Fernando Aramburu

 4.5 Sterne bei 39 Bewertungen
Autor von Patria, Patria und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Fernando Aramburu

Bestsellerautor aus dem Baskenland: Fernando Aramburu wird 1959 im Norden Spaniens, in der Nähe der französischen Grenze geboren und studiert in Saragossa spanische Philosophie. Seit 1984 lebt er in Hannover, wo er zunächst als Spanischlehrer arbeitet. Für spanische Zeitungen verfasst er Beiträge und Bücher. 2016 erscheint sein Roman "Patria" auf Spanisch, der für großes Aufsehen sorgt. In dem Buch wird die Geschichte der Witwe Bittori erzählt, deren Mann von Terroristen erschossen wurde. Der Roman behandelt kritische Fragen über Schuld, Heimat, Freundschaft und Vergebung. "Patria" wird mit verschiedenen hohen Literaturpreisen ausgezeichnet, darunter der Premio Nacional de Narrativa, der wichtigste spanische Preis für Literatur. In Spanien wird das Buch zudem als Serie umgesetzt. Fernando Aramburu ist verheiratet und hat zwei Töchter.

Alle Bücher von Fernando Aramburu

Patria

Patria

 (33)
Erschienen am 16.01.2018
Patria

Patria

 (0)
Erschienen am 18.06.2019
Langsame Jahre

Langsame Jahre

 (0)
Erschienen am 23.07.2019
Patria

Patria

 (6)
Erschienen am 16.01.2018
Las Letras Entornadas

Las Letras Entornadas

 (0)
Erschienen am 01.01.2015

Neue Rezensionen zu Fernando Aramburu

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Rezension zu "Patria" von Fernando Aramburu

Von Opfern und Tätern
anushkavor 20 Tagen

Bittori und Miren waren einstmals beste Freundinnen. Nun kehrt Bittori nach über zwanzig Jahren in das baskische Dorf zurück, in dem sie mit ihrem Mann Txato lebte bis dieser von der ETA ermordet wurde. Ihre Rückkehr sorgt für viel Aufregung im Dorf und die alte Ausgrenzung hört auch jetzt nicht auf. Bittoris Rückkehr konfrontiert Miren mit ihrer eigenen Schuld, doch sie ist weder bereit, diese einzugestehen, noch sich wirklich schuldig zu fühlen. Denn als Baskin fühlt auch Miren sich als Opfer, denn ihr Sohn Joxe Mari sitzt als ETA-Mitglied im Gefängnis. Bittori hofft, dass nicht Joxe Mari, der Sohn ihrer ehemals besten Freundin und Teil ihrer gemeinsamen Familienausflüge, der Mörder ihres Mannes ist.

Fernando Aramburo hat ein sehr eindringliches Buch über den Terrorismus und die separatistischen Bewegungen ist Spanien geschrieben, die im Zuge des Unabhängigkeits-Referendums 2017 auch in den Fokus der deutschen Berichterstattung rückten. Die Geschichten zweier Familien, die sich zunächst sehr nahe standen und durch Propaganda und Extremismus entzweit und gegeneinander gekehrt wurden, steht symbolhaft für viele ethnische Konflikte. Aramburo zeichnet empathisch nach, wie die Familie eines ETA-Opfers einerseits mit dem Tod einer geliebten Person kämpft, andererseits aber auch nicht als ETA-Opfer stigmatisiert werden möchte, zumal dies weitere negative Konsequenzen haben kann. Auf der anderen Seite stehen Täter und Unterstützer von Tätern, die sich ebenfalls als Opfer sehen und jeden, der die separatistischen Bemühungen nicht unterstützt, ebenfalls als Feind sehen.

Mir ging dieses Buch sehr zu Herzen, allein bei dem Gedanken, wie solch ein Leben tagtäglich sein muss, wenn man auf dem Weg zu den täglichen Erledigungen an etwas oder jemandem vorbei kommt, das oder den es Minuten später nach einem lauten Knall nicht mehr gibt. Aramburo setzt dabei weniger auf Effekte und vielmehr auf die familiären und freundschaftlichen Tragödien, die sich bei allen Beteiligten abspielen. Das mag auf die eher größere Seitenzahl des Buches an manchen Punkten etwas ermüdend oder langwierig wirken. Mich hatte es jedoch absolut gepackt. Diese Einzelschicksale und Ansichten, die mal mehr mal weniger hinterfragt werden. Das Bedürfnis, die Wahrheit und die Gründe zu erfahren. Und immer die Hoffnung, dass nicht Menschen, denen man einmal so nahe war, die Täter sind. Neben den verschiedenen Einzelschicksalen der Familienmitglieder der beiden Familien zieht sich letztlich die Auflösung als roter Faden und zweite Zeitebene durch die Geschichte.

Mir hat das Buch einfühlsam Einblicke in politische, aber auch menschliche Situationen und Tragödien erlaubt, die noch bis vor Kurzem mitten in Europa passierten. Und es hinterlässt die bange und fast unlösbare Frage, wie bei jedem derartigen Konflikt: Ist eine Versöhnung nach so etwas überhaupt möglich?

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Rezension zu "Patria" von Fernando Aramburu

Die Folgen eines Attentats
AnnBeevor 4 Monaten

Im Mai 2018 hat die Eta ihre Auflösung bekanntgegeben. Der „bewaffnete Kampf“ für ein unabhängiges und sozialistisches Baskenland ist damit beendet. Die Folgen des Terrorismus, der zahlreichen Attentate, Entführungen und Erpressungen der Eta, wirken jedoch fort. Aramburu zeichnet in seinem epischen Roman diese persönlichen und gesellschaftlichen Auswirkungen des Eta-Terrorismus anhand der Geschichte zweier Familien nach. Diese Familien, insbesondere die Mütter (Bittori und Miren) waren einst eng befreundet, bis einer von Mirens Söhnen sich der Eta anschließt, während Bittoris Mann Txato von der Eta ermordet wird. Das treibt einen Keil nicht nur zwischen Bittori und Miren, sondern auch zwischen Bittori und das ganze Dorf, in dem niemand mehr mit ihr reden oder sie auch nur grüßen will.


Zweifellos behandelt Aramburu hier gekonnt ein hochaktuelles Thema, ohne dabei belehrend zu wirken. Die auf die eine oder andere Art vom Terrorismus geprägten Lebensgeschichten der verschiedenen Familienmitglieder sind so empathisch wie spannend geschildert. Alle Charaktere sind mir dabei irgendwie ans Herz gewachsen, bis auf Miren und ihren Sohn Joxe Mari. Miren ist einfach so eine hartherzige, selbstgerechte, verbitterte, zänkische...Person, dass mich die Passagen mit ihr zunehmend genervt haben. Ich persönlich hätte mir auch noch etwas mehr historischen Hintergrund zur Geschichte des Baskenlandes gewünscht. Der Schreibstil ist auch etwas gewöhnungsbedürftig. Inwiefern? Insofern als zum Beispiel immer derartige Zwischenfragen gestellt werden. Was noch? Das öfter von der dritten in die erste Perspektive gewechselt wird. Zudem springt der Roman ständig und ohne erkennbares Muster zwischen den Perspektiven der verschiedenen Charaktere und verschiedenen Zeitpunkten hin und her, was das Lesen manchmal etwas mühsam gemacht hat. Insgesamt lohnen sich die 750 Seiten aber auf jeden Fall!

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Rezension zu "Patria" von Fernando Aramburu

Auf und ab, zu gewollt emotional
dominonavor 5 Monaten

Der Autor zeigt, wie Terrorismus ein ganzes Dorfleben zerstört und Familien verfeindet. So sehr mich die Idee auch interessiert hat und weil ich wenig über die spanische ETA wusste, haben mich die Figuren selbst und die emotional angelegte Handlung eher kalt gelassen. Ich mochte die Perspektivwechsel, aber sie haben mich manchmal auch genervt. 

Man nimmt es mit einem umfangreichen Werk auf, das auch kürzer hätte sein können. Zwischenzeitlich habe ich die Lust verloren weiter zu lesen, aber habe es dann doch durchgezogen und bereue es nicht.

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