Fiston Mwanza Mujila

 3.6 Sterne bei 15 Bewertungen
Autor von Tram 83.

Lebenslauf von Fiston Mwanza Mujila

Fiston Mwanza Mujila wurde 1981 in Lubumbashi, Demokratische Republik Kongo, geboren. Er schreibt Lyrik, Prosa und Theaterstücke und unterrichtet afrikanische Literatur an der Universität Graz. Sein Roman Tram 83 wurde mit dem Internationalen Literaturpreis des Hauses der Kulturen der Welt, dem Peter-Rosegger-Literaturpreis und dem Etisalat-Preis für Literatur ausgezeichnet und stand auf der Longlist des Man Booker International Prize und des Prix du Monde. Mujila lebt in Graz.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Fiston Mwanza Mujila

Cover des Buches Tram 83 (ISBN:9783293208032)

Tram 83

 (15)
Erschienen am 16.07.2018

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Rezension zu "Tram 83" von Fiston Mwanza Mujila

Last exit hell
aus-erlesenvor einem Jahr

Keine Bahnlinie, die einem von A nach B bringt. Keine Schunkelkutsche, die den einen Alltag gegen einen andere eintauscht. Wer ins Tram 83 eintaucht, kommt als anderer Mensch wieder heraus. Das Tram 83 ist eine Bar, eine Kaschemme, ein Sündenpfuhl im Nirgendwo des schwarzen Kontinents. Auf nur ein Bier kommt hier niemand vorbei. Die Trostlosen, die Trostsuchenden, die Glücksritter der Verliererstraße trinken hier um die Wette, und sich als Gewinner zu fühlen. 
Lucien, der Schriftsteller ist auch hier. Wieder. Wieder in seiner Heimatstadt, am Bahnhof von Requiem empfangen. Der ist einer der Typen, die es nur im Roman zu geben scheint. Ein Gauner mit der Nase fürs Geschäft. Kurzlebig, gerissen, gewissenlos. Doch auch liebenswert, mit männlichen Trieben ausgestattet, dass man ihn dafür pausenlos ohrfeigen könnte. Fragt ein Mädchen im Bus, ob der Platz neben ihm noch frei sei, wird sie erst einmal gemustert und in Gedanken schon mal zur Probe flachgelegt. Was zu einer anderen Zeit eventuell gerade noch so als pubertär durchgehen könnte, ist bei Requiem „normal“. Bezeichnenderweise wohnt er auch noch im Viertel Les Vampires…
Lucien ist also wieder zurück bei Requiem in dieser afrikanischen Großstadt ohne Namen, die ihn einst ohne Vorwarnung ins Leben kotzte. Als Schriftsteller war er immer wieder wegen seiner Schriften Anfeindungen ausgesetzt. Bei Requiem fühlt er sich sicher. Warum, weiß er selber nicht. Denn Requiem kann man nicht trauen, weder im Hellen noch im Dunkeln. Werde bei Tag noch bei Nacht. 
Ferdinand Malingeau kreuzt den Weg der beiden ungleichen Freunde. Er ist Verleger aus der Schweiz und mächtig interessiert an Luciens Werk. Dass dies heute noch nicht generell auf Zustimmung stößt, heizt seine Begeisterung für den aufstrebenden Autor noch mehr an. Doch Lucien tappt da in eine Falle! Denn hinter seinem Rücken dealen Ferdinand und Requiem. Dieses verdammte Tram 83. Ist denn hier keiner, der auch nur einen Hauch Anstand in sich trägt…
Fiston Mwanza Mujila führt den Leser gezielt in einen afrikanischen Moloch, der ungeschminkt das Dilemma einer ganzen Generation darstellt. Wenn die Hoffnung – als Letztes – schon längst verwest unter der Erde liegt, bleibt nicht mehr viel übrig, um dem Begriff Hoffnung selbige zu verleihen. Die Dirnen prahlen grußlos mit ihrer Sprachgewalt. Die Kindersoldaten sind frei in ihrer Rohheit und der Alkohol dient schon lange nicht mehr als Ausrede für den Wegfall der guten Manieren. Das Geld regiert hier in seiner pursten Form. Verhandlungen? Pah, was’n das?! Der direkte Weg ist die einzige Schneise im Dschungel der Ungerechtigkeit. Da passt einer wie Lucien eigentlich gar nicht rein. Doch ohne ihn, wäre das Tram 83 nichts, gar nichts, weniger als nichts. 

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Rezension zu "Tram 83" von Fiston Mwanza Mujila

Alle Wege führen ins Tram
Buecherherbstvor 3 Jahren

Wonach strebt ein Mensch, wenn die Umgebung das Leben unermüdlich erschwert? In einer Großstadt namens Stadtland, ein fiktiver Ort irgendwo in Afrika, lernt man das Leben von seiner ungemütlichen Seite kennen. Das Einzige, das hier zählt, ist die kurzfristige Befriedigung des Glücks. Es herrschen Kriminalität, Drogen und der Rausch nach Diamanten und dem schnellen Geld: „Im Anfang war der Stein, und der Stein schuf den Besitz und der Besitz den Rausch, und im Rausch kamen Menschen jedweder Gestalt, die schlugen Bahntrassen in den Fels, fertigten ein Leben aus Palmwein und erdachten zwischen Markt und Minen ein System.“ Stadtland hat sich militärisch vom Hinterland losgesagt. Es wird von einem abtrünnigen General regiert, der auch die Macht über die Diamantenminen hat.

Die vollständige Rezension unter https://buecherherbst.wordpress.com/2017/02/16/alle-wege-fuehren-ins-tram-rezension-fiston-mwanza-mujila-tram-83-buecherherbst-buecherblog-buchtipp-paul-zsolnay-verlag/

Fiston Mwanza Mujila beschreibt in seinem Roman Tram 83 das Leben in einer „failed City“, in der Moral keine Rolle mehr spielt. Eine Stadt, in der der Strom rationiert ist, und die auf „den Grundsätzen Überlebenskampf, Edelsteine und Kalaschnikows beruhte“ – eine Stadt, welche die Globalisierung vielleicht schon weit hinter sich gelassen hat; oder noch weit davon entfernt ist. Der Mittelpunkt der Stadt ist das Tram 83, eine Mischung aus Bar und Bordell. Wenn die Nacht anbricht, kommen hier alle gesellschaftlichen Schichten zusammen, um die Härte des Alltags zu vergessen: Minenarbeiter, Studenten, Prostituierte und auch die ausländischen Geschäftsleute. Hier verdichtet sich die Atmosphäre: es ist laut, schwitzig, düster, exzessiv, ungezähmt und gesetzlos. Hier geht es einzig um Geld, Drogen und Sex. In Teilen ist es nichts anderes als eine Art Studio 54 Afrikas.

Mit Tram 83 hat Fiston Mwanza Mujila einen Roman vorgelegt, der mit einem atmosphärisch dichten, stets dem Gefühl des Getriebenen nahen Erzählgeschwindigkeit daherkommt. Man muss sich womöglich erst an diesen Sprachstil voller Einschübe, Aufzählungen, Unterbrechungen („Was sagt die Uhr?“) und bewusster Wiederholungen („Was sagt die Uhr?“) gewöhnen. Wie wirre Stimmen in einer lauten Disko mutet es an. Doch nach der Eingewöhnung folgt der Rausch. Wild, rasant, wirr, unzähmbar, gewagt – einfach herausragend ungewöhnlich und ungewöhnlich herausragend, aber stets einer mitreißenden Melodie folgend.

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Rezension zu "Tram 83" von Fiston Mwanza Mujila

‚Der Tod hat keinerlei Bedeutung, weil man noch nie wirklich gelebt hat.‘
sabatayn76vor 3 Jahren

Inhalt:
Das Tram 83 ist der einzige Nachtclub in einer heruntergekommenen afrikanischen Großstadt, die der Autor ‚Stadtland‘ nennt.

An diesem fiktiven Ort treffen zwei alte Freunde aufeinander, die zusammen studiert haben, aber nun nichts mehr miteinander gemein haben: Lucien ist Schriftsteller, hat seine Frau und seinen Sohn verloren, war im Gefängnis und ist sich trotz aller Schwierigkeiten selbst treu geblieben. Requiem schlägt sich mit Gaunereien und Betrügereien durchs Leben, lässt z.B. Prostituierte für sich arbeiten, die ihre Freier fotografieren, damit Requiem diese erpressen kann.

Mein Eindruck:
Ich habe schon sehr viel über Afrika im Allgemeinen und den Kongo im Besonderen gelesen und war deshalb sehr gespannt auf den kontrovers diskutierten Roman ‚Tram 83‘.

Mwanza Mujila erzählt in seinem Roman von Sex und Prostitution, Gewalt und Tod, der Arbeit in den Minen und Minenunfällen, Drogen und Armut, Folter und Gefängnis. Die Stimmung im Buch ist dementsprechend düster, unheilvoll und hoffnungslos. Dabei werden in Nebensätzen oft tragische Einzelschicksale erwähnt, wobei die Dramatik durch die Beiläufigkeit noch erhöht wird.

Der Einstieg in den Roman hat mir sehr gut gefallen, und trotz der oft sehr vulgären Sprache und des eigenwilligen Stils mit den stakkatoartigen Sätzen, den endlosen Aufzählungen und den immer wiederkehrenden Wiederholungen bestimmter Phrasen, die sich durch das ganze Buch ziehen und teilweise sonderbar unverständlich bleiben, habe ich gut und schnell Zugang zu der Geschichte über Lucien, Requiem und das Tram 83 gefunden.

Im weiteren Verlauf empfand ich die explizite und vulgäre Sprache, den Schreibstil sowie die gebetsmühlenartigen Wiederholungen jedoch als ermüdend, und die Lektüre konnte mich nicht mehr begeistern wie zu Beginn des Romans. Am Ende muss ich sagen, dass mir ‚Tram 83‘ trotz der spannenden Einblicke und der glaubwürdigen Schilderungen fremd geblieben ist.

Mein Resümee:
‚Tram 83‘ zeichnet ein düsteres Bild vom Leben in einer afrikanischen Großstadt und ermöglicht es, besser verstehen zu können, warum sich Menschen, die dort leben, eine hoffnungsvollere Zukunft wünschen.

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