Fernando Pessoa Baron von Teive

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Inhaltsangabe zu „Baron von Teive“ von Fernando Pessoa

Álvaro de Campos, Alberto Caeiro, Ricardo Reis - Fernando Pessoa, der größte Dichter Portugals des 20. Jahrhunderts, träumte immer davon, alle Menschen zugleich zu sein. In seinem Werk hat er sich diese Sehnsucht erfüllt: unablässig erschuf er neue Dichter, schenkte ihnen eine Biographie und schrieb ihnen die unterschiedlichsten Werke zu. Die legendäre Truhe, in der man Pessoas Manuskripte lang nach seinem Tod fand, enthält so das größte Stimmentheater der Weltliteratur, dessen Partitur die neue Pessoa-Ausgabe Band für Band enthüllt.

Álvaro Coelho de Athayade ist der 20. Baron von Teive und der einzige Selbstmörder im Werk Pessoas. Seine persönliche Chronik ist eine Sammlung negativer Lebenslektionen, und voll Schmerz muss er erkennen, dass er die Bücher, die er schreiben wollte, nicht schreiben kann. Der Text des Halbheteronyms ist eine wichtige Ergänzung zum 'Buch der Unruhe': 'Träumen ist besser als sein. Im Traum gelingt alles so mühelos!'

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  • Der Selbstmörder

    Baron von Teive

    Duffy

    25. May 2016 um 14:25

    "Die Erziehung zum Stoiker" wird als Ergänzung zum "Buch der Unruhe" gesehen und möglicherweise ist das so, darüber werden sich wohl die Pessoaisten noch lange streiten. Es ist das kleinste Oevre der Pessoa-Heteronyme, ein schmales Bändchen, das alle Texte des Barons enthält. Der unterscheidet sich vom Träumer Soares in erster Linie dadurch, dass sein Schreibstil ein klarerer und gradliniger ist, denn Baron von Teive hat uns nur einge Regeln und Prinzipien seines Lebens mitzuteilen und ist sich dessen bewusst (und natürlich auch betrübt), dass es nicht zu einem ganz großen Werk reichen wird. Geprägt sind seine Ausführungen von Stolz und Entsagung und das empfindet er gleichzeitig als eine Unfähigkeit zum Leben und diese führt wiederum in den einzigen, und in der Konsequenz logischen Ausweg, den Selbstmord. Dennoch unternimmt er den Versuch, diesem Selbstmord einen logischen Sinn zu geben, eine Logik, die sich ihm aufdrängt, denn zu sehr ist er gefangen von statusbedingten Prämissen, denen er trotz Abneigung, zu folgen bereit ist. Zudem kann er nicht gegen die Ungleichheit im Verhältnis von Empfinden und Verstand ankämpfen. Auch im Verständnis von Philosophen macht er unüberbrückbare Hindnernisse aus und so sind zwar die Versuche der Rechtfertigung des Freitodes immer entschuldigend, aber nie wankelmütig. Die Auseinandersetzung des Hilfsbuchhalters Soares mit seinem zweigeteilten Leben, die ihn nie in eine reale Gefahr bringt, ist bei Baron von Teive die Konfrontation mit der kalkulierten Niederlage.Ungewohnte Eindimensionalität bei Pessoas Heteronymen, vielleicht erklärt auch das den eher mageren Nachlass des Barons.Mit einem interessanten Essay vom Herausgeber Richard Zenith und einem nicht ganz so gelungenen, und hier vielleicht sogar überflüssigen Nachwort von Georg Kohler, der darin Position bezieht, deren Inhalt an dieser Stelle keine Gegenposition findet und deswegen fehl am Platze ist, denn gerade seine Bemerkungen muss man nicht teilen.

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  • Rezension zu "Baron von Teive" von Fernando Pessoa

    Baron von Teive

    The iron butterfly

    22. November 2010 um 18:46

    Mit dem Heteronym Álvaro Coelho de Athayade, dem 20. Baron von Teive kreierte Fernando Pessoa einen Charakter, ähnlich dem des Bernardo Soares aus seinem "Buch der Unruhe". Ein Mann, der sich nach wahrer Anerkennung und einer Position im Leben sehnt. Vermutlich aufgrund der adligen Abstammung, die ihm von Pessoa zugedacht wurde, hat Teive jedoch weitaus größere Probleme diese Sehnsüchte auch nur annähernd verwirklichen zu können. Teive ist nicht nur ein Denker, sondern auch ein Moralist. Ein stolzer Moralist dazu. Gefangen in diesem Zwiespalt eröffnet sich ihm der Selbstmord als einziger Ausweg, aber selbst in diesem entscheidenden Moment, am gezielten Ende seines Lebens, will er stolz und als vermeindlicher Sieger von der großen Bühne treten. Georg Kohlers kritisches Nachwort unter dem Titel "Der Baron als Stoiker - Teives Stolz oder das mißlungene Leben. Eine Erwiderung" wirft für mich zwar die eine oder andere gedankliche Anregung auf, aber für mich persönlich steht außer Frage, dass Pessoa mit seinen Heteronymen keine Perfektionisten erschaffen wollte. Das Streben nach Perfektionismus hängt allen an, jedoch hat Pessoa in meinen Augen gezielt, die unperfekten, die dunklen Seiten seiner Persönlichkeit in den Heteronymen entfaltet. Die Seiten, die er im täglichen Leben nicht ausbreiten konnte. Mit dem Baron zeigt er die Ausweglosigkeit auf, die einen Menschen ergreifen kann, sobald er merkt, dass seine Ziele nie erreicht werden können.

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