Fernando Aramburu

 4.6 Sterne bei 34 Bewertungen
Autor von Patria, Patria und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Fernando Aramburu

Bestsellerautor aus dem Baskenland: Fernando Aramburu wird 1959 im Norden Spaniens, in der Nähe der französischen Grenze geboren und studiert in Saragossa spanische Philosophie. Seit 1984 lebt er in Hannover, wo er zunächst als Spanischlehrer arbeitet. Für spanische Zeitungen verfasst er Beiträge und Bücher. 2016 erscheint sein Roman "Patria" auf Spanisch, der für großes Aufsehen sorgt. In dem Buch wird die Geschichte der Witwe Bittori erzählt, deren Mann von Terroristen erschossen wurde. Der Roman behandelt kritische Fragen über Schuld, Heimat, Freundschaft und Vergebung. "Patria" wird mit verschiedenen hohen Literaturpreisen ausgezeichnet, darunter der Premio Nacional de Narrativa, der wichtigste spanische Preis für Literatur. In Spanien wird das Buch zudem als Serie umgesetzt. Fernando Aramburu ist verheiratet und hat zwei Töchter.

Alle Bücher von Fernando Aramburu

Patria

Patria

 (28)
Erschienen am 16.01.2018
Patria

Patria

 (6)
Erschienen am 16.01.2018
Las Letras Entornadas

Las Letras Entornadas

 (0)
Erschienen am 01.01.2015
Años lentos

Años lentos

 (0)
Erschienen am 10.02.2014
Ávidas pretensiones

Ávidas pretensiones

 (0)
Erschienen am 02.03.2015

Neue Rezensionen zu Fernando Aramburu

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AnnBees avatar

Rezension zu "Patria" von Fernando Aramburu

Die Folgen eines Attentats
AnnBeevor 2 Monaten

Im Mai 2018 hat die Eta ihre Auflösung bekanntgegeben. Der „bewaffnete Kampf“ für ein unabhängiges und sozialistisches Baskenland ist damit beendet. Die Folgen des Terrorismus, der zahlreichen Attentate, Entführungen und Erpressungen der Eta, wirken jedoch fort. Aramburu zeichnet in seinem epischen Roman diese persönlichen und gesellschaftlichen Auswirkungen des Eta-Terrorismus anhand der Geschichte zweier Familien nach. Diese Familien, insbesondere die Mütter (Bittori und Miren) waren einst eng befreundet, bis einer von Mirens Söhnen sich der Eta anschließt, während Bittoris Mann Txato von der Eta ermordet wird. Das treibt einen Keil nicht nur zwischen Bittori und Miren, sondern auch zwischen Bittori und das ganze Dorf, in dem niemand mehr mit ihr reden oder sie auch nur grüßen will.


Zweifellos behandelt Aramburu hier gekonnt ein hochaktuelles Thema, ohne dabei belehrend zu wirken. Die auf die eine oder andere Art vom Terrorismus geprägten Lebensgeschichten der verschiedenen Familienmitglieder sind so empathisch wie spannend geschildert. Alle Charaktere sind mir dabei irgendwie ans Herz gewachsen, bis auf Miren und ihren Sohn Joxe Mari. Miren ist einfach so eine hartherzige, selbstgerechte, verbitterte, zänkische...Person, dass mich die Passagen mit ihr zunehmend genervt haben. Ich persönlich hätte mir auch noch etwas mehr historischen Hintergrund zur Geschichte des Baskenlandes gewünscht. Der Schreibstil ist auch etwas gewöhnungsbedürftig. Inwiefern? Insofern als zum Beispiel immer derartige Zwischenfragen gestellt werden. Was noch? Das öfter von der dritten in die erste Perspektive gewechselt wird. Zudem springt der Roman ständig und ohne erkennbares Muster zwischen den Perspektiven der verschiedenen Charaktere und verschiedenen Zeitpunkten hin und her, was das Lesen manchmal etwas mühsam gemacht hat. Insgesamt lohnen sich die 750 Seiten aber auf jeden Fall!

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dominonas avatar

Rezension zu "Patria" von Fernando Aramburu

Auf und ab, zu gewollt emotional
dominonavor 3 Monaten

Der Autor zeigt, wie Terrorismus ein ganzes Dorfleben zerstört und Familien verfeindet. So sehr mich die Idee auch interessiert hat und weil ich wenig über die spanische ETA wusste, haben mich die Figuren selbst und die emotional angelegte Handlung eher kalt gelassen. Ich mochte die Perspektivwechsel, aber sie haben mich manchmal auch genervt. 

Man nimmt es mit einem umfangreichen Werk auf, das auch kürzer hätte sein können. Zwischenzeitlich habe ich die Lust verloren weiter zu lesen, aber habe es dann doch durchgezogen und bereue es nicht.

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Miamous avatar

Rezension zu "Patria" von Fernando Aramburu

Heimat? Wo ist die....?
Miamouvor 4 Monaten

Gerade habe ich dieses Buch zur Seite gelegt und es lässt mich in eigenartiger Stimmung zurück. Es ist ein großes Werk mit ernsten Themen, ein Buch, das sicher noch länger in meinem Gedächtnis bleiben wird und trotzdem hat es neben diesen Höhen auch seine Tiefen.

Worum geht’s: Bittori besucht das Grab ihres Mannes Txato, der vor 20 Jahren von einem ETArra umgebracht wurde. Sie beschließt in das Haus zurückzukehren, in dem sie mit ihm gewohnt hatte bevor der Mord passierte. Sie wird in dem kleinen Dorf allerdings nicht mit offenen Armen empfangen. Miren, ihre ehemals beste Freundin, ist beunruhigt darüber, was Bittori wieder alles aufwühlen konnte. Miren ist die Mutter eines Mannes, der sich in seinen Jugendjahren von den Idealen der ETA anstecken ließ. Sie hält bis jetzt zu ihm, auch wenn das bedeutet, dass sie blind gegenüber seiner Taten bleiben muss.

Fernando Aramburu beweist unglaubliches Geschick darin, seine Leser gleich von der ersten Seite weg in die Geschichte hinein zu holen. Er verwendet eine glasklare Sprache, die sich aber an manchen Stellen dann doch auch als schwer zu ertragen herausstellt. Dazu noch an anderer Stelle. Die ersten 200 Seiten seines Werkes habe ich dadurch auch ziemlich schnell weggelesen. Zudem kommt auch noch sein kaleidoskopartiges Beschreiben seiner Figuren, seiner Themen und seiner Zeitsprünge, die das Buch zu etwas sehr Besonderem machen.

Am meisten beeindruckt haben mich tatsächlich die Charaktere der zwei Familien. Auf der einen Seite haben wir Bittori, die mit dem Spediteur Txato verheiratet ist. Sie haben einen Sohn und eine Tochter. Auf der anderen Seite Joxian und Miren, mit ihren zwei Söhnen und einer Tochter. Die Familien sind befreundet und Txato, der der Vater in der reicheren Familie ist, behandelt die Kinder der anderen, wie seine eigenen. Es ist also zunächst eine große Vertrauensbasis zwischen den einzelnen Charakteren da. Txato und Joxian machen jedes Wochenende gemeinsam Radausflüge und Bittori und Miren sind die besten Freundinnen, fast Schwestern. Dies ändert sich ab dem Tag, an dem Txato seine erste Drohung der ETA erhält und Joxe Mari, der älteste Sohn von Joxian und Miren ein reges Interesse an dem bewaffneten Kampf hegt. Joxe Mari tritt der ETA bei und so nimmt das Unglück seinen Lauf. Episodenhaft erzählt der Autor die Geschichte eines jeden Charakters. Im Grunde sind sie alle ganz „normale“ Menschen, denen man jederzeit auf der Straße begegnet. Sie lieben, sie heiraten, sie streiten, sie lassen sich scheiden, sie leiden, sie verzeihen. Erstaunlicherweise kann man sich dadurch als Leser sehr gut in sie hineinversetzen. Es gibt immer wieder Anknüpfungspunkte und verschiedene Ereignisse werden aus verschiedenen Sichtweisen erzählt, womit sie auch eine jeweils andere emotionale Färbung erhalten. Aramburu versucht dabei aber so wenig wie möglich zu werten. Selbst als er aus der Sicht von Joxe Mari schreibt, bekommt man als Leser zum Schluss hin doch ein wenig Mitleid mit ihm, als er erkennt, dass er sich von einem Ideal hinreißen hat lassen, dass seine gesamte Jugend, ja sein gesamtes Leben zerstört hat und man kann ihm dann glücklicherweise am Ende dann auch seine 180 – Grad – Wendung abnehmen. Schlussendlich bleibt aber die Kernaussage des Buches und der Charaktere, dass Terror nur Opfer bringt und keine Sieger. Die Familien sind mit – und untereinander zerstritten. Während Bittori mit ihren Kindern den Mord am Vater nicht bearbeiten kann, weil sie nicht die Kraft dazu hat, zerstreiten sich Joxian und Miren. Dass die Familien miteinander zerstritten, ja im Grunde verfeindet sind, kommt dann noch dazu. Aber auch hier findet der Autor schlussendlich eine Lösung durch die Tochter von Miren und Joxian, die, trotz ihrer schweren Krankheit, stets bemüht ist, die Sache so objektiv wie möglich zu sehen, ohne dabei ihre eigene Familie zu verraten. Ich fand, dass sie der absolut stärkste Charakter in diesem Buch war.

Auch an Themen spart Aramburu nicht aus. Er hat auch genügend Platz in seinem Werk. Neben dem bewaffneten Kampf der ETA, der natürlich den Dreh – und Angelpunkt der gesamten Handlung bildet, fächert er die damit einhergehenden Themen in ungeahnter Authentizität auf. Über die Schwierigkeiten zu Sprechen, über die Schwierigkeiten sich gegenseitig in angemessener Weise zu trösten. Die Kinder von Bittori werden zunächst zu Einzelkämpfern. Besonders die Tochter hat große Schwierigkeiten den Mord an ihren Vater in die Realität zu holen. Sie flüchtet lieber. Der Sohn stürzt sich in seine Arbeit und wird zum Mutteraufpasser. Während in der anderen Familie ebenfalls die Wogen hochgehen. Miren hält zu ihrem Sohn, er kämpft für die gerechte Sache und sie verschleiert dabei, dass er über Leichen gehen würde. Joxian ist da ganz andere Meinung, er gibt sich selbst die Schuld, dass er versagt hat und dem Sohn nicht in die richtigen Bahnen gelenkt hat. In Wirklichkeit gibt es keinen Gewinner. Durch die Geschichte zieht sich sogar der Faden, dass die Opfer diejenigen sind, die sich zu schämen haben, weil sie nicht für die gerechte Sache, nämlich für das Baskenland kämpfen. Als Leser ist man aber mittendrin in den familiären Konflikten und in den Möglichkeiten, die sie suchen um weiterleben zu können.

Am Ende führt alles zu einem großen Ganzen zusammen und das Buch endet auch mit einem hoffnungsvollen Schimmer. Man kann sich entschuldigen und man kann auch Verzeihung finden, wenn man es will. Dies gilt auch für die Figuren in diesem Buch.

Noch kurz ein Wort zum Schreibstil, weil ich es oben erwähnt habe. Tatsächlich machte der für mich ein gewisses Manko aus. Zunächst konnte er mich absolut packen. Kurze Sätze, klare Sprache, teilweise sehr zynisch in den direkten Reden. Je weiter ich jedoch mit der Lektüre vorankam umso anstrengender wurde es für mich. Dies lag zum Teil daran, dass an manchen Stellen dann die Handlung unnötigerweise hinausgezögert wurde und für mich dann zu sehr „Fragenquasselei“ war. Um kurz ein Beispiel zu nennen: „Er kam nachhause. Wann? Keine Ahnung, vielleicht war es vier oder fünf Uhr morgens. Er konnte sich nicht mehr erinnern!“. Wenn man solche Konstruktionen dann in jedem dritten Satz lesen muss, wird das sehr anstrengend. Zudem werden Sätze oft mitten drin abgerissen. Beispiel: „Weil sie wollten ja nicht, dass.“. Auch der öftere Wechsel in die Ich - Erzähler - Perspektive hat mich mehr als irritiert. Tatsächlich hat mich dieser Schreibstil dann zwischendurch verzweifeln lassen, sodass ich gar nicht große Lust hatte, das Buch weiterzulesen.

"Patria" ist daher in jeder Weise herausfordernd, in der Handlung durch seine Figuren und auch durch den Schreibstil. Ganz Allgemein würde ich sagen, dass man das Buch auf jeden Fall lesen kann, vielleicht sogar muss. Mit dem Schreibstil kommt sicher jede/r anders zurecht, ist aber sicher auch mal eine interessante Erfahrung gewesen. 3,5 Sterne!

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