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Buchgespenst

vor 2 Jahren

(10)

Wer erinnert sich noch an den ersten Supercomputer von 1976? Wer hätte gedacht, dass es keine 30 Jahre dauert bis jeder ein Gerät im Hosentaschenformat hat, das dieses Wunder um ein Vielfaches übertrifft? Und die Entwicklung beschleunigt sich exponentiell.

Der Autor zeichnet ein teilweise erschreckend realistisches Bild wie intelligente soziale Systeme unseren Alltag erobern werden (und teilweise schon haben). Mit all ihren Vor- und Nachteilen, mit all ihren gesellschaftlichen Umwälzungen und wirtschaftlichen Umstürzen, die mit der kaum zu stoppenden Weiterentwicklung einhergehen, macht der Autor dem Leser bewusst, vor welch einer gewaltigen Veränderung unser Leben steht und wo dringend Handlungsbedarf existiert, bevor uns die Entwicklung überrollt und von anderen bestimmt wird, wohin die Entwicklung geht.

 

Der Autor hebt die positiven Aspekte des ISS ausdrücklich hervor. Warnung vor Krankheiten, Freund fürs Leben, perfekt angepasster individueller Partner, der einen durchs Leben begleitet und schließlich sogar nach dem Tod des menschlichen Parts Teil der Familie bleiben kann. So weit so gut.

In diversen Punkten ist mir der Autor allerdings zu optimistisch. Dass die ISS tatsächlich nicht zur Überwachung einzelner genutzt wird, dass Versicherungen es nicht nutzen, um sich um ihre Verpflichtungen zu drücken, dass der Staat tatsächlich das Wirtschaftssystem so neu organisiert, um alle Bürger aufzufangen, die durch die rasante Technisierung ihre Existenzgrundlage verlieren. Sehr gut ist, dass der Autor die absolute Notwendigkeit dieser Neuorganisation, auch der unseres Bildungswesens, hinweist und fundiert darstellt, dass neben der Notwendigkeit tatsächlich auch die Möglichkeit dazu besteht.

Auch der geschichtliche Abriss der Technikentwicklung und die sich daraus entwickelnde Zukunftsversion sind sehr gut gelungen und sehr realistisch.

 

Das Buch bietet einen hochinteressanten Ausblick auf unsere nahe Zukunft. Sprachlich und inhaltlich ist das Buch anspruchsvoll, aber für Laien nicht unverständlich. Jeder sollte sich mit den Möglichkeiten, Auswirkungen und potentiellen Schwachstellen sowie den Gefahren der sozialen Technologie beschäftigen, denn in der einen oder anderen Form wird sie kommen und unseren Alltag noch einmal vollständig umkrempeln. Diesmal sollte der Verbraucher/ Nutzer darauf vorbereitet sein und Einfluss nehmen. Wenn jetzt nicht aufgepasst wird, kann das ungeahnte Folgen für unsere persönliche Freiheit/ unser Leben haben.

Dieses Buch informiert umfassend und spekuliert realistisch. An manchen Punkten ist mir der Autor allerdings zu optimistisch und zu naiv, das kostet ihn leider den fünften Stern. Es bleibt allerdings zu hoffen, dass der Autor auch in seinem Optimismus Recht behält.

Autor: Felix Bittmann
Buch: Soziologie der Zukunft
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