Fernanda Melchor

 4,5 Sterne bei 24 Bewertungen
Autor von Saison der Wirbelstürme, Paradais und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Fernanda Melchor

Cover des Buches Saison der Wirbelstürme (ISBN: 9783803128263)

Saison der Wirbelstürme

 (15)
Erschienen am 16.01.2020
Cover des Buches Paradais (ISBN: 9783803133380)

Paradais

 (7)
Erschienen am 19.08.2021
Cover des Buches Hurricane Season (ISBN: 9780811228039)

Hurricane Season

 (0)
Erschienen am 28.04.2020

Neue Rezensionen zu Fernanda Melchor

Cover des Buches Paradais (ISBN: 9783803133380)Ingrid_Menzels avatar

Rezension zu "Paradais" von Fernanda Melchor

Eindringlicher Blick auf die mexikanische Realität
Ingrid_Menzelvor 3 Monaten

Hier handelt es sich um den  jüngsten Roman der mexikanischen Journalistin und Autorin Fernanda Melchor, die aufgrund ihrer brisanten Recherchen die akuten  Ergebnisse dramatischer Fälle manchmal lieber in Romanstoff kleidet,  statt diese an die Presse zu geben, um sich nicht selbst vor Rachefeldzügen zu gefährden.  

In "Paradais" beschreibt sie die Geschichte zweier junger Männer, die jede Nacht am Rande des Paradieses, einer fiktiven geschlossenen Lusus-Wohnanlage, am Fluss sitzen und sich gnadenlos betrinken: der übergewichtige Franco, der dort wohnt, und der 16jährige Polo, der dort als Gärtner arbeitet. Beide sind so ungleich, wie man sich nur vorstellen kann. Man könnte meinen, sie sind Freunde, doch Franco versteht es, Polo auszunutzen, wo er nur kann. Insbesondere vertraut er ihm seine glühendsten Träume an, in eine Frau namens Mariám  verliebt zu sein, und nicht nur das, sondern beladen mit heftigsten Sex- und Gewaltvorstellungen. Der unerfahrene Polo, sowohl beeinflusst durch das Drogenmilieu in seiner Umgebung und den Verlockungen, dort auch großes Geld machen zu können, als auch von den ungefilterten sexualisierten Wortausbrrüchen Francos, gerät immer mehr in den Gefühlsstrudel des vermeintlichen Freundes, bis er selbst - manipuliert und aufgesogen von dessen Plänen und Trieben - einen großen Irrweg beschreitet und stellvertretend in ein brutales Verbrechen hineinrasselt

Die Geschichte ist aus der Sichtweise Polos geschrieben, denn er kommt seitenweise direkt und indirekt zu Wort, meistens durch die Reflektiinen, in denen er relativ klar sehen kann, was Franco mit ihm macht und was er bei ihm auslöst. Doch Schuldgefühle und innere Not lassen ihn nicht. die  Distanz entwickeln, die nötig gewesen wäre, um von der perfiden Tat zurückzutreten. 

Der Roman ist ein Thriller und gleichzeitig ein psycho-soziales Drama, welches ganz eng verknüpft ist mit der sozialen Notlage, in der Jugendliche wie Polo gefangen sind, in der es keinen Ausweg gibt und keine Perspektive, aus diesem Elend herauszutreten. 

Ein Roman aus den dunkelsten Sphären Mexikos, voller brodelnder Gewalt und zerstörter Menschen. Die drastische, rasante, rhythmische , peitschende Sprache der Autorin lässt uns atemlos in den Roman einsteigen... und dennoch erleben wir auch darin die Schönheit ihrer Sätze, die uns in allegorischer Weise aufzeigen, wie nahe  Gerechtigkeit, Freiheit, Schuld, Tod oder Liebe beieinander liegen.

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Cover des Buches Saison der Wirbelstürme (ISBN: 9783803133076)Ingrid_Menzels avatar

Rezension zu "Saison der Wirbelstürme" von Fernanda Melchor

Alltagselend, Drogenkriminalität und Magie
Ingrid_Menzelvor 7 Monaten

Fernanda Melchor, 1982 in Veracruz/Mexiko geboren, studierte Journalistin, gehört zu den wichtigsten Autorinnen Lateinamerikas. "Saison der Wirbelstürme" ist ihr zweiter Roman. 

Schauplatz des Romans ist das Dorf La Matosa in Mexiko, das umgeben ist von Erdölfeldern, Zuckerrohrplantagen und einer Landstraße. Es besteht aus windschiefen  Häusern, Baracken, Bordellen unnd Kneipen. Die Bewohner sind arm und abergläubisch; die Männer sind Arbeiter und Fahrer der Ölindustrie; Jugendliche greifen zu Drogen und die Mädchen werden zu Hause drangsaliert und zur Tugend geprügelt, wo es aber eigentlich keine Tugend gibt.

Eine Frau wird ermordet aufgefunden, die als Hexe verschrien war und von allen Bewohnern als geheimnisvoll und furchteinflößend betrachtet wird. Es sind die Berichte der Einwohner von La Matosa, die Aufschluss geben über die Hintergründe und Ursachen des Mordes, in einer wilden und wüsten Sprache, die auf viel Wut , Verzweiflung, Hass, Vorurteile schließen lässt... eine Sprache von Gewalt und Rachsucht. Atemlos stolpern die Sätze, Ausrufe und Flüche über die Seiten, ohne Punkt und Komma., in gleichzeitig unglaublicher Intensität und Eindringlichkeit. Wie Hilfeschreie ertönen die Worte: Liebe wird zu sentimentalen Liedern oder Pornographie; die Hoffnung erscheint völlig entseelt und klingt wütend und wuchtig. 

Die Sprache wirkt verstörend, und dennoch sensibel und kunstfertig; sie überlässt nichts dem Zufall und steuert das Geschehen, auch als es aus dem Ruder läuft.  

 Crónicas nennt man in Mexiko und anderen Ländern Südamerikas dieses Genre der Berichterstattung aus der Realität solcher Orte. Die Autorin ging einer Zeitungsmeldung nach und  stieß auf Auswüchse von wirtschaftlichen  Interessen, Drogenhandel,  sozialer Armutsverwahrlosung und organisiertem Verbrechen. Um sich bei ihren Recherchen nicht selbst zu gefährden, machte sie einen Roman aus ihrem Stoff; die Personen blieben unkenntlich.

Absolut empfehlenswert, aber nichts für schwache Nerven!

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Cover des Buches Paradais (ISBN: 9783803133380)TashaWinters avatar

Rezension zu "Paradais" von Fernanda Melchor

Verstörend
TashaWintervor 7 Monaten

Polos Wut schlägt einem aus jeder Zeile entgegen. Der Protagonist in Fernanda Melchors Roman „Paradais“ ist in der titelgebenden Luxus-Wohnanlage angestellt und kümmert sich um die Gärten der reichen Bewohner*innen. Er verachtet die Menschen, für die er arbeitet und fühlt sich von ihnen gedemütigt und herabgesetzt. Auch sein Zuhause ist für ihn keine Zuflucht, denn dort wartet seine schimpfende Mutter, die ihn ohne Unterlass beleidigt und seine schwangere Cousine, deren sexuelle Avancen er verabscheut, auch wenn er oft darauf eingeht. Er hat als Schlafplatz nur eine Matte auf einem Boden und ein altes Hemd seines Großvaters. Früher einmal hat er seinen Cousin Milton bewundert, der jetzt für die Bande von Drogenschmugglern arbeitet, die Progreso beherrscht. Aber Milton will nicht, dass Polo auf die gleiche schiefe Bahn gerät, bereut seinen Lebensweg, was Polo nicht nachvollziehen kann. Einziger Ausweg für ihn ist das Trinken bis zur Besinnungslosigkeit mit dem übergewichtigen Franko, dem Enkel eines Ehepaars, das ebenfalls in Paradais wohnt.

Auch für Franco, den er nur „der Dicke“ nennt, hat Polo nur Spott und Verachtung übrig. Dessen groteske Fantasien über Sex und Gewalt, die sich auf seine Nachbarin Señora Marián beziehen, hört er sich nur an, weil er über Franko an Alkohol kommt. Doch Frankos Phantasien nehmen immer mehr Überhand, bis er schließlich auch vor einem Verbrechen nicht zurückschreckt Und Polo der einen Weg sucht, seinem für ihn unerträglichen Leben zu entkommen, wird zu seinem Komplizen.

„Der Dicke war an allem schuld, das würde er ihnen sagen. An allem war Franco Andrade schuld, mit seiner Versessenheit auf Señora Marián.“

Die Sprache, die Melchor benutzt ist roh und hält nichts zurück. Polos Frauenhass, seine Menschenverachtung und seine Frustration schlagen uns ohne Zensur in den langen, verschachtelten Sätzen entgegen. Diese Unmittelbarkeit ist oft schwer zu ertragen, gleichwohl gelingt es so aber, die Perspektive eines Menschen, der innerlich mehr und mehr verroht, deutlich zu machen. Es ist nicht Ziel der Autorin, Verständnis oder gar Mitgefühl für ihre Charaktere zu wecken, denn Polo hat fast nichts an sich, das ihn in den Augen der Lesenden rehabilitieren könnte. Nichts scheint ihm wichtig, außer selbst Anerkennung zu erhalten. Er liebt niemanden, spricht über Andere nur mit der größten Herablassung. Was hier jedoch gelungen ist, ist aufzuzeigen, wie Perspektivlosigkeit und damit verbundene ständige Demütigungen einen Menschen innerlich absterben lassen.  Mir fiel es nicht immer leicht, das Buch zu lesen, und obwohl es nur 139 Seiten lang ist, musste ich einige Pausen einlegen. Dennoch habe ich große Achtung vor dem Talent von Melchor und vor der schonungslosen Direktheit, mit der diese Geschichte erzählt ist. Mich wird sie noch lange begleiten.

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