Evangelio

von Feridun Zaimoglu 
3,6 Sterne bei7 Bewertungen
Evangelio
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Positiv (3):
Kristall86s avatar

Sprachgewaltig! Geschichte pur!

Kritisch (1):
H

Anstrengendes Geschreibsel!

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Inhaltsangabe zu "Evangelio"

Der sprachgewaltige Erzähler Feridun Zaimoglu über Martin Luther.

Anno Domini 1521: Martin Luther ist auf die Wartburg gebracht worden und in die Mönchszelle zurückgekehrt. Ausgerechnet ein katholischer Landsknecht soll ihn, den Geächteten, auf Befehl des Kurfürsten vor Anschlägen auf Leib und Leben schützen. Doch die Anfechtungen des alten Feindes, des Satans, stellen eine noch größere Gefahr dar. Mit klingender Sprache, erstaunlichem Kenntnisreichtum und dramatischer Zuspitzung erzählt Feridun Zaimoglu von einem großen Deutschen, einer Zeit im Umbruch und der Macht und Ohnmacht des Glaubens.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783596702466
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:352 Seiten
Verlag:FISCHER Taschenbuch
Erscheinungsdatum:23.01.2019
Das aktuelle Hörbuch ist am 01.11.2017 bei Verlag Hörkultur erschienen.

Rezensionen und Bewertungen

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    Heike_Stehrvor 20 Tagen
    Kurzmeinung: Anstrengendes Geschreibsel!
    Da hatte der Teufel seine Hand im Spiel ;)

    Oh, das ist ein anstrengendes Geschreibsel für mich! Ich komme aus Thüringen und bin schon in meiner frühen Kindheit mit dem Esel hoch zur Wartburg geritten, habe den Tintenklecks an der Wand bestaunt, der entstand als Luther beim Bibelübersetzen sein Tintenfass nach dem Teufel warf ... ich war dem Buch und Thema also sehr freundlich gesinnt, aber es ist einfach zu anstrengend ... Einerseits ist die Sprache so fremd, aber viel schlimmer finde ich, dass ich so gar nichts von der "dramatischen Zuspitzung" merke, sondern sich vielmehr alles im Kreise dreht. Ich verstehe schon, was Zaimoglu da umtreibt, diese Geschichte so zu erzählen, ich finde auch durchaus interessante Gedanken und die Figur des Landsknecht Burkhard sehr gelungen, ich sehe aktuelle Zeitbezüge, aber mit der Gestaltung des Textes hat Zaimoglu es meiner Meinung nach übertrieben. Sehr lustig fand ich übrigens den Einkaufszettel von Reliquien ... 

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    Xirxes avatar
    Xirxevor einem Jahr
    Kurzmeinung: Eine anstrengende Lektüre aufgrund der historischen Phantasiesprache Zaimoglus - die Geschichte selbst fällt eher bescheiden aus.
    Was soll man davon halten ... ;-)

    Als Lutherroman wird dieses Buch angekündigt, aber wer nun erwartungsvoll darauf hofft, mehr über das Leben und Wirken des Reformators zu erfahren, wird mit dieser Lektüre sicher nicht glücklich. Wer hingegen ein Sprachabenteuer erleben möchte, sollte zugreifen ;-)
    Erzählt wird von einer eher kleinen Zeitspanne: Nachdem Luther auf dem Wormser Reichstag für vogelfrei erklärt wurde, findet er auf der Wartburg im Mai 1521 Zuflucht. Von dieser ersten Zeit, bis er begann, das Neue Testament aus dem Griechischen ins Deutsche zu übersetzen, erzählt der Landsknecht Burkhard, Katholik, der Luther im Auftrag des Kurfürsten von Sachsen beschützen soll.
    Zaimoglu hat dafür eine eigene Sprache erfunden, wobei er offenbar versuchte, dem Idiom der damaligen Zeit möglichst nahe zu kommen. Ich habe keine Ahnung, ob bzw. wie gut ihm das gelungen ist - in jedem Fall ist es etwas Außergewöhnliches, wenn auch nicht unbedingt ein Genuss. Die Menschen äußern sich vulgär, derb, brutal und so grobschlächtig, dass mir manchmal fast die Lust am Lesen verging. Erschwerend kommt hinzu, dass es jede Menge Ausdrücke gibt, die vermutlich dem Erfindungsreichtum des Autoren zu verdanken sind. Ein Beispiel: "Junker Georgen, Mönch ohne Kutte, gebannt auf die Felsenfeste Warte, ist ein stößiger Stier, er wütet in der ersten Hitze. Meister Martinus speit aus den bösen Geist in prasselnden Stücken. Sein Maul fließt über, denn das Evangelium sticht ihn." Keine Frage, es ist beeindruckend wie dieser Stil konsequent von Anfang bis Ende fortgeführt wird, aber ein richtiges Lesevergnügen stellte sich bei mir nicht ein.
    Was vielleicht auch an dem Fehlen einer guten und spannenden Geschichte liegt. Burkhard beschreibt neben Luthers Ringen mit seinen inneren Dämonen das Umfeld der Wartburg; die Menschen, wie sie leben, leiden und lieben. So ist das Buch mehr ein mittelalterliches Gesellschaftspanorama als ein Roman über den Reformator.
    Wem Sprache wichtiger ist als eine Geschichte, wer sich für Sprachexperimente begeistern kann, wird an diesem Buch seine Freude haben. Die Anderen sollten vorher besser einen Textauszug lesen, um keine Enttäuschung zu erleben.

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    franzzis avatar
    franzzivor einem Jahr
    Kurzmeinung: Eine anstrengende Lektüre. Mehr ein Gemälde der Zeit als Luthers selbst. Ein geschriebenes Luther-Panometer. Gespickt mit Paranoia&Unflat.
    Luther hat Verdauungsprobleme - und Paranoia

    Dieses Buch nervt. Es nervt ungeheuerlich, weil man Schleifen über Schleifen dreht. Schon wieder hat Luther Blähungen. Und Albträume. Und er sieht den Teufel. Allüberall sieht er ihn, oder redet ihn sich ein - oder lautstark aus. Dabei flucht er viel. Über Frauen, Juden,  den Papst und alle Katholiken (die er im nettesten Falle "Römlinge" nennt), aber eben auch über seine allgegenwärtigen Magenbeschwerden. 
    Das passiert gefühlt das ganze Buch lang, mit kurzen Unterbrechungen, in denen etwas passiert, das man Handlung nennen kann. Das ließe sich an sich verknusen, denn wenn der Reformator der katholischen Kirche eben hauptsächlich unter Verdauungsproblemen und Paranoia litt, dann soll das Feridun Zaimoglu in "Evangelio" auch gern erzählen. 


    Aber es kommt ja noch dazu: Nicht nur die Geschichte, nein, auch das Lesen selbst geht langsam voran. Denn Zaimoglu schreibt, wie man damals sprach. Echtes Luther-Deutsch quasi, die Sprache, in der die erste ins Gar-nicht-so-richtig-existente-Deutsch übertragene Bibel vorlag, die Luther binnen weniger Wochen in seinem Versteck auf der Wartburg schrieb. 
    In diesem Versteck besucht ihn der Leser auch, hört ihm beim Fluchen zu, beim alltäglichen Leben. Das klingt zum Beispiel so:
    "Durch Zuwenden der Kehrseit wehrt man Satan ab, nicht durch Besprengung der Schwellen mit Weihwasser, er leckt's auf, es wird ihm nur das Maul verpfeffern. Als ich die Seite las, auf der du mir den Teufel aus der Biblia des verruchten Benediktiners zeichnest, fasst ich mir also an die Backen und ließ jäh ein brausend Wind entfahren."
    So geht das mehr als 300 Seiten lang. Das ist mit Blick auf den Autor, der eigentlich so schreibt, wie man es in der Jetzt-Zeit zu tun pflegt, eine beachtliche, ja bewundernswerte Leistung. Es ist auch kein uninteressanter Einblick, denn die Sprache verrät viel über die Zeit. Aber gepaart mit den ewigen Erzähl-Schleifen (was soll man auch machen auf dieser Festung bei Eisenach, eingesperrt und vom Teufel verfolgt?) braucht es über weite Strecken Disziplin, um weiterzulesen. Genuss geht anders.
    Was mich mit dem Buch hauptsächlich versöhnt, ist, was uns der Ich-Erzähler, ein Knecht namens Burkhard erzählt. Er ist der Leibwächter Luthers und muss ihn bei seinem Leben bewachen. Burkhard ist überzeugter Katholik und muss sich nun den ganzen Tag die Tiraden des als Junker verkleideten Wartburg-Gasts anhören. Dabei kommen ihm sehr kluge Gedanken, zudem nimmt er uns mit in das normale Alltagsleben. Zu den Hinrichtungen, zu den Heilern und Huren, ins Schankhaus und zur Kneipenschlägerei, zur Jagd auf Wild - und zur Jagd auf Räuberhorden im Wald. 
    Das tröstet über all die anderen Längen hinweg, denn Zaimoglu zeichnet so die Zeit, in der Luther wirkte. Ein geschriebenes Luther-Panometer zu Wittenberg, wenn man so will. Dem Volk vom Munde abgeschaut. 

    Kommentare: 4
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    Pongokaters avatar
    Pongokatervor einem Jahr
    Sprache top, Inhalt flop

    Die große Stärke dieses Luther-Romans ist die derbe, bildhafte Sprache, die der Zeit und der Person Luthers wohl gut entspricht. Die Schwäche ist, dass die Story eigentlich nicht viel hergibt. Anlesen reicht.

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    Kristall86s avatar
    Kristall86vor einem Jahr
    Kurzmeinung: Sprachgewaltig! Geschichte pur!
    2017 - 500 Jahre Reformation

    Feridun Zaimoglu hat mit diesem Buch ein sehr hohes Maß in der Literatur gesetzt! Die Einblicke in Luthers Leben sind ab der ersten Seite bis zum Schluss ein Feuerwerk der deutschen Sprache! Ab der ersten Seite ist man mitten drin neben Martin Luther und seinem Gefährten. Diese bildgewaltige Geschichte lässt einen sofort in die damalige Zeit abtauchen und mitfühlen. Luther war nicht bei jederman beliebt und hatte große Not sich zu behaupten und zu beweisen aber mit seinem Selbstbewusstsein und Hilfe seiner Gefährten und natürlich seiner Frau ist es ihm gelungen. Zaimoglu hat mit diesem historischen Buch ein Meisterwerk geschaffen, auch wenn nicht jeder gleich mit dem "alten" Sprachstil umgehen mag, ist es es wert zu lesen und zu fühlen. Absolute Buchempfehlung!

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    M
    michael_lehmann-papevor 2 Jahren
    Dicht dabei in der Kammer der Wartburg

    Dicht dabei in der Kammer der Wartburg

    „Hauptmann von Berlepsch, Burgvogt und mein Obriger, ruft, ich tret an zum Bericht“.

    Alltag für den Landsknechten Burkhard, Wache auf der Wartburg bei Eisenach.

    „Krieg ist Mannfressen. Bin in Fehden zerrrieben worden. Hab etliches Volk gelöscht, Hab Kopf von den Achseln geschlagen“.

    Von Beginn an wird klar, Zaimoglu beherrscht Sprache und Atmosphäre jener Zeit mit traumwandlerischer Sicherheit.

    Und noch mehr. Zaimoglu ist ebenso treffsicher in der Lage, die inneren Entwicklungen jener Tage an der Person des Burkhart und manch anderer im Roman auftretender Charaktere mit Wucht aufzuzeigen.

    Die „schwefligen Worte“, die „Meister Martinus durch List dem alten Feind abgetrotzt hat“, die er in einer Kammer der Burg in Form seiner Übersetzung der Bibel zugänglich macht für „das gemeine Volk“, so es lesen kann.

    Ein lauter Schaffensprozess, ein Ringen mit dem Teufel leibhaftig, auch mit Ächzen und Stöhnen und, vor allem, die Fundamente der geordneten Welt der Zeit erbeben lassen.

    Denn Burkhard ist eine klare, einfache Seele, damit ein Symbol so gut wie aller Menschen jener Zeit in den europäischen Breitengraden und keineswegs (zunächst auf jeden Fall) beseelt von Luther oder diesem Werk. Gut katholisch, so ist man.

    „Sie haben sich vor allen anderen der besseren Christlichkeit verschrieben“.

    Und nun dies. Ist das der Teufel in Menschengestalt oder ein neuer Heiliger? Ist das Blendwerk oder Erkenntnis, was Meister Martinus da verrichtet? Und wie kann das angehen, dass jener gerade und einfach denkende Burkhard nun so eng an diesen bebenden, von innerer Flamme scheinbar angetrieben Mann gebunden ist, eine Art Leibwächter und Beschützer dessen, der die bekannte Welt spürbar ins Wanken jetzt schon bringt?

    Es benötigt nur wenige Seiten, und der Leser ist mittendrin. In dieser Kammer, in der gerungen wird, in diesem Landvogt, der hin- und hergerissen ist, in der Sprache, der Gefahr, der Ahnung, das hier bahnbrechendes auf den Weg gebracht wird, dass wie eine „fremde Macht“ die Feder des Mönches führt. Worte, die dieser durch das Buch spürbar und in keiner Weise despektierlich oder lächerlich für den modernen Menschen leibhaftig „dem Teufel abtrotzt“.

    Ein wirkliches Ringen mit allen Schattierungen, mit wuchtiger Sprache auch im Roman, mit menschlich-allzu menschlichem und doch mit heiligem Feuer auch, das stellt Zamioglu bestens auf den Seiten seines Romans dar und vermittelt so einen ungeschminkten, direkten, griffigen und packenden Zugang zu jener kurzen Zeitspanne, in der aus „derben Umständen“ und wuchtiger, ebenfalls nicht zimperlicher Sprachen und Umgang miteinander, eine neue geistige Welt geschmiedet wurde.

    Der Roman ist eine sprachliche Glanzleistung und über die verwendete Sprache hindurch dann auch atmosphärisch auf den Punkt getroffen, wie es damals wirklich zugegangen sein wird, dieses Ringen mit sich selbst und Teufel und Dämonen, dem Luther in seinem Selbstverständnis nicht ausweichen konnte, denn Gott selbst trieb ihn ja voran.

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    hundertwassers avatar
    hundertwasservor 2 Jahren

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