Es ist schwierig, Hartlaubs Buch in die richtige Schublade einzuordnen, weil hier nichts wirklich eindeutig ist. So hat "Führerhauptquartier" nichts mit "größte Nähe zur Führungsspitze des Dritten Reiches" zu tun. Hartlaub arbeitete als Mitarbeiter am Kriegstagebuch im äußeren Sperrkreis und bekam Hitler selten (nie?) zu Gesicht.
Die Ausschnitte sind in der ersten Person geschrieben und lesen sich wie ein Tagebuch, das Tatsachen aufzeichnet, sind aber wohl schon für einen künftigen Roman überarbeitet und zugespitzt.
Der Krieg bildet den Hintergrund, aber der Erzähler ist durch und durch Zivilist, steht den weiblichen Schreibkräften näher als den Offizierskollegen und hat wie alle Bürokräfte vor allem die Kaffeeversorgung im Blick.
Besonders im ersten Kapitel schildert er die schöne Natur und idyllische und nur wenig vom Machtgefälle bestimmte Beziehungen zwischen deutschen Soldaten und ukrainischen Frauen und doch zuckt man zusammen, weil zwei- oder dreimal ein Halbsatz zeigt, dass Hartlaub sich der Schrecken des Vernichtungskrieges gegen die Sowjetunion bewusst war.
Mit anderen Worten, Hartlaubs Aufzeichnungen sind interessant. Sie zeigen zumindest, dass die Frage, wo der Mitläufer aufhört und wo die kritische Distanz beginnt, nicht leicht zu beantworten ist.
Alles in allem eher ein Buch für den Kopf als fürs Herz.



