Fernando Aramburu

 4,1 Sterne bei 195 Bewertungen
Autor von Die Mauersegler, Patria und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Bestsellerautor aus dem Baskenland: Fernando Aramburu wird 1959 im Norden Spaniens, in der Nähe der französischen Grenze geboren und studiert in Saragossa spanische Philosophie. Seit 1984 lebt er in Hannover, wo er zunächst als Spanischlehrer arbeitet. Für spanische Zeitungen verfasst er Beiträge und Bücher. 2016 erscheint sein Roman "Patria" auf Spanisch, der für großes Aufsehen sorgt. In dem Buch wird die Geschichte der Witwe Bittori erzählt, deren Mann von Terroristen erschossen wurde. Der Roman behandelt kritische Fragen über Schuld, Heimat, Freundschaft und Vergebung. "Patria" wird mit verschiedenen hohen Literaturpreisen ausgezeichnet, darunter der Premio Nacional de Narrativa, der wichtigste spanische Preis für Literatur. In Spanien wird das Buch zudem als Serie umgesetzt. Fernando Aramburu ist verheiratet und hat zwei Töchter.

Alle Bücher von Fernando Aramburu

Cover des Buches Die Mauersegler (ISBN: 9783499009440)

Die Mauersegler

 (92)
Erscheint am 12.11.2024
Cover des Buches Patria (ISBN: 9783499273612)

Patria

 (65)
Erschienen am 17.06.2019
Cover des Buches Langsame Jahre (ISBN: 9783499291845)

Langsame Jahre

 (14)
Erschienen am 17.11.2020
Cover des Buches Reise mit Clara durch Deutschland (ISBN: 9783499004964)

Reise mit Clara durch Deutschland

 (1)
Erschienen am 16.05.2023
Cover des Buches Langsame Jahre (ISBN: 9783958625242)

Langsame Jahre

 (13)
Erschienen am 16.07.2019
Cover des Buches Patria (ISBN: 9783839816264)

Patria

 (8)
Erschienen am 16.01.2018
Cover des Buches Die Mauersegler (ISBN: 9783863525590)

Die Mauersegler

 (1)
Erschienen am 13.09.2022
Cover des Buches Patria (Andanzas) (ISBN: 9788490663196)

Patria (Andanzas)

 (1)
Erschienen am 31.08.2016

Neue Rezensionen zu Fernando Aramburu

Cover des Buches Patria (ISBN: 9783499273612)
Lara89s avatar

Rezension zu "Patria" von Fernando Aramburu

Sehr menschlich
Lara89vor einem Jahr

Die Geschichte spielt in einem Dorf im Baskenland. Zwei Familien stehen im Mittelpunkt, ebenso der bewaffnete Kampf der ETA um die Unabhängigkeit des Baskenlandes.

Es ist mit über 750 Seiten ein ziemlich dickes Ding. Nach dem „Mauersegler‟ war ich eigentlich kein Fan dieses Autors, aber dieses Buch ist großartig.

Die beiden Familien umfassen neun Personen, die wir alle sehr genau kennen lernen. Bei jeder Figur, ob alt oder jung, Mann oder Frau, sind wir so sehr mittendrin, dass Erzähler und Hauptperson verschmelzen – teilweise innerhalb eines Satzes wechselt Amraburu von Er zum Ich. Das macht viele Stellen sehr dicht.

Das zentrale Ereignis ist zu Beginn des Buches bereits passiert, aber wie kam es dazu, wie wirkt es sich aus, und wie reagieren die einzelnen Personen darauf? Darin besteht der Gehalt und die Stärke dieses Buches. Um den einzelnen Personen und Umständen nahe zu kommen, springt die Geschichte zeitlich hin und her. Doch man weiß immer genau, an welcher Stelle der Geschiche man sich gerade befindet. Es geht um Menschen, nicht um Spannung. Und das macht Aramburu sehr gut. Es wird trotz der Länge auch nicht langweilig, denn es gibt eine Entwicklung, bis ganz zum Schluss.

Die ETA war eine Terror-Organisation, ursprünglich als Widerstand gegen die Franco-Diktatur und für ein autonomes Baskenland gegründet. Obwohl es seit 1977 freie Wahlen in Spanien gab, mordete die ETA weiter. Warum sie das tat, wird in „Patria‟ nicht thematisiert. Hier geht es um die Folgen und wie es dazu kam, dass Nachbarn einander töteten, Freunde einander nicht mehr auf der Straße grüßten und dass Menschen ihr Zuhause verlassen mussten. Diese Auswirkungen von Ideologie und Glauben sind an vielen Stellen so traurig, dass man weinen könnte.

Sehr glaubhaft, sehr menschlich.

Cover des Buches Die Mauersegler (ISBN: 9783498003036)
E

Rezension zu "Die Mauersegler" von Fernando Aramburu

Ein Jahr
Elina_morovor einem Jahr

Unserer Ich-Erzähler Toni, der Philosophielehrer, trifft die Entscheidung, nach einem Jahr, genau am 31. Juli, sich das Leben zu nehmen. Wir begleiten ihn im Laufe dieses Jahres. Toni erzählt uns seine Lebensereignisse du verschiedene Erfahrungen aus seinem ganzen Leben. Manchmal wird seine Stimme ironisch, manchmal deprimierend. Der Leser hat eine Gelegenheit, die Menschen aus Tonis Umgebung kennenzulernen und sie in verschiedenen Lebenssituationen zu erleben. 

Das Buch wird in 12 Teilen unterteilt mit den Namen von Monaten und diese Teile werden in den Kapiteln untergegliedert, wie die Tage. Also, wir lesen quasi jeden Tag aus Tonis Leben. Interessant fand ich seine Entwicklung bis zum Tag, an dem er sein Leben beenden wollte. 

Der Autor beschreibt das gewöhnliche Leben jedes Menschen, den Alltag, den wir alle ihn kennen, die zwischenmenschliche Beziehungen, die uns manchmal nerven, ärgern und auch Spaß bringen. Es ist auf jeden Fall eine interessante Idee gewesen, den Roman mit solcher Thematik zu schreiben. Das macht spannend. Ich habe mich immer wieder gefragt, ob der Protagonist am Ende genug Mut finden wird, den Selbstmord zu begehen, oder genug Gründe zum Leben. 

Lasst es euch überraschen und habt keine Angst vor 800 Seiten. 

Cover des Buches Die Mauersegler (ISBN: 9783498003036)
Gwhynwhyfars avatar

Rezension zu "Die Mauersegler" von Fernando Aramburu

Ein zäher Roman - gerade noch 4 *
Gwhynwhyfarvor einem Jahr

«Die Mauersegler kommen erst im Frühjahr zurück. Sie haben mich mit der ganzen Meute Mensch allein gelassen, die für mich so anstrengend ist und mich um den Verstand bringt. Ich habe gelesen, dass Mauersegler bis jenseits der Sahara fliegen, bis nach Uganda und so, und dass sie die meiste Zeit ihres Lebens in der Luft verbringen. Genau das, was ich mir auch wünschen würde: Nie am Boden sein, nie einen anderen berühren.»


Erinnert sich jemand an den Roman «Patria», eine Familiengeschichte im Umfeld des Eta-Terrors? Eins meiner Lieblingsbücher. Nun hat Fernando Aramburu wieder ein gewaltiges Werk vorgelegt. Es ist die Geschichte von Toni, einem gymnasialen Philosophielehrer, der in Madrid lebt und zum 31. Juli seinen Suizid plant. Er ist ja gewissenhaft – nicht etwa mitten im Schuljahr ... Ein Machismo, Typ Mann der aussterbenden Rasse, der alles und jeden hasst. Nach seiner Scheidung lebt er allein mit seinem Hund, den Sohn hatte seine Frau mitgenommen. Am 31. Juli beginnt sein letztes Jahr, und dieser Roman hat 365 Kapitel, eins für jeden Tag; ein Nachlass für seinen Sohn Nikita, um sich und seine Gedanken zu erklären. «..dies hier habe ich ganz lustlos geschrieben, allein aus der Gewohnheit heraus, täglich ein paar Zeilen persönlicher Chronik für niemand aufzuschreiben.» Die ersten Monate sind für Toni geprägt von Erinnerungen an seine Familie in der wechselhaften spanischen Geschichte, Beobachtungen seiner Landsleute und Erlebnissen, die ihn in seiner Weltsicht bestärken. 


«Diese alte Frau war nicht mehr meine Mutter; höchstens noch die Hülle einer früheren Mutter, die verdorrte Puppe eines menschlichen Schmetterlings, der vor einiger Zeit davongeflogen war und dessen Lebenszyklus schon bald beendet sein würde.»


Doch irgendwann trifft er auf Águeda, eine ehemalige Freundin, die ihm immer noch nachtrauert. Wird er seinen Plan durchführen? Der Roman ist nicht chronologisch – Toni springt vom täglichen Geschehen und in den Erinnerungen seines Lebens querbeet. Kindheit, Ehe, die Beziehung zu den Eltern, zum Bruder, zu Frau und Sohn – und zu seinem Freund Humpel (nur er nennt ihn heimlich so), der einzige Mensch, den er nicht hasst. Es ist auch ein Familienroman, Tonis dysfunktionale Familie, die Schwiegereltern, politische Entwicklungen im Land, Religion – und es geht um eine Männerfreundschaft. Seinen Freund nennt er heimlich Humpel, weil er am 11. März 2004 bei dem als 11-M bekannten islamistischen Attentaten auf Züge in Madrid, die fast 200 Tote forderten, ein Bein verlor. Franquisten, Konservative, Sozialisten, strenge Katholiken; Klimaaktivisten, Sprachterroristen – Themen, die fast jede spanische Familie durchziehen; sie auch zerbrechen können. Und Toni spuckt auf Francos Grab für seinen damals von den Franquisten gefolterten Vater.


«Ich habe meine Eltern nie das Wort Liebe aussprechen hören. Liebe wurde nicht in Worte gefasst; sie wurde vorausgesetzt oder äußerte sich in Gesten und Taten. ... Mama verbrachte ganze Nachmittage damit, Anisplätzchen zu backen, Papa nahm uns mit ins Kino, irgendwann hörten sie auf uns zu schlagen, und all dies, nehme ich an, bedeutete Liebe. Ich habe den Verdacht, dass ich nicht lieben kann; dass ich es zwar anfange, es aber gleich wieder aufgebe, weil es mir zu mühsam ist, weil ich mich ablenken lasse oder es mir langweilig wird. Was für ein Jammer! Man hat mich gelehrt, Verben zu konjugieren, aber aktiv zu lieben, habe ich nicht gelernt, und ich fürchte, jetzt ist es zu spät dafür.»


Toni, der jeden in seinem Umfeld hasst, die erfolgreiche Ex-Ehefrau Amalia, die ihn für eine Frau verlassen hat, der für ihn missratene Sohn mit Lernschwierigkeiten – ein erfolgloser Chaot – die Eltern und Schwiegereltern, der Bruder, Man mag keinen von Aramburus Protagonisten unbedingt kennenlernen. Vielleicht noch den Bruder Raoulito, den er gern bereits als Kind getötet hätte, der unter dem gewalttätigen Toni arg gelitten hat, dessen Tochter an einem Karzinom verstirbt; und die stets gut gelaunten Águeda, die Toni vor 27 Jahren für Amalia verlassen hatte, die ihn nie vergessen konnte und allen ihren Hunden den Namen Toni gab. Und nicht zu vergessen Tina, die lebensgroße Freundin aus Kunststoff – stumm, die ihn niemals kritisiert. Und es existiert ein anonymer Stalker, der Toni seit Jahren fiese Nachrichten in den Briefkasten wirft, sein Leben hinterfragt. War es Águeda? Toni, der einen Job hat, den er nicht mag, weder Schüler (bei einigen hat er Tötungsfantasien) noch Kollegen. Ein Mann, dem es eigentlich mehr oder weniger gut geht, der auch nicht unter Depressionen leidet – ein Mann der von Selbstmitleid zerfressen ist und sich an seinem Hass gegen sein Umfeld weidet. Sein Frauenbild ist das eines Machismo: Sie hat ihm stets willig zu sein und zu gehorchen. 


«Am liebsten hätte ich der alten Heuchlerin gratuliert und ihr gesagt: ‹Dein Enkel ist nicht getauft, deine Tochter ist Atheistin, schläft mit Frauen und wählt seit ewigen Zeiten die Sozialisten.› Ich biss mir auf die Zunge. Was hatte ich davon, dieses siebzig und noch was Jahre alte Kind zu erschrecken, das in seiner Verkalktheit überzeugt war, sich oben in der ewigen Seligkeit einen lichtdurchfluteten Platz mit idyllischem Ausblick verdient zu haben?.»


Man könnte diesen Roman als Schelmenroman bezeichnen, als Satire aber auch als Gesellschaftsroman. Es gibt großartige Passagen, in denen sich der Leser an der ein oder anderen Stelle selbst wiederfindet. Mit viel Witz und feinem Humor beschreibt Fernando Aramburu hier einen Protagonisten, der sich die Seele freischreibt. Letztendlich ist er im wahren Leben ein angepasster Bürger und sein Umgang mit Frauen entspricht nicht ganz dem, was er zu Papier bringt und man vermutet, als Lehrer ist er nicht unbeliebt. Ein Wutschreiber, den man am Ende fast sympathisch wahrnimmt, denn Selbstkritik ist inbegriffen. Eine herrliche Gesellschaftssatire, ein sprachgewaltiges Epos, das sich süffig liest. Ein gelungener Roman, ein sprachliches Meisterwerk!


«Ich entfremdete mich von meinen Jugendfreunden, wie sie sich untereinander entfremdeten, ohne dass es zu einem Streit gekommen wäre. Eheschließungen, Umzüge, Beruf Kinder schickten jeden auf eine andere Reise ... Waren die gemeinsamen Erinnerungen ausgetauscht, merkten wir, dass wir uns nicht mehr viel zu sagen hatten. Der einzige Freund aus alten Zeiten, mit dem ich noch Umgang habe, ist Humpel.»



Fernando Aramburu wurde 1959 in San Sebastián im Baskenland geboren. Seit Mitte der achtziger Jahre lebt er in Hannover. Für seine Romane wurde er mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, u. a. dem Premio Vargas Llosa, dem Premio Biblioteca Breve, dem Premio Euskadi und zuletzt, für «Patria», mit dem Premio Nacional de la Crítica, dem Premio Nacional de Narrativa und dem Premio Strega Europeo. «Patria» wurde als Serie für HBO verfilmt.



Gespräche aus der Community

Liebe LovelyBooks-Community,

wir möchten euch zu einer Hörrunde mit Fernando Aramburus Langsame Jahre“ einladen.
Hierfür vergeben wir 10 Hörbücher (2 MP3-CDs).

Wir freuen uns über viele Bewerbungen und wünschen allen Teilnehmern viel Erfolg!


Im Falle eines Gewinnes seid ihr dazu verpflichtet, an der Hörrunde aktiv teilzunehmen und am Ende eine Rezension zu verfassen.


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Durch die Augen eines Kindes

Fernando Aramburu blickt auf die Seele eines Volkes


In seinem neuen Roman » Langsame Jahre« beschreibt Fernando Aramburu, wie die Ereignisse ihren Anfang nehmen, die in seinem Bestseller » Patria« aus dem Jahr 2018 einzelne Familien und schließlich ein ganzes Land auseinander brechen lassen. Er wählt er hierfür die Sichtweise eines Jungen. Dadurch schafft er einen unvoreingenommenen Blick auf das Geschehen.

Der Junge wächst bei Verwandten in San Sebastián auf, einer typisch baskischen Familie der sechziger Jahre: Die Tante hat das Sagen, ihr Mann kriegt den Mund nicht auf. Ihre Kinder suchen auf verschiedene Weisen neue Freiheiten. Der Pfarrer versorgt die Jugendlichen mit nationalistischem Gedankengut. Die ETA ist im Entstehen. Der Junge beobachtet alles mit staunenden Augen. Und als er seine Chance bekommt, nutzt er sie. Ein berührender Roman über das Schicksal einer Familie, der einem ans Herz geht und gleichzeitig viel darüber erzählt, wie wir zu dem werden, was wir sind.

Sprecher:
Frank Stöckle interpretiert dieses literarische Meisterwerk mit fein nuancierter Stimme und wird dem nicht umfangreichen, aber in seiner erzählerischen Dichte beeindruckenden Roman in jeder Hinsicht gerecht.

Autor:
Fernando Aramburu, geboren 1959 in San Sebastián, ist ein spanischer Schriftsteller, Dichter und Übersetzer. Große Aufmerksamkeit erregte er mit seinem Roman » Patria« (2016), der in etwa 20 Sprachen übersetzt wurde.
83 BeiträgeVerlosung beendet
Polly16s avatar
Letzter Beitrag von  Polly16vor 5 Jahren

Es tut mir sehr leid für meine Verspätung. Im Nachhinein fand ich das Hörbuch doch besser, als im Moment des Hörens.

://www.lovelybooks.de/autor/Fernando-Aramburu/Langsame-Jahre-2003255996-w/rezension/2322554929/

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