Ferdinand von Schirach Schuld

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Inhaltsangabe zu „Schuld“ von Ferdinand von Schirach

Ein Mann bekommt zu Weihnachten statt Gefängnis neue Zähne. Ein Junge wird im Namen der Illuminaten fast zu Tode gefoltert. Die neun Biedermänner einer Blaskapelle zerstören das Leben eines Mädchens und keiner von ihnen muss dafür büßen... Neue Fälle aus der Praxis des Strafverteidigers von Schirach - die der Autor von Schirach wie mit dem Zauberstab in große Literatur verwandelt hat. Mit bohrender Intensität und in seiner unvergleichlich lyrisch-knappen Sprache stellt er leise, aber bestimmt die Frage nach Gut und Böse, Schuld und Unschuld und nach der moralischen Verantwortung eines jeden Einzelnen von uns.

Eine eindringliche Schilderung unseres Rechtsstaates - GENIAL

— ochocinquo
ochocinquo

Kurze und teilweise brutale Kurzgeschichten die einem ins Grübeln bringen.

— Rosisamazinglibrary
Rosisamazinglibrary

15 Geschichten in drei-einhalb Stunden. Mir raucht der Kopf, ich muss das Ganze erstmal verarbeiten. War teilweise schon heftig.

— brigitte_kammerer
brigitte_kammerer

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  • ~ Zwischen Rechtsprechung und -empfinden ~

    Schuld
    ShadowOfBlue

    ShadowOfBlue

    16. August 2013 um 09:13

    Eigentlich habe ich mich immer gegen Hörbücher gesträubt. Im Straßenverkehr kann ich mich nichtmal auf die Staumeldungen konzentrieren, zu Hause konnte ich es mir nicht vorstellen nichtstuend irgendwo zu sitzen und der Geschichte zu lauschen. Aber ich habe es doch mal probiert, dank der Online-Mediothek Krefeld bzw. dem dahinter steckenden Anbieter "Onleihe".In einem Bericht von "Die_Buchhaendlerin" habe ich über das Buch "Schuld" gelesen und es auf meinen Amazon-Merkzettel gesetzt. Nun stöberte ich in der Mediothek durch das Angebot und suchte meine vorgemerkten Bücher, fand dieses Exemplar dort als Audiobook und reservierte es direkt. Wenige Tage später war es dann auch verfügbar und ich konnte loslegen - und habe durchgehalten. *~* Der Inhalt (Quelle: Digithek) *~* Ein Mann bekommt zu Weihnachten statt Gefängnis neue Zähne. Ein Junge wird im Namen der Illuminaten fast zu Tode gefoltert. Die neun Biedermänner einer Blaskapelle zerstören das Leben eines Mädchens und keiner von ihnen muss dafür büßen... Neue Fälle aus der Praxis des Strafverteidigers von Schirach - die der Autor von Schirach wie mit dem Zauberstab in große Literatur verwandelt hat. Mit bohrender Intensität und in seiner unvergleichlich lyrisch-knappen Sprache stellt er leise, aber bestimmt die Frage nach Gut und Böse, Schuld und Unschuld und nach der moralischen Verantwortung eines jeden Einzelnen von uns. *~* Der Autor (Quelle: Digithek) *~*Ferdinand von Schirach, geboren 1964 in München, arbeitet seit 1994 als Anwalt und Strafverteidiger in Berlin. Mit Verbrechen, seinem erzählerischen Debüt, gelang ihm auf Anhieb der Durchbruch als literarischer Autor. Die Übersetzungsrechte wurden in 25 Länder verkauft, und das Buch wird demnächst verfilmt. Es stand monatelang auf der Spiegel-Bestseller-Liste und wurde mit dem Heinrich-von-Kleist-Preis ausgezeichnet. *~* Die Geschichten im Detail *~*Es handelt sich, wie aus der Inhaltsangabe im Ansatz ersichtlich ist, um mehrere Kurzgeschichten. In dem Bericht über das Buch habe ich gelesen, dass diese wohl auf den Erfahrungen des Autors als Rechtsanwalt beruhen und wahre Fälle wiederspigeln sollen, ob dem so ist, kann ich nicht beurteilen. 1. VolksfestAuf einem Volksfest wird ein jungens Mädchen von einer ganzen Musikkapelle hinter der Bühne vergewaltigt und mißhandelt. Als einer der Männer die Polizei alarmiert scheint es, als müssten die Männer nun zur Rechenschaft gezogen werden, doch warum kommt es zu keiner Verurteilung? Bereits in der ersten Geschichte wird man als Hörer ein wenig geschockt von den klaren, deutlichen Worten, mit denen alles geschildert wird. Nüchtern und emotionslos werden hier Details erzählt, die man lieber gar nicht wissen möchte. Von Schirach übernimmt als junger Anwalt die Verteidigung der Männer - hier kommt direkt der Konflikt zwischen Moral und Gewissen zum Vorschein, ein Sieg im Sinne der Arbeit als Verteidiger muss nicht immer ein Sieg im Sinne von Recht und Moral sein. Eine Geschichte, die zugleich schockiert, erschüttert und das Rechtsverständnis von so einigen Hörern sicherlich ein wenig ins Wanken bringen wird. 2. DNA Es ist die Zeit um Weihnachten, Nina, ein 17-jähriges Mädchen floh vor ihrer Familie und lebt mit Ihrem Freund Thomas am Bahnhof Zoo. Ein älterer Mann bietet Nina an, mit zu ihm zu kommen, damit er an Weihnachten nicht so alleine sei, ein Angebot was Nina unter Prämisse dass Thomas mitkommen kann annimmt, es ginge ihm schließlich nicht um Sex. Als Nina ein Bad nimmt, steht der Mann plötzlich ornanierend im Badezimmer und das Unglück fängt auf tragische Weise an seinen Lauf zu nehmen.Auch in dieser Geschichte wird wieder kein Blatt vor den Mund genommen, was die Schilderung der Vorgänge angeht. Hier zeigt sich der mögliche Wandel von Menschen im Laufe der Jahre und ebenfalls die Tatsache, dass Mord nicht verjährt. Auch wenn es so scheint, man kann der Vergangenheit nicht entfliehen. Der Wandel vom Straßenkind zum spießigen Vorstadtbürger, die Fortschritte der polizeilichen Ermittlungstechnik und ein höchst tragisches, aber auch rührendes Ende lassen DNA zu einer sehr gefühlsgeladenen Geschichte werden, die man als Hörer auch ein wenig schwer verdauen kann. 3. Die IlluminatenHenry ist ein Außenseiter, unscheinbar und kaum beachtet. Seine Schulzeit machte ihm vom ersten Tag an Sorgen und alles schien schief zu gehen. Im Alter von 12 Jahren kommt er in ein Internat, doch auch dort wird es nicht anders für ihn. Um sich Anerkennung und Freundschaft zu erkaufen fängt er an seine Mitschüler zu bestehlen, doch als er dabei von seinen Mitschülern erwischt wird, gelangt er in einen Kreis von Anhängern der Illuminaten, die ihn für seine Schuld büßen lassen wollen. Doch die Zeremonie, mit der er von seiner Schuld reingewaschen werden würde, nimmt eine tragische sowie dramatische Wendung an. Diese Geschichte hat mir eine halb schlaflose Nacht bereitet und in dem Teil wo ich Schlaf fand sogar noch in Form eines Traumes mitgemischt. Man fühlt mir Henry mit, wie er vom Außenseiter zum Täter wird, daraufhin zum Opfer, man spürt Mitleid, Unverständnis, man bangt richtig mit. Henry lebt in einer anderen Welt, er sieht die Dinge nicht wie ein normales Kind, und gerade das macht ihn so anfällig. Letztendlich sieht er selbst in seiner Opferrolle noch etwas gutes, die Hoffnung auf das Danach, doch so viel Tragik erwartet man am Anfang der Geschichte bei weitem nicht. Hier steht zwar nicht so der Konflikt zwischen Moral und Recht im Vordergrund, sondern eher die Dramatik des Falles an sich, doch gerade dies zeichnet die Geschichte aus. Nur bei einer weiteren Geschichte des Hörbuches musste ich stärker schlucken als bei dieser. 4. Kinder Ein gut situierter Mann wird wegen mehrfachem Kindesmißbrauchs zur Haft verurteilt, seine Frau verlässt ihn noch während dem laufenden Prozess, und weiterhin beharrt er auf seiner Unschuld. Nach seiner Entlassung fasst er wieder einigermaßen Fuß im Leben, bis er auf sein vermeintliches Opfer von damals trifft. Wie wird er reagieren?Wie würde man selber reagieren, wenn man Jahre unschuldig im Gefängnis verbracht hat und dann auf denjenigen trifft, dem man dies zu verdanken hat? Sucht man die Aussprache? Brennen einem die Sicherungen durch? Man kann sich in eine solche Situation wohl nur schwer reinversetzen und auch das Hörbuch hilft einem dabei nicht viel weiter, relativ oberflächlich wird die ganze Geschichte behandelt, kann mich weder stark packen noch bewegen, nur diese eine Frage bleibt letztendlich im Raum stehen, zusammen mit ein wenig mehr Skepsis an der Menschheit und der Frage, wie das vermeintliche Opfer dies zulassen konnte. 5. AnatomieEin junger Mann plant eine grausige Bluttat, doch das Schicksal macht ihm einen Strich durch die Rechnung, ihn zum Opfer und denjenigen, ohne den ein schreckliches Verbrechen begangen worden wäre, zum Täter. Nur durch Zufall kommen die Pläne des Mannes ans Tageslicht. Ich möchte zu Beginn sagen, die ganze Geschichte klingt sehr an den Haaren herbeigezogen. Eine bis ins kleinste Detail geplante Gewalttat geht aus Unachtmerksamkeit schief, durch Zufall gelangt der Plan ans Tageslicht und Auslöser ist ein abgewiesener Flirtversuch. Ein Fast-Täter wird zum Opfer, ein Unbeteiligter zum Retter und Täter zugleich - hier wäre aus moralischer Sicht noch viel Potential zum Nachdenken anzuregen, doch die knappe Tatsachenschilderung am Ende im Gegensatz zu den detaillierten Ausführungen zum Plan das Täters lassen die Geschichte relativ aprupt und unerwartet enden. Hier siegt dann wohl eher die Verwunderung, schade eigentlich. 6. Der Andere Während eines Urlaubs entdeckt ein Ehepaar die Lust am Sex mit einem 2. Mann, im Laufe der Zeit vertieft sich die Leidenschaft so weit, dass er seine Frau jedes Wochenende - mit ihrem Einverständnis - fremden Männern zur Verfügung stellt. Einer der Männer stellt sich als ehemaliger Schulkamerad heraus und von dem Moment an ändert sich etwas - und bei einem zufälligen Wiedersehen geht der Mann auf "den Anderen" los.Relativ ausschweifend im Gegensatz zu "Anatomie" wird nun an "Der Andere" herangegangen. Ein langes Vorgeplänkel, wie sich die Leidenschaft der beiden an Sex mit einem unbekannten Dritten entwickelt, kurz angerissen das Gefühlsleben der Ehefrau nach dem Aufeinandertreffen mit dem alten Schulkamerad ihres Mannes und dann das Wiedersehen der beiden Männer. Auch diese Geschichte wirkt ein wenig abwegig, baut aber am Ende auf sehr spannende, juristische Ausführungen auf. Hier zeigt sich brilliant, wie die Wahrheit im Verborgenen bleiben kann, sofern alle Beteiligten dabei mitspielen - und das offenbar ohne Absprache und zur Wahrung sowohl der eigenen Interessen, als auch denen der anderen Beteiligten. Was ist richtg, was ist falsch? Wo ist die Grenze zwischen versuchtem Mord und Körperverletzung? Als juristischer Laie lernt man hier sogar noch ein wenig dazu. 7. Der KofferWährend einer Polizeikontrolle fällt ein polnischer Mietwagen auf, der bis auf einen Aktenkoffer im Kofferraum komplett leer ist. In diesem Koffer finden sich 18 kopierte Farbfotos von gepfählten Leichen, der polnische Fahrer wird sofort verhaftet. Kann die Polizei klären, was es mit den Leichen auf sich hat? Wie schon mehrfach in dem Hörbuch sind auch hier die Grenzen zwischen Täter und Opfer relativ schwer abzuschätzen, jedoch lässt dem Hörer das Verhalten des polnischen Fahrers dem Zuhörer einige Fragezeichen aufleuchten. Was den Fall angeht, ist man am Ende nicht schlauer, jedoch hat man wieder ein wenig Einblick in die Schlupflöcher der Justiz bekommen können. 8. Verlangen Die Ehe und das gesamte Leben einer Frau schaffen es nicht mehr, ihr Interesse zu wecken. Während sie weiterhin die normale Ehefrau und Mutter spielt, entdeckt sie den Ladendiebstahl als neues Lebenselixir - bis sie zum ersten Mal dabei erwischt wird..."Verlangen" ist eine der schwächsten Geschichten des Buches, daher möchte ich hier auch nicht viel drauf eingehen. Sie verblasst recht schnell und bleibt nur schemenhaft im Kopf zurück. Man erinnert sich, dass dort etwas war, aber Details gehen verloren. Weder in Punkto Tragik und Dramatik, noch in aufkeimenden Moralfragen ist hier viel zu erwarten. 9. Der SchlüsselWährend bei einem Drogendeal einer der Beteiligten von einem übereifrigen SEK-Kommando vorschnell festgenommen wird, läuft bei seinem Partner alles schief. Nach diversen Absurditäten wendet sich aber das Blatt zum Ende überraschend erneut... Kann so viel auf einmal schiefgehen? Eine ganze Verkettung unglücklicher Ereignisse lassen den nicht ganz cleveren Dealer stark ins Schwitzen kommen. Als dann auch noch eine Geldeintreiberin der russischen Kontaktleute auftaucht, scheint die Sache endgültig gelaufen zu sein - für meinen Geschmack aber zu viele Zufälle, zu abwegig und letztendlich doch gelungen. Hier gibt es im Prinzip keine Opfer, nur Täter, und doch symphatisiert man mit den einen mehr und den anderen weniger. So ist es nicht verwunderlich, dass der Ausgang der Geschichte wieder Justiz-Schlupflöcher aufzeigt, aber auch Fallen der Justiz, die anders zuschnappen können, als offensichtlich vermutet. Wäre die Geschichte nicht von den ganzen Mißgeschicken durchzogen, so hätte sie einiges an Humor und Unterhaltung eingebüßt, doch dies lässt die Schere zwischen Gut und Böse noch ein wenig deutlicher erscheinen. 10. Schnee Ein alter Mann, der einem Drogendealer seine Küche zur Verfügung stellt und dafür fast ins Gefängnis wandert, eine Anklage auf "Handel mit Waffe", die auf Grund fehlender Zähne abgewandelt wurde, eine schwangere, junge Frau aus Polen und eine im Libanon versprochene Ehe - wie das alles zusammenpasst, warum zu Weihnachten der eine neue Zähne bekommt und ein anderer welche verliert, das erfährt man in dieser Geschichte.Auch diese Geschichte klingt sehr weit hergeholt, spricht aber wieder den moralischen Aspekt an. Was ist richtig, was falsch? Ist es verwerflich, einen Täter zu schützen, wenn die Dinge so stehen, wie sie nunmal sind? Hier drehen die Räder der Justiz aber wiedermal wunderbar zusammen, so dass Kleinigkeiten viel verändern können. Allerdings für meinen Geschmack auch wieder etwas übertrieben. 11. EinsamEin junges Mädchen wird von einem Freund der Familie vergewaltigt, die anschließende Gewichtszunahme, die Übelkeit, die Bauchschmerzen, die ausbleibende Regelblutung, all das wird verdrängt und plötzlich kommt ein Baby auf die Welt - um in der Toilette zu ertrinken. Traurig, aber möglich - ein kleiner, wenn auch nur stark angeschnittener Einblick in die Psyche eines Vergewaltigungsopfers, dessen Umfeld ebenfalls die Augen verschließt. Wie würde man selber in einem solchen Fall urteilen? Das eigene Rechtsempfinden sowie die Moral müssen hier eine starke Zerreissprobe bestehen, denn eine leichte Entscheidung ist es nicht. Leider ist auch diese Geschichte für die Tiefe des Themas ein wenig zu flach gehalten. 12. Justiz Ein vermeintlicher Buchstabendreher, ein nicht beachteter Strafbefehl und eine daraus folgende Inhaftierung. Offensichtlich ist dem Verhafteten die Tat nicht möglich gewesen, trotzdem folgt die Freilassung erst nach Wiederaufnahme des Verfahrens durch den Anwalt. Wie es dazu kommen kann, dass ein Unschuldiger im Gefängnis sitzt und dafür nichtmal entschädigt wird, erfahren wir hier.Was in der Beschreibung vielleicht dramatisch klingt, wird in dieser Geschichte ein wenig ins Lächerliche gezogen und das alleine durch die Ignoranz des vermeintlichen Täters. Was für Kreise ein mehr als offensichtlicher Justizirrtum auf Grund einer blanken Vermutung ziehen kann, ist aber schon erschreckend. Hier fragt man sich wirklich, wo die so oft zitierte Unschuldsvermutung geblieben ist, man erkennt aber auch dass man handeln muss, wenn man zu unrecht angeschuldigt wird. 13. AusgleichNach der Geburt der Tocher verliert der Ehemann das Interesse an seiner Frau, als das Kind 5 Jahre alt war, fing der Mann an ein anderes Gesicht zu zeigen, ein brutales und sadistisches. Nach einigen Jahren der Tyrannei lernt Alexandra einen neuen Mann kennen, hinter dem Rücken ihres Mannes, doch aus Scham und aus Angst um ihre Tocher bleibt sie bei ihrem Mann. Als die Tocher 10 Jahre alt war, kündigt der Mann an, dass seine Tochter nun auch reif genug sei... und die stark geschundene Mutter landet wegen Mordes vor Gericht. Ein überraschendes Urteil und die Erkenntnis, dass alles doch ganz anders gewesen sein muss folgen, doch manchmal ist es besser, wenn nicht die ganze Wahrheit zur Sprache kommt. Ich bin schockiert von dieser Geschichte, fassungslos und mit offenen Mund saß ich vorm Rechner. Gewalt in der Ehe ist zwar keine Neuigkeit mehr in der Welt der Medien, aber in dieser nüchternen Form der Schilderung wirkt die Geschichte noch viel schlimmer - und kann trotzdem wahrscheinlich lange nicht das ausdrücken, was in solchen Fällen tatsächlich vorgeht. Die Geschicht schockiert und fasziniert zugleich, denn hier wird zum ersten Mal nicht das blanke Gesetz aufgezeigt, sondern auch mal ein Richter, der eine feste Meinung hat und bewusst das Recht zum Wohl der Angeklagten umgehen möchte. So kommt auch das überraschende Urteil in dem Prozess zu Stande, was nur durch die wissentliche Verdrängung von Fakten möglich war. Das reine Rechtsempfinden wird hier auf eine harte Probe gestellt und von Schirach hat hier den größten Gewissenskampf des Hörbuchs entfacht. Ein absolutes Highlight, in dieser Art hätte ich mir mehr gewünscht. 14. Familie Ein junger Mann macht Karriere und hat finanziell ausgesorgt. Um seinem Halbbruder zu helfen beauftragt er den Anwalt, seine Verteidigung zu organisieren, dieser sitzt in Rio wegen Drogenhandels. Doch dieser scheint auch nach seiner Haftstrafe unverbesserlich.Auch diese Geschichte ist nicht viele Worte wert. Nach der schweren Kost zuvor eignet sich diese gut zur Entspannung, Konflikte konnte ich hier allerdings keine feststellen. Flach, langweilig und irgendwann vorbei... 15. GeheimnisseEin Verrückter fühlt sich vom Geheimdienst gejagt und wendet sich deswegen an einen Anwalt, wo er abstruse Geschichten auftischt. Irgendwann wird es dem Anwalt zu bunt und er will den Mann einweisen lassen, doch der Mann dreht den Spieß um. Ebenfalls der Abschluss ist sehr seicht gehalten, eine kurze Geschichte, die mehr wie ein gespielter Witz wirkt, ebenfalls konfliktfrei wird hier höchstens verdeutlicht, dass man auch als Anwalt nicht jedem trauen kann und nicht alles nach Plan verläuft. *~* Fazit *~* Ferdinand von Schirach hat mit "Schuld" eine gute Mischung aus unterschiedlichen Geschichten auf den Markt geworfen, die teilweise viel Potential haben. Der Zwiespalt zwischen Moral und Recht ist manchmal eklatant und doch findet sich meist eine zufriedenstellende Lösung, mit der man nicht gerechnet hätte. Die Schlupflöcher der Justiz gelten für beide Seiten, für Gut und Böse, und dies wird ausgenutzt. Was Recht scheint, muss nicht immer auch Recht sein und auch als Täter kann man Symphatie erhalten. Doch während die Mühlen der Justiz mahlen kommen hin und wieder sowohl Unschuldige dazwischen, als auch Schuldige drumherum. Während hier zwar ein guter Querschnitt durch verschiedenste Möglichkeiten der Rechtsprechung vorliegt, fehlt es manchen Geschichten leider etwas an Tiefe, ein Kritikpunkt, der mich hier einen Abzug von 2 Sternen rechtfertigen würde - wäre da nicht noch der Sprecher Burghart Klaußner, der mit seiner Stimme und seiner Betonung ein wunderbar passendes Gesamtbild erschafft. Sowohl in Punkto Betonung als auch durch Anpassung in der Sprachgeschwindigkeit schafft er es, die einzelnen Szenen und Spannungsbögen perfekt auf den Punkt zu bringen. Die kalte und sachliche Schilderung von Schirachs erhält durch die leicht rauhe, aber doch irgendwie warme Stimme von Klaußner einen Gegenpol, der perfekt zum Sinn des Hörbuchs passt. Während beim reinen Lesen hier vielleicht am Ende nur 3 Sterne übrig geblieben wären, kann ich so mit gutem Gewissen voll und ganz gerechtfertigte 4 Sterne und eine Empfehlung vergeben. Wer die Möglichkeit hat, der sollte hier eher zum Hörbuch greifen, denn es verfehlt seine gewünschte Wirkung kaum - und falls doch, dann nur durch die teils etwas dünnen Geschichten von Schirachs.

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  • Wieder ein Volltreffer von Ferdinand von Schirach

    Schuld
    brigitte_kammerer

    brigitte_kammerer

    25. April 2013 um 18:37

    Ferdinand von Schirach ist seit vielen Jahren Strafverteidiger. Seine Geschichten beziehen sich auf wahre Fälle aus seiner Kanzlei. Nach "Verbrechen" ist dies nun sein Nachfolger mit dem Titel "Schuld". Ich bewerte hier das Hörbuch. 15 Geschichten in drei-einhalb Stunden gelesen von einem hervorragendem Sprecher, Burghart Klaußner. Fazit: Diese 15 Geschichten haben es in sich. Teilweise brutal und unfassbar. Aber so ist die Realität.  Ich kann das Buch nur empfehlen. 

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  • Rezension zu "Schuld" von Ferdinand von Schirach

    Schuld
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    03. November 2010 um 09:00

    Inhalt: Ein Mann bekommt zu Weihnachten statt Gefängnis neue Zähne. Ein Junge wird im Namen der Illuminaten fast zu Tode gefoltert. Die neun Biedermänner einer Blaskapelle zerstören das Leben eines Mädchens und keiner von ihnen muss dafür büßen... Neue Fälle aus der Praxis des Strafverteidigers von Schirach - die der Autor von Schirach wie mit dem Zauberstab in große Literatur verwandelt hat. Mit bohrender Intensität und in seiner unvergleichlich lyrisch-knappen Sprache stellt er leise, aber bestimmt die Frage nach Gut und Böse, Schuld und Unschuld und nach der moralischen Verantwortung eines jeden Einzelnen von uns. Meine Meinung: Nachdem ich „Verbrechen“ von Ferdinand von Schirach gelesen habe und fasziniert war, wollte ich nun „Schuld“ als Hörbuch bei Audible ausprobieren. Ich bin begeistert. Die Geschichten sind größtenteils grausam und erschreckend, dennoch bringen sie einen zum grübeln und nachdenken. Burkhart Klaußner erzählt diese Fälle in einem angenehmen Ton und Tempo. Er erzählt detailliert genug, so dass der Leser sich schnell in die Fälle einfindet und sich auch bildlich vorstellen kann, wobei das nicht unbedingt von Vorteil ist, denn manche Fälle haben es wirklich in sich. Auch in „Schuld“ denkt man wieder über die Fälle und ihre Ausgänge nach, kann manches nachvollziehen und vieles andere nicht. Der Hörer bekommt Einblicke in unser Rechtssystem und wird konfrontiert mit der Frage nach Schuld und Moral. Aus diesem Grund finde ich den Titel sehr passend gewählt. Das Hörbuch ist mit 3 Stunden und 52 Minuten ungekürzt, dennoch hätte ich es am liebsten noch etwas länger gehört und noch mehr Fälle erfahren. Fazit: Trotz der kurzen Spieldauer ein tolles Hörbuch mit interessanten Fällen aus dem Leben des Anwaltes Ferdinand von Schirach. Interessant und angenehm gesprochen von Burkhart Klaußner. Schuld macht genauso wie „Verbrechen“ Lust auf mehr Fälle von Strafverteidiger.

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  • Rezension zu "Schuld" von Ferdinand von Schirach

    Schuld
    Melli2505

    Melli2505

    Wo ich mir bei brutalen, fiktiven Geschichten immer einreden muss: "Es ist fiktiv - es ist fiktiv - es ist fiktiv..." um keine Alpträume zu bekommen, stelle ich bei dieses Geschichten immer wieder mit Entsetzten fest: Es ist Wahr!!! All diese furchtbaren Geschichten sind wirklich passiert! Wie bereits in "Verbrechen" sind auch die Geschichten in diesem Buch in kurzen, emotionslosen Sätzen geschrieben. Was die schockierende Wirkung noch verstärkt. Dieses Hörbuch ist von Burghart Klaußner gesprochen, der mit seiner Stimme und seiner Art des Vorlesens ganz hervorragend passt. Wirklich sehr zu empfehlen!

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