Fignon Laurent Wir waren jung und unbekümmert

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Inhaltsangabe zu „Wir waren jung und unbekümmert“ von Fignon Laurent

„Aaah, ich erkenne Sie aber wieder: Sie sind derjenige, der die Tour um acht Sekunden verloren hat!' - „Nein, mein Herr, ich bin derjenige, der sie zwei Mal gewonnen hat….“
Laurent Fignon. Fraglos eine der charismatischsten, der schillerndsten Figuren der jüngeren Sportgeschichte. Ein Radsportheld zwischen Triumph und Tragik. 1983 gewinnt er mit gerade einmal 22 Jahren völlig überraschend die Tour de France, wird gleich im Jahr darauf mit selten gesehener Dominanz zum Wiederholungstäter, um bald dann auch die Schattenseiten des Metiers kennenzulernen. Nach schwerer Operation wird es still um Fignon. Die Medien schreiben ihn ab. Doch 1989 feiert der so ungestüme und streitbare Franzose eine erstaunliche Wiedergeburt: Sieger des Giro d’Italia und kurz darauf Hauptdarsteller im spektakulärsten Tour-Finale aller Zeiten. Die legendären acht Sekunden, die ihn nach 3.285 Kilometern von Greg LeMond trennen, haben Sportgeschichte geschrieben. Und ein amerikanischer, nicht ganz regelkonformer Lenker…
Seine Karriere erzählt Laurent Fignon in diesem Buch genau so, wie er Radrennen gefahren ist. Ohne falsche Bescheidenheit. Mit offenem Visier. Angriffslustig und kontrovers. In seinen Memoiren schont er weder Wegbegleiter noch Rivalen - und schon gar nicht sich selbst. Mit bemerkenswerter Offenherzigkeit legt Fignon Zeugnis ab. Von Freundschaft und Verrat, von Rennabsprachen und den Verlockungen unlauterer Mittel. Mit großer Erzählfreude nimmt er seine Leser mit auf eine Zeitreise hinter die Kulissen des Profizirkus der achtziger Jahre und liefert so ein mitreißendes Sittengemälde der letzten goldenen Radsport-Ära. Einer unbeschwerten Epoche, in der Radrennfahrer noch vor nichts und niemand Angst hatten.

Flotte, "französische" Schreibe. Oft geradeheraus mit dem Selbstvertrauen eines Champions. Ganz schön "mimimi" wenn's nicht nach Plan lief.

— Ein LovelyBooks-Nutzer

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    Wir waren jung und unbekümmert

    Ulenflucht

    19. January 2014 um 15:04

    "Wir waren jung und unbekümmert", welch auf den ersten Blick seltsamer, hölzern wirkender Titel. Aber schon nach den ersten Kapiteln merkt man, dass nichts treffender sein könnte. Was Fignon hier in Kooperation mit Jean-Emmanuel Ducoin geschaffen hat, ist nichts weniger als ein grandioses Porträt des Radsportes in seiner letzten Phase der großen Champions, die Ende der 80er, zu Beginn der 90er so jäh endete. Das Buch beginnt mit dem Kapitel von Fignons Geschichte, an das man sich heute am besten erinnert, aber auf das er selber am liebsten verzichtet hätte. Die berühmten acht Sekunden, um die er die Tour 1989 an Greg LeMond verloren hat. Man merkt, dass er dieses Thema am liebsten gleich vom Tisch haben möchte und dieser Bruch der ansonsten chronologischen Erzählung passt gut. Nicht nur hier, sondern auch in zahlreichen weiteren Szenen lässt Fignon den Leser nicht nur Teil haben an seinem Leben als Radsportler, er gibt einem das Gefühl, richtig dabei zu sein. Damals bei der Tour. Bei Mailand-San Remo. Beim Giro d'Italia. Die Art zu erzählen ist spannungsreich, mal melancholisch, aber noch viel häufiger energisch und stets auf den Punkt. An keiner Stelle wirkt die Wortwahl deplatziert, was dem Journalisten zu verdanken sein dürfte, das jedoch immer auch für Fignon nicht fremd klingt. Jedes Kapitel beginnt mit einer sehr schön und ziemlich weise formulierten Lehre, die ein Radsportler aus so vielen Jahren Karriere zieht und die nicht nur den Sport betreffen, sondern vor allem das Leben selber. Welch schöner aber tragischer Sport der Radsport ist, zeigt neben der Tour 1989 auch das Kapitel zu Fignons Karriereende, als die EPO-Seuche am Horizont aufzog, die Gewinner die Sieger ersetzten, wie er es wenn auch in einem anderen Zusammenhang nennt, als diejenigen gewannen, die sonst nicht hätten gewinnen können, was den Sport komplett veränderte. Vor diesem Buch hatte ich nur schlechte Autobiografien gelesen, die versuchten, das Bild von sich selbst gerade zu rücken, zu erklären und zu mutmaßen. Diese hier aber zeigt auch die vielen Vorteile, die eine Autobiografie haben kann. Die ultimative Innenansicht, das Erzählen aus erster Hand, die Perspektive einer bedeutenden Persönlichkeit. Alles was Fignon erzählt ist schlüssig und authentisch, es scheint, als habe er sich selber gut getroffen, vor allem die Darstellung des jungen, unbekümmerten Sportlers beeindruckt. Die Leichtigkeit, die Gradlinigkeit und die Fähigkeit, Kompliziertes einfach zu machen. Es geht nicht darum, alle Geheimnisse aufzudecken oder mit jemandem abzurechnen, auch wenn natürlich auch solche Passagen nicht fehlen, so sind sie dennoch nicht ausufernd und zentral. Ich bin froh, dieses Buch gelesen zu haben, ein authentischer Lebensbericht, der noch emotionaler wirkt, wenn man das Vorwort aus November 2009 liest, wenige Monate vor Fignons Tod. Es hilft einem, den Radsport in seiner Fülle zu sehen und eine Epoche aufleben zu lassen, die gerade 25 Jahre her ist, aber nicht distanzierter hätte erscheinen können. Aber es gibt auch Hoffnung für die Zukunft, denn es wird immer Gute geben und die Essenz des Sportes ist stets unverändert: Anmut, Kampf, Tragik, Überwindung, Erleichterung. Merci, Laurent.

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