Federico Povoleri

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Cover des Buches Venezia: Through A Venetian's Eye (ISBN: 9783961713981)

Venezia: Through A Venetian's Eye

(2)
Erschienen am 15.04.2022

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"… durch diesen Ort ziehen Horden, die eine wunderschöne Verpackung bewundern ..."

Federico Povoleri wohnt in Venedig, auf der Insel Giudecca. Sie liegt an dem Kanal, in den die riesigen Kreuzfahrtschiffe einfahren. Und so wundert es nicht, dass man am Ende des Buches auch ein paar Fotografien zur Illustration dieses gewollten Irrsinns findet. Schließlich ist es nicht so, dass man Venedig dazu gezwungen hat, solche Schiffe in die Lagune zu lassen. Völlig demokratisch stimmen die Einwohner regelmäßig für solche und andere touristische Projekte. Sie haben es zugelassen, dass ihre Stadt zu einer Art Disneyland wurde, in dem kaum noch Einheimische wohnen.

Da helfen auch keine Beschwerden, wie sie in diesem Text-Bildband, auf subtile Weise formuliert und verkleidet werden. Kaum ein Tourist würde sich für die Seele und die Geschichte Venedigs wirklich interessieren, heißt es dort. Alles andere wäre auch im Rahmen von Massentourismus seltsam. Menschen sind nun mal so wie sie sind. Die Venezianer und auch die einströmenden Touristen. Nur die Masse bringt Geld. Und genau für solche Massen wird alles in der Stadt hergerichtet und organisiert. Man muss der Wahrheit schon ins Gesicht sehen, auch wenn sie einem nicht gefällt.

Dass man das auch anders machen, etwa die Besucherzahl durch die Einwohnerzahl zu beschränken, zeigen Beispiele anderswo. Aber das wäre nicht gut fürs Geschäft. Und das Geschäft ist gewollt. Menschen wie Povoleri stellen nicht die Mehrheit in dieser Stadt. Sie können nur solche Bücher produzieren, um ihren Protest zu artikulieren.

Ob man etwas Neues in ihm findet oder ob man nun die Sichtweise der (?) Venezianer versteht, wenn man es liest und betrachtet, kann ich nicht beurteilen. Venedig ist eine sterbende Stadt von höchstens noch morbider Schönheit. Vielleicht hat sich Povoleri deshalb für die dunkle Sicht entschieden und zeigt nur Schwarz-Weiß-Fotografien. Nicht alle sind dabei wirklich beeindruckend, einige jedoch schon.

Seine Texte dazu sind verspielt, traurig und nicht wirklich realistisch. Seine Trauer scheint verständlich. Was er nicht wirklich sieht, ist die Schuld der Stadt an den Zuständen, die nun eingetreten sind.

Dass man diese Stadt in irgendeiner Weise retten kann, lässt sich nicht vorhersehen. Aber selbst wenn – sie wird hohl bleiben, weil ihre Bürger sie längst verlassen haben. Venedigs Blüte und Bedeutung sind schon vor Jahrhunderten untergegangen, und die Rettung der Lagunenstadt könnte nur mit den Geldern aus dem Massentourismus gelingen, wenn sie denn dort ankommen würden, wo man sie braucht. Aber daran kann man in Italien seine Zweifel haben. Mit diesen Geldern bliebe das Dilemma, ohne sie kommt der Untergang nur noch schneller.

Cover des Buches Venezia: Through A Venetian's Eye (ISBN: 9783961713981)

Rezension zu "Venezia: Through A Venetian's Eye" von Federico Povoleri

Ein LovelyBooks-Nutzer
Die verletzliche Seele einer Stadt

Federico Povoleri hat seine Heimatstadt Venedig fotografiert und ermöglicht mit seinen einzigartigen Aufnahmen, einen Blick auf die Grand Dame zu erhaschen, die vielen verborgen bleibt.

Dabei klagt er an, dass der Besuchs Venedigs zu einer abzuarbeitenden Attraktion auf der Bucket-List verkommen ist, bei denen die wenigsten sich überhaupt noch die Mühe machen, Herz und Seele dieser Stadt zu erkennen oder wahrzunehmen. Der Blick rast über die Sehenswürdigkeiten Markusplatz, Rialto und Seufzerbrücke, nimmt nur die schillernde Oberfläche wahr, die für Tourist:innen reserviert ist, aber wer hört schon den Steinen und Gemäuern oder gar den Venezianer:innen zu, die uralte Geschichten erzählen ?

Povoleri macht möglich, was Unmöglich erscheint - er fängt mit seinen Aufnahmen Herz und Seele der Stadt ein, die dem Verfall und Untergang regelrecht geopfert wird, nur um hier noch ein bisschen Profit zu machen und da noch den ein oder anderen Euro Umsatz zu erhaschen.

Wenn sich Kreuzfahrtriesen durch die Fahrrinne wälzen und das empfindliche Ökosystem der Lagune aus dem Gleichgewicht bringen, wird das ungleiche Verhältnis zwischen Kommerz und Ausschlachtung gegenüber Erhalten und Bewahren nur allzu deutlich. Tourist;innen, die sich für keine Unfug zu schade sind, nur um ein möglichst "originelles " Foto für die sozialen Medien zu erhaschen, dabei aber die Ehre der Stadt und die der Venezianer:innen mit Füßen treten.

Wer sich dagegen die Mühe macht, und die Kanäle mit dem Paddelboot entdeckt, wird entzückt sein, was sich hinter der nächsten Hausecke verbirgt.Es sind die stillen Momente der Vergänglichkeit, die für unglaublich intensive Begegnungen verantwortlich sind.

Der Bildband ist eine Offenbarung an eindrucksvollen Schwarz-Weiß-Aufnahmen, die voller Liebe und Hingabe, aber auch Sehnsucht und Traurigkeit stecken. Denn Venedig ist nicht das bunte, laute Treiben, dass uns allen vorgaukelt, in einer Postkartenkulisse gefangen zu sein. Venedig ist leise, sensibel, zerbrechlich und voller Schönheit, die nur für diejenigen zu sehen ist, die sich ganz und gar auf diese Stadt einlassen.

Ein außergewöhnlicher Bildband, der nicht mit Kitsch und Klischees aufwartet, sondern authentisch, echt und ehrlich die verletzliche Seele einer Stadt zeigt, die von vielen verkannt wird.

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