Fatma Aydemir Ellbogen

(53)

Lovelybooks Bewertung

  • 47 Bibliotheken
  • 2 Follower
  • 1 Leser
  • 18 Rezensionen
(19)
(24)
(9)
(1)
(0)

Inhaltsangabe zu „Ellbogen“ von Fatma Aydemir

Sie ist siebzehn. Sie ist in Berlin geboren. Sie heißt Hazal Akgündüz. Eigentlich könnte aus ihr eine gewöhnliche Erwachsene werden. Nur dass ihre aus der Türkei eingewanderten Eltern sich in Deutschland fremd fühlen. Und dass Hazal auf ihrer Suche nach Heimat fatale Fehler begeht. Erst ist es nur ein geklauter Lippenstift. Dann stumpfe Gewalt. Als die Polizei hinter ihr her ist, flieht Hazal nach Istanbul, wo sie noch nie zuvor war. Warmherzig und wild erzählt Fatma Aydemir von den vielen Menschen, die zwischen den Kulturen und Nationen leben, und von ihrer Suche nach einem Platz in der Welt. Man will Hazal helfen, man will mit ihr durch die Nacht rennen, man will wissen, wie es mit ihr und mit uns allen weitergeht.

Ein Roman, der von Wut, Hilflosigkeit und Ausgrenzung erzählt und gleichzeitig das Thema Migration aus einer neuen Sicht sieht.

— Ingwermaedchen
Ingwermaedchen

Beklemmend - interessant - spannend - berührend - traurig....

— naninka
naninka

Ein starker Debutroman von Fatma Aydemir mit einer Protagonistin, die lange im Gedächtnis bleibt - sehr lesenswert!

— blauerklaus
blauerklaus

Das Ende lässt wirklich sehr viel offen, aber der Handlungsstrang ist ihr wirklich sehr gelungen!

— MoWilliams
MoWilliams

Dieses Buch zeigt uns Deutschland durch die Augen einer 17jährigen Türkin. Es hat mich wirklich beeindruckt. Lesen!

— TanyBee
TanyBee

Sehr tiefgründig und überraschend. Total interessant mal etwas aus einer deutsch türkischen Sicht zu lesen!

— Linatost
Linatost

Sehr aufwühlend, gesellschaftskritisch - klare Leseempfehlung.

— Sikal
Sikal

Eine Antiheldin, die ihren Platz in der Welt sucht und dabei auf dem falschen Weg ist...Fatma Aydemir schreibt richtig gut!

— marielilith
marielilith

Der Drahtseilakt einer jungen Deutschtürkin, die versucht auf ihre Weise im Leben Fuß zu fassen. Schockierend, aufwühlend und einprägsam.

— jenvo82
jenvo82

Großartiges Debüt. An die grobe Sprache musste ich mich erst gewöhnen,aber sie passt zur Geschichte,die erzählt wird. Top aktuell & bewegend

— -Leselust-
-Leselust-

Stöbern in Romane

In einem anderen Licht

Ein sehr mitreißender Roman abends mit Tee und Kerzen

Anja_Si

Der Junge auf dem Berg

Eine Geschichte, die wach rüttelt und wieder und wieder an das appelliert, was wichtig ist. Wer bestimmt deine Gedanken?

Maren_Zurek

Palast der Finsternis

Zu viel, was man schon gelesen hat.

momkki

Zartbitter ist das Glück

Tiefgründig, exotisch und emotionsgeladene Geschichte von fünf Freundinnen die ihren lebensabend gemeinsam auf den Fidschis erleben möchten

isabellepf

Der Vater, der vom Himmel fiel

Britischer und schwarzer Humor bis hin zu brüllender Komik

Hennie

Liebe zwischen den Zeilen

Eine liebevolle Geschichte, wie Bücher unterschiedlichste Menschen verbinden und ihre Leben verändern können.

MotteEnna

  • Rezensionen
  • Leserunden
  • Buchverlosungen
  • Themen
  • Wahrheit oder das was wir hören wollen?

    Ellbogen
    Sumsi1990

    Sumsi1990

    13. August 2017 um 19:54

    Hazal ist 17 und in Deutschland geboren. Sie lebt mit ihren doch koservativen türkischen Eltern und ihrem Bruder in Berlin, hat keine Ausbildung und arbeitet in der Bäckerei eines Onkels. Nebenbei nimmt sie mehr oder minder an einem staatlichen Berufsvorbereitungsprogramm teil, das aber zu nichts führt. Gemeinsam mit ihren Freundinnen will sie sich jedoch wie jeder Jugendliche frei und unabhängig fühlen und nicht von ihren Eltern eingeschränkt werden. In der Türkei hat sie dazu Mehmet, den sie über Facebook kennengelernt hat und den sie jedenfalls besser kennenlernen will, ohne dass ihre Eltern natürlich etwas davon wissen. Nach einem misslungenen Partyabend zu Hazals Geburtstag begehen den frustrierten, aggressiven und berauschten Mädchen ein folgenschweres Ereignis... Das Buch ist sehr modern geschrieben und klingt daher extrem glaubwürdig. Es ist schnell und leicht zu lesen und fesseld durchaus. Die Frage die ich mir nach dieser Lektüre noch lange gestellt habe ist jedoch folgende: Hat die Autorin mit diesem Buch ihren eigenen Landsleuten nicht noch mehr Steine beim Thema Integration in den Weg gelegt? Ich selbst bin ein Mensch, der seine Meinung nicht von solchen Dingen beeinflussen lässt, aber ist es in der  heutigen Zeit wirklich ratsam, ein Buch zu schreiben, dass sämtliche Klischees im Bezug auf Kriminalität und Desinteresse an Integration erfüllt. Ich denke nämlich, dass derjenige Leser, der den Inhalt derart verstehen will, sich auch keine darüber hinausgehenden Gedanken dazu macht, vor allem natürlich keine, ob wir als Gesellschaft hier auch unseren Teil dazu beitragen! Mir selbst hat das Buch sehr gut gefallen und ich finde es auch toll, dass sich ein Schriftsteller die Negativbeispiele aufzeigen traut. Mir ist nur nicht klar, ob man hier gerade heutzutage irgendjemanden einen Gefallen damit getan hat! 

    Mehr
  • Hazal - die Suche nach sich selbst

    Ellbogen
    naninka

    naninka

    27. June 2017 um 23:20

    Zum Inhalt: Sie ist siebzehn. Sie ist in Berlin geboren. Sie heißt Hazal Akgündüz. Eigentlich könnte aus ihr eine gewöhnliche Erwachsene werden. Nur dass ihre aus der Türkei eingewanderten Eltern sich in Deutschland fremd fühlen. Und dass Hazal auf ihrer Suche nach Heimat fatale Fehler begeht. Erst ist es nur ein geklauter Lippenstift. Dann stumpfe Gewalt. Als die Polizei hinter ihr her ist, flieht Hazal nach Istanbul, wo sie noch nie zuvor war. Warmherzig und wild erzählt Fatma Aydemir von den vielen Menschen, die zwischen den Kulturen und Nationen leben, und von ihrer Suche nach einem Platz in der Welt. Man will Hazal helfen, man will mit ihr durch die Nacht rennen, man will wissen, wie es mit ihr und mit uns allen weitergeht. Hazal ist in Deutschland aufgewachsen, sogar dort geboren und eigentlich voll integriert, so sollte man meinen. Nur bekommt sie einerseits ein ständiges latentes abgewiesen werden zu spüren und rebelliert auch still zu Hause gegen die türkischen Sitten. Ein Leben zwischen zwei Kulturen, ein wütendes Rebellieren, ein nicht Akzeptiert werden, ... Obwohl sie in Deutschland geboren wurde, ist und fühlt sie sich als Mädchen mit Migrationshintergrund, die weder den Erwartungen ihrer türkischen Familie noch derer ihres deutschen Umfelds entsprechen kann. Als sie mit ihren Freundinnen an ihrem Geburtstag allen Hindernissen trotzt, aufgetakelt in einen Club geht und nach langem Anstehen nicht eingelassen wird, zieht sie mit ihrer Mädchenclique frustriert wieder ab. Und dann geschieht etwas. Etwas unfassbar schlimmes - aus einer harmlosen Provokation heraus. Hazal flüchtet nach Istanbul zu ihrem Skype-Freund und landet vom Regen in die Traufe... Denn auch hier fühlt sie sich fremd und ungeliebt. Ihr Traumprinz entpuppt sich als abgelöschter Junkie und auch sonst läuft alles nicht sehr gut. Mehr sei hier nicht gespoilert. Das Buch ist hart, krass, sprachlich direkt und zuweilen vulgär. Es ist interessant, traurig und hoffnungslos. Die Suche einer Jugendlichen nach sich selbst, doch sie findet sich nicht...

    Mehr
    • 3
  • "Überall nur Ellbogen, von denen, die stärker sind als wir"

    Ellbogen
    blauerklaus

    blauerklaus

    25. June 2017 um 20:29

    „Elma wirkt immer wie die Stärkere, dabei ist es in Wahrheit ganz anders. Ihr Herz ist total anfällig, man kann es so leicht brechen. Wegen der Ellbogen, die uns das Leben reingerammt hat, immer wieder, und immer noch. Überall nur Ellbogen von denen, die stärker sind als wir.“ (Seite 165*) Integration, Migrationshintergrund und die aktuelle politische Lage in der Türkei, das sind die Schlagworte, die mir beim Lesen des Klappentextes zu diesem Roman in den Sinn gekommen sind. Anhand des Schicksals der jungen Deutschtürkin Hazal schafft es Fatma Aydemir diese Punkte zu thematisieren ohne sie explizit anzusprechen. InhaltHazal Akgündüz ist siebzehn, in Deutschland geboren und lebt mit ihren türkischstämmigen Eltern in Berlin. Die Schule hat sie abgebrochen, sie macht gerade eine „“BVB“ (berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme) wo sie nichts lernt, außer Bewerbungen zu schreiben, die jedoch niemals zu einem Jobangebot führen. Nebenbei arbeitet sie in der Bäckerei ihres Onkels. Ihre depressive Mutter verbringt die Abende mit türkischen Fernsehserien, ihr Vater verbringt die meiste Freizeit im Café mit seinen türkischen Freunden, ihr Bruder scheint erste Kontakte ins kleinkriminelle Milieu zu knüpfen. Ihren achtzehnten Geburtstag möchte Hazal gerne mit ihren Freundinnen feiern, doch ihre konservativen Eltern sind strikt dagegen. Die Perspektivlosigkeit und die Enge ihrer Familie frustrieren Hazal. „Und vielleicht sieht es von außen tatsächlich so aus, als ob ich mein Leben schon verpfuscht habe. Ja, wahrscheinlich habe ich ja auch ein verpfuschtes Leben. Mama wollte immer, dass ich Arzthelferin werde, und ich wollte Ärztin sein. Jetzt bin ich nichts von beidem und finde nicht mal eine Ausbildung zur Verkäuferin.“ (Seite 16)Die einzigen Lichtblicke in Hazals Leben scheinen die Abende mit ihren Freundinnen zu sein und ihre Skype-Telefonate mit ihrem „Freund“ Mehmet, einem jungen Deutschtürken, der aufgrund zahlreicher Vorstrafen in die Türkei abgeschoben wurde und jetzt in Istanbul lebt. An ihrem Geburtstag kann Hazal sich dann doch von zu Hause loseisen und sie macht sich mit ihren Freundinnen auf den Weg in einen angesagten Berliner Club, scheitern jedoch an dem unnachgiebigen Türsteher, der ihnen den Zutritt verwehrt. Das ist dann eine Demütigung zu viel. Alkohol, Wut und die aufgestaute Frustration entladen sich bei den jungen Frauen in einem Gewaltakt in einer Berliner U-Bahn-Haltestelle. In der scheinbar ausweglosen Situation beschließt Hazal in die Türkei zu flüchten und in Istanbul den Versuch zu starten, ein neues Leben zu beginnen. Doch in Istanbul angekommen, muss Hazal feststellen, dass sie auch hier nicht wirklich dazugehört. Außer Mehmet kennt sie hier niemanden und ihr Türkisch ist nicht so gut, dass sie sich ohne Probleme überall verständigen kann. Von den Einheimischen wird sie aufgrund ihres Akzentes direkt als Deutsche erkannt. Sie versucht sich irgendwie in Istanbul durchzuschlagen, doch als es dann auch noch zum versuchten Militärputsch in der Türkei kommt, scheint ihre Situation ausweglos zu sein. Meine MeinungIn ihrem Debutroman gibt uns Fatma Aydemir einen starken Einblick in das Leben einer jungen Frau, die neben den üblichen Problemen jugendlicher Heranwachsender auch noch mit den Schwierigkeiten ihres türkischen Migrationshintergrundes zu kämpfen hat. Hazals schnoddrige und oft aggressive Verhaltensweise macht sie nicht zu einer Sympathieträgerin, dennoch hofft man als Leser, dass sie den Weg aus der eingeschlagenen Abwärtsspirale findet. Einige Rezensenten bemängeln, dass die Darstellung von Hazal und ihrem Umfeld den angeblich gängigen Klischees von jungen Deutschtürken entspricht. Das habe ich so allerdings nicht empfunden. Dass Fatma Aydemir hier kein repräsentatives Bild aller jungen Frauen mit Migrationshintergrund in Deutschland zeichnet, sondern nur ein mögliches Schicksal beschreibt, dürfte jedem klar sein, so viel Intelligenz sollte man dem Leser schon zutrauen. Ob man tatsächlich die Ereignisse des Putschversuches aus dem letzten Sommer hätte einfließen lassen müssen, wage ich zu bezweifeln. Hazals Geschichte ist auch so bereits stark genug für einen Roman. Aber vermutlich waren die Eindrücke, die Fatma Aydemir, die sich zum Zeitpunkt des Putschversuchs für Recherchearbeiten in der Türkei aufhielt, zu stark, um nicht den Weg in den Roman zu finden. Als kleiner Kritikpunkt kann vermerkt werden, dass mir das Ende dann doch überraschend schnell kam. Gerade der ruhigere Teil des Buches, der in Istanbul spielt, hätte in meinen Augen etwas länger sein können. FazitWenn ein Buch Perspektiven und Einsichten aufzeigt, die man aus dem täglichen Leben nicht kennt, dann hat es in meinen Augen schon viel erreicht. Vielleicht kann es sogar etwas zum Verständnis junger Erwachsener in Deutschland beitragen. Fatma Aydemirs Debutroman ist für mich ein starkes Stück Literatur mit einer Protagonistin, an die ich noch länger zurückdenken werde. Und bei aller Perspektivlosigkeit, blitzt doch auch ein Funken Hoffnung auf: „Aber das war nicht nur wegen der Nacht oder wegen dem Studenten, ich war schon vorher wütend, die ganze Zeit. Und nach der Nacht war alles plötzlich anders. Vielleicht nur für ein paar Tage, aber es hat sich so angefühlt, als sei nicht schon jeder Stein auf meinem Weg vorherbestimmt. Als gäbe es da einfach noch eine andere Möglichkeit vor mir.“ (Seite 170). *Die Seitenangaben bei den Zitaten beziehen sich auf die deutsche ebook-Ausgabe.

    Mehr
    • 3
  • Hart - Härter - Hazal

    Ellbogen
    TochterAlice

    TochterAlice

    27. May 2017 um 19:25

    Hazal lebt in Berlin mit ihrer ganzen Familie, schon von Geburt an. Aber sie ist Türkin, wenn auch ihr Deutsch um einiges besser ist als ihr Türkisch. In ihrer Kindheit war sie alle zwei Jahre im Sommerurlaub in Bursa, eigentlich ist das alles, was sie von der Heimat ihrer Eltern kennt. In Deutschland gilt sie... nun, sie weiß selbst nicht so recht, als was, jedenfalls nicht als Deutsche. Es ist für sie schwer, ihren Platz in der Gesellschaft und mehr noch im Leben als solchem zu finden. Zu Hause ist sie die brave Tochter, außerhalb raucht sie Joints, gibt auch mal Kontra und weiß nicht so recht, wohin mit sich. Zumal sie auch keinen Ausbildungsplatz gefunden hat bisher. Jetzt wird sie achtzehn und will es mal richtig krachen lassen - im Kreise ihrer Freundinnen.Doch dann passiert etwas und schwuppdich, ist Hazal in Istanbul, in Istanbul, das sie überhaupt nicht kennt außer von kurzem Eindruck aus dem Fenster des Busses, der sie nach Bursa bringt. Seien wir ehrlich - Hazal muss jetzt fliehen: vor der Justiz, davor, endgültig aus Deutschland ausgewiesen zu werden (ja, das geht, obwohl sie dort geboren wurde) - aber am meisten, am allerallermeisten flieht sie vor sich selbst. Vor dem, was aus ihr geworden ist, was sie nie sein sollte und vor allem - vor dem, was aus ihr noch zu werden droht. Ja, Hazal ist hart und wie ich es erwartet habe, ist sie es auch wieder nicht. So soll es sein, aber ich empfinde dieses Dilemma und den Weg, den sie damit geht, nicht als so eindringlich geschildert, wie ich es mir erhofft hätte.Denn Hazal kennt sich selbst nicht und eigentlich hatte sie auch nie die Chance, sich kennenzulernen. Das alles fand ich - auch als Angehörige einer anderen Nationalität in Deutschland aufgewachsen - eindrucksvoll und stimmig. Dennoch: es geht mir hier zu extrem zu in alle Richtungen. Klar, die Verlorenheit der jungen Generation kommt hier durchaus zum Ausdruck, aber irgendwie fehlt es der Schilderung aus meiner Sicht ein bisschen an Kraft - das, was sie für immer in mein Herz einbrennen würde, das fehlt. Genau das erwarte ich aber von einem Buch zu einem solchen Thema, es soll lodern, krachen, explodieren. In gewisser Hinsicht tut es das auch im zweiten Teil, der in Istanbul spielt, aber nicht so, wie ich es mir gewünscht hätte. Um mit Autorinnen wie Elif Shafak mithalten zu können, braucht es hier noch ein wenig mehr - finde ich jedenfalls.

    Mehr
  • Ein wichtiges Buch, dass viele Leser verdient hat!

    Ellbogen
    TanyBee

    TanyBee

    24. May 2017 um 11:47

    Die Ich-Erzählerin in „Ellbogen“ ist Hazal, eine 17jährige Deutsch-Türkin, die in Berlin lebt. Die Handlung setzt ein kurz vor ihrem 18. Geburtstag, den sie mit ihren Freundinnen feiern will, sie wollen ausgehen, tanzen. Ihre Freundinnen, Gül und Ebru, sind auch Türkinnen, Elma ist Bosnierin. Und so scheint Hazal in einer Parallelwelt zu leben, alle Leute, die sie kennt, haben ausländische Wurzeln, sie nennt sie „Kanaken“ im Gegensatz zu den Deutschen, den „Kartoffeln“. Hazals Welt ist ganz anders, als die von deutschen Mädchen in ihrem Alter. Sie hat strenge Eltern, die ihr wenig erlauben und sieht kaum Zukunftsaussichten für sich. Das liegt auch an dem Rassismus, den sie täglich erlebt. Dieser muss sich nicht mal in Worten äußern: der Ladendetektiv beobachtet sie besonders genau, es ist für sie schwerer einen Ausbildungsplatz zu bekommen. Sie sieht so wenig Zukunft für sich, dabei hätte sie ein Vorbild in der Familie: Tante Semra, die studiert hat, als Sozialarbeiterin arbeitet und ein selbstbestimmtes Leben führt. Dieser Roman hat mich sehr überrascht und beeindruckt. Warum? Er schafft es, uns Deutschland durch die Augen einer Deutsch-Türkin zu zeigen. Und das ist ein ganz anderes Deutschland, als ich es sehe. Das Buch zeigt die Zerrissenheit des Mädchens: sie wächst in einer Kultur auf, die nicht die Kultur des Landes ist, in dem sie lebt. Sie ist keine Deutsche, sie ist aber auch keine Türkin. Ich glaube, sie fühlt sich als Mensch zweiter Klasse. Die Sprache im Buch ist umgangssprachlich, krass, so wie Hazal sprechen würde. Das ist gewöhnungsbedürftig, aber genau richtig. Auch wenn mich die Ausdrücke an vielen Stellen abgestoßen haben, so vermitteln sie doch die Situation perfekt. Hazal begeht im Laufe der Handlung eine große Dummheit. Das Buch verteidigt sie nicht, aber es zeigt, wie es soweit gekommen ist. Ein wichtiger Roman in der heutigen Zeit! Er beschönigt nicht, er stellt sich nicht auf eine Seite, er zeigt einfach den Ist-Zustand. Ich wünsche dem Buch viele Leser, die das Gelesene reflektieren und in sich aufnehmen. PS: Im Text kommt oft das Wort „Abla“ vor, wird aber nicht weiter erläutert. Klar, kann man googeln, man kann aber auch die türkischen Nachbarsmädchen fragen. Es bedeutet „Schwester“.

    Mehr
    • 2
  • Absolut Lesenswert!!!

    Ellbogen
    Linatost

    Linatost

    23. May 2017 um 20:44

    In meiner Lieblingsbuchhandlung war eine Lesung der Autorin, sie spricht schön und sie schreibt schön. Sie konnte mich vollkommen in den Bann dieses Buches ziehen. Ich war anfangs kritisch ob mir ein Buch aus der Sicht einer 17 Jährigen zusagen würde. Zum Glück hab ich mich davon nicht abschrecken lassen. Es geht um die 17 Jährige Hazal. Sie lebt in Berlin Wedding. Sie hat eine Menge Wut in sich, seit Monaten sucht sie eine Ausbildung  und träumt von einem normalen Leben. Normal bedeutet für sie ein normales Leben in Deutschland. Weniger von den kritischen Augen ihrer Mutter beäugt zu werden, die sie auch noch für dumm hält. Von ihrem Migranten Hintergrund und den Wertvorstellungen ihrer Eltern fühlt sie sich eingeengt. Einzig zu ihrer Tante Semra hat sie eine innigere Beziehung. Ihre Wut schlägt immer mehr in Aggression um auch Pöbeleien und Drohungen gegenüber Passanten werden mehr und mehr zu ihrem Alltag. Nach einer missglückten Partynacht flieht sie nach Istanbul. Dort findet sie Unterschlupf bei ihrer Facebook Liebe. Der Roman spielt im Sommer 2016, Hazal erlebt Hautnah die politischen Unruhen und letztlich auch den Putschversuch gegen Erdogan. Aber auch in der Türkei verfolgen sie die Ereignisse aus Deutschland und die engen Moralvorstellungen der Türken. Das Buch hat mich Begeistert! Die Autorin hat es geschafft die Sprache und das Leben einer 17 Jährigen für Erwachsene Lesbar zu machen. Überrascht hat mich die Story. Es war interessant Hazal ein Stück weit durch ihr Leben zu begleiten und mal von der anderen Seite aus zu gucken. Ich denke wir alle haben diese Phase nach der Schule und Ausbildungssuche, mag es nun weiterführende Schule, Ausbildung oder Studium sein, erlebt. Wir alle hatten Mitschüler mit türkischen Wurzeln und ihrer strengere Erziehung und ihre eigenen Feste erlebt. Aber bisher hatte ich noch keine Vorstellung davon, wie es aus ihrer Perspektive ist. Darum halte ich dieses Buch für absolut Lesenswert.

    Mehr
  • LovelyBooks Romane-Challenge 2017: Die Challenge mit Niveau

    aba

    aba

    LovelyBooks lädt im neuen Jahr wieder zu spannenden Challenges ein.Und auf euch warten tolle Gewinne.Die anspruchsvolle Gegenwartsliteratur ist 2017 wieder dabei!Liest du gerne Bücher mit Niveau?Dann ist diese Challenge genau das Richtige für dich.15 anspruchsvolle Romane möchten wir vom 01.01.2017 bis 31.12.2017 lesen.Es gelten Bücher - Gegenwartsliteratur -, die in diesem Zeitraum erscheinen (Ersterscheinungen) und an diesem Beitrag angehängt sind.Auch Neuauflagen – 2017 erschienen - von Klassikern.Die Regeln: Melde dich mit einem kurzen Beitrag hier im Thread an. Einstig ist jederzeit möglich. Und du kannst dich jederzeit wieder abmelden. Du verpflichtest dich zu nichts. Schreibe bitte zu jedem Buch, das du für die Challenge gelesen hast, eine Rezension bei LovelyBooks, und verlinke diese in einem einzigen Beitrag in diesem Thread. Dieser Beitrag, wird von mir unter dem entsprechenden User-Namen in der Teilnehmerliste verlinkt. Das wird dein Sammelbeitrag für deine Rezensionen sein. Es gelten nur Bücher, die an diesem Beitrag angehängt sind! Bitte beachten: Die Liste der Bücher erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Nimmst du die Herausforderung an? Unter allen Teilnehmern, die es schaffen, 15 Romane mit Niveau bis zum 31.12.2017 zu lesen und zu rezensieren, wird ein tolles Buchpaket verlost.Natürlich mit den passenden Büchern zum Thema. Ich freue mich auf viele Anmeldungen! Teilnehmer: AgnesM aljufa Ancareenanneschuessler anushka Arietta ArizonaAspasia ban-aislingeachbanditsandra Barbara62 blaues-herzblatt BookfantasyXY bookgirl Buchina Buchraettinc_awards_ya_sin CaroasCaro_LesemausCornelia_Ruoff Corsicana Curin cyrana czytelniczka73 dia78 DieBerta Dionemma_vandertheque erinrosewell Federfee Flocke86 Fornika Frau_J_von_T Gela_HK Ginevra Gruenentegst Gwendolina hannelore259 imitas Insider2199 Isaopera jenvo82 JoBerlin kalestraKatharina99 katrin297Katze21 krimielse lesebiene27 leselea LibriHolly maria1 Maritzel marpije Mercado Miamou Mira20 miro76  miss_mesmerized moni_lovesMotte_muqqel Nane_M naninka Nilonce-upon-a-time parden Petris Pocci Sandra_Halbesar89 schokoloko29 serendipity3012 SikalSimi159 sofie solveig SorR StefanieFreigericht Sumsi1990 suppenfee Susibelle TanyBee Tinchen07 TochterAliceulrikerabe vielleser18 Weltensucher Xirxe xlxn Yolande

    Mehr
    • 1704
  • Auf der Suche nach sich selbst

    Ellbogen
    Sikal

    Sikal

    18. May 2017 um 07:59

    Hazal ist Deutsch-Türkin, zwar in Deutschland geboren, doch nicht dort zu Hause wo sie lebt. Über allem schwebt wie ein Damoklesschwert das Wort „Migrationshintergrund“. Sie kämpft nicht nur mit ihrem Aussehen, ihrem Stellenwert innerhalb der Familie, der Perspektivenlosigkeit. Hazal fehlen Wurzeln und Werte. Mit den Wertvorstellungen ihrer Eltern kann sie nichts anfangen, das Beschönigen und Aufsehen zu einem „Führer“, der endlich Ordnung und Struktur in ein Land bringen soll, das sie nur vom Erzählen kennt, ist nicht ihre Welt. Sie zieht sich zurück, spürt immer mehr, wie Wut in ihr aufkommt, begeht den einen oder anderen Ladendiebstahl. Als ihr 18. Geburtstag vor der Tür steht, will sie endlich loslassen, feiern und mit ihren Freundinnen die Nacht zum Tag machen. Doch als die Mädchen vom Türsteher eines Clubs abgewiesen werden, eskaliert die Situation und all die aufgestaute Wut Hazals bricht hervor. Als einzigen Ausweg sieht die junge Frau nun eine Flucht in die Türkei, ein Land das sie nicht kennt, mit dem sie nichts anfangen kann. Doch auch dort muss sie erkennen, dass es den Jugendlichen nicht besser geht als in Deutschland, die politischen Wirrungen ängstigen sie noch mehr. Sie sieht keinen Ausweg und rennt wieder weg. Die Autorin Fatma Aydemir hat hier eine sehr schockierende Geschichte geschrieben. Wenn man oft in den Nachrichten von gewaltbereiten Jugendlichen hört/liest, wird man aufmerksam auf diese jungen Erwachsenen, die so sehr mit sich selbst und der Umwelt kämpfen bis sie explodieren und leider trifft es meist den Falschen. So auch hier in diesem Buch ist man schockiert ob der Gewaltbereitschaft der Mädchen. Und doch weiß man nicht, welche Provokationen, welche Vorkommnisse die Ursache waren - schwer nachzuvollziehen, wenn die eigenen Kinder in einem sozialen Netzwerk gut aufgefangen sind. Der Schreibstil wechselt je nach Situation, beschreibend und bildgewaltig und dann wieder kurz und prägnant, auf jeden Fall temporeich. Die Sprache ist teilweise ziemlich brutal, die Wortwahl authentisch. Der Roman beschäftigt sich mit Zerrissenheit, Perspektivenlosigkeit, Angst vor der Zukunft, aber auch der Einsamkeit. Die Geschichte rüttelt auf, hallt auch nach dem Zuschlagen des Buches noch nach. Die Autorin schafft es ein gutes Bild einzufangen, man spürt förmlich die Wut, die Enttäuschung vor dem Leben. Welche Perspektiven haben Jugendliche in unserer Gesellschaft? Welchen Platz weisen wir ihnen zu?

    Mehr
    • 2
  • Starkes Debüt mit aktuellen Themen.

    Ellbogen
    -Leselust-

    -Leselust-

    06. May 2017 um 17:05

    Kurzmeinung:Was für ein großartiges Debüt. Zugegeben, an die teilweise sehr grobe, aggressive Sprache musste ich mich erst gewöhnen. Aber dieser Stil passt einfach zu der Geschichte, die erzählt wird und verschmilzt so zu einem stimmigen Gesamtbild. Eine Geschichte, die aktueller kaum sein könnte und Einblicke gibt, in die Perspektivlosigkeit und das Reinrutschen in eine Abwärtsspirale aus Diebstahl, Gewalt und Flucht.Meine Meinung: Was mir als erstes als sehr besonders bei diesem Buch aufgefallen ist, ist die Sprache. Der Umgangston ist teilweise sehr grob und roh, dadurch aber auch sehr echt.Hazal redet Klartext. Es ist in dem Buch abgeduckt, was ihr gerade durch den Kopf geht. Das ist manchmal nicht schön, aber auf jeden Fall "echt". An die Wortwahl musste ich mich erstmal gewöhnen, aber es passt eben zu dem, was erzählt wird und von wem erzählt wird und ergibt insgesamt ein stimmiges Bild.Die Charaktere sind trotz der groben Sprache fein beobachtet und genau portraitiert.Zunächst ist da Hazals Familie. Ihre Eltern sind sehr streng, wenig liebevoll und engen Hazal sehr ein. Auch die Religion und die Anforderungen, was von einem muslimischen Mädchen erwartet wird, spielen im Familienleben eine große Rolle.Insgesamt bekommt der Leser einen interessanten Einblick in die türkische Kultur, das Familiengefühl, die Religion und das Frauenbild."Das erste, was ich nach dem Sprechen gelernt habe, war das Lügen." (Ellbogen, S. 119)Hazal ist eine sehr coole Protagonistin, die irgendwie immer ein bisschen trotzig und frech wirkt. Aber gleichzeitig ist sie auch nachdenklich und verletzlich. Sie sieht, wie sehr die Religion sie einengt, wie die Frauen benachteiligt werden.Sie tut knallhart und tough, aber eigentlich ist sie unsicher. Vor allem wenn sie über ihren Schwarm Mehmet redet, kann man das spüren."Einsamkeit kann man nicht teilen." (Ellbogen, S. 93)Nach und nach lernt man Hazal besser kennen, sieht den weichen Kern hinter der harten Schale.So zum Beispiel, wenn plötzlich in einem Nebensatz erwähnt wird, dass sie mehrmals versucht hat sich das Leben zu nehmen."Vielleicht ist Normalsein wirklich das Schlimmste, das einem passieren kann." (Ellbogen, S. 158)Man taucht immer mehr ab in ihre Welt, die teils aus Selbstmitleid, teils auch aus echter Perspektivlosigkeit besteht. Sehr glaubwürdig gerät man mit ihr in diese Abwärtsspirale aus Ablehnung und Frustration, die zunächst zu Ladendiebstahl und dann zu roher Gewalt führt.Wir fliehen mit Hazal nach Istanbul und sind mit ihr gemeinsam enttäuscht, weil dort doch nicht alles so toll ist, wie erhofft. Und auch Mehmet ist nicht der Traumprinz, den sie sich ausgemalt hatte.Ab hier hat mich das Buch dann so richtig in seinen Bann gezogen, da Hazal eine sehr spannende Entwicklung durchmacht und der Charakter an Tiefe gewinnt. Das ist sehr interessant und durch die Ich- Perspektive sehr gut mitzuverfolgen. Fazit: Insgesamt steckt in diesen knapp 300 Seiten so viel drin. Das Buch ist Entwicklungsroman, Milieustudie, Gesellschaftskritik. Und ist dabei hoch aktuell, wenn Themen wie Migration, Integration und kulturelle Identität angesprochen werden. Aber auch Vorurteile und Ängste gegenüber Flüchtlingen, die politische Situation in der Türkei und Erdogan Gegner dort und Anhänger hier werden thematisiert.Das alles ist aber gut verpackt in einer Geschichte, die unterhält, die anders ist und frisch.Ein großartiges Debüt. Nah, authentisch, frech und vielseitig. Absolute Leseempfehlung! 

    Mehr
  • Dü kämpfst dieselben Kämpfe - nur woanders

    Ellbogen
    jenvo82

    jenvo82

    05. May 2017 um 10:35

    „Vielleicht fühlt es sich mittlerweile so gemütlich an, allen etwas vorzuspielen, dass ich einfach nicht mehr checke, wer ich eigentlich bin.“ Inhalt Hazal lebt mit ihrer Familie in Berlin, wurde zwar in Deutschland geboren, muss sich aber immer noch mit einem Migrationshintergrund abfinden. Bedingt durch eine strikte Erziehung, die sich an den Wertvorstellungen ihrer türkischen Eltern orientiert, fühlt sich die fast 18-Jährige dermaßen eingeengt und in die Ecke getrieben, dass sie ihren Geburtstag und ihre Volljährigkeit gebührend feiern möchte. Gemeinsam mit ihren türkischen Freundinnen, will sie einen angesagten Club besuchen, wird aber abgewiesen. Voller Wut und Selbsthass, betrinken sich die Mädchen und vermöbeln einen deutschen Studenten in der U-Bahn-Station. Der junge Mann wird zum Prellbock für all die anderen, die Hazal Steine in den Weg gelegt haben, die sie nicht wahrnehmen und immer nur Erwartungen stellen. Diesmal sind es ihre Ellbogen, die den Fremden treffen und nicht die der anderen, die ihr seelisches und körperliches Leid zufügen. Doch aus dem vermeintlichen Spaß wird bitterer Ernst, als Hazal ihr Opfer auf die Schienen stößt und er nicht mehr in der Lage ist, das Gleisbett aus eigener Kraft zu verlassen. Hazal bleibt nur die Flucht, zurück in ein Land, was noch nie ihre Heimat war, die Flucht in ein Leben aus Schuld Bedrängnis und nicht enden wollender Einsamkeit … Meinung Die Autorin Fatma Aydemir fesselt in ihrem Debütroman den Leser an eine äußerst unbequeme, teilweise schockierende Geschichte, die sich nur am Rande mit dem Erwachsenwerden auseinandersetzt und deren Fokus vielmehr auf der inneren Heimatlosigkeit, auf dem Gefühl des Unverständnisses anderer gegenüber der eigenen Persönlichkeit beruht. Dabei gelingt es ihr, eine durchaus authentische, wenn auch brutale Lebensweise zu schildern, die den Leser einerseits abstößt, ihn andererseits aber eine Welt außerhalb des eigenen Sichtfeldes offenbart. Dieser Roman zieht in den Bann des Geschehens, polarisiert ungemein und wirft viele Fragen auf, die man noch während des Lesens stellen möchte und deren Antwort man sucht, einfach um ohne Schaden aus der Erzählung herauszugehen. Gerade dieser unmittelbare, unmissverständliche Aufruf hat mir gefallen: „Sieh zu, woher du deine Ansichten beziehst und urteile nicht vorzeitig über andere, denen Wurzeln und Werte fehlen!“ Die Sprache der jungen Hazal, die derbe Wortwahl, der gewählte Schreibstil, bereiten mir persönlich etwas Probleme. Erinnert fühlte ich mich hier an die Figur des Heiko aus dem Roman „Hool“ von Philipp Winkler. Sie ähneln sich Heiko und Hazal, sie sind gewaltbereit, aufsässig und innerlich total zerrissen. Sie sind gefangen in einem Leben, welches sie selbst nicht gutheißen und schaffen es nicht, sich aus eigener Kraft etwas annähernd Authentisches zu schaffen. Mit der Protagonistin konnte ich kein Mitleid empfinden, doch ihr Leben und Handeln, die innere Stimme wurde von der Autorin grandios umgesetzt, so dass alles sehr echt und umso bedrohlicher auf mich wirkt. „Ellbogen“ ist ein sehr umfassender Roman, der mehrere Themengebiete streift. Nicht nur die alltägliche Problematik Jugendlicher wird aufgegriffen, sondern auch die Frage nach Zugehörigkeit, nach Freundschaft und Vertrauen, nach Lebensmaximen, fatalen Entscheidungen, nach Scham, nach Reue aber auch nach Selbsthass und Wut. All diese emotionalen Begriffe setzt Fatma Aydemir in einen schlüssigen Kontext, der den Leser von Berlin nach Istanbul führt, der ihn seltsam entwurzelt zurücklässt und mit einem ständigen Kopfschütteln lesen lässt. FazitIch vergebe 4,5 Lesesterne (halber Punkt Abzug wegen einer mir befremdlichen Schreibweise) für diesen tiefsinnigen, ehrlichen, schockierenden Roman über ein gewaltbereites Mädchen und ihr Leben am Rande der Legalität. Die Geschichte hat ein wahnsinniges Potential und lässt mich nach dem Lesen nicht los, sie zeigt in einem fast alltäglichen Handlungsverlauf die Wanderung auf einem schmalen Grat zwischen Absturz und Gleichgewicht halten, zwischen Gehen oder Bleiben, zwischen Zukunft und Beschämung, zwischen Einsamkeit und Verloren-Sein. Für Liebhaber zeitgenössischer Gesellschaftskritik genauso empfehlenswert wie für junge Menschen, die auf der Suche nach Innerlichkeit sind. Gerne mehr davon.  

    Mehr
    • 7
  • Hazal A. - Wir Kinder von Berlin-Wedding

    Ellbogen
    derMichi

    derMichi

    02. May 2017 um 09:10

    Eine Geschichte, die auch in einer deutschen Familie vor vierzig Jahren noch funktioniert hätte. Hazal lehnt sich gegen die Haltung ihrer Familie, die Begünstigung ihres jüngeren Bruders, das resignierte Abfinden mit dem Gegebenen und die religiöse Bigotterie ihrer Familie auf, wo Gott nur noch an den Feiertagen eine Rolle spielt. Also sucht sie ihre Heimat bei ihren Freundinnen, die zumindest teilweise und mit Wucht das ausleben, was außerhalb von Hazals Familienkosmos für Freiheit gehalten wird. Die Eltern haben sich längst damit abgefunden, dass ihre Familie eher aus pragmatischen Gründen und der Sorge um den guten Ruf zusammengehalten wird, doch ihre Tochter will das pralle Leben, das tagtäglich vor ihrer Nase stattfindet.Dass diese überschäumende Wut und Energie irgendwann in einer Katastrophe enden muss erscheint logisch und spätestens mit Hazals Beteiligung an einem schwerwiegenden Verbrechen ist es mit ihrer Traumwelt endgültig vorbei. All ihre Werte werden allerdings über Bord geworfen, als sie nach Istanbul kommt. Auf diese Stadt hat sie nicht einmal die mit Inbrunst ausgelebte Türkei-Nostalgie ihrer Eltern vorbereitet, die sich im sicheren Deutschland einen starken Führer für "ihr Land" wünschen. Das alles beschreibt Fatma Aydemir mit einer unverblümt direkten, oft vulgären Sprache, die das imitiert, was Hazal in ihren Kreisen für salonfähig hält.Anstatt großartig über das Leben oder Weltanschauungen zu philosophieren stolpert Hazal auch in ihrer angeblichen Heimat von einer brenzligen Situation in die andere und muss erkennen, dass ihre Altersgenossen in der Türkei keineswegs besser dran sind als in Deutschland. Hier wie dort kompensiert man die Angst vor der Zukunft mit Drogen, Passivität oder Gewalt. Dazu kommen die ersten Ausläufer von Erdoğans großer Verhaftungswelle, die insbesondere junge Leute mit Freiheitsidealen zu treffen scheint. Trotz der drastischen Ereignisse, die Hazal durchlebt, scheint sich sie sich nur wenig zu verändern. Vielmehr ist es ein trotziges Immer-weiter-machen, dass sie selbst nach dem Verlust ihrer wenigen Freunde vorantreibt. Niemand versteht sie ihrer Meinung nach, sie macht es ihrem Umfeld aber auch nicht gerade leicht. Und ob sie tatsächlich Schuld an dem begangenen Verbrechen hat oder ob ihr Umfeld sie derart geprägt hat, dass es nur dieses eine Ventil geben konnte, bleibt fraglich.In dieser Hinsicht ist Aydemirs Debütroman mit einem gesunden Maß an kritischer Distanz zu lesen, alles andere ist der Autorin allerdings hervorragend gelungen. Die Szenen sind lebendig, die Konflikte glaubwürdig und selbst als behütet aufgewachsener "Biodeutscher" meint man manches Verhalten nachempfinden zu können. Die Wut, die Enttäuschung, der Ärger über die ältere Generation, die eigentlich Vorbild sein sollte, tatsächlich aber an starren Ritualen und einstudierten Phrasen festzuhalten scheint. Ein Konflikt, der gleichzeitig sehr speziell und doch universell ist. Vielleicht liegt es daran, dass man mit der insgesamt etwas grob skizzierten Heldin dann doch mitfühlen kann.Seitenzahl: 272Format: 13,5 x 21,1 cm, gebundenVerlag: Hanser

    Mehr
  • eine junge Frau setzt hier mehr als nur ihren Ellbogen ein

    Ellbogen
    Gruenente

    Gruenente

    22. April 2017 um 16:04

    Hazal ist eine ziemlich wütende junge Frau. Sie lebt in Berlin, ist Deutsch-Türkin und lebt mit ihrer traditionellen Familie zusammen. Keine Perspektive, keine Ausbildung, ein kleiner Ladendiebstahl. Aber viele Wünsche und Träume: die große Liebe, schöne Dinge, Freiheit. Und zuerst mal einen grandiosen 18. Geburtstag! Doch das geht gründlich schief. Sie und ihre Freundinnen werden in den Club, in dem sie die Nacht durchtanzen wollten nicht reingelassen. Die Wut steigt. Sie explodieren als ein abgetrunkener Typ sie in der U-Bahn blöd anspricht. Sie werden gewalttätig. Hazal flieht in die Türkei. Doch wird es dort besser? Gehört sie dorthin? Welche Perspektive hat sie in Istanbul? Ist Mehmet, den sie vorher über Facebook kennenlernte ihr Traumprinz? Hazal flieht in ein Land, das sich im politischen Umbruch befindet. Freunde kommen in den Knast. Sie findet keinen Job. Da kommt ihre Lieblingstante aus Deutschland. Kann sie Hazal auf einen guten Weg bringen? Das Buch ist voller Tempo, der Sprachstil krass und ungewöhnlich, die Autorin schreckt auch vor Gossensprache nicht zurück. Dann folgen wieder fast poetische Passagen. Ein starkes Debüt, das viele Gedanken und Gefühle in mir ausgelöst hat. Schließlich wird die Gesellschaft in der ich lebe kritisiert und ich habe auch noch zwei Teenager-Töchter.

    Mehr
  • Eine abgefahrene Milieustudie, rotzig, frech, ehrlich!

    Ellbogen
    Kerstin_KeJasBlog

    Kerstin_KeJasBlog

    16. April 2017 um 22:09

    Klischees – was sind das schon? Vorurteile, Phrasen, abgedroschene Meinungen zu Kulturen, Menschen und deren Gewohnheiten, Sitten, Bräuche?  Braucht man nicht? Bekommt man aber – auf ganzen 272 Seiten und ich hätte noch viel, viel mehr davon lesen können. Über Hazal, ihre Freunde, ihr Leben, ihre Familie und all das ganze Drumherum. Die Autorin Fatma Aydemir hat mir mit ihrem Debüt-Roman „Ellbogen“ nicht unbedingt die Augen geöffnet, aber sie hat meine Sichtweise wieder ein stückweit geändert. Zu den Männern, die dominieren und zu den Frauen die sich dominieren lassen. Zu den Töchtern, die Frauen sein möchten aber es nicht dürfen. Zu den Söhnen, die einen höheren „Mehrwehrt“ haben, selbst wenn sie nichts wert sind.Zu einer Gesellschaft voller unzufriedener und unglücklicher Menschen, die sich beugen und damit im Alltäglichen verschwinden. Unsichtbar und heimatlos in der neuen oder alten, nicht unbedingt freiwillig selbstgewählten Fremde, die nie ein richtiges zu Hause sein wird.Menschen, deren Geburtsland letztendlich absolut keine Rolle spielt, sondern einzig und alleine das Umfeld, die Familie, die Sippschaft. Traurig hat mich all das gestimmt. Diese Zwänge und dieses Gezwungene. Aber es hat mich auch großartig unterhalten. Hier und da wusste ich nicht, ob ich Hazal in den Arm nehmen soll zum Trösten oder ob sie nicht einen ganz gewaltigen Tritt in den Hintern verdient hätte. „Wenn ich selbst etwas darauf gegeben hätte, normal zu sein, dann würde ich immer noch im Wedding sitzen und das brave türkische Mädchen spielen und irgendwann den Sohn eines beschissenen Nachbarn heiraten…“ (Buch Seite 158)  Hazal, diese junge, gerade mal 18jährige Türkin, die ohne Kopftuch vor die Türe geht, Party macht, gerne einen Joint raucht und mit ihren Freundinnen richtig Spaß haben kann. Im gleichen Atemzug aber noch so viel Kind ist, so unerfahren und ängstlich. Ziel- und orientierungslos und irgendwie müde wirkend angesichts des alltäglichen Trottes und der Gewissheit da niemals heraus zu kommen. Orientierungslose Zukunft, vorgelebt von den Müttern und den Müttern der Mütter. Wer ausbricht und „anders“ ist, scheint schlechter zu sein. Die Geschichte erzählt Hazal selbst und das ist genau richtig so. Die Ich-Form bringt alle Emotionen erst richtig hervor und wäre in einer Erzählung durch eine andere Person nie so authentisch. Hazals Wut bricht sich langsam aber stetig ihre Bahn. Es hat mich eh verwundert wie lange sie dafür brauchte. Das ausgerechnet ein Fremder darunter leiden muss, machte es nicht besser aber auch nicht schlimmer. Es musste einen erwischen, es war zu erwarten und hat mich nicht überrascht, im Gegenteil, irgendwie habe ich sogar darauf gewartet – Klischee, dass ich nicht lache. Denn erst so machte die Reise Hazals durch ihr Leben und die „Flucht“ nach Istanbul einen Sinn. „Es ist als ob sich eine Schicht von meinem Geheimnis gelöst hat. Die Fetzten, die von ihm abgefallen sind, wirbeln in mir herum. Sie proben einen kribbeligen, verschissenen Aufstand,…“ (Buch Seite 173) Es liest sich locker und leicht, fluffig wenn ich das so sagen darf. Angenehm unkompliziert, frisch und erfrischend. Rotzig und frech, wobei es kein Stück vulgär klingt. Die Zwischentöne sind allerdings ein anderes Thema. Istanbul erwartet Hazal mit einem Kulturschock. Die Deutschtürkin muss wohl oder übel erkennen, dass sie auch hier irgendwie fehl am Platz ist – eine Außenseiterin, wieder einmal ohne Perspektive, das hatte sie doch schon zur Genüge. Nur das es hier dann doch etwas anders ist als in Deutschland. Das politische Geschehen wird nur angeritz, der Putsch ist ahnbar aber da Hazal so unwissend ist, erfährt man als Leser eben nur das was gerade geschieht und und was Hazal meint darüber zu wissen – also ziemlich wenig.  Dieses Buch, diese Geschichte ist gelungen. Die Personen in ihr tragen nicht nur Namen, sondern bekommen ihre eigenen Gesichter und dabei auch jede Menge Fett weg. Egal ob es die kleine schrumpelige Dame mit ihren verkackten fünfunddreißig Cent ist, der dauerhaft stoned wirkende Mehmet oder Gül mit ihren Riesenbrüsten. Letztendlich alles Einzelgänger in einer riesigen Gemeinschaft. „Einsamkeit kann man nicht teilen…“ (Buch Seite 251) Für mich ein lesenswertes Debüt, ehrlich und offen, niveauvoll trotz oder auch wegen der sprachlichen Gestaltung und anklagend, ohne dabei den Zeigefinger zu erheben – nein, es war eher der Mittelfinger. verfasst von © Kerstin 16.04.2017

    Mehr
  • Tolles Romandebüt

    Ellbogen
    Flamingo

    Flamingo

    14. April 2017 um 23:25

    Ich habe neulich ein unglaublich sympathisches Interview bei #ttt mit Fatma Aydemir gesehen und mir daraufhin "Ellbogen" gleich gekauft. Um was geht es: KLAPPENTEXTSie ist siebzehn. Sie ist in Berlin geboren. Sie heißt Hazal Akgündüz. Eigentlich könnte aus ihr eine gewöhnliche Erwachsene werden. Nur dass ihre aus der Türkei eingewanderten Eltern sich in Deutschland fremd fühlen. Und dass Hazal auf ihrer Suche nach Heimat fatale Fehler begeht. Erst ist es nur ein geklauter Lippenstift. Dann stumpfe Gewalt. Als die Polizei hinter ihr her ist, flieht Hazal nach Istanbul, wo sie noch nie zuvor war. Mit diesem Klappentext kann man gut in den Roman starten, alles andere wäre zu spoilerisch. Aydemir schreibt großartig authentisch und ehrlich; wenn es irgendwo in der U-Bahn nach Pisse riecht, dann schreibt sie auch, dass es nach Pisse riecht. Da wird nichts beschönigt, auch wenn eben dadurch als Konsequen viele ihrer Figuren nicht zu Sympathieträgern werden. Aydemir hat hier wirklich ein tolles Erstlingswerk abgeliefert und ich hoffe, sie bleibt beim Romane schreiben. Ich ziehe einen Stern ab für das offene Ende. Zum Schluss manövrieren sich sowohl Hazal als auch die Autorin in eine Ecke; wie soll es weitergehen? Weitergehen mit Hazals Leben, weitergehen mit der Geschichte. Es scheint ausweglos, aber dann kneift die Autorin mMn und hört einfach auf. Es gibt sicher Leser, die sich am offenen Ende nicht stören, für die ist es eine 5-Sterne-Geschichte. Ich wurde trotzdem rasant, emotional und nachdenklich gut unterhalten. 

    Mehr
  • "Vielleicht macht uns das Leben wütend." (S. 202)

    Ellbogen
    leselea

    leselea

    05. April 2017 um 14:39

    Ich habe Angst, dass ich für immer auf der Ersatzbank rumsitze und auf das richtige Leben warte und das richtige Leben einfach nicht passiert. (S. 65) Hazal ist ängstlich: Sie hat Angst, das wahre Leben zu verpassen, nie ihren Platz in der Welt zu finden und für das bisschen Glück, das jedem Erdenbürger zusteht, schon zu spät dran zu sein. Aber Hazal ist auch lustlos: Statt die berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme zu nutzen und sich für einen Ausbildungsplatz reinzuhängen, jobbt sie lieber nebenbei bei ihrem Onkel und kifft sich nach Feierabend mit ihren Freunden die Birne zu. Vor allem ist Hazal aber wütend: Auf all die blonden Ärztetöchter, die schon immer auf sie, die Kanakin herabgeblickt haben, auf die Türsteher, die sie nicht in die angesagten Club lassen und auf ihre Eltern, die ihr kein bisschen Freiheit schenken, obwohl sie doch schon so gut wie 18 ist. Angst, Antriebslosigkeit und Wut erzeugen eine unheilvolle Dynamik und führen Hazal schließlich an einen Punkt, an dem sie nur noch zwischen Flucht und Gefängnis wählen kann. Sie entscheidet sich für ersteres und landet in Istanbul, eine Stadt, die für sie Sehnsucht bedeutet, obwohl sie sie überhaupt nicht kennt… Weil solche Typen herumrennen und meinen, die Welt gehört ihnen. Weil die sich aufführen, wie sie wollen, wie die nie um irgendetwas kämpfen mussten. Und weil wir mit hängenden Schultern wie so Opfer herumlaufen, obwohl wir wahrscheinlich zehnmal mehr wissen über das Scheißleben als diese Kartoffeln. (S. 244) Fatma Aydemirs Debütroman Ellbogen wurde im Feuilleton überwiegend positiv aufgenommen: Endlich gebe eine Autorin „den türkischen Neukölln-Mädchen […] eine literarische Stimme“ (Literatur-SPIEGEL), er sei die Antwort auf Maxim Billers Kritik, „[e]s fehle der Literatur an lebendigen Stimmen von Schriftstellerinnen und Schriftstellern mit Migrationshintergrund“ (NDR Kultur). Und tatsächlich ist Ellbogen ein lauter und lebendiger Roman, in dem die Protagonistin Hazal, sich durch die abgehängten Viertel Berlins kämpfend, ihre Träume und Enttäuschungen in die Welt rausschreit. An Hazal, an ihrem Leben mit einem jüngerem, kriminellen Bruder, der dennoch als Stammhalter verhätschelt wird, und mit Eltern, die nie wirklich in Deutschland angekommen sind und stattdessen Erdogan im türkischen Fernsehen begeistert zurufen sowie an ihren Freudinnen Ebru, Gül und Emra, die die Heimatländer ihrer Eltern nur aus dem Urlaub kennen und in Deutschland vor verschlossenen Türen stehen, entfaltet die Autorin die ganze Debatte um „Migrationshintergründe“, „Parallelgesellschaften“, „das Leben zwischen den Kulturen“ und „Integrationspolitik“. Dies tut sie jedoch nicht plakativ, sondern zwischen den Zeilen und beinahe nebenbei. Denn es ist einfach Hazals Leben, das hier erzählt wird und das mit diesen großen Themen der Politik verschränkt ist, ohne dass Hazal selber dies so formulieren würde. Im Gegenteil: Solche Begriffe kann man sich bei der rotzigen, frechen, manchmal bösen Hazal überhaupt nicht vorstellen. Die Protagonistin in Aydemirs Ellbogen redet nämlich, wie ihr der Schnabel gewachsen ist – und ihr sind Wörter wie „Muschi“, „Schwanz“ und „verfickt“ einfach näher statt hochgegriffene politische Wörter. Das ist vulgär, das klingt brutal und manchmal ist es auch zu nahe am Klischee der prolligen Türkin dran. Dennoch entwickelt dieser umgangssprachliche Ton einen eigenen Sound, der die Geschichte über viele Strecken trägt und sehr zu ihrer Authentizität beiträgt. Man kann lachen mit Hazal (und manchmal auch über sie), auch wenn es ein Lachen ist, das häufig im Halse stecken bleibt, verbirgt sich hinter ihren schoddrigen Sprüchen doch häufig Trauer und Wut über ein Leben, das in enge Grenzen gefasst ist, und aus dem man – teils sicherlich aus Selbstverschuldung – nicht entfliehen kann. Hazal ist die Antiheldin, die sich selbst mehr als einmal im Weg steht, die man als Leser schütteln möchte und die einem doch Seite um Seite mehr ans Herz wächst und einen mitreißt mit ihrer Geschichte voller falschen Entscheidungen und schlechten Startbedingungen. Ellbogen ist ein dynamisches, rasantes Buch, ohne Stillstand, aber auch ohne Ankommen. Es ist ein Buch, das wichtige Fragen stellt, sich mit eindeutigen und damit wohl auch vereinfachenden Antworten zurückhält. Es ist politisch, ohne den Zeigefinger zu heben und Lösungsvorschläge zu unterbreiten. Es ist vielleicht nicht ganz rund (der Teil in Istanbul will mit der Darstellung der aktuellen Situation unter Erdogan zu viel, ohne dabei der eigentlichen Geschichte dienlich zu sein), manchmal auch zu sehr das, was man lesen möchte, über die Abgehängten in Deutschlands Hauptstadt. Insgesamt ist Ellbogen jedoch ein ausgezeichnetes Debüt, das einen als Leser abholt, in die Geschichte reinzieht und einen – trotz aller Brutalität und Ausweglosigkeit – an Hazals Seiten bleiben lässt. Dafür 4 Sterne und eine Leseempfehlung! Ich verstehe nur endlich, wie die Sache läuft, ich verstehe, dass die Welt scheißungerecht ist und dass sie anders besser wäre, aber anders wird sie nie werden. (S. 250)

    Mehr
    • 4
  • weitere