Ein Roman des berühmten politischen Autors Fernando Aramburu, der mit Werken wie „Patria“ oder „Der Junge“ die Leser begeistert. Nun hat er eine "Fabula" hingelegt, die schwierig einzuordnen ist – ein Schelmenstück, Slapstick, politische Fabel? Es geht um die ETA und zwei begeisterte und idealistische Anhänger, die nicht richtig zum Zug kommen. Die beiden jungen Männer Joseba und Asier gehen in den Untergrund, verstecken sich bei einem französischen Bauern und warten darauf, aus ihrem Unterschlupf geholt zu werden, um zu kämpfen und ihre Liebe zum Vaterland unter Beweis stellen zu können. Allerdings verkündet die ETA selbst bald das Ende der Gewalt und sie wissen nicht recht, wie sie damit umgehen sollen. Sie sitzen fest, ohne Geld, ohne kämpferische Ausbildung, ohne Waffen und dabei wollen sie so viel. Eine mögliche Alternative erscheint die Gründung einer eigenen Terrororganisation mit vorerst nur zwei Mitgliedern, die Pläne schmieden, mit Besenstielen als Waffenersatz trainieren und sich ihren heroischen Tagträumen hingeben. Über so viel Blauäugigkeit und Wunschdenken kann man nur schmunzeln, wenn nicht immer wieder auch die Andeutungen von echter Gewaltbereitschaft, der Wille zur Zerstörung und zum Kampf präsent wären.
Wie bei Dick und Doof klappt vieles nicht, immer wieder passieren Missgeschicke und die hochgreifenden Pläne werden gestört. Die beiden fliehen, stehlen um zu überleben, begeben sich auf eine abenteuerliche Reise bei der sie ehemalige Mitstreiter besuchen, Bekanntschaft mit einer jungen Extremistin aus reichem Haus machen, auf einem Friedhof schlafen und versuchen, ihren täglichen Bedarf an Nahrung, Tabak und Alkohol zu decken.
Weitere Figuren im Roman sind drei unterschiedliche Frauen, die im Gegensatz zu den Männern positiver dargestellt werden - aktiv, realistisch, pragmatisch trotzen sie dem Leben etwas ab - sie sind lebensbejahend, genussfähig, gehen trotzdem ihren eigenen Weg, sind unabhängig, können sich ernähren, durchkommen. Die beiden jungen Männer verlassen sich häufig auf die Frauen, dass sie es schon wieder richten werden, sich um Nahrung und Unterkunft und weitere Bedürfnisse kümmern.
Aus diesem Roman werde ich nicht richtig schlau – was will uns der Autor sagen?
Es wundert mich, dass sich Arambura über diese ETA-Anhänger so lustig macht. Braucht es neue Männer? Braucht es Frauen? Generell Anhänger? Neue Verhaltensweisen und Taktiken, um etwas zu verändern? Oder sind die Ideale von Freiheit und Unabhängigkeit generell überflüssig geworden?
Vielleicht im Brecht‘schen Sinn, dass ein ideales Land keine Helden nötig hat?
Binder Aktivismus führt zu nichts, das sehen wir an diesen beiden Anti-Helden.
Ich habe bis zum Schluss gedacht, dass es ein schlimmes Ende nehmen wird - dass sich Asier nicht kontrollieren kann, dass er Sprengstoff schmeißt, eine völlig unsinnige Zerstörung anrichtet, um Aufmerksamkeit zu erreichen, die aber nur Verletzte oder Tote mit sich zieht – und dann kam die große Erleichterung, als es einfach vorbei mit dem "großen Abenteuer" war.
Ein Roman, der voller Situationskomik oft große Heiterkeit bei mir ausgelöst hat, der zwei ambivalent-sympathische Underdogs zeigt, die Großes wollen und eigentlich nur mit sich selbst, ihren Träumen und Illusionen beschäftigt sind, die keine Verantwortung für andere übernehmen, die es nicht gelernt haben, ihren Mann zu stehen und ihren Platz in der Welt einzunehmen. Über so viel Naivität und mangelnde Lebenstüchtigkeit kann ich nur den Kopf schütteln und wenigstens hoffen, dass im Laufe der Zeit – vermutlich von der Frauenwelt - ihre Flügel gestutzt werden und sie für sich und ihre Taten einstehen.


















