Die Kerners

von Felix Huby und Hartwin Gromes
4,0 Sterne bei1 Bewertungen
Die Kerners
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Schöne Romanbiographie über eine württembergische Familie in Zeiten des Umbruchs

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Inhaltsangabe zu "Die Kerners"

Justinus (1786 bis 1862) kennt man wegen des Weins, der nach ihm benannt ist, wegen seiner Gedichte (»Preisend mit viel schönen Reden«) und wegen seiner romanhaften Aufzeichnung »Die Seherin von Prevorst«. Vielleicht auch noch als Assistenzarzt Professor Autenrieths, des Psychiatrieprofessors, der in Tübingen Hölderlin behandelte.
Bedeutender noch für ihre Zeit waren freilich seine beiden großen Brüder: Karl (1775 bis 1840), der Generalquartiermeister der württembergischen Truppen, Innenminister, Manager des Hüttenwesens und erfolgreicher Landwirt. Sowie Georg (1770 bis 1812), begeistert von den Ideen der französischen Revolution, verliebt ins Abenteuer, als Diplomat im Dienste Napoleons unterwegs in ganz Europa, später Feind Bonapartes, und schließlich als Armenarzt in Hamburg epochaler Neuerer des Impfwesens und der Geburtshilfe.
Tatsächlich, die ehrbare schwäbische Familie Kerner bietet vielfarbigen Stoff für einen großen Roman, der die verschiedensten menschlichen Schicksale erzählt, sie bietet aber auch hinreichend viele Hintergrundbilder für ein Panorama dieser aufregend revolutionären Zeit.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783863514624
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:272 Seiten
Verlag:Klöpfer & Meyer
Erscheinungsdatum:21.02.2018

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    schillerbuchs avatar
    schillerbuchvor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Schöne Romanbiographie über eine württembergische Familie in Zeiten des Umbruchs
    Was die Revolution mit einer Familie macht

    Eigentlich bin ich nicht die ganz große Biographienleserin – meistens will ich es gar nicht sooo genau wissen, wie es mir in derlei Büchern manchmal dargeboten wird. Aber diese Romanbiographie hat mich interessiert, denn in meiner Lehrzeit war ein gern verkauftes Buch „Das Kernerhaus und seine Gäste“ aus der Volksbücherei des Salzer Verlages. Gelesen habe ich es nie, also dachte ich mir, es wird nun höchste Zeit, sich über die Familie Kerner zu informieren. Und bei Felix Huby konnte ich davon ausgehen, daß ich ein lesbares Buch mit einem gewissen Unterhaltungswert bekommen würde.

    Der Inhalt

    Im Mittelpunkt dieser Familienbiographie stehen die Brüder Georg (1770 – 1812), Karl (1775 – 1840) und Justinus (1786 – 1862) Kerner. Sie lebten in einer Zeit, in der neue Ideen und Gedanken begannen, die bisherigen politischen Gegebenheiten in’s Wanken zu bringen. Felix Huby und Hartwin Gromes erzählen von drei ganz unterschiedlichen Männern, die jeder auf seine Weise für ihre Zeit Bedeutung hatten.

    Die Hauptpersonen

    Der bekannteste Kerner ist sicher Justinus, Dichter und Arzt und einer, der dem Wein zugetan war – sein „Wanderlied“ beginnt mit den Zeilen „Wohlauf! noch getrunken Den funkelnden Wein!“ und so ist es nur recht und billig, daß die Weinsorte „Kerner“ nach ihm benannt wurde. Justinus Kerner arbeitete als Arzt und leistete einen wichtigen medizinischen Beitrag durch die Erforschung der Fleischvergiftung, deren Ursache er auch durch Selbstversuche herausfand und beschrieb. Bekannt wurde er auch durch die Beschreibung seiner Behandlung von Friederike Hauff. In seinem Buch „Die Seherin von Prevorst“ beschreibt er seine Behandlung ihres Somnambulismus mit Methoden, die wir heute als eher esoterisch bezeichnen würden. In ganz Schwaben war Justinus Kerner jedoch vor allem als Dichter und Schrifsteller bekannt. Sein ganzes Leben hindurch war ihm das Dichten mindestens ebenso wichtig wie sein Beruf. Sein „Kernerhaus“ war weithin bekannt für seine Gastfreundschaft: Bekannte Geistesgrößen, wie Nikolaus Lenau, Gustav Schwab oder Ludwig Uhland, die teilweise Studienfreunde aus der Jugend waren, zählten zu den Besuchern. Im oben erwähnten Büchlein hat Sohn Theobald dem Haus seines Vaters ein Denkmal gesetzt – leider ist es heute nur noch in einem schmucklosen Nachdruck  oder teuren Reprints lieferbar

    Mit Justinus beginnt auch der Roman: Er fährt 1851 auf den Hohenasperg, um mit seinem Sohn Theobald zu sprechen, der dort in Festungshaft sitzt, weil er sich aufrührerischen Kräften angeschlossen hatte und an der Märzrevolution 1848/49 beteiligt war. Justinus hat beim König erreicht, daß Theobald freigelassen werden soll.

    Auf der Rückfahrt denkt er zurück an seine Jugend und an seinen großen Bruder Georg, der wie sein Neffe später, Anhänger der französischen Revolution Ende des 18. Jahrhunderts war. Im diplomatischen Dienst Napoleons führte er ein abenteuerliches Leben und war in ganz Europa unterwegs. Als er jedoch erkannte, daß Napoleon begann, die Ideale, für die er brannte, zu verraten, quittierte er den Dienst und ging nach Hamburg, wo er sich als Armenarzt für eine Verbesserung des Impfwesens und der Geburtshilfe einsetzte.

    Der zweitälteste Kerner, Karl, ging einen ganz anderen Weg: Er machte als Offizier Karriere in den Diensten des württembergischen Herzogs, wurde geadelt und beendete seine militärische Karriere nach dem desaströsen Russlandfeldzug 1812. Ihm wird das Zitat zugeschrieben „Majestät, Sie haben keine Armee mehr“, mit dem er seinen Herzog über den katastrophalen Ausgang des Feldzugs informierte. Nach seiner militärischen Karriere war er Direktor der württembergischen Eisenwerke und für wenige Monate auch Innenminister. Die Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts sehr bekannte Kinderbuchautorin Tony Schumacher war übrigens seine Tochter.

    Meine Meinung

    Ich bin nicht so wahnsinnig fit in württembergischer Geschichte und konnte mit diesem Buch manche Wissenslücke schließen. Der Familienstammbaum und eine chronologische Zeittafel hinten im Buch waren dafür eine wichtige Unterstützung. Es handelt sich um einen Roman, der aber von Huby und seinem Co-Autor Hartwin Gromes sehr sorgfältig recherchiert wurde. Es gelingt dem Autorenduo gut, die Zeit des Umbruchs vom ausgehendem 18.  bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts lebendig werden zu lassen. Die 3 Kernerbrüder sind da ein Glücksfall, denn in ihren Leben spiegeln sich die unterschiedlichen Facetten der Zeit wieder. Justinus, der jüngste Bruder setzt mit seinen Erinnerungen an die Brüder den Rahmen, diese Konstruktion wirkte auf mich allerdings manchmal etwas unbeholfen und gewollt. Seine stärksten Momente hatte diese Romanbiographie für mich in den familiären Szenen und bei einigen Anekdoten.

    Fazit: Eine gelungene Mischung aus Roman und Sachbuch, die allen gefallen wird, die sich für württembergische Geschichte interessieren und dafür, was eine Zeit voller Umbrüche mit den Menschen macht. Ein paar Längen und literarische Schwächen habe ich für diese Erweiterung meines Wissens gerne in Kauf genommen.

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    Die Kerners: Welch schwäbische, welch deutsche Familiengeschichte!

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