Fatma Aydemir

 4.1 Sterne bei 74 Bewertungen
Autorin von Ellbogen, Georgien. Eine literarische Reise und weiteren Büchern.
Fatma Aydemir

Lebenslauf von Fatma Aydemir

Fatma Aydemir wurde 1986 in Karlsruhe geboren. Sie studierte Germanistik und Amerikanistik in Frankfurt am Main und San Diego. Seit 2012 arbeitet sie als Redakteurin bei der taz. Darüberhinaus schreibt sie als freie Autorin unter anderem für die Zeitschriften Spex und Missy Magazine. Heute lebt sie in Berlin.

Neue Bücher

Eure Heimat ist unser Albtraum

Erscheint am 22.02.2019 als Hardcover bei Ullstein fünf.

Alle Bücher von Fatma Aydemir

Ellbogen

Ellbogen

 (73)
Erschienen am 30.01.2017
Georgien. Eine literarische Reise

Georgien. Eine literarische Reise

 (1)
Erschienen am 31.08.2018
Eure Heimat ist unser Albtraum

Eure Heimat ist unser Albtraum

 (0)
Erschienen am 22.02.2019

Neue Rezensionen zu Fatma Aydemir

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bootedkats avatar

Rezension zu "Georgien. Eine literarische Reise" von Fatma Aydemir

„Was man festhält, verliert man, was man verschenkt, behält man.“ - Die Verschiebung der Perspektive
bootedkatvor 3 Monaten

Ich war in Georgien. Ich bin in Tuschetien und Kachetien auf Berge gestiegen, habe das Stalin Museum in Gori besichtigt und bin über schlechte Straßen Adschariens gefahren. Ich bin durch die Altstadt von Tblissi und durch die Dörfer Swanetiens geschlendert und habe schließlich den Kasbek vor mir aufragen sehen.

Nun, leider habe ich das alles nicht wirklich erlebt. Die berühmte Reise mit dem Finger auf der Landkarte war diesmal eher eine Reise mit den Gedanken zwischen den Seiten. Und um ehrlich zu sein, bin ich auch nur mitgereist. Eingeladen durch die Textsammlung „Georgien. Eine literarische Reise“ folgt man sechs Autorentandems quer durch Georgien und erfährt dabei so einiges über das Land, die Menschen und die Kultur. Initiiert wurden die Autorenreisen durch das Georgian National Book Center, Unterstützung kam durch das Goethe-Institut Georgien. Sechs deutsche und sechs georgische Autoren haben sich dann jeweils paarweise in eine Region Georgiens begeben. Dabei liegt der Fokus immer darauf, was der fremde und was der eigene Blick sieht. So unterschiedlich wie die Autoren sind auch ihre Erlebnisse und Texte.

Reiseberichte, Kurzgeschichten und Gedichte erzählen von einem Land mit einer bewegten Vergangenheit, die die heute dort lebenden Menschen immer noch prägt. Bereits der erste Text von Lucy Fricke macht deutlich, dass die Kultur nach wie vor stark von der Vergangenheit beeinflusst ist. Innerhalb der Texte wird aber auch die Rolle der Literatur in der Kultur hervorgehoben. Das als Titel verwendete Zitat des georgischen Schriftstellers Schota Rustaweli ist dem Buch vorangestellt und gibt treffend wieder, worum es eigentlich geht. Hält man an der eigenen Perspektive fest, dann entgeht einem das, was der Blick von außen wahrnimmt. Wenn man sich aber öffnet und die fremde Perspektive zulässt, dann gewinnt man einen neuen Blick auf etwas Bekanntes und manchmal wird das Altvertraute so zu etwas Neuem.

"Georgien. Eine literarische Reise" nimmt den Leser mit auf eine Entdeckungsreise durch ein widersprüchliches aber, den Texten zufolge, auch sehr schönes Land. Die Vielfalt der Texte und die darin literarisch erzählten Erlebnisse sprechen dafür, dass Unterschiede auch immer eine Bereicherung sind. Dadurch, dass die Schriftstellertandems in unterschiedlichen Regionen Georgiens unterwegs waren, macht man während des Lesens einmal eine Rundreise. Dabei ist der Begriff „literarische Reise“ doppeldeutig zu verstehen. Zum einen natürlich, weil man die Reise anhand literarischer Texte unternimmt, zum anderen, weil jede Region ihre eigene literarische Geschichte und ganz eigene Erzählkultur hat, die in den einzelnen Texten auch deutlich wird. Das Buch macht neugierig, Georgien selbst einmal zu bereisen und zu erkunden und wer bereits dort war, wird sicherlich das eine oder andere in den Texten wiedererkennen.

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SharonBakers avatar

Rezension zu "Ellbogen" von Fatma Aydemir

Hart, krass & schockierend ...
SharonBakervor 8 Monaten

Hazal lebt in Berlin mit ihren türkischen Eltern und ihren Bruder zusammen. Ihr Leben besteht momentan nur aus dem nicht gemeldeten Job bei ihrem Onkel, dem begleitenden Unterricht und dem Kiffen. Außerdem steht bald ihr Geburtstag an und ihre Volljährigkeit will sie mit ihren Mädels richtig feiern. Nur verläuft der Tag so ganz anderes, als gedacht und endet in einer Katastrophe. Für Hazal steht fest, sie muss weg, raus aus dem Elternhaus, raus aus ihrem Leben, raus aus Deutschland. So flieht sie zu ihrer Internetbekanntschaft nach Istanbul, wo sie noch nie war. Aber ist das wirklich besser? Kann Hazal endlich zu sich selber finden? Oder wird ihr Gewissen ihr ins Leben reden?

Dieses Buch habe ich schon so oft gesehen, aber immer wieder weggelegt, da das Thema ja nicht unbedingt leichte Kost ist. Außerdem sind unsere Nachrichten voll mit schockierenden, da möchte man nicht auch noch seine Freizeit damit verbringen, oder? Anderseits ist es wichtig sich mit dem Hier und Jetzt zu beschäftigen, hinter die Fassade zu gucken und zum Nachdenken angeregt zu werden. So ist dieses Buch, bei meinem Buchclub vorgeschlagen worden und nun gelesen. Ob es mich nachdenklich gemacht hat, erzähle ich euch nun.

Die Geschichte um Hazal ist in drei Teile gegliedert. Der erste Teil widmet sich ihren Leben in Deutschland und das ist alles andere als toll, sondern extrem trostlos. Hazal ist eine junge Frau und wird im ersten Kapitel beim Klauen erwischt, hier schimmert schon durch, dass sie einfach nur alle Klischees bedienen möchte. Sie hat keine Zukunftspläne, wird von ihren Eltern extrem klein gehalten und fühlt sich durch ihr Gefängnis einsam, allein, nutzlos und ungeliebt. Die Eltern haben sich nichts zusagen, fühlen sich fremd und können mit ihren Gefühlen nicht umgehen, das übertragen sie natürlich auf ihre Kinder. Der Sohn ist der kleine King, der alles darf, aber Hazal hat zu Hause zu bleiben und sich, um den Haushalt zu kümmern. Dabei sieht Hazal, das es auch anders gehen kann, dass man eine Ausbildung machen, sich frei fühlen und leben kann, als Mädchen, aber sie darf nicht. Beziehungsweise wartet darauf, dass das Leben zu ihr kommt, weil sie selber nichts in die Hand nimmt. Diese angestaute Wut, der Druck der Familie, die Einsamkeit in Leben, ist unglaublich spürbar beschrieben und lässt keinen Leser kalt.

Der zweite Teil ist dem Ausbruch gewidmet, nachdem es in Deutschland zu ihrem Geburtstag zu einem Gewaltverbrechen gekommen ist, ist Hazal geflohen. Sie findet bei Mehmet, ihrem Internet Freund einen Unterschlupf und versucht, die Dinge in ihrem Leben klarzusehen, neu zu formen und irgendwie weiterzumachen, aber ist die Türkei, dafür der beste Ort. Die Autorin lässt nämlich die Unruhen, die Kämpfe und die Politik einfließen und das dieses Land keineswegs frei und grenzenlos ist, spürt Hazal bald am eigenem Körper. Hin und her gestoßen zwischen Familie, Kulturen und Traditionen sucht dieses junge Mädchen ihren Platz. Aber was genau möchte sie? Welche Träume hat sie? Welche Zukunft wünscht sie sich?

Diese Geschichte ist ein Abziehbild unserer Gesellschaft, überfordert, hilflos und machtlos. Immigration, ein Thema was uns ständig beschäftigt und diesmal aus der Sicht eines jungen Mädchens erzählt. Ich kann es gar nicht richtig in Worte fassen, wie mich die Geschichte zurückgelassen hat, geschockt, sprachlos, überfordert, aber auch sehr nachdenklich. Der Mensch verurteilt gern sehr schnell und lässt sich ungern vom anderen überzeugen, das dieser Weg nie der richtige ist, ist auch jedem klar, aber trotzdem brechen die Grenzen schlecht auf. Hier ist so ein Beispiel, Hazal ist rotzfrech, kifft und ihr Ausdruck alles andere als damenhaft, aber woher kommt das. Es ist Wut, auf die Eltern, die Gesellschaft, auf ihr ganzes Leben, die Perspektivlosigkeit und der Umstand, das ihre Träume nicht zählen, aber rechtfertig es diese Tat. Ich bin unschlüssig und auch mit dem Ende nicht ganz glücklich, aber auf jeden Fall nachdenklich.

Ich glaube, mehr wollte die Autorin auch gar nicht. Sie möchte aufmerksam machen, bedient sich dabei einer derben Sprache, lässt oft rotzige Ausdrücke fallen, aber auch gleichzeitig die Ohnmacht des eigenen Lebens spüren. Sehr krass, stark, eigenwillig, hart und kompromisslos erzählt Fatma Aydemir diese Geschichte, lässt ihren Leser wirklich einen Gefühlsausbruch nach dem anderen mitfühlen. Die Tiefschläge der Ellbogen miterleben und einen aufgewühlt zurück. Dieses Buch, so bewegend eindringlich erzählt, lässt einen doch ungläubig nachdenklich zurück.

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Caro_Lesemauss avatar

Rezension zu "Ellbogen" von Fatma Aydemir

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Caro_Lesemausvor einem Jahr

Die 17-jährige Hazal wurde in Deutschland geboren, ihre Familie ist türkisch. Ständig ist sie hin- und hergerissen zwischen den türkischen Familientraditionen und Moralvorstellungen und der Lebensweise der deutschen Teenager um sie herum. Nach einer folgenschweren Nacht mit ihren Freundinnen Gül und Elma flieht Hazal nach Istanbul zu ihrer Facebookbekanntschaft Mehmet. Doch was macht man in einem Land, das eigentlich Heimat sein soll, dessen Sprache man aber nur leidlich spricht und das einen selbst als eigentlich Deutsch sieht?


Hazals Erlebnisse haben mich sehr mitgenommen. Das Buch ist aus ihrer Ich-Perspektive mit einer entsprechend angepassten Sprache geschrieben. Ohne die vielen "Opfer", oder "krasse" Sachen wäre es viel weniger glaubwürdig gewesen - daher passt die Sprache, auch wenn sie sicherlich nicht anspruchsvoll ist. Ich war schockiert, in welchen Abgrund die drei Mädchen abrutschen. Ich konnte nachvollziehen, wie es dazu kam, wenn man sich nirgendwo zugehörig fühlt und glaubt, keinerlei Chancen auf eine andere Zukunft zu haben. Schade fand ich das sehr offene Ende, deswegen ein Stern Abzug.


Fazit:
Ein guter Roman über ein wichtiges Thema in unserer Mitte, den ich sehr weiterempfehlen kann!

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