Feridun Zaimoglu Siebentürmeviertel

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Inhaltsangabe zu „Siebentürmeviertel“ von Feridun Zaimoglu

Eine Familiensaga zwischen Orient und OkzidentDas hat man so noch nicht gelesen: Feridun Zaimoglu führt seine Leser ins Istanbul der 30er-Jahre und mitten hinein in eine fremde und faszinierende Welt, in der sich ein deutscher Junge behaupten muss. Eine Familiensaga der besonderen Art, emotionsgeladen, abgründig und spannend. Wolf weiß nicht, wie ihm geschieht. Nach dem Tod seiner Mutter hat er bei seinem Vater gelebt, muss mit ihm aber nach einer Warnung vor der Gestapo plötzlich Deutschland verlassen. Es ist das Jahr 1939, und Wolf findet sich in Istanbul wieder, in der Familie von Abdullah Bey, eines ehemaligen Arbeitskollegen seines Vaters. Das Siebentürmeviertel ist einer der schillerndsten Stadtteile der Metropole, in der Religionen und Ethnien in einem spannungsreichen Nebeneinander leben. Was als vorübergehende Maßnahme gedacht war, wird zu einer Dauerlösung, und Wolf muss sich zurechtfinden in diesem überwältigenden Kosmos. Er wird von Abdullah Bey an Sohnes statt angenommen, besucht die Schule und erobert sich seine Stellung unter den Jugendlichen des Viertels. Als er langsam zu begreifen beginnt, welche Rolle Abdullah Bey wirklich spielt, gerät er in große Gefahr. Nach »Leyla«, dem Bestseller über den Weg einer jungen Türkin von Anatolien ins Deutschland der 60er-Jahre, wendet sich Feridun Zaimoglu wieder der Türkei zu und greift dabei die deutsche Emigration auf. Mit großer Sprachkraft und Poesie führt er den Leser in eine Welt, in der Kulturen und Religionen, aber vor allem menschliche Leidenschaften und Sehnsüchte aufeinanderprallen.

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  • Siebentürmeviertel

    Siebentürmeviertel
    Saralonde

    Saralonde

    31. August 2016 um 15:38

    Wolf ist sechs Jahre alt, als sein Vater mit ihm 1939 vor den Nazis nach Istanbul flieht. Sie wohnen bei der Familie von Abdullah Bey, einem einflussreichen Bewohner des Siebentürmeviertels, in dem Menschen aus vielen verschiedenen Kulturen leben. Wolf lebt sich schnell ein und obwohl viele ihn „Arier“ oder „Hitlersohn“ nennen, fühlt er sich dem Siebentürmeviertel bald stärker verbunden als seiner deutschen Heimat. Nein, es war kein Coverkauf, auch wenn ich das Cover für mich persönlich zum schönsten des Jahres 2015 erkoren habe. Eine umgekehrte Migration, Deutsche, die in die Türkei auswandern, im Jahr 1939? Das klingt definitiv spannend. Und tatsächlich ist das Buch sehr interessant. Auf nahezu 800 Seiten entführt uns Feridun Zaimoglu in eine exotische Welt, geprägt von Konflikten bezüglich der Religion und Herkunft der Bewohner, Blutrache und Familienehre. Ich hatte Probleme, mich in diese Denkweise einzufinden, die auch der junge Wolf bald übernimmt. Daher viel mir die Lektüre des Buches nicht ganz leicht, sie war etwas mühsam. Es war auch etwas schwierig, den Überblick über die zahlreichen Nebencharaktere, ihre Eigenschaften,  ihre Herkunft und ihre Familienverhältnisse zu behalten, ohne das Personenverzeichnis am Ende wäre ich verloren gewesen, obwohl ich normalerweise selten Probleme mit einer großen Zahl von Charakteren habe. Die Erzählweise ist eher episodenhaft, es gibt zwar einen roten Faden, der jedoch relativ spät einsetzt und nicht sehr stark ausgeprägt ist. Die Sprache ist sehr variabel, trägt passagenweise Züge eines Prosagedichtes, da des Öfteren aus dem Werk eines fiktiven Dichters zitiert wird.  Dies erschwert die Lektüre insbesondere kombiniert mit dem Fehlen von Anführungszeichen, das es manchmal schwierig macht, den jeweiligen Sprecher zu identifizieren. (Können wir bitte wieder Anführungszeichen in der Hochliteratur einführen? Welchen Sinn soll das Weglassen eigentlich haben, entgeht mir da was?) Auch die ganze Thematik um Ehre und Rache prägt die Sprache des Buches, die Wortwahl der Charaktere. Mehr als einmal fand ich es schwer zu glauben, dass ein Kind sich wirklich so verschnörkelt ausdrücken würde, auch wenn die Sätze sprachlich sicherlich wunderschön sind. („Du bist kalt wie ein Grabstein im Regen“ (Seite 67), „… Soll ich mich in den Brunnenschacht stürzen, in die tiefe Grube, sollst du, Bruder, weil deine Schöne ungeküsst bleibt, sollst du also deshalb die Scherbe ergreifen, soll die Scherbe dich zehn Mal beißen, ich Deutschblut, du Türkenstolz, sind wir die Brut, die das Pack jagt, was fliehen wir vor den Hyänen… (Seite 379)) Trotz dieser Aspekte, die ich als störend empfand, bin ich froh das Buch gelesen zu haben, denn seine Stärke ist es, den Leser in das bunte Treiben im Siebentürmeviertel zu versetzen, dessen besondere Kultur sehr lebendig beschrieben wird.

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  • Verwirrend gut

    Siebentürmeviertel
    haberland86

    haberland86

    08. April 2016 um 21:37

    Ich muss zugeben, dass mich die Lektüre der ersten Kapitel doch sehr verwirrte. Statt offene Fragen zu klären, wurden neue aufgeworfen. Die Kapitel erschienen mir zunächst einfach nur aneinander gereiht, ohne dass sich mir der Zusammenhang erschloss. Überhaupt erschien mir das ganze Buch eher eine Kurzgeschichten- oder Anekdotensammlung zu sein, als ein Roman. Es dauerte etwa 150 Seiten, bis ich das Gefühl hatte, in die Geschichte rein zu kommen. Was mich jedoch von Anfang an begeisterte war die ungewöhnliche Sprache Zaimoglus mit ihren seltsamen vergleichen und kreativen Wortpaarungen, sowie all die mir bis dahin unbekannten Sitten und Bräuche der Türkei der 1940er Jahre. Im Endeffekt war Siebentürmeviertel ein Coming-of-Age-Roman, der mich daran teilhaben ließ, wie Wolf in einem fremden Land von einem Jungen zu einem jungen Mann heranwuchs und es trotz widriger Umstände irgendwie schaffte, sich durchzuschlagen. Ein Roman, der mich immer wieder mit unerwarteten Wendungen überraschte. Der für mich als Leser ebenso verwirrend war, wie für den kleinen Jungen, der sich plötzlich in einer völlig fremden Welt zurecht finden musste. Ein Roman auf den viele Adjektive zutrafen: spannend, lustig, traurig, erschreckend, melodramatisch, faszinierend. Streckenweise etwas zäh. Vor allem aber zauberhaft. Die vollständige Rezension findet sich auf meinem Blog.

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  • Siebentürmeviertel

    Siebentürmeviertel
    Sikal

    Sikal

    Der kleine Wolf muss mit seinem Vater Franz Nazideutschland verlassen, als dieser kritische Äußerungen gegenüber der Partei von sich gab. Die beiden kommen in einen Stadtteil Istanbuls, das Siebentürmeviertel und finden bei Abdullah Bey und seiner Familie einen Unterschlupf. Doch Franz verlässt die Stadt um zu arbeiten und lässt den kleinen Wolf bei seiner neuen Familie zurück. Innerhalb der Familie wird der blonde Deutsche gut aufgenommen und wert geschätzt, mit seinem neuen Bruder Batur verbindet ihn eine Menge. Das Viertel selber hat eine raue Schale, in der Wolf anfangs nicht zurechtkommt. Die vielen Kulturen mit ihren Eigenarten, die unterschiedlichen Gepflogenheiten der Armenier, Türken, Tschetschenen und die Rituale der Moslems sowie der Aberglaube, dem Wolf ständig begegnet, machen es ihm schwer in die Gemeinschaft hineinzufinden und ein Teil dieser zu sein. Doch Wolf boxt sich durch, er ist ein kleiner Kämpfer und bald auch schon mit Narben übersät. Als er teilweise aus seinem geschützten Umfeld herauskommt, wird er mit anderen Schwierigkeiten konfrontiert. Wird Wolf auch hier bestehen? Feridun Zaimoglu macht es seinen Leserinnen und Lesern nicht gerade leicht – 800 Seiten hat dieser Roman und den Schreibstil liest man nicht mal schnell nebenbei. Er will uns fordern und das gelingt ihm auch. Er schafft eine düstere Atmosphäre und viele dunkle Szenen rund um Wolf. Viele Male wurde mir schwer ums Herz und während des Lesens musste ich längere Lesepausen einschieben. Ich wollte das Buch unbedingt lesen, weil hier die Flüchtlingssituation gespiegelt wird und wenn ich auch oftmals abbrechen wollte, bin ich letztendlich froh, durchgehalten zu haben. Unfassbar klar kristallisieren sich hier die Schwierigkeiten einer neuen „Heimat“ heraus, die fehlenden Wurzeln, das Nicht-Wirklich-Dazugehören und auch das vollständige Verlieren der Sitten und Gebräuche der eigenen Herkunft. „Wer sein Land verlasse, tue das nicht aus nichtigen Gründen.“

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  • ein Erlebnis des Lesens der besonderen Art

    Siebentürmeviertel
    Bücherwurm

    Bücherwurm

    17. January 2016 um 19:50

    "Siebentürmeviertel" nennt sich ein Stadtteil Istanbuls. Es ist ein Gebiet der Gewalt, der Straßenkämpfe, der Gruppierung und der Vergeltung. In diesem Viertel landet der sechsjährige Wolf, nachdem 1939 dessen Vater aus Deutschland flieht. Vor der dortigen politischen Situation und Entwicklung. Wolf und sein Vater sind Christen, die in Istanbul bei einem ehemaligen türkischen Arbeitskollegen des Vaters unterkommen. Dir türkische Familie ist gastfreundlich, nimmt beide mit beiden Armen auf, zumal Wolf einen gleichaltrigen Bruder in der türkischen Familie bekommt, doch die Ehre und die Sitte der Türken ermöglicht es dem deutschen Witwer nicht, länger zu bleiben. es gibt Gerede aufgrund der jugendlichen nicht- vermählten Tochter des Hauses. Wolfs Vater trifft eine folgenschwere Entscheidung: Er überlässt Wolf der türkischen Familie und flieht nach Ankara, um sich dort alleine als Übersetzer durch zu schlagen. Der Leser bleibt bei Wolf und erlebt dessen gewaltsame und düstere Kindheit und Jugend, in der vom Jungen ein fast schon schizophrenes Verhalten verlangt wird. Der Gastvater wird zum eigentlichen Vater, vor allem, nach dem dessen Sohn überraschend verstirbt. Wolf ist Christ und wird von den Sitten und Gebräuchen weitgehend ausgeschlossen, muss sich auf der Straße trotzdem beweisen und kann mit dem christlichen Glauben nichts verbinden. Er scheint aufgenommen und teil der Gesellschaft zu werden, aber ist er das wirklich? Zehn Jahre später hat sich das Blatt gewendet .... So, zuerst möchte ich erwähnen, dass der Autor Feridun Zaimoglu eine sehr eigene art zu schreiben hat. Ich kannte den Schreibstil schon aus einem früheren Roman des Autors und wusste, worauf ich mich einlasse. Zaimoglu baut seine Werke nicht nach dem üblichen Schema, es ist keinerlei Spannung in den Kapiteln, sondern man liest so vor sich hin. Kleinigkeiten werden minutiös nicht langwierig, aber doch genau beschrieben, die eigentliche Geschichte befindet sich zwischen den Zeilen und wird oft erst in Lese Pausen ersichtlich.  Hier erzählt er eine sehr melodramatische Geschichte eines deutschen Kleinkindes, Fluchtkind in anderer Kultur, nie wirklich dazugehörig, heimatlos und ohne Wurzeln. Was diese Entwurzelung wirklich bedeutet, wird erst in späteren Jahren ersichtlich. Wolf kennt keine deutschen Sitten und Gebräuche, kann mit seiner Religionszugehörigkeit nichts verbinden und wird doch in seiner erzwungenen Wahlheimat niemals Teil der Gesellschaft werden. Mir wurde oft Angst um ihn, und ich weiß auch nicht, wie lange er noch leben wird nach dem letzten Satz des fast 800 Seiten umfassenden Buches. Wie aktuell kann man schreiben aus dem Jahr 1939? Zaimoglu dreht die Flüchtlingsproblematik einfach um, indem er die Zeit verschiebt. Jedem kritischen Leser sollte klar werden, wie wahr, wie unfassbar dramatisch vor nicht mal 100 Jahren die Geschichte für unsere Vorfahren war. Ähnliches habe ich schon von geflüchteten Amerika-Auswanderern gehört, die nie wirklich akzeptiert wurden. Ich wünsche mir sehr viele Leser für dieses Buch, Leser, denen klar wird, welchen verdrehten Spiegel wir hier vor uns haben. Für mich sicher nicht das letzte Buch des Autors.

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  • Challenge: Literarische Weltreise 2016

    Euphoria
    Ginevra

    Ginevra

        Liebe Lovelybookerinnen und –booker, habt Ihr Lust, im Jahr 2016 auf Weltreise zu gehen – literarisch gesehen? Dann begleitet mich durch 20 verschiedene Lese- Regionen! Die Aufgabe besteht darin... -  12 Bücher in einem Jahr zu lesen;-   Mindestens 10 verschiedene Regionen auszuwählen (zwei Regionen dürfen also doppelt vorkommen);-   Autor und/oder Schauplatz und/oder eine bzw. mehrere der Hauptfiguren müssen zu dieser Region passen.-   Bitte postet Eure Rezensionen und Beiträge bei den passenden Regionen;-   Auch Buchtipps ohne Rezension sind jederzeit willkommen;-   Am Ende des Jahres zählen Eure 12 Rezensionen - bis zu zwei Kurzmeinungen sind erlaubt!-   Eure Beiträge werde ich verlinken;-   Einstieg und Ausstieg sind natürlich jederzeit möglich;-   Genre und Erscheinungsjahr sind egal:-   Hörbücher, Graphic Novels, Biographien, Krimis, Literatur – bei dieser Challenge ist alles erlaubt!Gut geeignet sind z.B. die Bücher verschiedener Literaturpreise oder Empfehlungslisten (Booker- Preis, Preis des Nordischen Rats, ZEIT- Liste zur Neuen Weltliteratur, usw.).Diese Challenge eignet sich also auch hervorragend dazu, den SuB abzubauen, oder um andere Challenges damit zu kombinieren.Unter den TeilnehmerInnen, die die Challenge erfolgreich beenden, verlose ich am Ende des Jahres drei Bücher aus meinen Beständen - natürlich passend zum Thema!Ich freue mich sehr auf Eure Beiträge und werde zu jeder Region ein Unterthema erstellen, so dass es etwas übersichtlicher wird. Einige Tipps und Empfehlungen werde ich schon mal vorab anhängen - Ihr müsst davon natürlich nichts lesen. Dann wünsche ich uns allen...Bon voyage – Buon viaggio - Have a nice trip - Tenha uma boa viagem - Приятной поездкиСчастливого пути - ¡Qué tengas un buen viaje! -旅途愉快!- すばらしい旅行をなさって下さい。-Gute Reise! TeilnehmerInnen:abaAberRushAmayaRoseAriettaArizonaarunban-aislingeachBellastellaBellisPerennisBibliomaniablack_horseBonniereadsbooksBuchraettinBücherwurmBuchinaCaroasCode-between-linesConnyMc CorsicanaCosmoKramerDaniB83DieBertaDunkelblauElkeelmidiGelindeGinevraGingkoGruenentegstGwendolinahannelore259hexepankiInsider2199IraWirajasbrjeanne1302kopikrimielseKruemelGizmoleiraseleneleseratteneuleseleaLeonoraVonToffiefeelesebiene27leucoryxLexi216189lieberlesen21LibriHollylittleowllouella2209MaritaGrimkeMinnaMminorimiss_mesmerizedmozireadnaninkaNightflowerOannikiOrishapardenPetrisPMelittaMPostboteRyffysameaSchlehenfeeschokolokoserendipity3012Sikalsnowi81StefanieFreigerichtstefanie_skysursulapitschiSvanvitheTalathielTanyBeeTatjana89Thaliomeevielleser18wandablueWanderdueneWedmawerderanerWollywunderfitz

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    • 1702
  • Deutscher Buchpreis 2015: Fragerunden mit den Autoren der Longlist

    TinaLiest

    TinaLiest

    Seit dem 19. August steht es fest: Die Jury des Deutschen Buchpreises 2015 hat die Longlist aus 20 Büchern zusammengestellt. Hier seht ihr die komplette Liste! Wir haben für euch nun wie im letzten Jahr eine besondere Aktion erdacht: Ihr habt in den ersten Septemberwochen die Möglichkeit, den Autoren, die es mit ihren Büchern auf die Longlist geschafft haben, Fragen zu stellen & auch ihre Bücher zu gewinnen! Wir haben bereits Zusagen von Autoren aus dem Klett-Cotta Verlag, dem Verbrecher Verlag, dem Literaturverlag Droschl, dem Verlag Matthes & Seitz und dem Hanser Verlag. Diese Liste ist aber noch nicht final und wird womöglich noch um weitere Fragerunden und Termine ergänzt. Hier die Termine für die Fragerunden, die bisher feststehen: Dienstag, 1. September 2015: Anke Stelling - "Bodentiefe Fenster" Hier geht es zur Fragerunde! Montag, 7. September 2015: Gertraud Klemm - "Aberland" Hier geht es zur Fragerunde! Dienstag, 8. September 2015: Monique Schwitter - "Eins im Andern" Hier geht es zur Fragerunde! Mittwoch, 9. September 2015: Steffen Kopetzky - "Risiko" Hier geht es zur Fragerunde! Donnerstag, 10. September 2015: Frank Witzel - "Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969" Hier geht es zur Fragerunde! Sonntag, 13. September 2015 Rolf Lappert - "Über den Winter" Hier geht es zur Fragerunde! Dienstag, 15. September 2015 Vladimir Vertlib - "Lucia Binar und die russische Seele" Hier geht es zur Fragerunde! Sobald die Fragerunden eröffnet sind, werden wir sie auch hier verlinken. Ihr könnt den Autoren am jeweiligen Tag im entsprechenden Thema (also nicht hier im Thema!) Fragen stellen, die sie euch dann natürlich auch beantworten. Wenn ihr an der Verlosung teilnehmen möchtet, achtet bitte darauf, dass ihr eure Fragen über den blauen "Jetzt Bewerben"-Button stellt. Bitte beachtet außerdem, dass die Fragerunden teilweise nicht bis Mitternacht geöffnet sein werden, sondern die letzten Fragen schon am Abend gestellt werden müssen! Wie auch bei unseren Fragefreitagen werden wir unter allen Fragestellern einige Exemplare der Bücher verlosen, mit denen die Autoren nominiert sind. Unter den Teilnehmern an allen Fragerunden verlosen wir 1 riesiges Buchpaket mit ALLEN Büchern aus der Longlist 2015: Alina Bronsky - "Baba Dunjas letzte Liebe" Ralph Dutli - "Die Liebenden von Mantua" Jenny Erpenbeck - "Gehen, ging, gegangen" Valerie Fritsch - "Winters Garten" Heinz Helle - "Eigentlich müssten wir tanzen" Gertraud Klemm - "Aberland" Steffen Kopetzky - "Risiko" Rolf Lappert - "Über den Winter" Inger-Maria Mahlke - "Wie ihr wollt" Ulrich Peltzer - "Das besondere Leben" Peter Richter - "89/90" Monique Schwitter - "Eins im Andern" Clemens J. Setz - "Die Stunde zwischen Frau und Gitarre" Anke Stelling - "Bodentiefe Fenster" Ilija Trojanow - "Macht und Widerstand" Vladimir Vertlib - "Lucia Binar und die russische Seele" Kai Weyand - "Applaus für Bronikowski" Frank Witzel - "Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969" Christine Wunnicke - "Der Fuchs und Dr. Shimamura" Feridun Zaimoglu - "Siebentürmeviertel" Hier im Thema könnt ihr zwar keine Fragen stellen, aber ganz wunderbar diskutieren! Habt ihr schon eines oder sogar mehrere der Bücher gelesen? Welches ist euer Favorit für den Buchpreis? Ich wünsche euch ganz viel Spaß bei den Fragerunden und bin gespannt auf eure Meinungen!

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    • 72
  • Fremde Heimat

    Siebentürmeviertel
    serendipity3012

    serendipity3012

    Fremde Heimat „Sie nennen mich Hitlers Sohn. Flüchtiger Arier. Kind mit Kraft. Sie nennen mich Windhundwelpe des Führers. Sie rufen mich den Gelben, die kleine Sonne, Zauberperle, lachendes, glückliches Äffchen. Sie sagen: Verwandle dich nicht, und wir werden dich bewundern. Sie wollen mir schmeicheln, also lächele ich sie an.“ S. 7 Im Siebentürmeviertel in Istanbul in den 30er und 40er Jahren des letzten Jahrhunderts leben Menschen verschiedener Religionen und Kulturen meist friedlich mit- bzw. nebeneinander. Man achtet und respektiert sich, wenn das Leben auch nicht ohne Spannungen verläuft. Der Junge Wolf, zu Beginn der Geschichte gerade mal sechs Jahre alt, kommt mit seinem Vater Franz nach Istanbul. Dieser ist vor den Nazis geflüchtet, da er sich kritisch gegenüber der Partei geäußert hat und in Deutschland nicht mehr sicher ist. Zunächst leben sie zusammen in der Familie von Abdullah Bey, zu der noch die Ehefrau Bayka Hanim, die Tochter Derya und der Sohn Batur gehören, sowie die Großmutter Tete. Doch Franz verlässt das Haus und auch die Stadt kurze Zeit später, um außerhalb Istanbuls zu arbeiten, während er Wolf in Abdullah Beys Obhut belässt. Bald nennt Wolf seine Gasteltern Vater und Mutter, Franz sieht er zwar noch, aber im Laufe der Zeit werden diese Begegnungen immer seltener. In der bunten Mischung aus Türken, Armeniern, Tschetschenen, aus Muslimen, Christen und Juden, erobert sich Wolf einen Platz und empfindet das Siebentürmeviertel schon bald als sein zu Hause. Von den Einheimischen wird er „Arier“ oder „Hitlersohn“ genannt – mitnichten ist das als Beleidigung gemeint. Wolf nimmt es hin. Die Nazis sind weit weg und spielen für sein Istanbuler Leben fast keine Rolle. Auf der einen Seite bleibt Wolf ein Fremder, gehört aber andererseits doch dazu. Er findet Freunde, streitet und prügelt sich, um sich dann wieder zu vertragen. Irgendwann jedoch wird aus Spaß Ernst und Wolf gerät selbst in Gefahr. Feridun Zaimoglu hat mit „Siebentürmeviertel“ wohl sein Opus Magnum vorgelegt. 800 Seiten umfasst sein neuester Roman, wobei sich eine solche Einordnung natürlich nie nur auf die Quantität bezieht. Ganz leicht macht er es seinen Lesern nicht. Die Geschichte wird komplett aus der Sicht Wolfs erzählt, der ein sympathischer Held mit Prinzipien ist: Schon als kleiner Junge macht er seinen Mitmenschen klar, dass er keine Geheimnisse ausplaudert und alles, was er zufällig mitbekommt oder ihm im Vertrauen zugetragen wird, bei ihm sicher ist. Er hält Wort, niemals verrät er jemanden. Eine Tugend, die bei den Istanbulern gut ankommt. Wolf ist ein loyaler Freund und Sohn, seine Zieheltern achtet er sehr. Die Erzählweise Wolfs bringt es mit sich, dass der Leser immer (nur) das weiß, was auch Wolf weiß. Dabei ist der Roman recht dialoglastig, viele Geschehnisse werden also über die Berichte seiner Figuren vermittelt. Einiges muss man sich aber auch erschließen und ja, hier erfährt der Leser manchmal Wichtiges am Rande. „Siebentürmeviertel“ verlangt die komplette Aufmerksamkeit seiner Leser (So, wie es bei jedem Buch sein sollte). Wenn man sich erstmal eingelesen hat in diese recht nüchterne, ungewöhnliche Sprache, dann kann man völlig eintauchen in diesen seltsamen Kosmos Istanbul mit seinen teils skurrilen Figuren und seinem jungen Helden Wolf. Auch wenn man immer ein wenig auf Distanz bleibt. „Siebentürmeviertel“ besteht aus vielen kleinen Episoden um verschiedene Menschen, die in Wolfs Nachbarschaft leben. Aus ihren ganz alltäglichen Lebenssituationen. Liebe, Freundschaft, Betrug, schließlich auch Hass. Erzählt wird in 99 Kapiteln, denen die 99 Namen Gottes vorangestellt werden, die der Islam für Gott hat. All diese kleinen Geschichten schließen sich zusammen zu einer großen Geschichte, der Geschichte des Siebentürmeviertels. Einem Ort, an dem die Religionen, vor allem natürlich der Islam, im täglichen Leben eine große Rolle spielen. Der Verlag wirbt mit dem Versprechen, dass man etwas wie Zaimoglus Roman „so noch nicht gelesen hat“, und tatsächlich scheint es einen Roman mit einem ähnlichen Setting noch nicht gegeben zu haben. Und auch ich kann mich nicht erinnern, jemals etwas Vergleichbares gelesen zu haben. Autor Feridun Zaimoglu, der in der Türkei geboren und in Deutschland aufgewachsen ist, hat sozusagen seine eigene Lebenssituation umgekehrt und seinen jungen Helden von Deutschland aus in die Türkei geschickt. In eine neue Heimat: „Sohn von Abdullah Bey und Bayka Hanim. Kind meines Viertels, Bruder meinen Brüdern. Deutsches Blut. Türkische Haut. Das bin ich. Haus, Hof und Heimatboden. Das liebe ich.“ S. 515 Ich freue mich, dass er es mit seinem neuen Roman wieder auf die Longlist des Deutschen Buchpreises geschafft hat. „Siebentürmeviertel“ liest sich vielleicht manchmal ein wenig sperrig, aber gerade mit ein wenig zeitlichem Abstand zu diesem Mammutwerk hallt der Roman in mir noch deutlich nach. Ob er ein größeres Lesepublikum wird begeistern können, wird sich zeigen. Ich wünsche es ihm sehr.

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    • 3
    thursdaynext

    thursdaynext

    26. August 2015 um 19:33