Ferdinand Schmatz quellen

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Inhaltsangabe zu „quellen“ von Ferdinand Schmatz

Alles fließt, alles rauscht, alles klingt: In einem lyrischen Triptychon betritt Ferdinand Schmatz ein Boot aus Worten, das die Donau von den Quellen bis zur Mündung hinabgleitet, den Blick gerichtet auf die Ufer, an denen sich Natur und Zivilisation, Garten und Stadt gegenüberstehen. Im Rauschen des Flusses, im Palast der Sprache klingt das Echo der Welt, der Musik, der Kunst und der Literatur, jener Quellen, die Ferdinand Schmatz aufgreift und in seiner Lyrik aufblühen lässt. Ferdinand Schmatz’ Gedichte sind pure Lust an der Sprache.

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  • Rezension zu "quellen" von Ferdinand Schmatz

    quellen
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    28. October 2010 um 10:44

    Tut mir leid, aber ich werde mich wohl nie an die Kleinschreiberei gewöhnen können. In E-Mails, SMS, Chatrooms & Co. längst etabliert, kann und möchte ich mich in literarischen Werken hiermit nicht begnügen. In meinem persönlichen Empfinden werden sowohl der inhaltliche Wert als auch das optische Erscheinungsbild unserer Sprache unnötig erniedrigt, ja verstümmelt und auf eine (mir) unangenehme Art und Weise abstrahiert. Beispielsweise liest sich ein kleingeschriebener "donner" nicht dem wahren Donner entsprechend - und geradezu paradox sähe "substantiv" kleingeschrieben aus. Für einen, der einst auszog, Germanistik und Philosophie zu studieren, mag diese Form "Kunst" bedeuten, wobei sich sogleich die nicht unbekannte Frage ergibt, wen diese erreichen soll(te) oder überhaupt kann. Doch Ferdinand Schmatz wäre nicht der große österreichische Avantgardist, wenn er auf der Suche nach neuen Ausdrucksformen derlei Erwägungen nicht ebenso elegant wie konsequent ignorieren würde. In "quellen" nimmt er uns mit auf eine Reise auf die Donau - wobei derjenige, der hier ein buntes Sammelsurium von Romantisch-Verklärtem erwartet, bitter enttäuscht, ja erschreckt werden wird. Gleich zu Beginn richtet sich der Blick des Autors in einen Garten am vorbeiziehenden Ufer und schon in den ersten Zeilen wird klar, dass eigentlich nichts klar ist: "er ist, stetig, ein warten ab so wie nie und zu vor, aber spät wird er uns, flutend, sich geben, artig nieder das hoch seiner gräser im nu ..." (aus "garten") Bei erster flüchtiger Betrachtung mag es denkbar sein, dass einem ein unartiges "hurz" herausrutschen könnte, doch bei näherer Betrachtung erahnen wir immerhin so nicht erwartete Tiefen. Ferdinand Schmatz wagt neue Ausdrucksformen, indem er sich nachvollziehbaren literarischen Einbahnstraßen schlicht verweigert. Die Satzaussagen sind Klängen gleich, die sich mehrschichtig verstecken, um sich selbst und Sprache neu und anders zu definieren. Hieraus ergeben sich Bilderfluten und Stimmungen, die in sehr individuellen Mustern auf den Leser zu wirken versuchen. Der Autor tanzt und spielt mit Worten und baut eine Welt aus Klang und Licht, die zunächst fremd und andersartig abschreckt, auf der anderen Seite aber tief zu berühren weiß. Es liegt ein seltsames Wogen über alledem, ein Reisen ohne Rast und Ruh, aber auch ein stilles Wähnen und eine tiefgreifende Sicht der Dinge: "scheu gibt sich mir der blütenden stolz ..." (aus "rose") Freilich haben derlei intellektuelle Spielereien auch gewisse Nachteile, denn weniger Sprachverliebte werden sich den Zugang in diesen wogenden Stromdom hart erkämpfen müssen oder kläglich scheiternd die Lektüre abbrechen. Denn allzu leicht sucht man vergeblich Sinn und Bedeutung in solchen Worten: "unter halm tiefe wittert das Ohr nur noch trocken es könnten auch socken," (aus "die wiese") Der Rezensent hatte ebenfalls die passenden Zugangsdaten nicht immer (sofort) zur Hand, wusste sich aber dahingehend zu helfen, Hoffnung auf den heilenden Faktor Zeit zu richten. Für mich selbst glaube ich nicht, dass es möglich sein oder gar Sinn machen könnte, dieses Werk in einem Durchgang erkunden zu wollen. Vielmehr fordert "quellen" Zeit, Abstand und Ruhe, um seine volle Wirkung entfalten zu können, denn nach solchen Formulierungen möchte man (zunächst) einfach nicht weiterlesen, um die Klangspur nicht zu verlieren - so man eine findet: "diese flut, alt wieder neu, was wird nun sein um deine wellen - sonne, donner, strähnen, locken?" (aus "donau, taufe") Mehr Fragen als Antworten scheinen diese Gedichte zu entwickeln, und was den Einen erschrecken mag, öffnet dem Anderen Türen in andere Denkstrukturen. Das Buch geht neue Wege, entwickelt Sprache weiter und wer mitgehen möchte, wird den "Palast der Sprache" künftig mit anderen Augen sehen. Der Blick an die Ufer, die Welt und die Zeit richtet sich (auch) nach innen, auf sich selbst und das Wesentliche. Glücklich der, der es finden mag ... © Thomas Lawall - www.querblatt.com

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  • Rezension zu "quellen" von Ferdinand Schmatz

    quellen
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    30. June 2010 um 18:07

    Die Titelfolge: der garten – der fluss – der palast (palast aus sprache) – der palast (palast aus musik) Dass Naturgedichte der eigentlich Rückbezug auf den Menschen sind, dass sie auch immer wieder poetologische Grundlegungen enthalten, weil die Natur als Erscheinungsweise zahllose Analogien und Spiegel für die menschliche Weise bietet, ist nicht neu. Die Natur ist das Muttermotiv des Seins. Sie ist das Entstehen, das Geboren-Werden. Natur ist der Erholungspegel des postmodernen Menschen, der sich im städtischen Habitus eines 21. Jahrhunderts in Wirtschafts-, Welt- und Klimakrisen verloren zu haben scheint. So also greift Ferdinand Schmatz eine Welt (fast ?) des Mythos auf, die man kaum noch (richtig) zu greifen kennt, im alltäglichen Treiben der Medialisierung. Oder ist das doch alles Unsinn, dieser ewig postmoderne Quatsch des verlorenen Menschen im postindustrialisierten Raum der Welt, gemanagt vom (Terror-)Herrscher Geld. Sind wir nicht letztlich ganz zahme Triebe der Natur, durch die wir uns einzig (er-)finden können? Wie Schmatz die Worte sich so zusammenfügen lässt, dass sie in ihrer Mehrdeutigkeit neben einander stehen und sich umeinander streiten, miteinander wirken, um sich gegenseitig auszuloten, macht den Betrachter erst einmal beschwingt. Im ersten Gedicht, „garten“, welches den Zyklus „der garten“ einleitet, parallelisiert der lyrische Sprecher das menschliche Zweisein mit dem Blühen des Gartens, der sich dem Menschen – oder dem Gefühl dieser Bei-Einander-Seienden (?) – „artig“ ergibt. „garten/ er ist, stetig, ein warten/ ab so wie nie und zu vor, aber spät/ wird er uns […] wie boden wie erde / zu samen sich stäub ein den fliegen“ Im Schreiben Ferdinand Schmatz erkennt man, dass die lose, aber dann doch in ihrer Typographie feste, Existenz der Zeichenhaftigkeit des Wortes Anlass zum Schaffen gibt und somit zum Beispiel die Wiese im Weiterverweis zur Weise werden lässt, die „uns ein wenig gesonnt [stachelt]“. Der Endreim flieht schon lang dem inneren Rhythmus, immer wieder staunt der Text über sich selbst, dass nur wenige Wechsel der Konsonanten oder doch der Vokale eine gänzlich andere Bedeutung mit sich tragen. Dass der Mensch aber die zwingende Freude, die Erholung in der Natur findet, das bleibt und zieht sich durch den Band, das wollen die Texte, sie weitverweisendes Spiel auch sind, selbst – „und wir drauf, freuen uns unten/ am feuer oder am frost auch das knirscht“. Die Lust am Leben, gegeben durch die Umwelt, die auch Natur ist. Dass aber der Text immer im Spiel bleibt, dass er die Natur in ihrer Zeichenhaftigkeit zu fangen versucht, die immer im Wechsel zu sein scheint, das lässt manchmal doch ein bisschen Wahrhaftigkeit in den Gedichten fehlen. Man sucht die Liebe zum wahren Sein der Natur. Man freut sich als Leser durchaus ob der gewitzten Wortspielereien, stellt sich aber die Frage, ob Bilder entstehen können, wenn das Zeichen immer im Vordergrund steht, so zwingend, und dann auch immer (re-)agieren muss. Zu schnell durchschaut scheinen die einzelnen Texte, ob ihrer oberflächlichen Gleich-Funktionalität. Dabei möchte nicht verhehlt werden, was für eine saubere, durchdachte Struktur unter der Oberfläche liegt. Der Bruch des Syntagmas, die Auflösung der kennenden Struktur der Sprache liegt der Lyrik ja inne, hier doch, ja, doch, greift die Auflösung der Wörter noch weiter, Wortbausteine scheinen sich nicht in Satzbau-Kennungen erspürbar zu machen. Das ‚Ich‘ oder ‚Du‘ wird häufig einfach dazwischen gesetzt, zwischen die Natur. Die Reflexion des Selbst in dem Natürlichen aber bleibt. Das Postmoderne findet sich durchaus im Duktus der Texte wieder. Die Destruktion der Sprache also lässt sich nicht leugnen. Wir zerstreuen die Bedeutungen, um neue zu finden, um metaphysische Grundlegungen – diese ewigen Überhöhungen – wegzusprechen und im Spiel des Zeichens ganz nah bei der lieben Natur zu sein (?). Dass „der traurige vogel“ in einem Gedicht beispielsweise, von Menschenhand geschaffen, nicht dem gleich kommen kann, was die Natur vermag, dass so die vermeintliche Fröhlichkeit der Wortaneinanderreihungen so interessant gebrochen wird, benickt der Leser und blättert weiter. Es scheint auch so manche Erlebnislyrik durch neologistische Wortklänge aufgepeppt – „die möwe ist mückig“. Am Ende dann weicht der Dichter die Sprache in das auf, was Poesie auch schon immer zu suchen vermochte: die Musikalität. Der Palast aus Musik wird durch „fragen des dichters an den musiker“ ausgehöhlt. Wo liegt denn der Rhythmus, wo die Musikalität? Was sind nun die Klänge der Poesie? „verführung lockt/ an klang im wort/ […] selbst, was entlärmt in eine art versöhnen“. Dass sie also nicht aufhören soll, die Poesie, das mag man diesem Gedichtband entnehmen. Dass sie sucht, nach dem wohlwollenden Klang, in der Gegenwart, dass sie im Spiel des Zeichens eine Möglichkeit finden kann, all das mag Ferdinand Schmatz uns mit auf den Weg geben. Und bei Leibe – in aller Liebe – aufhören darf sie nicht, die Poesie.

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