Fjodor M Dostojewskij Rede über Puschkin am 8. Juni 1880 vor der Versammlung des Vereins "Freunde russischer Dichtung"

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Inhaltsangabe zu „Rede über Puschkin am 8. Juni 1880 vor der Versammlung des Vereins "Freunde russischer Dichtung"“ von Fjodor M Dostojewskij

Mit einem Essay von Braun, Volker ( EVA Reden, 6). 55 S.
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  • Rezension zu "Rede über Puschkin am 8. Juni 1880 vor der Versammlung des Vereins "Freunde russischer Dichtung"" von Fjodor M Dostojewskij

    Rede über Puschkin am 8. Juni 1880 vor der Versammlung des Vereins "Freunde russischer Dichtung"

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    14. July 2012 um 12:47

    Dostojewskijs Rede wurde der Kulminationspunkt der Puschkin-Feiern im Juni 1880. Den großen Lorbeerkranz, den er am Vormittag bekommen hatte und den er kaum tragen konnte, brachte er nachts zu dem neueröffneten Puschkin-Denkmal und verneigte sich vor seinem `großen Lehrer`. Der Brief an seine Frau, den er in der Nacht vom 8. auf den 9. Juni schrieb, enthält die Schilderung der Festsitzung vom Vormittag. Sie wird von unzähligen Erinnerungen der Teilnehmer und Zeugen bestätigt. Die Puschkinrede war keine Improvisation. Ihre Grundgedanken hatte er bereits 1861 veröffentlicht. Stepun, Fedor; Dostojewski Weltschau und Weltanschauung, Carl Pfeffer Verlag 1950 "Heute Morgen fand meine Rede im Saal der Freunde statt. Der Saal war überfüllt . . . Als ich herauskam, erhob sich donnernder Beifall, der mich lange, sehr lange am Lesen hinderte. Ich verbeugte mich, beschwichtigte durch Gesten, bat, mich lesen zu lassen – alles vergeblich; Begeisterung, Enthusiasmus (alles durch die `Karamasows`!) Endlich begann ich zu lesen: Ich wurde tatsächlich nach jeder Seite und manchmal sogar nach jedem Satz durch donnernden Beifall unterbrochen. Ich las laut, feurig. Als ich aber gegen Schluss auf die allweltliche Einigung der Menschen zu sprechen kam, brach in dem Saal eine Art Hysterie aus, und als ich schloss – ich bin außerstande, den Sturm, den Schrei der Begeisterung zu beschreiben: Unbekannte im Publikum brachen in Tränen aus, schluchzten, umarmten sich und schworen einander, besser zu werden, sich nicht mehr zu hassen, sondern zu lieben. Die Tagesordnung wurde gesprengt, alle stürzten zu mir auf das Podium: Elegante Damen, Studentinnen, Staatssekretäre, Studenten – alles umarmte und küsste sich. Die Mitglieder unserer Gesellschaft, die auf dem Podium gesessen hatten, umarmten und küssten mich, und allen, buchstäblich allen standen die Tränen der Ergriffenheit in den Augen. Man ließ mich ungefähr eine halbe Stunde lang nicht gehen, man schwenkte Tücher . . . "Prophet, Prophet!" rief man in der Menge. Turgenjew, den ich in meiner Rede anerkennend erwähnt hatte, stürzte mit Tränen in den Augen auf mich zu und umarmte mich.“ Hitzer; Dostojewski - Gesammelte Briefe 1833-1881, Piper 1966 In einer russischen Filmproduktion des Jahres 2011 wird es wie folgt dargestellt. "Er versuchte an der Erscheinung Puschkins zu beweisen, daß das tiefste Wesen des Russentums, als dessen echtesten Vertreter er Puschkin hinstellte, im ›Allmenschentum‹, in der Fähigkeit, mit seinem Geiste das Denken und Fühlen aller Völker zu durchdringen und zu umfassen, liege. In diesem Sinne seien alle Russen Westler, und das Westlertum eine spezifisch russische Erscheinung. Da ihm die Gestalt Puschkins nur als Vorwand diente, sein nationales Bekenntnis abzulegen, ist die Charakteristik des Dichters mangelhaft und einseitig geraten. Es war weniger der Inhalt der Rede als die ekstatische Art des Vortrages, was die Zuhörer, vor allem Dostojewskijs Gegner entzündete. Die Slawophilen dagegen waren enttäuscht; so viel Feuer konnten sie nicht ertragen, auch paßte ihnen, was Dostojewskij über das Allmenschentum des Russen sagte, nicht recht in das Konzept." Eliasberg, Alexander; Russische Literaturgeschichte in Einzelporträts Skizze Dostojewskis zu seiner Puschkin-Rede "Dostojewski sieht in Puschkin das einzigartige, von keinem anderen russischen oder ausländischen Dichter erreichte Vermögen, sich vollständig in den Geist anderer Völker hineinzuversetzen. In diesem Sinne sei er eine noch nie dagewesene Erscheinung, und eben in dieser Fähigkeit habe sich am stärksten seine nationale russische Kraft geäußert." Vgl. Puschkin - Russland und sein erster Dichter S. 153 – 157 „Die Rede zur Puschkin-Feier war der Extrakt einer zwanzigjährigen Arbeit. Schon in den sechziger Jahren finden wir in der Zeitschrift `Die Zeit` Aufsätze gleichen Gedankeninhaltes, nur in weniger vollendeter Form.“ Maurina, Zenta; Dostojewskij - Menschengestalter und Gottsucher S. 157 Vermeintlich haben sich bei diesem Anlass auch Dostojewski und Turgenjew "versöhnt". „In einer seiner größten Kundgebungen, in der Rede zu Puschkins Gedächtnis, versuchte er dennoch, den Panslawisten zugerechnet, die Synthese herzustellen zwischen den Westlern und den Russophilen. Das Ergebnis war am selben Abend ein glänzendes. Anhänger beider Parteien stürzten auf ihn zu, umarmten ihn und erklärten sich mit seinem Standpunkt einverstanden. Aber diese Einigkeit dauerte nicht lange.“ Adler, Alfred; Praxis und Theorie der Individualpsychologie - Dostojewskij (1918)

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