Felix Krämer

 4.3 Sterne bei 6 Bewertungen

Alle Bücher von Felix Krämer

Die Schwarze Romantik

Die Schwarze Romantik

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Erschienen am 01.09.2012
Monet und die Geburt des Impressionismus

Monet und die Geburt des Impressionismus

 (2)
Erschienen am 13.03.2015
Emil Nolde. Retrospektive

Emil Nolde. Retrospektive

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Erschienen am 07.03.2014
Die Masken über dem Nichts

Die Masken über dem Nichts

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Erschienen am 07.10.2012
Moral Leaders

Moral Leaders

 (0)
Erschienen am 01.03.2015
Ernst Ludwig Kirchner

Ernst Ludwig Kirchner

 (1)
Erschienen am 22.04.2010

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Rezension zu "Die Schwarze Romantik" von Felix Krämer

Rezension zu "Die Schwarze Romantik" von Felix Krämer
WinfriedStanzickvor 6 Jahren

Dieses beeindruckende Buch ist der Ausstellungskatalog einer gleichnamigen Ausstellung im Frankfurter Städel-Museum, die dort noch bis zum 20. Januar 2013 zu sehen ist.

Sie befasst sich mit einer Kunstrichtung, die, nachdem man sich vorher ausgiebig, bald aber auch davon enttäuscht, mit den Themen der Aufklärung auseinandergesetzt hatte, ab etwa Ende des 18. Jahrhunderts viele junge Literaten und Künstler sich mit der anderen Seite der Vernunft beschäftigen ließ. Sie begannen sich für Magie zu interessieren, beschrieben und malten das Unerklärliche, Dunkle und Geheimnisvolle. Da geht es um Leidenschaft und Tod, da wird das Groteske goutiert.

Immer wieder tauchen in den Bildern der „schwarzen Romantik“ (der Begriff wurde erst 1930 von Mario Praz eingeführt) von Goya bis Max Ernst Wahnsinnige und Verbrecher auf, Menschen außerhalb der Gesellschaft. Doch nicht nur die Maler waren von dieser Strömung beeinflusst. In etlichen Essays versuchen Wissenschaftler sich den Wirkungen zu nähern, die diese als Geisteshaltung verstandene Richtung auf die Literatur, die Musik und auch den Film gehabt hat bis weit in das 20. Jahrhundert hinein.

Wie so oft, kann ein Ausstellungskatalog nicht den Besuch der Ausstellung selbst ersetzen. Doch wie immer bei Produktionen von Hatje Cantz ist er auf ganz hervorragende Weise zur Nacharbeit geeignet und bietet denen, die es nicht nach Frankfurt schaffen, einen beeindruckenden Einblick in eine gruselige und schaurige Welt voller Schönheit.

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Rezension zu "Die Schwarze Romantik" von Felix Krämer

Rezension zu "Die Schwarze Romantik" von Felix Krämer
HeikeGvor 6 Jahren

Die abgründige Macht des Bildes
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"Wirkung ist ihr höchstes Ziel, und um dieses zu erreichen, verschmähet sie keine Mittel. Das Schöne ist nur Nebensache; am liebsten will sie erstaunen und überraschen, niederdrücken durch gigantische Größe oder erschüttern durch Extreme der Leidenschaft; sie hascht nach der Wahrheit der Natur in ihren grässlichen Augenblicken und erlaubt ihrer Phantasie den verwegenen Flug, nicht in das schöne Feenland des Ideals, sondern in die verbotene Region der Geiser und Gespenster." Diese so treffenden Worte des deutschen Naturforschers und Reiseschriftstellers Georg Forster könnten als Leitmotiv über der großartigen Ausstellung des Frankfurter Städel Museums (26.09.12 - 20.01.13) stehen. Forster wählte diese so prägnanten Worte, um seine Eindrücke bei einem Aufenthalt in London im Jahre 1789 wiederzugeben. Die damalige zeitgenössische englische Kunstwelt und deren hervorstechendster Exponent, der exilierte Schweizer Johann Heinrich Füssli, waren der ausschlaggebende Punkt. Dieser innovative Bildschöpfer, innerlich getrieben und mit einem Hang zum Übernatürlichen, erforschte in seinen Bildern die dunklen Seiten menschlicher Fantasie und Seelenzustände und brachte sie suggestiv wie kaum ein anderer zum Ausdruck. Er avancierte neben anderen bildenden Künstlern und jungen Literaten als Vertreter eines Genres, das sich zunehmend der Kehrseite der Vernunft widmete und denen das Unerklärliche und Geheimnisvolle nicht als Problem erschien, sondern ihnen Anreiz bot, "das fantastische Reich hinter der sicht- und messbaren Realität zu entdecken. Das Schreckliche, das Wundersame und Groteske machte dem Schönen und Makellosen die Vorherrschaft streitig.", stellt der Herausgeber des vorliegenden Prachtbandes und Kurator Felix Krämer fest. Die "Schwarze Romantik" war geboren.
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Von Francisco de Goya und seinem 1820-23 gemalten "Saturn" bis zu "Vom nächtlichen Anblick der Porte Saint-Denis ausgelöste Vision" aus dem Jahr 1927 von Max Ernst präsentieren sich 70 Künstler mit 200 Werken in Frankfurt sowie dem Leser und Betrachter dieses großartigen Buches, das neben fantastisch-schaurigen Gemälden, Fotos oder Filmausschnitten auch durch eine Fülle an erstklassigen Beiträgen von renommierten Autoren aus dem Bereich der Kunstgeschichte aufgewertet wird. "Die hier präsentierten Werke erzählen von Einsamkeit und Melancholie, von Leidenschaft und Tod, vom Erhabenen der Natur und dem Irrationalen der Träume. Die gesellschaftlich Ausgegrenzten werden zu neuen Helden erhoben und eröffnen den Blick in die Abgründe der Conditio humana.", stellt der Direktor des Städel Museum, Max Hollein, treffend fest. Bilder, die man vielleicht Betrachtern "mit labiler Gesundheit" nicht zumuten sollte und gleich gar nicht vor dem Schlafengehen. Zumindest warnte man derart Besucher der Jahresausstellung der Londoner Royal Academy von 1782 vor dem Gemälde "Der Nachtmahr" von oben erwähntem Johann Heinrich Füssli. Goyas "Orgien des Bestialischen", Delacroix' schwermütige Weltsicht und Seelenmalerei, Carl Blechens düster-verstörende Motive oder Caspar David Friedrichs "Elemente des Schauerlichen", garniert mit "lastender Stille" stehen Füssli allerdings in nichts nach und können schon mal zartbesaitete Naturen gehörig in Aufregung versetzen.
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Die Ausstellung wie auch das Buch spannen einen Bogen vom Beginn der Romantikepoche im späten 18. Jahrhundert, über den Symbolismus bis zum Ende der Hochphase des Surrealismus Mitte des 20. Jahrhunderts. Neben Malerei, Grafik und Skulptur werden auch Fotografien und Filmausschnitte gezeigt. "Man begegnet einer Traumwelt, die ihren eigenen rätselhaften Gesetzen zu folgen scheint.", um noch einmal Felix Krämer zu zitieren. Alle Exponate vereint das Spiel von Illusion und Desillusion, "dessen Ambivalenz das Seherlebnis bestimmt.", so der Herausgeber. Kann man den eigenen Sinneseindrücken noch trauen, auch wenn die Dinge nicht so sind, wie sie scheinen? Schaue(r)n Sie selbst!
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"Die Romantik ist eine Gnade, eine himmlische oder höllische Gnade, die uns mit ewigen Stigmata gezeichnet hat." (Charles Baudelaire: "Der Salon")

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