Fedor M. Dostoevskij Die Dämonen

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Inhaltsangabe zu „Die Dämonen“ von Fedor M. Dostoevskij

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    Die Dämonen
    SiCollier

    SiCollier

    17. January 2014 um 17:27

    Nun will ich mich also auf den Weg begeben, um die Sache wieder gutzumachen! Auf einen späten Weg; draußen ist Spätherbst; Nebel liegt auf den Feldern, der kalte Reif des Alters bedeckt meinen künftigen Pfad und der Wind singt das Lied vom nahen Grabe... (Stepan Trofimowitsch, Seite 474) Meine Meinung Über drei Jahrzehnte ist es her, daß ich dieses Buch zum ersten Mal gelesen habe. Höchste Zeit also, es wieder einmal in die Hand zu nehmen. Schon bald fiel mir auf, daß vieles vom Inhalt doch im Laufe der Zeit ins Vergessen entschwunden ist. Aber eines hat mich damals wie heute mehr als fasziniert: der unglaubliche Schreibstil von Dostojewski, der mit einer Leichtigkeit Denken und Handeln der Figuren erstehen läßt, daß ich stets das Gefühl hatte, mitten drinnen im Geschehen zu sein. Das mag damit zusammenhängen, daß die Ereignisse quasi von einem direkten Augenzeugen und Freund des Stepan Trofimowitsch, dem Beamten Anton Lawrentjewitsch, erzählt werden, oft in Ich-Form. Indem weite Teile des Buches wie eine „Chronik der Ereignisse“ abgefaßt sind, entsteht der Eindruck, daß man einen Bericht über tatsächlich Geschehenes lese. Dabei verbindet der Autor „Inneres“ mit „Äußerem“, Denken und Handlung, auf eine Weise, wie ich sie so vollendet schon lange nicht mehr, wenn überhaupt, bei einem Autor gefunden habe. Manchmal passiert handlungsmäßig über etliche Seiten wenig bis nichts - und dennoch vermochte Dostojewski zu fesseln, daß die Seiten nur so dahinflogen. Vor dem Beginn der eigentlichen Handlung erfahren wir „Einige Einzelheiten aus der Lebensgeschichte des hochverehrten Stepan Trofimowitsch Werchowenskij“, einem Gelehrten und Hauslehrer, dem wir im Verlauf des Buches immer wieder begegnen werden. Auch wenn er nicht der zentrale Handlungsträger dieses Buches ist, so hat Dostojewski mit Stepan Trofimowitsch doch eine Figur geschaffen, die sich mir unauslöschlich eingeprägt hat. Die Zeitgenossen erkannten in Stepan Trofimowitsch den „abstrakten Humanisten“ (S. 998) Timofei N. Granowskij (1813-1855) wieder. Granowski ist heute weitgehend vergessen, geblieben ist Stepan Trofimowitsch, der „im praktischen Leben so untüchtige Mensch“, welcher gegen Ende hin „zum Kämpfer für den Vorrang des Geistes und der Schönheit auch im wirklichen Leben“ (S. 998) wird. Eben jener Stepan Trofimowitsch, dessen letzte Wanderschaft mit zum Schönsten und zugleich Traurigsten und Ergreifendsten gehört, was ich je gelesen habe. „Die Dämonen“ ist einer der Romane, der (zumindest in meiner Ausgabe) zahlreiche Anmerkungen aufweist. Ungleich meiner sonstigen Angewohnheit bei Romanen habe ich selbige hier jeweils beachtet. Diese haben mir verdeutlicht, wie sehr Dostojewski auf seinerzeit aktuelle Vorgänge und Personen (historische wie fiktive) Bezug genommen hat. Ergänzt werden diese durch ein Nachwort, das den Roman wie seine Handlung in den historischen Kontext stellt. „Das Leben ist Schmerz, das Leben ist Angst, und der Mensch ist unglücklich.“; so äußert sich Kirilloff an einer Stelle (S. 154). Trotz des vielen Leides, das im Buch vorkommt, habe ich es als wunderschön empfunden. Auch an den schlimmsten Stellen bleibt eine gewisse Distanz, die das Lesen erträglich macht. Dabei schreibt Dostojewski in einer Sprache, die mir quasi „auf der Zunge zergangen ist“. Zwischendurch wendet er sich immer wieder direkt an den Leser, etwa mir der Bemerkung: „Aber ich werde mir wohl die Zeit nehmen müssen, um eines klareren Überblicks willen einige Erläuterungen vorauszuschicken.“ (S. 542) Im Gegensatz zu Charles Dickens, bei dem für mich Form (Sprache) und Inhalt nicht zusammen paßten, hatte ich bei Dostojewski keine Schwierigkeiten damit, daß Schicksalsschläge und anderes Ungemach in sprachlich überbordender Weise beschrieben wurden. Im Gegenteil - Form und Inhalt empfand ich hier als eine absolut gelungene und vollständige Einheit, die Ort, Zeit und Figuren auf selten plastische Art lebendig werden ließen. Nicht als Vergleich, aber als Ähnlich habe ich unwillkürlich an Michail Scholochow und seinen „Stillen Don“ denken müssen. Dostojewski erschuf dabei Figuren, wie ich sie mir für das Rußland des 19. Jahrhunderts als typisch vorstelle - bis hin zu den „philosophierenden Gesprächen“, die immer wieder Teil der Handlung sind. Anmerkungen wie Nachwort zeigen, daß der Autor vielfach (seinerzeit) aktuelle Bezüge aufgegriffen hat, in mancher Hinsicht also wohl ein authentisches Bild seiner Zeit liefert. Auch wenn im Laufe der rund tausend Seiten vieles vorkommt, was mich normalerweise eher vom Lesen abhält, hätte ich noch einige tausend Seiten weiter lesen können vom etwas rätselhaften Nikolai Wssewolodowitsch, dem intriganten und skrupellosen Pjotr Stepanowitsch und natürlich vom lebensfernen Stepan Trofimowitsch. Aber irgendwann gibt es eine „letzte Wanderschaft“, irgendwann ein Kapitel „Der Schluß“, und irgendwann ist ein Buch zu Ende, mag man es noch so sehr bedauern. Bleibt eine gewisse wehmütige Erinnerung und die Möglichkeit, das Buch wieder zu lesen oder zu einem anderen Werk des Autors zu greifen. Beides wird übrigens gewißlich nicht so lange, wie seit dem ersten Lesen, auf sich warten lassen. Kurzfassung Rund tausend Seiten als Kurzfassung - da muß ich passen. Drum nur dieses: ein grandioses Meisterwerk.

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