Es ist schwierig. Einerseits hat der Autor ganz offensichtlich großes Detailwissen und belegt jede seiner Aussagen penibel. Andererseits sieht et das ganze Werk unter dem Aspekt eines sehr konservativen Katholizismus. Das führt meines Erachtens zu einer starken Verengung seiner Analyse, wichtige Einzelheiten fallen unter den Tisch. Außerdem wird der Autor dadurch zu grotesken Fehl- und Überinterpretationen verleitet (die Kantorka sei ein Symbol für katholische Marienverehrung, Krabats Liebe zu ihr sei mit dem Zölibat (!) vergleichbar). Kritisch wird es, wenn er Preußlers eigene Aussagen über das Werk glatt ignoriert, um seiner erzkatholischen Linie zu folgen. Meine Güte, "Krabat" ist keine Nachbildung der Passionsgeschichte, sondern eine selbstverständlich tief in der mitteleuropäischen Tradition verankerte Erzählung über Unterdrückung, Gewalt, Verführbarkeit, die Gefahren totalitärer Systeme und die Macht von Liebe und Freundschaft. Daß die Mühle ein gottloser Raum ist, in dem das Böse herrscht, erkennt man auf den ersten Blick, und der christliche Hintergrund ist so selbstverständlich (vom Dreikönigssingen im ersten Satz über die Osterbräuche, Krabats Unfähigkeit, sich an das Vaterunser zu erinnern bis zur Befreiung durch die Kantorka, die dazu ihre - lutherische - Abendmahlstracht angezogen hat), daß man darüber eigentlich kaum ein Wort verlieren muß.
Daß der Autor es tatsächlich schafft, entgegen Preußlers eigener Aussage (er habe Pumphutt in die Geschichte aufgenomnen, um "Krabat auf die Überwindbarkeit des Meisters hinzuweisen" und "ihm ein Alternativziel vor Augen zu stellen") die Figur des Pumphutt negativ zu deuten (er habe mit dem Zaubererzweikampf den Müllerburschen geschadet (!) und eigne sich nicht als Erlöser (sic)) und den Müller, der es ablehne, die Tötung seines besten Freundes zu bereuen, darum als ausschließlich böse zu interpretieren, sind nur die offensichtlichsten Fehlleistungen. Schade, daß so viel Arbeit und Fachwissen durch die kleinkarierte dogmatische Engstirnigkeit des Autors entwertet wird.


