Der englische Liebhaber

von Federica de Cesco 
4,1 Sterne bei70 Bewertungen
Der englische Liebhaber
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Positiv (51):
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De Cesco erzählt hier ein Stück aus ihrer eigenen Familiengeschichte, berührend und spannend.

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gute Idee, schwache Ausführung, zu kalte und sachliche, aber gleichzeitig extrem langatmige Dialoge

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Inhaltsangabe zu "Der englische Liebhaber"

Münster, kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs. Die Stadt ist zerstört, es ist Winter, die Menschen kämpfen um ihre Existenz. Die junge Anna hält ihre Familie mit einer Stelle als Dolmetscherin bei der britischen Besatzungsmacht über Wasser. Als sie eines Tages mit Fieber bei der Arbeit erscheint, bietet ihr der englische Captain Jeremy an, sie nach Hause zu bringen – es ist der Beginn einer leidenschaftlichen Liaison, die im Nachkriegsdeutschland verpönt ist, denn mit dem Feind lässt man sich nicht ein. Doch als Anna schwanger wird, ist Captain Jeremy verschwunden, und die Engländer verweigern ihr jede Auskunft. Vierzig Jahre später findet Annas Tochter Charlotte Tagebuchaufzeichnungen und alte Tonbandaufnahmen – und sie macht sich daran, das Geheimnis der großen verbotenen Liebe von Anna und Jeremy zu lüften. Warum verschwand er eines Tages spurlos aus Annas Leben, obwohl sie seine große Liebe war? Was ist das Geheimnis des charismatischen und so undurchschaubaren Mannes, der ihr Vater ist? Und was ist der Grund für Annas Selbstmordversuch Jahrzehnte später? Je mehr Charlotte in die Geschichte ihrer Familie eintaucht, desto lebendiger wird für sie – und die Leser – auch die deutsche Nachkriegszeit, als die europäischen Völker einander als Feinde galten und in vielen Familien das Gespenst des Nationalsozialismus noch lebendig war.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783958900806
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:360 Seiten
Verlag:Europa Verlag
Erscheinungsdatum:29.06.2018

Rezensionen und Bewertungen

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    uli123s avatar
    uli123vor 15 Tagen
    Die unglückliche Liebe zwischen einer Deutschen und einem britischen Besatzungssoldaten

    Einen Namen hat sich die Autorin vor allem durch Kinder- und Jugendbücher gemacht, Unterhaltungsromane für Erwachsene folgten und jetzt dieser historische Roman, in dem sie die wahre Liebesgeschichte ihrer Tante verarbeitet.

    Die deutsche Übersetzerin Anna und der verheiratete englische Spionageoffizier Jeremy lernen sich 1947 in Münster kennen und lieben. Zu der versprochenen Ehe kommt es nicht mehr, weil Jeremy in seine Heimat zurückgerufen wird und der Kontakt seither vollständig abbricht. Anna ist allerdings schwanger von ihm und zieht als unverheiratete und für die  Deutschen verächtlich als Britenschlampe geltende Frau  ihre unehelich geborene Tochter mit allen nur ersichtlichen Schwierigkeiten alleine groß. Erst ein Vierteljahrhundert später sucht sie wieder Kontakt zu dem damaligen Geliebten und die alte Liebe flammt erneut auf.

    Der geschichtliche Hintergrund, in den diese Geschichte gebettet ist, gefällt mir wirklich gut. Wie Deutschland nach Ende des Zweiten Weltkriegs am Boden lag und in welchem Elend die Bevölkerung lebte, ist realistisch dargestellt. Interessant ist insbesondere der Aspekt, welche Rolle deutsche Frauen einnahmen, die sich mit „feindlichen“ Soldaten einließen. Das war mir bis dato gar nicht bewusst. Im Gegensatz dazu hat mich der unterhaltende Teil der Geschichte enttäuscht, er ist zu sehr überfrachtet mit Klischees. Am meisten habe ich mich daran gestoßen, dass eine doch gebildete junge Frau wie Anna sich naiv und urplötzlich in einen verheirateten Mann verliebt und nach Erkennen der Schwangerschaft nicht alle Hebel in Bewegung setzt, um diesen aufzuspüren. Das Tüpfelchen auf dem i ist dann gar, dass sie ihren Geliebten 25 Jahre lang nicht vergessen kann und gleich beim ersten Treffen erneut das Eheversprechen des wieder verheirateten Geliebten annimmt und dieser für die gemeinsame Tochter sofort der liebende„Daddy“ ist. Wirklich viel Handlung bietet das immerhin 358 Seiten umfassende Buch nicht auf.

     

    Ein Buch, das man durchaus lesen kann, aber nicht muss.

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    Leserin3vor 18 Tagen
    Kurzmeinung: De Cesco erzählt hier ein Stück aus ihrer eigenen Familiengeschichte, berührend und spannend.
    Einblick in die eigene Familiengeschichte

    Nachkriegszeit im besiegten und teils zerstörten Deutschland; Frauen, die ums Überleben kämpfen; Soldaten der Siegermächte, die sich vielfach in helfender Position zeigen; eine Liebe, die vorprogrammiert ist, ebenso ihr plötzliches Ende; eine Schwangere, die allein zurückbleibt; das Ergebnis dieser Liebe, Tochter Charlotte, die mit dem Stigma des unehelichen Kindes natürlich mehr schlecht als recht zurande kommt. Und da der Vater ja fehlt, überträgt sie ihren Groll auf die Mutter. Bevor es doch noch zu einer späten Begegnung mit ihm kommt, sind schon viele böse Worte ausgesprochen worden.

    Die Geschichte, die sich zwischen der Deutschen Anna und dem britischen Soldaten Jeremy abspielt, ist nach 1945 wohl tausendfach passiert. Hier jedoch kommt hinzu, dass Federica de Cesco (leicht abgeändert) aus ihrer eigenen Familie berichtet. Im Jahr 2007 habe ihr die Tante kurz vor dem Tod ein paar Tagebücher anvertraut, erzählt sie in einem Interview. Allerdings habe es dann etliche Jahre gedauert, bis sie sich ans Lesen und danach ans Verarbeiten gemacht habe.

    Es ist ein historischer Roman, deshalb kann man keine übergrosse Spannung und keine dichte Handlung erwarten. Trotzdem entwickelt die Geschichte einen beachtlichen Sog. Einige Längen gibt es durchaus, aber das ist de Cescos behutsamer Einfühlung und den notwendigen Schilderungen der damaligen Zeit geschuldet. Sie wollte dem anspruchsvollen Stoff gerecht werden.

    Die Nachkriegszeit hatte naturgemäss viele Facetten. Der vorliegende Roman bietet eine davon, die anrührt und nahe geht. Wenn der Leser mitfühlt und vom Handlungshergang betroffen ist, dann hat eine Autorin wie Federica de Cesco ihr Ziel erreicht.

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    Gisevor einem Monat
    Kurzmeinung: mit Herzblut geschrieben
    Einfühlsame Liebesgeschichte voller Dramatik

    Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg liegt die Stadt Münster in Trümmer. Die junge Anna findet eine Arbeitsstelle bei der britischen Besatzungsmacht und trifft dort auf den Captain Jeremy. Die beiden lernen sich kennen und lieben. Doch just als sie sich entschließen, ihr gemeinsames Leben offiziell zu beginnen, wird Jeremy versetzt, Anna erfährt nichts mehr von ihm. Da sie schwanger von ihm ist, versucht sie noch einige Male, ihn zu erreichen, doch ohne Erfolg. Sie zieht ihre Tochter Charlotte unter widrigen Umständen auf. 40 Jahre später findet Charlotte die Tagebuchaufzeichnungen ihrer Mutter. Dort entdecken sowohl Charlotte wie auch der Leser Annas andere Seite kennen, denn sie hat die Liebe für Jeremy immer in ihrem Herzen bewahrt.

    Mit diesem Buch ist Federica de Cesco ein Roman gelungen, der nicht nur die Liebe des Herzens besingt, sondern auch die schweren Jahre der Nachkriegszeit anschaulich wieder auferstehen lässt. Mit Anna erlebt der Leser den Hunger und die Beschwernis der Zeit direkt nach dem Krieg, aber auch die wunderschönen Erlebnisse mit ihrem geliebten Jeremy. Doch auch die Nachteile dieser Liebe werden nicht verborgen, denn beide müssen ihre Liebe sorgfältig verstecken, es ist für beide Seiten verpönt, eine Liaison mit der anderen einzugehen. Auch die Tochter Charlotte erhält den nötigen Raum, um ihre Gefühle und Gedanken Luft zu machen. Die Autorin beschönigt nichts, sie geht einfühlsam mit ihren Hauptfiguren um, so dass der Leser sich schnell in ihre Geschichte einfinden kann. Sehr berührt hat mich folgende Aussage der Protagonistin: „Ich habe verstanden, dass keiner von uns ohne Schuld war. Und dass Menschenleben nicht zählen, wenn die Geschichte rabiat wird. Der größte Zorn der Ameise nützt nichts, wenn sie der Stiefel zerdrückt.“ (S. 65)

    Der Roman basiert auf einer wahren Begebenheit, die Autorin verwendet den Nachlass ihrer Tante, die mit ihrem Geliebten eine solche Geschichte voller Leidenschaft und Tragik erlebt hat. Einige Episoden hat sie dafür umgeschrieben. Doch man merkt der Erzählung sowohl das Herzblut der Autorin an und auch, wie realitätsnah dieses Buch geschrieben ist. Diese berührende Geschichte möchte ich sehr gerne weiterempfehlen.

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    415416s avatar
    415416vor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Ich hatte mich wirklich riesig auf dieses Buch gefreut, vor allem weil dort stand: das " Vom Winde verweht " der Nachkriegszeit. Von " Vom W
    hätte besser sein können

    Ich hatte mich wirklich riesig auf dieses Buch gefreut, vor allem weil dort stand: das " Vom Winde verweht " der Nachkriegszeit. Von " Vom Winde verweht " ist dieses Buch Lichtjahre entfernt ! Schade eigentlich.
    Trotz allem war dieses Buch gut, einfach zu lesen und leicht verständlich. leider an vielen Stellen etwas langatmig.
    Anna bekommt ein Kind von einem verheirateten, englischen Offizier , der in Münster stationiert ist. Ein großer Skandal damals! Auf einmal ist Jeremy aus Deutschland verschwunden und Anna hört 26 Jahre lang nicht mehr von ihm und zieht ihre Tochter Charlotte alleine groß. Doch nach 26 Jahren haben die beiden wieder Kontakt zueinander und Anna und ihre Tochter Charlotte treffen Jeremy in London.....

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    kaha38s avatar
    kaha38vor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Eine Liebesgeschichte, der eine Portion Romantik nicht geschadet hätte...
    Eine Geschichte einer unerfüllten Liebe...

    Der Titel und das Cover dazu, sind mir sofort ins Auge gestochen, sehr schön. Die Story auf dem Klappentext dazu hat mich dann überzeugt, diese Geschichte lesen zu wollen.
    Die Charaktere der Protagonisten wurden sehr glaubhaft rübergebracht, auch die Zeit in der sie lebten, der zweite Weltkrieg und sein Schrecken.
    Während mir die Erzählerin, Anna, sehr sympathisch war und ich ihr Handeln und Denken sehr gut nachvollziehen konnte, fand ich zu ihrer mürrischen Tochter Charlotte kaum Zugang.
    Die Liebesgeschichte zwischen Anna, einer jungen deutschen Dolmetscherin und Jeremy, einem englischen Offizier im zweiten Weltkrieg, berührte mich vor allem deshalb, weil sie auf wahren Begebenheiten beruht. Für mich wurde auch der Schmerz über den Verlust den Anna erleben musste, glaubhaft rübergebracht.  Und dass sie Jeremy ihr Leben lang nicht vergessen konnte. Trotzdem war mir die Zeit, die beide miteinander erlebten, im Buch viel zu kurz erzählt. Daher fehlte es der Liebesgeschichte auch etwas an Tiefe.
    Trotz allem eine schöne Geschichte.

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    Miannavor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Eine schwer lesbare - weil langatmige - Liebesgeschichte mit ausführlich recherchiertem geschichtlichen Hintergrund.
    Langatmige Geschichte

    Federica de Cesco hat nach ihren unzähligen Jugend- und Erwachsenengeschichten nun eine tragische Liebesgeschichte geschrieben. Vor dem Hintergrund des Münster nach Ende des zweiten Weltkrieges erzählt sie eine Geschichte aus ihrer Familie. Die junge Anna muss für den Lebensunterhalt ihrer Familie sorgen, sie bekommt eine Stelle als Dolmetscherin bei den Britischen Besatzern. Dort lernt sie den älteren und verheirateten Captain Jeremy Fraser kennen. Sie verlieben sich, aber er verschwindet, bevor sie ihm von ihrer Schwangerschaft erzählen kann.

    Die Geschichte ist von Beginn an gut nachvollziehbar. Die Autorin konzentriert sich in ihrer Erzählung auf wenige Hauptcharaktere, die ausführlich in den Blick genommen werden. Anna und ihre Tochter Charlotte wirken anfänglich stark und unabhängig, mit der Zeit ändert sich diese Einschätzung. Beide bekommen etwas farbloses und unsympathisches. Vielleicht ist die Geschichte um Anna und den Offizier zu klischeebehaftet, ebenso ihr Verhalten. Dennoch ergibt sich aus den verschiedenen Sichtweisen, aus denen im Verlauf erzählt wird, ein interessanter Blick auf die Gesamtsituation.

    Der Roman hat Atmosphäre, die hauptsächlich über die Sprache entsteht. Diese ist durch schöne Sprachbilder, eine sehr klare Ausdrucksweise sowie sehr kluge und philosophische Gedanken gekennzeichnet. Trotzdem ist der Text anders als erwartet - in nüchterner Sprache und emotional unaufdringlich gehalten. Dies ist einerseits bei diesem hochemotionalen Thema angenehm, wirkt auf Dauer jedoch merkwürdig. Hinzu kommt, dass die Erzählung sehr ausführlich ist und dadurch langatmig wirkt. Es entwickelt sich kaum Spannung, sodass das Weiterlesen schwer wird.

    Auch die sehr gut recherchierten Einzelheiten der Entwicklungen und Umstände im Nachkriegsdeutschland wiegen das Ganze nicht auf. Dabei sind diese sehr ausführlich und authentisch beschrieben, bringen sogar etwas Emotionalität in die Geschichte. Es ist interessant die geschichtlichen Entwicklungen mitzuverfolgen und auch die Auswirkungen auf Mutter und Tochter wahrzunehmen. Die Autorin hat sich ein schwerwiegendes und tragisches Thema gewählt.

    Eine schwer lesbare - weil langatmige - Liebesgeschichte mit ausführlich recherchiertem geschichtlichen Hintergrund.

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    LesenistLuxuss avatar
    LesenistLuxusvor 2 Monaten
    Kurzmeinung: gute Idee, schwache Ausführung, zu kalte und sachliche, aber gleichzeitig extrem langatmige Dialoge
    Rezension der englische Liebhaber von Federica de Cesco

    Kurzbeschreibung Der englische Liebhaber

    Charlotte findet im Nachlass ihrer Mutter Anna mehrere Kisten mit Tagebüchern, Briefen und Tonbandaufnahmen. Trotz des schwierigen Verhältnisses zu ihrer Mutter taucht sie nun in deren Vergangenheit ab und beginnt zu verstehen, was 40 Jahre zuvor, kurz nach dem Ende des zweiten Weltkrieges passiert ist und wie das alles ihr eigenes Leben prägt. Anna hatte damals einen englischen Liebhaber, mit dem sie sich eine gemeinsame Zukunft erträumte. Doch ausgerechnet, als sie mit Charlotte schwanger wurde, verschwand dieser ohne ein Lebenszeichen und Anna musste sich alleine mit Charlotte durchschlagen.

    Rezension Der englische Liebhaber

    Als Kind habe ich die Bücher von Federica de Cesco geliebt und als ich in der Bücherinsel bei meiner Mutter Der englische Liebhaber stehen sah, musste ich es einfach mitnehmen. Ich habe noch nie ein Erwachsenen-Buch von ihr gelesen (und so geht es anscheinend einigen meiner Freundinnen, habe ich inzwischen erfahren) und war dementsprechend gespannt.

    Dokumentation einer schwierigen Zeit

    Die Geschichte beginnt im Jahr 1988 mit Charlotte. Charlotte ist zu diesem Zeitpunkt 41 Jahre alt, arbeitet in Berlin als Regisseurin für einen Dokumentarfilm und scheint alles in allem etwas verkorkst zu sein. Ich weiß nicht, ob die Kapitel, die 1988 spielen, den typischen Zeitgeist dieser Zeit widerspiegeln sollen – ich war damals erst 5 Jahre alt, aber Charlotte scheint geprägt zu sein von dem Wunsch, gegen alles und jeden zu protestieren; sie engagiert sich stark für Tierschutz, Menschenrechte, etc.. Mitten von einer Party weg wird Charlotte nach Münster zu ihrer Mutter Anna gerufen, die in einem Pflegeheim im Sterben liegt.

    Während die ersten Seiten einfach nur nüchtern geschrieben sind, wird es jetzt um ehrlich zu sein etwas merkwürdig. Dialoge sind meiner Meinung nach nicht gerade die Stärke des Buchs: Charlotte und Anna, die sich seit Jahren nicht gesehen und nur selten am Telefon gesprochen haben, und die wissen, dass ihnen nicht mehr viel Zeit bleibt, führen eine seltsame Unterhaltung über Charlottes aktuelles Filmprojekt (über Schlachthöfe!) und sind im nächsten Satz dabei, äußerst nüchtern über die Vergangenheit und Charlottes Vater zu reden. Ich weiß nicht, ob es wirklich Familien gibt, in denen man so miteinander redet, ich persönlich könnte es mir nicht vorstellen, so mit meiner Mutter oder meiner Tochter zu reden. Die Beiden sind mehr als kühl zueinander, vorwurfsvoll und eine Menge ungesagte Dinge stehen zwischen ihnen.

    Anna bittet Charlotte, aus ihrer Wohnung einige Kisten mit Briefen, Tonbändern und Tagebüchern zu holen, ebenso wie eine Uhr und einen Ring, die von Charlottes Vater Jeremy stammen. Charlotte nimmt alle Gegenstände mit nach Hause nach Berlin, wo sie, allerdings erst Monate später, nach Annas Tod, die Kisten sichtet. Durch diese Briefe und Tagebücher bekommt man nun einen Einblick in Annas – und später auch Charlottes Leben.

    Annas Geschichte beginnt direkt nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Durch Briefe und Tagebucheinträge bekommt man langsam einen Einblick in Annas Leben und das ihrer Familie – der Hauptteil des Buchs spielt zu Annas Zeiten und erzählt ihre Geschichte.

    Anna arbeitet 1945 als Übersetzerin für englische Soldaten, die deutsche Kriegsgefangene verhören. Schon bald verliebt sie sich in Jeremy, der ihrem Leben wieder ein bisschen Freude gibt. Unter größter Geheimhaltung führen sie für einige Zeit eine Art Beziehung, wohl wissend, dass diese Art der Verbindung weder von Jeremys Kameraden, noch von Annas Familie und Nachbarn gern gesehen wird. Und dann wird Anna schwanger, und das im ungünstigsten Moment, als Jeremy gerade wieder nach England zurück gegangen ist. Anna informiert ihn natürlich sofort, bekommt aber keine Rückmeldung – Jeremy bleibt verschwunden und sie muss sich mit der kleinen Charlotte alleine durchkämpfen.

    Schicksale und Aufarbeitung der Vergangenheit

    Die Geschichte von Anna und Charlotte, die hier erzählt wird, ist interessant. Schicksale finde ich immer faszinierend und natürlich musste ich bei vielen Schilderungen an meine eigenen Großeltern denken, die zu jener Zeit in einem ähnlichen Alter gewesen waren. Die Darstellung des Lebens, der Schwierigkeiten, die man damals hatte, aber auch der spätere Aufschwung und die Veränderung, die durch die Gesellschaft ging, sind anschaulich dargestellt und einige Themen der Schuld werden aufgearbeitet. Ich bin mir sicher, dass es viele ähnliche Schicksale gegeben hat, viele Kinder, die aus Beziehungen mit Soldaten der Besatzungsmächten entstanden sind und die damit zu kämpfen hatten.

    Anna glaubt immer an ihre Liebe zu Jeremy, wartet auf ihn und hält an ihren Gefühlen fest. Ich weiß nicht, ob es eine reine Generationenfrage ist, oder eher auf den Typ Mensch ankommt, aber ich kann mir nicht vorstellen, wie es sich anfühlen muss, sein Leben so vollkommen ohne… Lebensfreude zu verbringen und immer auf den einen “Prinzen” zu warten, der vielleicht kommt, vielleicht auch nicht.

    Möglicherweise ist es aber auch einfach eine Besonderheit des Buchs. So interessant ich die eigentliche Geschichte nämlich fand, so seltsam fand ich den Schreibstil des Buchs. An vielen Stellen hat es mich an ein Sachbuch, eine Dokumentation, erinnert, die einfach das Leben in den Nachkriegsjahren darstellen. Gerade weil das Buch Tagebucheinträge und Briefe versprach, war ich umso enttäuschter, dass dem Buch an vielen Stellen jegliche Emotionen fehlten und für meinen Geschmack alles nüchtern, aber trotzdem voller blumiger Ausschmückungen war. Es mag an der Mehrsprachigkeit von Autorin Federica de Cesco liegen, aber ich bin mit dem Schreibstil einfach nicht zurecht gekommen. Die Monologe waren entweder so kalt, dass es wie einstudiert klang, oder oft eher Monologe über meiner Meinung nach unnötige Themen. Nach dem ersten Kuss von Anna und Jeremy beispielsweise wird erstmal einige Minuten darüber diskutiert, ob man sich jetzt beieinander entschuldigen muss oder nicht und ob das jetzt eine sinnvolle Sache ist oder nicht, direkt gefolgt von der Frage ob die beiden jetzt eine Affäre beginnen werden. Wer macht denn sowas?

    Leider zieht sich das durch das ganze Buch. Der Dokumentarstil, Entscheidungen und Verhaltensweisen, die ich in keinster Weise nachvollziehen kann, Charlotte, mit der ich nicht warm geworden bin und Anna, die ich zwar sympathisch finde, aber deren Art, mit der Situation umzugehen, ich nicht verstehe, machen es wirklich schwer, das Buch zu mögen. Mag sein, dass ich nicht die Zielgruppe bin, mag sein, dass ich nicht nachvollziehen kann, wie die Menschen ein bzw. zwei Generationen vor meiner sich verhalten haben. Von einem guten Buch würde ich allerdings erwarten, dass es mir genau das vermittelt. Gerade mir, als jemandem, der diese Zeiten nicht miterlebt hat.

    Nach einer wahren Geschichte…

    Federica de Cesco hat dieses Buch nach einer wahren Geschichte, der Geschichte ihrer Tante, geschrieben und vielleicht hat sie diese einfach so dargestellt, wie es tatsächlich war. Aber von einem Roman erwarte ich dann doch etwas mehr als nur die schlichte Darstellung von Ereignissen.

    Alles in allem war es somit leider eine Enttäuschung, gerade weil ich so hohe Erwartungen durch den Namen der Autorin hatte. Ich musste mich fast ein bisschen zwingen, weiter zu lesen. Sehr schade und ich fürchte, ich werde mich in nächster Zeit nicht an ein weiteres Buch von ihr wagen.


    Lest die Rezension und andere auch hier!

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    E
    eleisouvor 3 Monaten
    Kurzmeinung: Rührende Liebesgeschichte
    Rührende Liebesgeschichte

    Mit Hilfe von ihren geheimen Tagebuchaufzeichnungen erfährt Charlotte die Geschichte ihrer Mutter Anna und vor allem die Beziehung und Liebe zu ihrem biologischen Vater Jeremy. Dieser verliess nach einer angeblich grossen Liebe im 2. Weltkrieg seine Geliebte Anna, die der britischen Besatzungsmacht ihren Dienst erteilte und so bleibt sie allein und schwanger zurück. Die Gesellschaft der Nachkriegszeit hat kein Verständnis für solche Affären und dieses Unglück erschwert Annas Leben und mitweilen auch ihre Beziehung zu ihrer Tochter Charlotte. Durch die Geschichte erfahren wir vieles über zwischenmenschliche Beziehungen aber auch eine gute Portion Geschichte. Da das Buch auf wahre Begebenheiten basiert, macht es umso interessanter. Ich kenne die Autorin noch von alten Jugendbüchern und ich muss sagen sowohl dieser als auch die älteren haben mir sehr gefallen.

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    skiaddict7s avatar
    skiaddict7vor 3 Monaten
    Ein wunderbarer, teilweise etwas (zu) kitschiger historischer Roman

    „Heute weiß ich auch, dass wir Frauen nie mehr diejenigen geworden sind, die wir vor dem Krieg waren. Frauen, die sich wochenlang mit Schwielen an den Händen, Blasen an den Füssen und steifen Gelenken einen Weg durch den Schutt freigeschaufelt hatten, die sich Lumpen statt Monatsbinden in den Schlüpfer stopfen mussten – solche Frauen lassen sich nicht mehr bevormunden. Es gibt eine Redensart: Der Krieg stärkt die Nylonstrümpfe und die Frauen. Und sollten wir dir am Ende noch danken, Adolf, du Hurensohn?“

     

    Ich habe dieses Buch förmlich verschlungen. Federica de Cesco führt uns ins Münster der Nachkriegszeit: eine zerstörte, zerbombte Stadt. Die junge Anna arbeitet als Übersetzerin bei der britischen Besatzungsmacht. So lernt sie Jeremy kennen, einen englischen Spion. Die beiden kommen sich näher. Doch eines Tages verlässt Jeremy Münster, und Anna hört nichts mehr von ihm. Sie bleibt fortan alleine zurück, doch sie erwartet ein Kind. Und so nimmt die Geschichte seinen Lauf. Anna, die „Britenschlampe“ mit einem unehelichen Kind. Ihr Leben alles andere als einfach. Charlotte, ihre Tochter, wächst als Schlüsselkind auf und erfährt viel Hass und Zurückweisung.

     

    Der Schreibstil ist sehr flüssig und das Buch ist spannend geschrieben. Die Beschreibungen der Nachkriegszeit und auch des zweiten Weltkriegs fand ich wirklich einprägsam. Anna ist eine starke Frau, die im Leben viel einstecken musste. Besonders ihre Liebe und die Geduld zu der störrischen, vom Leben enttäuschten Tochter fand ich sehr eindrucksvoll beschrieben. Die Liebesgeschichte war mir zum Teil etwas zu kitschig geraten, deshalb gibt es von mir einen halben Punkt Abzug. Dennoch ein wirklich gutes Buch, das ich sehr empfehlen kann.

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    dreijungsmamas avatar
    dreijungsmamavor 3 Monaten
    Gute Literatur

              "Der englische Liebhaber" handelt von der Liebesbeziehung zwischen Anne Henke und Jeremy Fraser, einem Offizier der Besatzungsmacht, in einer sehr schwierigen Zeit, der Nachkriegszeit. Eine Beziehung, die wegen den Umständen nicht auf Dauer, sondern nur für einen kurzen Zeitraum bestimmt war. Trotzdem war es für Anne die große Liebe. Diese unerfüllte Liebe konnte sie nie vergessen. Es scheint, als würde sie ihr Leben danach ausrichten, als würde für immer etwas fehlen. Anne wird damals schwanger und muss, was in der damaligen Zeit extrem schwierig war, das Kind alleine großziehen. Die Geschichte wird aus zwei Perspektiven erzählt. Zu anfangs n in der Gegenwart durch die Tochter Charlotte und dann  im Rückblick durch die Sicht Annes. Zwischendurch wird die Erzählweise etwas langatmig. Überhaupt ist es eine eher etwas ruhigere Erzählweise, ohne großen Spannungsbogen, aber trotzdem nicht uninteressant.
    Ausgesprochen gut zu der Geschichte passt das Buchcover. Man kann sich tatsächlich vorstellen, dass so die beiden Hauptprotagonisten ausgesehen haben konnten.
    Mein Fazit: Es ist ein Buch, dass man wahrscheinlich nicht gefesselt in einem Rutsch durchliest, aber es liest sich trotzdem gut und man kann sich  in die damalige Zeit hineinversetzen.
           

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    Die große deutsche Liebesgeschichte der Nachkriegszeit

    Vorfreude! So freuen sich unsere Leser auf das Buch

    Fantasia08s avatar
    Fantasia08vor 3 Monaten
    Frederica de Cesco ist meine Kinderbuchheldin!
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