Fernand Braudels Appell einer allumfassenden Geschichtsschreibung hat mich durchaus beeindruckt. Dabei spielen die Hintergründe der Entstehung dieses Buches sicherlich eine maßgebliche Rolle.
Braudel (1902–1985), französischer Historiker der Annales-Schule, geriet im Frühjahr 1940 in deutsche Kriegsgefangenschaft und lebte fünf Jahre im Offizierslager von Mainz und einem Straflager bei Lübeck. Zwanzig Vorlesungen entstanden zwischen August und Oktober 1941 im Oflag XII B von Mainz. Aus seinen Notizen entstand dieses Buch.
Neben diesen Hintergründen, ist es aber auch sein Ansatz der Geschichtswissenschaften, die mich überzeugt hat. Braudel plädiert für eine umfassende Geschichtswissenschaft, „ [...] die in der Lage ist, die Reichtümer der anderen Sozialwissenschaften in ihrer Nachbarschaft zu plündern, um sich zu erneuern und zu vollenden.“ (Braudel, S. 22). Dabei sieht er die Geschichte als Geschichte der Welt, die über verschiedene Schnittflächen der Geschichte (kulturelle, ethnische, ökonomische, politische, geographische usw.) erschlossen werden kann. Mit vielen Beispielen erklärt Braudel anschaulich sein Verständnis von Geschichtsschreibung.
Zusätzlich bietet diese Ausgabe Braudels Aufsatz „Wie ich Historiker wurde“ aus dem Jahre 1972. Der Artikel macht deutlich wie Braudel sich selbst als Historiker, aber auch als Mensch gesehen hat und wie er zu dem Historiker wurde, der er letztlich war.
Fazit: Sehr empfehlenswerte Lektüre.
Aufzeichnungen eines Historikers ...











