Felix Mitterer Die Beichte

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Inhaltsangabe zu „Die Beichte“ von Felix Mitterer

Ein Mann kommt zu einem Priester und will beichten. Er hat ein Verbrechen begangen. Er hat seinem Sohn dasselbe angetan, was ihm einst widerfahren ist. Bald stellt sich heraus, dass auch der Priester nicht ohne Schuld ist. Die beiden kennen einander, erinnern sich an ihre Zeit als Zögling und Erzieher im Klosterinternat, daran, wie alles gekommen ist ... und immer die brennende Frage: Gibt es Vergebung? Mitterers berührendes Theaterstück besitzt angesichts der schockierenden Enthüllungen der Opfer sexuellen Missbrauchs in der Kirche nach wie vor traurige Aktualität. Ohne einseitig zu verurteilen oder zu polemisieren, zeigt Mitterer die psychologischen und sozialen Hintergründe und die Folgen derartiger Verletzungen auf. Er entlarvt menschliche Schwächen und Fehler und entwickelt zugleich Hochspannung und Dramatik.

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  • Rezension zu "Die Beichte" von Felix Mitterer

    Die Beichte
    kleinfriedelchen

    kleinfriedelchen

    13. October 2011 um 20:22

    "Für mich gibt's Konsequenzen, für dich hat's nie welche gegeben. Du warst immer geschützt, im Schoß der Kirche. Freilich, ein paar Jahre lang haben sie dich in irgendein Dreckloch versetzt, weit hinten in den Bergen, aber dann war alles vergeben und vergessen." Ein Mann betritt eine Kirche, in seinen Armen hält er seinen Sohn. Er will beichten, darüber berichten, was er getan hat. Er hat sich an seinem Sohn vergriffen, wie es in seiner Kindheit auch mit ihm geschah. Doch der Priester, der ihm die Beichte abnehmen soll, ist ihm kein Unbekannter -als Kind unterstand er jahrelang dem Schutz des alten Mannes. Doch die Zuneigung hatte ihren Preis. Und die Konsequenzen verfolgen Martin heute noch... Bereits im Jahr 1999 gab es in Irland eine Dokumentation über die Zustände in Erziehungs-und Waisenheimen, in der viele von sexuellem Missbrauch berichteten. Mitterer, der als Schriftsteller in Irland lebt, stellte sich bald schon die Frage, ob es nicht auch in seinem Heimatland Österreich solche Vorfälle gibt und durch Gespräche in seinem Bekanntenkreis spürte er bald Betroffene auf. Ihre Erzählungen bildeten die Grundlage für dieses Theaterstück, was zuerst als Hörspiel produziert wurde. Martin, ein mitterweile fünfzigjähriger Familienvater, verdeutlicht, welchen Schaden der Missbrauch durch Vertrauenspersonen anrichten kann. Nichts hat er in seinem Leben auf die Reihe gekriegt, weder im Arbeits- noch im Familienleben. Nun, da er beim Missbrauch seines Sohnes erwischt wurde und von der Polizei verfolgt wird, sucht er Vergebung und will Buße tun. Doch kann er je wieder gutmachen, was er seinem Sohn angetan hat? Ausgerechnet im Beichtstuhl trifft er auf seinen alten Aufseher, der ihn erst zu dem gemacht hat, was er heute ist - ein Versager. Schlimmer noch - ein Monster! Pater Eberhard, nun schon ein alter Mann, will von den Anschuldigungen zuerst nichts hören, die sein ehemaliger Zögling gegen ihn vorbringt. Zuerst leugnet, dann versucht er, die Schuld auf Martin selbst zu schieben, der ja nie "nein" gesagt hätte. Doch schließlich gesteht Pater Eberhard seine Schuld ein. Obwohl das Stück nur wenige Seiten umfasst, schafft es Mitterer mit wenigen Worten doch, eine sehr komplexe und dramatische Geschichte zu erzählen. Die Motive und Gefühle des Täters werden hier genauso gezeigt wie die Konsequenzen des Missbrauchs für das Opfer. Als Theaterstück mit vereinzelten Regieanweisungen und Rückblicken geschrieben, überlässt es Mitterer dabei der Vorstellungskraft des Lesers, sich die traurige Geschichte vorzustellen: ein achtjähriger Junge, der nach dem Tod seiner Eltern im Waisenheim landet und glaubt, im Pater einen Vertrauten gefunden zu haben. Doch die Zuneigung des Paters geht bald schon über das väterliche Maß hinaus. Aber um seine Zuwendung nicht zu verlieren, schweigt Martin. Er schweigt sein ganzes Leben lang, bis es fast schon zu spät ist. Obwohl Mitterers Position zur Thematik offensichtlich ist, betreibt er hier keine Schwarz-Weiss Malerei. Der Pater wird nicht als perverser Unmensch und Martin nicht (nur) als hilfloses Opfer dargestellt, schließlich ist er selbst auch zum Täter geworden. Wobei es mir natürlich schwer fiel zu verstehen, wie jemand, der selbst so etwas durchlitten hat, das auch seinem Kind antun kann. Gerade dadurch, dass eben nicht alles einfach so erklärt werden kann, hat mich das kleine Büchlein aber doch sehr aufgewühlt. Mitterer hat hier ein Werk von großer Wortgewalt geschaffen, auch wenn er natürlich keine Antworten auf die Frage liefern kann, die die Betroffenen am meisten quält - kann ich jemals verzeihen? Kann ich Vergebung finden?

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  • Rezension zu "Die Beichte" von Felix Mitterer

    Die Beichte
    Susisunshine

    Susisunshine

    06. October 2011 um 11:14

    Meine Meinung: Die Geschichte ist in Form eines Theaterstücks beschrieben. Die ersten 5 Seiten ging es mit dem Lesen nur langsam, aber nachdem ich mich dran gewöhnt hatte war es flüssig und schnell zu lesen und hat mir gut gefallen, die Thematik ist immer wieder aktuell und sollte nicht verschwiegen werden! Die Geschichte „Die Beichte“ ist schnell erzählt. Es kommt ein Mann (Martin) zu einem Pater und möchte dort beichten. Die beiden kennen einander und erinnern sich gemeinsam an ihre Vergangenheit. An eine Vergangenheit die für mich mehr als abstoßend ist. Martin ist mittlerweile 50 Jahre alt und hat grauenvolle Dinge erlebt in seiner Kindheit und ist leider auch nicht ohne Schuld seinem Sohn gegenüber. Zwar bereut er sein Tun, aber dennoch macht er auf mich eher einen hilflosen Eindruck. Aber auch der Pater ist sich seiner Schuld durch aus bewusst, findet aber immer wieder „Ausreden“ um das ganze zu „entschuldigen“. Aber kann man sowas entschuldigen? Ich denke eher nicht. Das Ende der Geschichte ist für mich nicht zufriedenstellend, ich frag mich wie geht es weiter? Was passiert mit Martin? Auch kam das Ende der Geschichte für mich zu aprupt. Mein Fazit: Lesenswert ist es auf jeden Fall für jedermann

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  • Rezension zu "Die Beichte" von Felix Mitterer

    Die Beichte
    serpent

    serpent

    17. August 2011 um 18:25

    Ein Mann betritt eine Kirche. In seinen Armen trägt er seinen bewusstlosen Sohn, den er vorsichtig auf einer der Kirchenbänke niederlegt. Er geht danach zum Beichtstuhl, sieht, dass dort ein Priester sitzt. Der Name des Paters erschreckt ihn kurz, aber dann nimmt er Platz und beginnt mit der Beichte. Sein Name ist Martin, der des Paters Eberhart. Beide kennen sich. Als Opfer und Täter und bald als Täter. Das Thema des sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche ist seit den 90er Jahren immer wieder viel diskutiert worden und auch heute noch von trauriger Aktualität. So ist es nicht verwunderlich, dass Felix Mitterers 2004 geschriebenes Theaterstück in diesem Jahr eine Neuauflage erhält. Zunächst einmal zu den Charakteren: Martin erschließt sich dem Leser schon aus der Inhaltsangabe als damaliges Opfer des Missbrauchs in Kirchenobhut. Heute ist er 50 Jahre alt, selber Vater eines Sohnes und nicht selber ohne Schuld. Er präsentiert sich als ein Mann, der seinen Glauben verloren hat und sich seiner eigenen Taten bewusst ist. Er bereut und ist dennoch völlig hilflos dem gegenüber, was er getan hat. Zu sehr wurde er in seiner Kindheit und Jugend von dem geprägt, was er erlebte. Und auch Pater Eberhard ist sich seiner Schuld bewusst. Doch ist seine Gestalt weitaus schwieriger zu verstehen. Denn obwohl er Reue schwört, verteidigt er immer wieder was damals passierte. Als „Liebe“ oder auch als von Martin gewollt stellt er dar, was das Leben des heute 50-Jährigen so verpfuscht hat. Als Leser ist es aufwühlend und schockierend zu lesen, wie das Verhältnis der beiden Männer zu einander noch immer einen Schleier über das, was geschah, legt. Details, die ans Licht kommen, Meinungen, welche die Charaktere ausplaudern und Gefühle, die dabei rüberkommen, greifen das Thema absolut ehrlich auf. Auch die Sprache des Stücks ist gänzlich unverschnörkelt, geradezu minimalistisch gehalten und bestehen nicht selten aus nur einem Wort. So wird der volle Fokus auf den schockierenden Inhalt gelegt, keine Ablenkung ist gestattet. Beinahe kommt es einem so vor, als wollte Mitterer mit diesem Kniff gewaltsam darauf aufmerksam machen, dass es sich hier um ein Thema handelt, dem man zu lange zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt hat. Und tatsächlich ist das Schweigen der Kirche auch in „Die Beichte“ ein Thema. So zeigt eine Rückblende den Priester, wie er dem jungen Martin erklärt, dass die Kirche „Gott sei Dank […] verschwiegen“ (S. 46) ist. Ohne allzu offensichtliche Schuldzuweisungen wird doch deutlich, was am System der katholischen Kirche falsch läuft und wie daraus zerstörte Menschenleben hervor gehen können. Wie ich finde, ist „Die Beichte“ ein imposantes Stück auf so wenigen Seiten. Inmitten seiner Schlichtheit entpuppt es sich als alles andere als schlicht und liefert viel Stoff zum Nachdenken. Einzig das Ende hat mich in gewisser Weise wieder so schockiert, dass ich nicht gänzlich zufrieden die Lektüre beenden konnte. Aber vermutlich ist genau das gewollt. Von daher geht meine Leseempfehlung dieses Mal uneingeschränkt heraus. Das Thema des sexuellen Missbrauchs innerhalb der Kirche wurde lange genug totgeschwiegen und bedarf einer Aufklärung. Dass Mitterer einem hier die Möglichkeit gibt direkten Einblick in eine Geschichte, die so hätte wirklich passiert sein können, zu nehmen, öffnet ohne Frage die Augen und führt dazu, dass man sich selber eine Meinung bildet. Ein weiterer Anreiz ist zudem Felix Mitterers Vorwort, in dem er deutliche Forderungen stellt und die bereits vor Beginn der Lektüre für einen Kloß im Hals sorgt.

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  • Rezension zu "Die Beichte" von Felix Mitterer

    Die Beichte
    Tialda

    Tialda

    07. August 2011 um 20:36

    x Autor: Felix Mitterer x Titel: Die Beichte x Genre: Theaterstück x Erscheinungsdatum: 27. Mai 2011 x 75 Seiten x Haymon Verlag x ISBN: 3852188725 x Erste Worte: Schande und Scham. Der sexuelle Missbrauch von Kindern in der Obhut der Kirche. Klappentext: Felix Mitterers bewegendes Stück über sexuellen Missbrauch in der Kirche. Ein Mann kommt zu einem Priester und will beichten. Er hat ein Verbrechen begangen. Er hat seinem Sohn dasselbe angetan, was ihm einst widerfahren ist. Bald stellt sich heraus, dass auch der Priester nicht ohne Schuld ist. Die beiden kennen einander, erinnern sich an ihre Zeit als Zögling und Erzieher im Klosterinternat, daran, wie alles gekommen ist … und immer die brennende Frage: Gibt es Vergebung? Rezension: Das kleine Büchlein „Die Beichte“ mit den, typisch für die Taschenbücher des Haymon Verlag, abgerundeten Ecken ist schnell gelesen. Jedoch alles andere als schnell wir das behandelte Thema den Kopf wieder verlassen. Nach einem Vorwort des Autors, in dem es um seine Beweggründe zu diesem Buch geht, folgt eine kurze Aufstellung der beteiligten Personen des Theaterstücks: Der Priester, Martin und sein kleiner Sohn Sebastian. Außerdem Martin als kleiner Junge. Danach wechseln sich Regieanweisungen in kursiver Schrift und der Text der Personen ab. Aber obwohl man im Endeffekt nur ein Skript liest, ist dieses Buch sehr anschaulich. Man kann sich alles vorstellen, ist für die Lesezeit mit in dieser Kirche, in der Martin für sich und den Priester gleichzeitig beichtet, den Priester an die Geschehnisse zurück erinnert. Man liest die harten Worte und kann oder will kaum glauben, dass viele Kinder einem so grausamen Schicksal ausgeliefert waren und immer noch sind. Am berührendsten sind die Szenen, die das Kind Martin spricht. Der Wortlaut ist etwas anders, in leichtem österreichischen Dialekt geschrieben und die Worte an sich sind verzweifelt, flehend und auch naiv. Ich denke auf dem Weg zur Arbeit oder allgemein außer Haus sollte man dieses Werk nicht lesen, zu schwer liegt einem danach ein Stein im Magen und die meisten werden sich wohl erst einmal zurückziehen und das Ganze verdauen wollen. Trotz des scheußlichen Gefühls das „Die Beichte“ zurücklässt, kann ich es nur jedem ans Herz legen. Man darf die Augen vor solchen Themen nicht verschließen! Betroffene sollten aber überlegen, ob sie sich dem wirklich aussetzen wollen (Triggergefahr). Fazit: Hart aber aufrüttelnd.

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