Was wären wir denn ohne die Mitbürger aus anderen Kulturen in Deutschland?
Wie gut würde die innere Struktur noch laufen, gerade im öffentlichen Bereich, im Gesundheitswesen, ect?


Das Buch ist ein Augenöffner, in allen Belangen.

Es versteht zu schockieren, es versteht zu erklären dass wir die ganze Thematik nach dem zweiten Weltkrieg überhaupt nicht aufgearbeitet haben, dass der Alltagsrassismus noch immer in sovielen Menschen steckt und es ein respektloser Umgang geworden ist.


Die letzte Geschichte von Simone Dede Ayivi hat mich sehr berührt, hat Mut gemacht und war eine Freude zu lesen.

„Zu Hause ist, wo ihr seid. Ich glaube nicht an Heimat, ich glaube an Heimaten“.

Und dem kann man sich, nach diesem Buch, nur anschließen – wenn wir alle Heimaten haben, dann entsteht eine große Gemeinschaft die voneinander lernt, zueinander steht und viele interessante, kulturelle Eigenschaften hervorbringen wird.

Es ist kein Hexenwerk gegen Rassismus einzustehen, im Alltag den Kopf einzuschalten, hinzusehen statt wegzusehen.


Ich empfehle dieses Buch wirklich jedem und allen, denn es ist wichtiger denn je!



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Rezension zu "Eure Heimat ist unser Albtraum" von Fatma Aydemir

Eure Heimat ist unser Albtraum - Fatma Aydemir, Hengameh Yaghoobifarah
bouquinvor einem Jahr

Inhalt
Wie fühlt es sich an, tagtäglich als „Bedrohung“ wahrgenommen zu werden? Wie viel Vertrauen besteht nach dem NSU-Skandal noch in die Sicherheitsbehörden? Was bedeutet es, sich bei jeder Krise im Namen des gesamten Heimatlandes oder der Religionszugehörigkeit der Eltern rechtfertigen zu müssen? Und wie wirkt sich Rassismus auf die Sexualität aus?
Dieses Buch ist ein Manifest gegen Heimat – einem völkisch verklärten Konzept, gegen dessen Normalisierung sich 14 deutschsprachige Autor_innen wehren. Zum einjährigen Bestehen des sogenannten „Heimatministeriums“ sammeln Fatma Aydemir und Hengameh Yaghoobifarah schonungslose Perspektiven auf eine rassistische und antisemitische Gesellschaft. In persönlichen Essays geben sie Einblick in ihren Alltag und halten Deutschland den Spiegel vor: einem Land, das sich als vorbildliche Demokratie begreift und gleichzeitig einen Teil seiner Mitglieder als »anders« markiert, kaum schützt oder wertschätzt.
Mit Beiträgen von Sasha Marianna Salzmann, Sharon Dodua Otoo, Max Czollek, Mithu Sanyal, Margarete Stokowski, Olga Grjasnowa, Reyhan Şahin, Deniz Utlu, Simone Dede Ayivi, Enrico Ippolito, Nadia Shehadeh, Vina Yun, Hengameh Yaghoobifarah und Fatma Aydemir. Quelle: https://www.ullstein-buchverlage.de/nc/buch/details/eure-heimat-ist-unser-albtraum-9783961010363.html

Bewertung:
In den verschiedenen Texten der AutorInnen werden Themen angesprochen, die in erster Linie den Heimat-Begriff behandeln. Mit diesem Begriff werden auch Fragen zu Rassismus, Diskriminierung, Sexismus, Feminismus, Kultur und Gesellschaftskritik gestellt, hinterfragt und kritisch reflektiert. Die AutorInnen erzählen aus ihrem Leben und ihren persönlichen Erfahrungen zu Diskriminierungen aufgrund ihres Aussehens, und Begegnungen die mit Ausgrenzung, Verständnislosigkeit und Ignoranz verbunden werden. Anhand alltäglicher Beispiele erklären sie wie dieser Erfahrungen ihr Denken und ihr Sein beeinflusst hat. Dieses Buch zeichnet sich weiters durch eine Ehrlichkeit aus, die mich oft überraschte. Es werden unangenehme, unglaubliche und unverständliche Szenarien und Ereignisse beschrieben, die jedem/r LeserIn sicher noch lange im Kopf herumschwirren werden.
Ich empfehle dieses Buch jedem/r, die sich kritisch mit gesellschaftlichen Themen zu Othering, Rassismus, Herkunft und Fremdzuschreibungen auseinandersetzen will. Dieses Buch spricht für eine gesellschaftliche Akzeptanz und gegen Ignoranz und Rassismus.

Fazit:
Dieses Buch regt zum Nachdenken an. Nachdenken was falsch ist, was richtig. Was sein soll und was nicht. Nachdenken darüber, was man selbst ändern kann. Nachdenken über Dinge, die nicht zum Alltag eines jeden Menschen gehören sollte. 

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