Ferdinand von Saar

 3,1 Sterne bei 8 Bewertungen
Autor*in von Die Steinklopfer · Tambi, Leutnant Burda und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Ferdinand von Saar (1833–1906), der fabelhafte Chronist des schleichenden Niedergangs der k.-u.-k. Monarchie, ist der ewige Vergessene zwischen der Generation der Klassiker Grillparzer und Stifter und den Schriftstellern der Wiener Moderne, denen er erzählerisch den Weg ebnete – Arthur Schnitzler und Hugo von Hofmannsthal schätzten ihn sehr. In verarmtem Kleinadel geboren, trat der junge von Saar aus finanziellen Gründen in die Armee ein. Nach elf Jahren quittierte er den Dienst, um als Dichter und Dramatiker zu reüssieren, war jedoch jahrelang geplagt von Geldnöten und abhängig von adligen Gönnerinnen. Bekannt wurde er erst spät, vor allem durch seine Novellen, die von Melancholie und Nostalgie durchdrungen sind. Endlich materiell abgesichert war sein Lebensabend durch den Freitod seiner Frau und schwere gesundheitliche Leiden überschattet. Am 24. Juli 1906 erschoss sich Ferdinand von Saar mit einem kleinen, verrosteten Militärrevolver, den der Leutnant a. D. sein Leben lang aufbewahrt hatte.

Quelle: Verlag / vlb

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Neue Rezensionen zu Ferdinand von Saar

Cover des Buches Leutnant Burda (ISBN: 9783311210047)
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Rezension zu "Leutnant Burda" von Ferdinand von Saar

Giselle74
Großartige Wiederentdeckung

Diese Novelle von 1887 verdient wirklich eine Wiederentdeckung. Zumal auch die Ausgabe des Kampa Verlags eine Zierde für jedes Bücherregal ist. In Leinen gebunden, mit einem sehr gelungenen Einband, kommt sie k.u.k.-mäßig elegant daher. Überhaupt überzeugt der neu gegründete Kampa Verlag durch ein sorgfältig ausgewähltes Programm.
Aber zurück zu "Leutnant Burda". Der ist auch sehr schmuck, soll heißen, er zieht die Blicke der Damenwelt auf sich. Im Glauben an seine Vortrefflichkeit, verliebt er sich weit über seinen Stand in die junge Prinzessin Fanny. In der Annahme, seine Liebe würde erwidert, interpretiert er jede Geste seiner Angebeteten in seinem Sinne und verliert dabei jeglichen Halt.
In heutigen Zeiten würde man Burda als Stalker bezeichnen. Er folgt Prinzessin Fanny auf Schritt und Tritt, beobachtet sie, versucht Kontaktaufnahmen, immer überzeugt von ihrer Gegenliebe. Jede Bewegung, die Farbe ihrer Kleidung, die Wahl ihres Ausfahrtweges, alles wird zum geheimen Zeichen, zu einer wichtigen Botschaft. Die Abneigung der jungen Dame dringt in seinem Wahn nicht zu ihm durch.
Ferdinand von Saar stammt selbst aus adligen Kreisen und durchlief eine Offizierslaufbahn. Das gewählte Umfeld der Novelle dürfte ihm also nur allzu bekannt gewesen sein. Er gibt Burda als Freund und Erzähler einen jungen Offizier zur Seite, der von den Verstrickungen berichtet, ihnen aber nicht Einhalt gebieten kann. So ist der Leser nah am Geschehen, sieht Burdas zunehmenden Wahn, ist aber andererseits entfernt genug, um den Wahn als solchen erkennen zu können.
Bemerkenswert ist die Umkehrung der üblichen Abfolge solcher "Liebesgeschichten" Ist es nämlich doch normalerweise der weibliche Part, der sich unsterblich und blind verliebt, und dann, am besten mit Zurhilfenahme des gesamten Freundinnenkreises, jede Regung des Auserkorenen durchanalysiert und das Gänseblümchenspiel spielt. Ein Mann, der sich solcher Art um Kopf und Kragen liebt, das findet man eher selten in der Literatur.
Umso bedauerlicher ist es, dass diese Novelle in Vergessenheit geraten ist. Ferdinand von Saar zählt zu den bedeutendsten östereichischen Schriftstellern seiner Zeit. Elegant und realistisch zugleich zeichnet er das Bild eines Mannes, der aus der Wirklichkeit in eine Traumwelt abgleitet und dafür einen hohen Preis zahlt.

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