Ferdinand von Schirach Der Fall Collini

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Inhaltsangabe zu „Der Fall Collini“ von Ferdinand von Schirach

Was treibt einen Menschen, der sich ein Leben lang nichts hat zuschulden kommen lassen, zu einem Mord?
Vierunddreißig Jahre hat Collini als unbescholtener Werkzeugmacher bei Mercedes gearbeitet. Und dann tötet er anscheinend grundlos einen alten Mann. Ein Albtraum für Anwalt Caspar Leinen, der die Pflichtverteidigung übernimmt: Das Opfer, ein hoch angesehener Mann, ist der Großvater seines besten Freundes. Schlimmer noch, Collini schweigt beharrlich zu seinem Motiv. Leinen beginnt zu recherchieren und stößt auf eine Spur, die ihn mitten hineinführt in ein erschreckendes Kapitel deutscher Justizgeschichte …

Literatur und Juristerei auf höchsem Niveau. Ferdinand von Schirach ist immer Garant für großartige Lesezeit.

— ulrikerabe

Menschliche Einblicke in die Justiz, historische Rückblenden und wortgewaltige Zwischentöne zum Nachdenken. Mir persönlich zu schwarz-weiß.

— oromis23

Auf nur ca 200 Seiten schafft es der Autor eine Geschichte zu schreiben, die so spannend ist, wie von John Grisham. Auch das Thema (Justiz)

— supersusi

Nett. Das Ende ist vorhersehbar, ebenso die Wendung im Prozess. Nette und weise Sprüche am Anfang der Geschichte.

— Hille

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  • Schuld und Verjährung

    Der Fall Collini

    ulrikerabe

    03. January 2018 um 11:52

    Der Industrielle Hans Meyer wird in seinem Hotelzimmer erschossen, hingerichtet nahezu. Der Täter lässt sich festnehmen, gesteht die Tat, schweigt aber über sein Motiv. Der junge Anwalt Caspar Leinen übernimmt als Pflichtverteidiger den Fall. Zunächst übersieht er, dass es sich bei dem Opfer um den Großvater seines Freundes aus Kindertagen handelt und will den Fall beinahe wieder abgeben. Doch nach und nach stellt sich heraus, was den über 60-jährigen Italiener Collini zu der Tat getrieben hat. Es ist eine Reise in die Vergangenheit, des Opfers, des Täters, Caspars. Die Grenzen, wer Opfer und wer Täter ist, lassen sich nicht mehr exakt ziehen. Schirach stellt wieder einmal Recht und Moral gegenüber, während die Gerechtigkeit auf der Strecke bleibt. Ich liebe den Scharfsinn und Präzision, aber auch die Einfühlsamkeit des Autors und Juristen Ferdinand von Schirachs. Schicht für Schicht demontiert er ein Ideal, lässt es aber trotzdem an Menschlichkeit nicht mangeln. Juristische Finten und sprachliche Eleganz ergänzen sich in diesem Buch. Lesenswert und eindringlich.

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  • wie ein kleiner Grisham

    Der Fall Collini

    supersusi

    25. September 2017 um 21:09

    Ein Mann wird ermordet, der Täter gesteht alles, verschweigt aber sein Motiv und will auch gar nicht verteidigt werden, denn er habe es ja schließlich getan, sagt er. Ansonsten schweigt er. Für den jungen Anwalt ist dies sein erster Fall. Als er dann noch erfährt, wer der Tote ist, will er den Mörder nicht länger verteidigen.... Auf nur ca 200 Seiten schafft es der Autor eine Geschichte zu schreiben, die so spannend ist, wie von John Grisham. Auch das Thema (Justiz) ist das Gleiche. Habe das Buch in einem Tag verschlungen. Wofür Grisham 500 Seiten braucht, ist hier komprimiert auf weniger als die Hälfte, ohne, dass etwas fehlt. Auch die Sprache, nüchtern und präzise, macht das Buch zu einem wahren Lesevergnügen. Der Hintergrund und die Schicksalsschläge sind natürlich so furchtbar, dass das Wort Vergnügen nicht ganz passt. Aber ich kann es jedem Krimi Fan empfehlen.

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  • Er schwächelt leicht

    Der Fall Collini

    dominona

    12. August 2017 um 09:53

    Die Atmosphäre bleibt die gleiche, wie gewohnt und typisch Schirach. Allerdings ist man seine überraschenden Szenarien gewohnt und hier hat mich der Schluss irritiert. Zwischendurch werden mir dieses Mal zu viele unnötige Einzelheiten behandelt, was mir das ohnehin kurze Buch leider verdorben hat, allerdings verzeiht man einem stilistisch so sicheren Autor auch mal einen Fehltritt.

  • Am Ende etwas platt

    Der Fall Collini

    sKnaerzle

    Die Erzählung (vom Umfang her lässt sich kaum von einem Roman sprechen) schildert, wie ein junger, engagierter Pflichtverteidiger nach dem Motiv in einem Mordfall sucht.Genau wird dabei die Ermittlungsarbeit beschrieben, auch die bürokratischen Schritte, bevor der Staat das schlimmste tut, was er  seinen Bürgern antun kann - sie einsperren. Das ist interessant und man würde gern weiter darüber lesen.Es geht um den Mord an einem schon alten Unternehmer durch einen italienischen Gastarbeiter - auch schon verrentet, scheinbar ohne Motiv. Der Pflichtverteidiger ist außerdem Beteiligter, weil er in der Familie des Opfers praktisch aufgewachsen ist. Am Ende stellt sich heraus, dass der Mörder Rache übte an einem NS-Verbrecher. Seine Vater hat wurde im bestzen Italien als Geisel erschossen und die deutsche Justiz hat sich geweigert, diesen Mord zu sühnen. Hierbei steht ein Skandal der deutschen Gesetzgebung im Mittelpunkt, als der Bundestag ein Gesetz verabschiedete, dass den Tatbeteiligten neu definierte. Man dachte eigentlich an Verkehrsunfälle, es befreite dann aber auch Beteiligte an NS-Verbrechen von der Strafe.So Weit ist der Roman interessant und in seiner knappen Zuspitzung auch spannend. Auf der anderen Seite gibt es ganz schlimme Plattitüden.Der engagierte Anwalt ist natürlich wenig wohlhabend, aber dafür potent.Sein Gegenspieler, der Nebenkläger dagegen hat Geld wie Heu, muss aber seine ukrainische Geliebte mit Geschenken dazu bringen, sich beim Sex (mäßig) erniedrigen zu lassen.Natürlich versucht der Firmen-Justiziar den jungen Anwalt zu bestechen, auch wenn nicht recht klar ist, warum. Gu,t für das Image einer Firma ist es natürlich nicht gut, wenn der Senior ein Kriegsverbrecher war, aber sicher auch nicht bedrohlich, besonders wenn besagter Senior aus diesem Grund ermordet wurde..Und warum der junge Anwalt mit der Jungendfreundin schläft, erschließt sich mir auch nicht (wegen der Romanhandlung, nicht wegen der Jugendfreundin). Das Urteil in diesem Fall fällt aus und eigentlich ist das die Aufforderung an den Leser, selbst zu überlegen, was er gerecht fände. Ich hatte aber eher das Gefühl, dass sich hier ein Autor drückt.

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    • 2
  • Ein starke und berührende Geschichte

    Der Fall Collini

    Daniel89

    02. February 2016 um 16:07

    Der Anfang hat mich stark an Dürrenmatts Justiz erinnert. Ein Mann geht in ein Hotel (Restaurant) und erschießt einen anderen Mann, danach wartet er auf die Polizei. Das sind aber schon fast alle Gemeinsamkeiten. Im Fall Collini geht es sehr stark um ein Motiv. Warum hat er ihn getötet? Ist es überhaupt wichtig für einen Fall? Etwa die Hälfte des Buches ist ein Detektivroman, weil der Verteidiger, Ankläger, Nebenkläger nach dem Motiv suchen und Collini sich dazu nicht äußert. Die andere Hälfte geht es eher um den Fall an sich und wie die Rechtssprechung ist. Welche Schwächen Sie hat und letztlich sind es auch nur Menschen die Entscheiden und auch Sie machen Fehler. Ein tolles Buch zu einem wichtigen Thema und ein Fall, der mir mehrfach ungeschönt ins Gesicht geschlagen hat. Durch den sehr sachlichen Schreibstil wird es nur noch schlimmer. Lest es!!! Sind ja auch nur 200 Seiten und es lohnt sich. Vielen Dank.

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  • Nicht mein Fall

    Der Fall Collini

    j125

    19. January 2016 um 09:59

    Inhalt: Collini ist ein Mann in den 60ern, der als Gastarbeiter von Italien nach Deutschland kam und bei Mercedes als Werkzeugmacher arbeitete. Scheinbar grundlos ermordet er dann einen alten Mann. Nicht nur sein Pflichtverteidiger Caspar Leinen fragt sich, wo das Motiv ist. Meine Meinung: Ich habe bereits ein Buch des Autors gelesen, was mir allerdings nicht so gut gefallen hat. Ich habe gehofft, dass mir ein Roman vielleicht besser gefallen könnte als die Berichte aus seiner Kanzlei, aber das war leider nicht der Fall. Das größte Problem habe ich vermutlich mit dem schnörkellosen, sachlichen Schreibstil des Autors. Es handelt sich mehr oder minder um eine Aneinanderreihung von Fakten und Ereignissen, von Ermittlungsschritten und Prozesstagen, ohne das bei mir irgendeine Emotion ankommt. Mir fällt nichts anderes ein als sachlich, eben wie in einem Lexikon. Für die Berichte aus der Kanzlei des Autors mag das noch der passende Stil sein, aber für einen Roman finde ich das unpassend. Stellenweise war es mir dann zu detailliert, seien es Aufzählungen bei Gericht oder auch die Obduktion des Toten. Wie schwer welches Organ ist, ist für mich nicht interessant, macht aber wohl den Stil des Autors aus. Das Ende fand ich total bescheuert (sorry für diesen Ausdruck) und ich habe auch die Beweggründe nicht so ganz nachvollziehen können. Da fehlte mir dann eben das erzählerische eines richtigen Romans. Fazit: Wer sich für Gerichtsprozesse und Jura interessiert, könnte gefallen an dem Buch haben. Mir war es viel zu sachlich und langweilig.

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  • Leise und nüchtern - aber mit großer Wirkung.

    Der Fall Collini

    Farbwirbel

    „General Kesselring hatte danach dreihundertfünfunddreißig Zivilisten in den Ardeatinischen Höhlen erschießen lassen, sie hatten nichts mit der Sache zu tun gehabt, ein Kind sei auch dabei gewesen. »Sonst saubere militärische Aktion«, sagte Hans Meyer.“ - S. 155 Ferdinand von Schirach traut sich in seinem ersten fiktiven Roman an ein sehr schweres Thema – aber das ist für ihn nicht untypisch. Es geht um die Frage, inwiefern ein Mord nachvollziehbar ist, wenn er durch eine Gräueltat während der NS-Zeit motiviert wurde. Wann ist Rache verständlich? Der Aufbau des Romans ist durchdacht. Erst wird dem Leser der Mord beschrieben und dann wird aus der Perspektive des jungen Anwalts Caspar Leinen berichtet, der aus Zufall den Mörder verteidigen muss. Durch Erinnerungen Leinens und Collinis wird die Erzählung zu einem Ganzen. Es stellt sich im späteren Verlauf heraus, dass das Mordopfer sein Ziehvater Hans Meyer ist. Johanna, die Tochter Meyers ist verstört darüber, dass Leinen die Verteidigung Collinis annimmt. Dennoch brauchen sich Johanna und Leinen während des Prozesses gegenseitig, um zu verarbeiten, was sie über Hans Meyer herausfinden. Der Leser und auch das Figurenpersonal wird über die Hälfte des Romans nicht darüber aufgeklärt, welches Motiv Collini hatte. Die Verbindung zwischen Meyer und Collini liegt weit in der Vergangenheit: Collini musste während der NS-Zeit durch Meyer grausame Schicksalsschläge hinnehmen, woraus sein Rachedurst entstand. Ganz leise und im nüchternen Ton klärt der Erzähler darüber auf, wie es dazu kam, das viele Befehlsausübende und Schreibtischtäter der NS-Zeit keinen Prozess erhielten. Wie so oft bei Schirach wird der Leser allein mit der Frage gelassen, wie dieses Gerichtsverfahren zu bewerten ist. Wann ecken Moral und Recht aneinander und wie ist damit umzugehen? Wo bleibt das Hinterfragen? Ich glaube, das könnten zentrale Fragen in Schirachs Werk sein und zwei, mit denen er sich selbst in seiner Tätigkeit als Anwalt oft auseinandersetzen musste. Erstaunlich ist es, wie Schirach es schafft, Abbilder von menschlichem Verhalten zu zeichnen, die sehr echt wirken, und dabei vor allem keine abgesicherten, vorhersehbaren Wege entlang geht. Schirachs Werke lassen mich immer wieder an meinem Gefühl für Gerechtigkeit zweifeln, aber auch an unserem Rechtssystem. Dafür bin ich dankbar, denn solche Denkanstöße, wie er sie gibt, erklingen nur noch selten. Leise und nüchtern, aber mit großer Wirkung.

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    • 3
  • Schatten der Vergangenheit

    Der Fall Collini

    UteSeiberth

    Das ist der erste Kriminalfall, den ich von Ferdinand von Schirach gelesen habe und ich muss sage, dieses Thema hat mich doch sehr angesprochen! Dieser Roman spielt vorwiegend in Berlin und es geht um ein etwa 65-jährigen Italiener, der vor ca. 30 Jahren in Deutschland eingewandert ist und in Süddeutschland lange als unbescholtener Arbeiter gelebt hat. Er kommt nach Berlin und erschleicht sich mit falschen Angaben in einem Hotel den Zugang zu einem recht bekannten älteren Mann.Dieser läßt ihn arglos ein und wird von diesem kräftigen Mann erschossen und im Gesicht über zugerichtet.Die Verteidigung für diesen Mann wird einem jungen und noch unerfahrenen Juristen zugeteilt,für den dieser Fall besonders schwierig ist,weil er den Ermordeten gut gekannt hat.Zudem weigert sich der Angeklagte beharrlich über sein Tatmotiv zu sprechen.Eines Tages bekommt er einen Hinweis auf die Nazi-Verbrecher-Stelle in Ludwigsburg ,er fährt hin und wird über das Leben seines älteren Bekannten aufgeklärt,das ihn ganz schön erschüttert.Daraufhin kann man sehr gut verstehen,weshalb sich der Angeklagte nicht verteidigen will und dann freiwillig aus dem Leben scheidet. In diesem Kriminalfall wird ein Stück deutscher Geschichte aufgearbeitet und das hat mir sehr imponiert! Ausserdem liest sich dieses Buch sehr flüssig und ich bin gespannt, ob noch weitere "Fälle" erscheinen werden!

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    • 3

    Arun

    25. November 2015 um 19:16
  • Recht, Leben und Gerechtigkeit

    Der Fall Collini

    Stephanus

    14. August 2015 um 15:45

    Auf grausame Weise richtet der 67jährige, bis dahin völlig unbescholtene Arbeiter Fabrizio Collini den 85jährigen Industriellen Hans Meyer in dessen Hotelzimmer regelrecht hin und lässt sich widerstandslos verhaften. Der junge Anwalt Caspar Leinen erhält als Pflichtverteidiger diesen Fall und stellt bald fest, dass sein Mandant geständig ist, aber über das Motiv beharrlich schweigt. Zudem ist der Ermordete der Großvater des besten Schulfreunds von Leinen. Dies bringt ihn zunächst in einen erheblichen Gewissenkonflikt. Letztlich überwindet Leinen den Konflikt und setzt die Vertretung Collinis fort. Durch das beharrliche Schweigen über das Motiv, das von den Ermittlungsbehörden nicht ermittelt werden konnte, scheint der Fall für den Verteidiger aussichtslos und ohne größere Überraschungen in der Verurteilung zu enden. Leinen entdeckt jedoch eine lange zurückliegende Berührungslinie zwischen Meyer und Collini, die zu Verbrechen der Wehrmacht im 2. Weltkrieg führen und letztlich der Grund für Collinis tat. Als diese Thematik in den Prozesseingeführt wird kommt zu Tage, dass Meyer für seine Taten nicht angeklagt werden konnte und damit juristisch belangt. Moralisch ist dies aber weiterhin eine verwerfliche Tat und keine Gerechtigkeit für die Opfer, die letztlich dann Collini in die eigene Hand genommen hat und Rache übte, was juristisch aber, dadurch dass sich Collini selbst der Bestrafung entzieht ebenfalls nicht mehr geurteilt wird. Von Schirach schreibt in seinem kurzen, prägnanten, nüchternen Stil über Recht und Gerechtigkeit sowie die Grenzen. Durch seinen Stil gewinnt das Buch an Spannung und wird  mit jeder Seite interessanter. Ganz nüchtern wird letztlich auch ein sehr wenig und in der Öffentlichkeit weitgehend unbekanntes Kapitel der Deutschen Geschichte, die "Amnestie" für Nazi-Verbrechen über die Hintertüre, geschildert. Wer mit der Sprache und dem Stil v. Schirachs etwas anfangen kann bekommt ein tolles und lesenswertes Buch.

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  • Recht und Unrecht

    Der Fall Collini

    Kerstin_KeJasBlog

    Ein alter Mann tötet einen anderen alten Mann, scheinbar völlig motivlos. Die Geschichte in dem Buch beginnt einfach und ohne viel Phatos. Fabrizio Collini erschießt den Industriellen Meyer und stellt sich dann der Polizei. Sein Pflichtverteidiger Caspar Leinen erfährt nichts vom Täter über das Motiv, Collini schweigt.  Leinen als Anwalt hat mich mit seinen unermüdlichen Recherchen in Sachen Collini beeindruckt. Auch wenn er den ein oder anderen Hinweis mehr durch Zufall erhielt, hat er durch seine Unbestechlichkeit und Beharrlichkeit doch sehr viel Rückrat und Menschlichkeit bewiesen. Das Motiv der Tat als Rache oder Selbstjustiz darzustellen ist nicht Schirachs Art. Vielmehr klagt er, ohne den Finger zu heben, die Geschichte hinter der Geschichte an. Ein sehr nüchternes Buch, dass mich persönlichen aber sehr bewegt und nachdenklich gemacht hat. Das ein Verbrechen,  dass an Grausamkeit nicht zu übertreffen ist in den "Genuss" der Verjährung kommt hat Schirach hier sehr erschreckend geschildert.  Ob Vergeltung, nach Jahren der Seelenqual und nicht zu enden wollenden grausamen Erinnerungen, gerechtfertigt ist - darüber muss jeder für sich selbst urteilen. c)K.B.

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    • 2

    Arun

    27. November 2014 um 09:11
  • Ganz gut aber leider viel zu kurz

    Der Fall Collini

    KatharinaJ

    15. November 2014 um 21:05

    Fabrizio Collini hat sich sein ganzes Leben lang nie etwas zu Schulden kommen lassen – Was also trieb ihn dazu den 85-jährigen Großindustriellen Hans Meyer grausam hinzurichten? Collini ist sofort geständig, verweigert aber jede weitere Aussage zum Motiv. Caspar Leinen wird als sein Pflichtverteidiger beauftragt und der Fall Collini ist sein erster Fall nach dem Studium und seine große Chance. Doch kann Casper wirklich den Mann verteidigen der seinen Mentor aus Kindheitstagen getötet hat? Mit „Der Fall Collini“ schrieb Ferdinand von Schirach einen kurzen aber guten Roman. Präzise und genau führt er den Leser durch die Geschichte mit einem interessanten Hintergrund. Für meinen Geschmack war der Roman etwas zu kurz – Eher eine Kurzgeschichte aber lesenswert.

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  • Wer ist Täter, wer ist Opfer?

    Der Fall Collini

    Herbstrose

    Ein fünfundachtzigjähriger Industrieller wird in seinem Appartement in einem Berliner Nobelhotel bestialisch ermordet. Der Täter Fabrizio Collini ist sofort geständig, verweigert aber jegliche Aussage zum Motiv. Als sein Pflichtverteidiger wird der junge aufstrebende Anwalt Caspar Leinen bestellt. Eine einmalige Chance für diesen, sein erster großer Fall, der aber bald zum Alptraum wird als er erfährt, dass das Opfer der Großvater seines besten Freundes ist. In seiner Erinnerung ein gütiger, liebevoller Mann, bei dem er ein Großteil seiner Kindheit und Jugend zubrachte. Trotzdem übernimmt Leinen den Fall und stößt bei seinen Nachforschungen in der Vergangenheit auf schier unglaubliche Ereignisse … Ein packendes Stück Zeitgeschichte, das Ferdinand von Schirach hier als spannenden Kriminalfall aufbereitet hat. Der praktizierende Strafverteidiger gewährt dabei umfassenden Einblick in die Funktionsweise unserer Rechtsprechung, die Arbeit der Gerichte und die Vorgehensweise von Anwälten. Schonungslos lässt er den Leser an der Obduktion der Leiche teilnehmen und zeichnet detailgetreu die Gräueltaten im II. Weltkrieg auf. Dabei bedient er sich eines klaren und sachlichen Schreibstils, zurückgenommen und emotionslos, und dennoch mit sehr viel Tiefgang. Zwei Handlungszeiträume, Gegenwart und Vergangenheit, sind meisterlich ineinander verwoben. Empfindet man den Mörder anfangs noch als gefühlloses Monster, so hat man nach und nach immer mehr Mitleid mit ihm, wenn man die menschliche Tragödie und die Hintergründe die zur Tat geführt haben erfährt. Ganz unerwartet wird der Angeklagte selbst zum Opfer, das doch nur nach Sühne und Gerechtigkeit verlangt. Doch ein endgültiges Urteil kann es nicht geben – Fabrizio Collini entzieht sich der irdischen Gerichtsbarkeit …       Fazit: Eine Geschichte die aufrüttelt, beklommen macht und unter die Haut geht – ein Thema das zu Diskussionen anregt – ein Buch das man gelesen haben muss.

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    • 6

    Floh

    02. September 2014 um 03:52
  • Rezension zu "Der Fall Collini" von Ferdinand von Schirach

    Der Fall Collini

    FabAusten

    Der Fall Collini …. Ein italienischer Einwanderer erschießt einen deutschen Großindustriellen. Er gesteht die Tat, doch über das Motiv schweigt er. Der Rechtsanwalt Leinen wird als sein Pflichtverteidiger bestellt. Für ihn ist es der erste Fall seines Berufslebens und darüberhinaus kannte er das Opfer. In seiner Jugend verbrachte er viele Sommer im Haus seines Freundes, dessen Großvater nun ermordet wurde. Dennoch verteidigt er im darauffolgenden Prozess den Angeklagten, dessen Beweggründe weiterhin im Dunkeln bleiben. Doch dann stößt Leinen zufällig auf eine Spur. Diese führt in das dunkelste Kapitel der deutschen Vergangenheit.... …. Ein Roman, der viele Lorbeeren bekommen hat. Am Anfang steht die Tat, die der Leser aus der Sicht des Täters Collini verfolgt. Dann wechselt die Perspektive. Den Rest des Romans durchschreitet der Leser an der Seite des Pflichtverteidigers. Auf wenigen Seiten wird eine grausame Welt und eine Geschichte, die frösteln läßt, gezeigt. Der Fall Collini wurde auf das Wesentliche eingedampft und stringent erzählt. Es gibt keine Umwege, keine nebensächlichen Handlungsstränge. Dies ist nicht zwangsläufig zu kritisieren. Es wird eben auf überflüssigen Chichi verzichtet. Gefühle werden nur angedeutet, vielmehr werden die Figuren durch Schockzustände und Traumen beherrscht. Die Beziehung des Verteidigers zur Enkelin des Opfers ist lieblos und gefühlsarm. Ihre Verbindung läßt sich wohl nur durch die gemeinsame Vergangenheit erklären. Er spürte schon immer eine gewisse Faszination und sie benötigt einen Anker im Gefühlschaos, dass der Mord ausgelöst hat. Die Figuren bleiben insgesamt farblos. Einzig mit Collini kann man mitfühlen und Mitleid empfinden. Dies ist umso erstaunlicher, da er nur auf wenigen Seiten aktiv in Erscheinung tritt. Die Spannung des Romans entwickelt sich einzig aus der Frage, warum Collini den Industriellen Hans Meyer umgebracht hat. Das abschließende Ende ist sowohl folgerichtig als auch absolut vorhersehbar und daher etwas langweilig. Der Ablauf ebenso wie die Schockmomente wirken konstruiert. Auch dagegen ist im Grunde nichts einzuwenden, denn auch solche Geschichten kann das Leben schreiben. Allerdings wirkt es in diesem Fall zu zielorientiert. Man erkennt genau, welche Absicht der Autor verfolgt. Die Botschaft wird schnörkellos und leichtverständlich übermittelt. Doch leider erkennt man nicht, dass er dies mit Enthusiasmus und der Freude am Schreiben tut. .... Überhaupt strahlt Der Fall Collini in jeglicher Hinsicht Schlichtheit und Kälte aus. Möglicherweise war das beabsichtigt. Nichtsdestotrotz muss dem Leser diese Erzählweise gefallen oder eben nicht. .... Ein Roman, der mich nicht überzeugen konnte. Er erhält dennoch zwei Sterne, weil er ein wichtiges Thema behandelt. Außerdem möchte man trotz aller Widrigkeiten erfahren, was Der Fall Collini für eine Geschichte verbirgt. Dies ist eine Leistung, die nicht unbeachtet bleiben soll. Für Leser, die bisher nicht viel zu diesem Themenkreis gelesen haben, mag es aber durchaus Überraschungen geben.

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    • 3
  • Rezension zu "Der Fall Collini" von Ferdinand von Schirach

    Der Fall Collini

    sanja

    In seinem fiktiven Roman erzählt von Schirach die Geschichte des Fabrizio Collini, der viele Jahre friedlich in der Bundesrepublik arbeitet und nach seiner Rente plötzlich einen ca. 20 Jahre älteren Mann tötet, ja sogar hinrichtet. Vier Schüsse in den Hinterkopf feuerte er auf Hans Meyer, einen Großindustriellen ab. Danach ruft Collini die Polizei, lässt sich anstandslos festnehmen und gibt die Tat unumwunden zu. Zum Motiv schweigt er jedoch. Der junge Anwalt Caspar Leinen bekommt den Fall zugewiesen, weil er an diesem Tag Dienst hat. Der Fall scheint klar und keine große Sache zu sein. Er spricht mit seinem Mandanten, bekommt jedoch keinerlei Hintergrundinformationen. Bei der ersten Anhörung beantragt er als Pflichtverteidiger eingetragen zu werden. Erst später erfährt er von der Enkelin des Mordopfers, dass es sich bei dem Getöteten um den Großvater seines besten Freundes handelt. Mehr noch, dieser Hans Meyer war für ihn jahrelang seine Ersatzfamilie. Sein Vater steckte ihn in ein Internat, wo er seinen besten Freund kennenlernte. Seitdem verbrachten sie viele gemeinsame Ferien im Hause des Großindustriellen. Als sein bester Freund nach dem Abitur plötzlich bei einem Autounfall ums Leben kommt, bricht der Kontakt jedoch ab. Nun wird er in der Gegenwart mit seiner eigenen Vergangenheit konfrontiert und muss doch für seinen Mandanten den Fall bestmöglich vertreten. Hin- und hergerissen überlegt er sogar den Fall abzugeben. Doch gerade der Anwalt der Gegenpartei zeigt ihm auf, wofür er all die Jahre studiert hat: Justizia muss auch den Tätern die Chance geben, ihre Taten zu rechtfertigen. Die Frage nach dem “Warum” ist das zentrale Thema des Buches. Caspar Leinen macht sich an die Arbeit und deckt nach und nach nicht nur einen mysteriösen Mordfall in der Gegenwart auf, sondern auch einen Justizskandal, der Ende der 60er Jahre für allerlei Aufmerksamkeit sorgte, als damals ein zunächst unscheinbares Gesetz in Kraft trat. Das dieses Gesetz gut 60 Jahre später in Vergessenheit geraten ist, ändert nichts an der Brisanz, die dieses Thema aufwirft und so führt der junge Anwalt mit seinem Wissen die Wendung in diesem Fall herbei. Meine Meinung: Schuld, Sühne, Gerechtigkeit und Rache, dass sind die Themen, denen sich von Schirach in seinem ersten fiktiven Roman annimmt. Ich finde die Bücher von von Schirach einfach nur toll, weil sie nicht nur daher geschrieben sind, sondern auch etwas über Geschichte, Justiz und die zentralen Fragen im Leben vermitteln wollen. Dieser Roman macht da keine Ausnahme. Die etwa 200 Seiten fliegen nur so dahin und sind doch keine leichte Kost. Als der Autor dann auch noch die Bombe platzen lässt, war ich regelrecht geschockt was in unserem deutschen Rechtssystem vor sich geht. Ich danke dem Autor dafür, dass ich (wieder mal) etwas gelernt habe und hoffe, es folgen noch viele weitere Bücher. Bravo! Von mir gibt es 5 von 5 Katzi’s

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    • 2

    Arun

    22. June 2014 um 11:57
  • Ein unglaublich guter Erzähler

    Der Fall Collini

    Bibliomania

    Ferdinand von Schirachs erster Roman, wenn auch kurz, hat mich wieder einmal voll in seinen Erzählbann gezogen. Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie sachlich und ohne Ausschmückungen eine Geschichte erzählt werden kann. Ganz große klasse! Caspar Leinen ist gerade Rechstanwalt geworden und nimmt über den Notdienst der Strafverteidiger seinen ersten Fall an. Er will einen geständigen Mörder verteidigen, obwohl dieser keinen Anwalt verlangte. Als herauskommt, dass das Opfer quasi der Ziehvater Caspar Leinens ist, nimmt die Geschichte richtig an Fahrt auf. Schon seine Kurzgeschichten haben meine Meinung zum Thema Rechtsverteidiger grundlegend geändert. Am Ende des Romans hatte ich eine Gänsehaut. Und dann die Verhörszenen im Gerichtssaal - ich liebe es! Klare Leseempfehlung!

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    • 2

    Arun

    09. June 2014 um 13:45
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