Verbrechen und Strafe

von Fjodor M. Dostojewskij 
4,5 Sterne bei137 Bewertungen
Verbrechen und Strafe
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Böses tun, um Gutes zu erreichen? Psychologisch interessante Auseinandersetzung mit Ethik, Moral und Religion. Nicht leicht aber lesenswert.

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Ein psychologisch komplexer Klassiker mit vielschichtigen Charakteren und ausgereiftem Plot. Empfehlenswert!

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Inhaltsangabe zu "Verbrechen und Strafe"

Mit 'Verbrechen und Strafe' ist jetzt einer der größten psychologischen Romane der Weltliteratur im handlichen Taschenformat erhältlich. Seit seinem Erscheinen 1866 ist die Suggestion, mit der Dostojewskij die Entwicklung zum Mörder schildert, der Sog, der zur blutigen Tat führt, unerreicht. Psychologische Einsicht und philosophische Erörterung verschmelzen zu einem metaphysischen Thriller, wie er in der Weltliteratur einzigartig geblieben ist.

Nicht 'besser als eine Laus' erscheint dem Studenten Raskolnikow eine alte Wucherin, weshalb er glaubt, sie töten und ausrauben zu können. Sein Herz wehrt sich ebenso wie sein Unterbewusstsein gegen die geplante Tat, doch von sozialer Not gedrängt und gefangen in lebensfeindlichen Ideen, wird er zum Mörder. Nach dem Mord jedoch erkennt er, dass kalter Verstand und Nützlichkeitsdenken nicht alles im Leben sind. Das Delirium und die grenzenlose Einsamkeit, die dem Verbrechen folgen, lassen ihn erkennen, dass der Weg aus der Vereinsamung nur über Geständnis und Strafe führen kann. Auch wenn die 'Reue' ihm eher fremd ist, die Liebe errettet ihn schließlich.

Mit seiner psychologisch beeindruckenden Darstellung eines Mörders hat Fjodor Dostojewskij einen Charakter beschrieben, der in seiner Orientierungslosigkeit symptomatisch für die moderne Gesellschaft ist. Bei aller Zeitkritik aber überwiegt am Ende die Hoffnung, dass es noch andere Kräfte in der Welt gibt als das Böse.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783596521562
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:1088 Seiten
Verlag:FISCHER Taschenbuch
Erscheinungsdatum:21.09.2017

Rezensionen und Bewertungen

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    Ro_Kes avatar
    Ro_Kevor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Böses tun, um Gutes zu erreichen? Psychologisch interessante Auseinandersetzung mit Ethik, Moral und Religion. Nicht leicht aber lesenswert.
    Böses tun, um Gutes zu erreichen?

    Klappentext:

    Nicht »besser als eine Laus« erscheint dem Studenten Raskolnikow eine alte Wucherin, weshalb er glaubt, sie töten und ausrauben zu können. Sein Herz wehrt sich ebenso wie sein Unterbewusstsein gegen die geplante Tat, doch von sozialer Not gedrängt und gefangen in lebensfeindlichen Ideen, wird er zum Mörder. Nach dem Mord jedoch erkennt er, dass kalter Verstand und Nützlichkeitsdenken nicht alles im Leben sind. Das Delirium und die grenzenlose Einsamkeit, die dem Verbrechen folgen, lassen ihn erkennen, dass der Weg aus der Vereinsamung nur über Geständnis und Strafe führen kann. Auch wenn die »Reue« ihm eher fremd ist, die Liebe errettet ihn schließlich.


    Meine Meinung:

    "Glaubst du nicht, daß ein allerwinzigstes Verbrechen durch Tausende von guter Taten wettgemacht wird? Ein Leben als Preis für Tausende von Leben, die vor Verfall und Fäulnis gerettet werden – ein Tod gegen hundert Leben – das ist doch Arithmetik!“

    Mir ist das Lesen dieses russischen Klassikers nicht unbedingt leicht gefallen, denn die Handlung wird hauptsächlich durch ewig lange innere Monologe bestimmt, die dazu noch in ihrer formalen Gestaltung eher die direkte Rede vermuten lassen, wodurch es für mich immer wieder zu verwirrten Unterbrechungen gekommen ist und nicht einmal der Ansatz eines angenehmen Leseflusses entstehen wollte. 

    Allerdings schafft es der Autor somit, dass man den Gedanken Raskolnikows bis ins tiefste Detail folgen darf und mir hat die Darstellung seiner inneren Zerrissenheit, bis hin zum Versagen gegenüber den eigens geschaffenen Moralvorstellungen sehr gut gefallen.

    Auch die vielschichtigen/komplexen Nebenstränge sorgen durch deren Figuren für psychologisch interessante Wechselwirkungen auf Raskolnikows Charakterentwicklung, was für mich den größten Reiz dieser Lektüre ausgemacht hat. 


    Fazit:

    Böses tun, um Gutes zu erreichen? Psychologisch interessante Auseinandersetzung mit Ethik, Moral und Religion. Nicht leicht aber lesenswert!

    Kommentare: 1
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    Insider2199s avatar
    Insider2199vor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Ein psychologisch komplexer Klassiker mit vielschichtigen Charakteren und ausgereiftem Plot. Empfehlenswert!
    „Die Liebe hatte sie auferweckt“ – Die Liebe als Heilmittel!

    "Die Liebe hatte sie auferweckt" - Die Liebe als Heilmittel!

    Fjodor Michailowitsch Dostojewskij (1821-1881) zählt zu den bedeutendsten Dichtern der Weltliteratur. Er war der Sohn eines Armeearztes aus Moskau. Nach kurzer Tätigkeit als technischer Zeichner im Kriegsministerium wurde er freier Schriftsteller. Vier Jahre Zwangsarbeit als politischer Häftling und beständige Geldnot wegen seiner Spielleidenschaft zeichnen den unermüdlich Schaffenden. St. Petersburg wird die zweite Heimat dieses bedeutendsten russischen Realisten und Hauptschauplatz seiner berühmtesten Romane, die bis heute weltweit bewundert und gelesen werden.

    Inhalt (Klappentext): Der verarmte Student Rodion Raskolnikow glaubt, den perfekten Mord zu begehen, als er eine gierige alte Pfandleiherin und deren Schwester erschlägt. Großen Menschen, so meint er, sei es erlaubt, "lebensunwertes" Leben zu vernichten. Er hat vor, sich mit dem Geld der Alten davonzumachen. Die Rechnung scheint aufzugehen: Er gilt zwar bald als Hauptverdächtiger, aber entscheidende Beweise fehlen. Doch nach der Tat verfällt er in ein tagelanges Delirium aus wachsenden Schuldgefühlen und dem Drang, für seine Verbrechen zu büßen. Denn mit einem hat er nicht gerechnet: mit dem eigenen Gewissen.

    Meine Meinung: Lang hat es gedauert bis ich endlich mal einen russischen Klassiker gelesen habe („Krieg und Frieden“ von Tolstoi habe ich bestimmt 10 Mal begonnen und wieder abgebrochen): dieses Mal wollte ich es wirklich wissen, weil dieses Buch auch im kürzlich gelesenen „4321“ von Paul Auster wärmstens empfohlen wird und es irgendwo hieß, dass Auster u.a. wegen diesem Leseerlebnis Schriftsteller werden wollte – und es hat sich auf jeden Fall gelohnt, obwohl man doch etwas Geduld für dieses Werk aufbringen sollte.

    Sehr gut gefiel mir die „psychologische Komponente“ und der sehr komplex angelegte Raskolnikow mit seiner interessanten Theorie des „Übermenschen“ und v.a. die spätere Erklärung bzgl. seiner Motivation zum Verbrechen, die seinen vielschichtigen und ambivalenten Charakter sehr gut widerspiegelt. Der Plot fängt einfach an und wird aufgrund seiner eingeflochtenen Sub-Plots, die die Thematik des Romans gut ergänzen, immer komplexer und unterhaltsamer, es entwickelt sich ein Sog, dem man sich nur schwer entziehen kann.

    Was für mich das Lesen leider ein wenig erschwert oder „getrübt“ hat, waren die vielen Monologe von vielen Figuren. Der Held selbst ist eher ein wortkarger Zeitgenosse, wird aber von den Charakteren, denen er begegnet, mit langem Wortschwall überschwemmt. Beispiel: Rodion kommt zur Polizeistation und statt vom Polizisten gefragt zu werden, was er denn wolle, fängt dieser an, ihm minutenlang einen Monolog über Literatur zu halten. Da muss man sich dann schon fragen, hat der gute Mann nichts anders zu tun? LOL

    Einen weiteren Minuspunkt gibt es für mich im formalen Bereich zu verzeichnen: denn die Gedanken werden (genau wie die direkte Rede) ebenfalls in Anführungsstrichen gesetzt und manchmal geraten Gedanken genau zwischen die direkte Rede zweier Personen und dann zu unterscheiden, was Gedanke und was gesprochenes Wort ist, ist nicht immer einfach.

    Das Ende kommt zwar nicht überraschend, dafür aber sehr abrupt – ich hätte mir die Phase der „Strafe“ länger vorgestellt, hätte gerne gewusst, wie der Held diese genau aufnimmt und verarbeitet. Aber leider wird das nur in zwei sehr kurzen Kapiteln im Epilog zusammengefasst. Dabei macht ja der Held gerade in dieser Phase die entscheidende „Wiedergeburt“ zum neuen Menschen durch.

    Und zu guter Letzt muss ich gestehen, dass ich aufgrund der „altertümlichen“ Sprache – und dem oben erwähnten Redeschwall der Figuren – nun festgestellt habe, dass Klassiker nicht ganz so meins sind (obwohl ich z.B. Romane von Thomas Mann doch sehr schätze!), da mag ich die modernere Literatur besser, mit der ich mich als Leser einfacher identifizieren kann.

    Fazit: Ein psychologisch komplexer Klassiker mit vielschichtigen Charakteren und ausgereiftem Plot. Weniger gefielen mir die langen Monologe mancher Figuren, die Gedanken in Anführungsstrichen und das etwas abrupte Ende – dafür ziehe ich einen Stern ab. Ansonsten jedoch SEHR empfehlenswert!

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    suryas avatar
    suryavor 2 Jahren
    Lesenswert!

    Inhalt


    Der erste große Roman von Dostojewski, welcher 1866 erschienen ist, handelt von Rodion Romanowitsch Raskolnikow, welcher in St. Petersburg Rechtswissenschaften studiert. Als Student lebt er in äußerst ärmlichen Verhältnissen in einem kleinen Zimmer, in welchem er intensiv über die Klassifikation der Menschen nachsinnt. Sich selbst zu den größeren, bedeutenderen und wertvolleren Menschen zählend, ermordet er nach längerer und reiflicher Überlegung eine alte Pfandleiherin, welche für ihn zu den niedrigeren. lebensunwertern Menschen zählt –  sie ist für ihn nicht mehr als eine Laus. Es gelingt Raskolnikow, nach dem Mord unentdeckt zu bleiben. Nach außen ein perfekter Mord … Leider machten ihm, anstatt ungerührt und teilnahmslos über die Leiche hinweg zu sehen wie seinerzeit Napoleon über Leichen hinwegsah, sein Inneres, sein Gewissen, seine Seele einen Strich durch die Rechnung … 
      

    Meine Meinung


    Ich war überrascht, wie leicht und flüssig dieses Werk von Dostojewski zu lesen war. Überrascht war ich aber auch von dieser – zumindest meiner Meinung nach – Handlungsarmut der Geschichte, wenn sich das so sagen lässt. Insbesondere als der Mord geschehen war, legt Dostojewski das Augenmerk vielmehr auf das Innenleben von Raskolnikow, was für mich auch das Herzstück dieser Geschichte ausmacht. Er beschreibt mit einer solchen Intensität, teilweise auch Grausamkeit und Brutalität die Folgen des schlechten Gewissens und lässt den Leser hier keinesfalls verschont. Raskolnikow wird von Paranoia, Alpträumen, Misstrauen und allerlei psychosomatischen Folgen heimgesucht und der Leser ist bei all dem unmittelbar dabei und in der Gedankenwelt von Raskolnikow gefangen. Erfasst von dieser schwermütigen und trübseligen Stimmung ist man versucht, das Buch am liebsten ab und zu zur Seite zu legen, um dem ein wenig zu entfliehen. Wenngleich das Buch auch seine Längen hatte, was meiner Meinung nach auf den detailreichen und ausführlichen Schreibstil von Destojewski zurückzuführen ist, und trotz der vielen Nebenfiguren mit ihren russischen Namen und zusätzlichen Kosennamen, ist dieses Werk wundervoll. Für mich ist es auch eine Abschreckung und Warnung zugleich - es führt vor Augen, wie leicht und schnell man sich das eigene Leben zerstören kann und aufgrund einer selbst getroffenen Entscheidung vom einen auf den anderen Augenblick eine vollkommen andere Person ist als zuvor.
    Eine kurze Anmerkung zur Übersetzung: Mir fällt bei Klassikern die Wahl der Übersetzer nicht ganz leicht. Bei diesem Werk galt bis 1994 die Übersetzung von E.K. Rahsin als Standard. 1994 wurde die Ausgabe von Swetlana Geier komplett neu übersetzt und so erhielt dieses Werk anstelle des Titels „Schuld und Sühne“ „Verbrechen und Strafe“.  Ich kam mit der Übersetzung sehr gut klar und war diese sehr flüssig und angenehm zu lesen.

    Mein Fazit

    Ein Werk, in dem die großen Fragen des Lebens behandelt werden: Moralvorstellungen, Glaubensüberzeugungen, Freundschaften, Verbrechen, Strafe bzw. Sühne und das ganze durchzogen von psychologischen und philosophischen Gedankengängen. Ein Werk, das mich aufgrund seines Tiefgangs überzeugt hat. Für mich eine klare Leseempfehlung.

    Kommentare: 3
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    Sandy3437s avatar
    Sandy3437vor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Ein Wahnsinnstrip und das Seelenleben eines Mörders - großartig!
    Ein Meisterwerk!

    Die Geschechte von Rodion Romanowitsch Raskolnikow fasziniert und verlangt dem Leser einiges ab. Man fiebert mit ihm, man leidet mit ihm, man gruselt sich vor ihm. Fast scheint es mir, als wäre ich selbst die 2 Wochen, in denen ich das Buch las, im Delirium durch St. Petersburg gewandert. Den EInblick, den ich in das Seelenleben Rodjas bekommen habe, lässt sich mit nichts vergleichen, das ich bisher gelesen habe. Das Buch fesselt einen von der ersten bis zur letzten Seite und lässt einen nicht mehr los.
    Auch die wenigen zähen Passagen scheinen bewusst vom Autor eingefügt worden zu sein, um den Leser zu quälen und ihn so dem Gefühlsleben Raskolnikosws und dessen Qualen näher zu bringen. Uneingeschränke Leseempfehlung!

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    Bruno_Vasconceloss avatar
    Bruno_Vasconcelosvor 3 Jahren
    Dostojewskij rocks!

    Selten habe ich einen solch fesselnden Roman gelesen,
    der mich so sehr verwirrt, überrascht, beeindruckt und zum Nachdenken angeregt hat.

    Raskolnikoff ist vor allem ein normaler Mensch. Ein normaler Mensch, der zum Mörder wird.

    Genial.

    Grüßle,
    Bruno

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    SandraWers avatar
    SandraWervor 3 Jahren
    Verbrechen und Strafe

    Schauplatz des Romans ist Sankt Petersburg um 1860. Der Hauptprotagonist im Buch ist Rodion Romanowitsch Raskolnikow. Zu Beginn des Buches wird man in sein Leben eingeführt. Dabei wird dem Leser sein Sozielverhalten und seine finanzielle Not nähergebracht.
    Er war Student, musste aber sein Studium abbrechen, da er sich seinen Lebensunterhalt nicht mehr leisten konnte. Zu den finanziellen Nöten kommen auch psychische Leiden. So meidet Raskolnikow so gut wie möglich alle sozialen Kontakte. Außerdem scheint Raskolnikow depressiv zu sein. Er kann sich zu nichts motivieren und vegetiert die meiste Zeit nur vor sich hin. Er schmiedet Pläne einen Mord an einer Pfandleiherin zu begehen. Das Motiv ist nicht ganz klar, man nimmt jedoch an es geht darum, seine finanzielle Not zu verbessern.
    Bis dahin lebt er hauptsächlich von der Unterstützung der Mutter, die selbst in finanziellen Nöten steckt, aber ihren letzten Rubel an ihren Sohn/ihre Hoffnung weitergeben würde. In einem Brief schreibt die Mutter von einer bevorstehenden Hochzeit von Raskolnikow’s Schwester Dunja. Aufgrund der Schilderungen im Brief folgert Raskolnikow, dass die Hochzeit rein finanziellen Interessen dienen und seine Schwester sich quasi für ihn, ihren Bruder opfern würde. Die Mutter erhofft sich durch die Hochzeit, dass Raskolnikow sein Studium wieder aufnehmen bzw. ihm sogar eine Arbeitsstelle in Aussicht gestellt werden könnte. Da Raskolnikow aber schlechte Absichten des Bräutigams ahnt, ist er gegen diese Hochzeit und möchte sie verhindern.
    Kurze Zeit später folgt der Mord an der Pfandleiherin und der unabsichtlich durchgeführte Mord an dessen Schwester Lisaweta. Raskolnikow hat erwartet, dass die Pfandleiherin an diesem Abend alleine zuhause sein würde und die Anwesenheit der Schwester passt nicht in seinen Plan. Alles in allem stellt sich Raskolnikow nicht gerade besonders geschickt an bei dem Mord und er wird nur aufgrund von Glück um Haaresbreite nicht erwischt. Zudem ist Raskolnikow nicht bei vollem Bewusstsein und hat Fieber.
    Nach dem Mord folgt eine Phase des Fieberwahns. Raskolnikow gelingt es gerade noch, die Beweise zu vernichten und ist dann Tage lang ohne Bewusstsein. Er versteckt die Beute, ohne sie zuvor genau angesehen zu haben.
    Obwohl man den Mord nicht versteht, der wirklich brutal abgelaufen ist, fiebert man mit Raskolnikow mit und hofft, dass er damit davonkommt. In der Phase des Fieberwahns oder Deliriums vergehen oft Stunden oder Tage in denen Raskolnikow kaum etwas mitbekommt. Er hat immer wieder Besuch, nimmt diesen aber nicht wirklich wahr.
    Als er wieder zu Bewusstsein kommt befinden sich einige Menschen bei ihm. Sein Freund Rasumichin, ein Arzt… Diese Menschen erzählen von dem Mord in der Nachbarschaft. Raskolnikow hört an dieser Stelle zum ersten Mal über die Tatbestände der laufenden Ermittlungen. Immer wieder kommt ihm der Gedanke, ob die anwesenden Personen etwas ahnen könnten. Immer wieder kommen Aussagen von Raskolnikow, bei denen man sich als Leser denkt, er müsse sich so doch verdächtig machen. Immer wieder denkt man als Leser auch, dass Raskolnikow bald ein Geständnis ablegen würde, ist dann aber froh, dass es doch nicht so kommt.
    Raskolnikow meldet sich im Polizeirevier, da auch er Gegenstände an die Pfandleiherin verliehen hatte. Einen Hinweis zum Motiv des Mordes findet man in einem Artikel, den Raskolnikow schon zuvor veröffentlicht hatte, der hier zum Thema wird. Er teilt in diesem Artikel die Menschen in Gewöhnliche und Ungewöhnliche ein... Für diese Ungewöhnlichen Menschen, sei es legitim zu morden. Er nennt hier oft Napoleon als Beispiel. Die hier beschriebene Ansicht finde ich sehr fragwürdig (Im Zitat unten etwas genauer ersichtlich).
    Vom Untersuchungsrichter Porfirij taucht die Frage auf, ob nicht Raskolnikow selbst sich als einen dieser ungewöhnlichen Menschen betrachte und deshalb sich selbst auch einen Mord zugestehen konnte, der nach R.'s Meinung rechtens sei. Ob nicht auch der Mörder der Pfandleiherin einer sei, der sich selbst für einen ungewöhnlichen Menschen halten könnte.
    Nun folgt ein angekündigter Besuch von Mutter und Schwester in Petersburg. Mutter und Schwester erkennen nach einiger Zeit auch die bösen Absichten Luschins, des zukünftigen Ehemanns, und die Hochzeit wird aufgelöst. Neu ins Spiel kommt Swidrigajlo, der Raskolnikow des Mordes beschuldigt, aber seinen eigenen Interessen verfolgt. Er hat Geld und würde gerne Dunja, Raskolnikows Schwester heiraten.
    Eine Szene, die mir sehr gefallen hat, ist die im Revier, als Profirij ein Ermittlungsgespräch mit Raskolnikow führt. Hier geht es um die Ermittlungsmethoden an sich und wie man bei einer Ermittlung vorgehen kann. Raskolnikow ist sich die ganze Zeit im Unklaren, ob Profirij etwas ahnt.
    Alles wird kurz danach entschärft, als ein Anstreicher ein Geständnis in diesem Mordfall ablegt.
    Raskolnikow gesteht Sonja, der er sehr nahe steht, den Mord begangen zu haben.

    Zum Ende hin, als der Mordfall von den Ermittlern schon zur Seite gelegt wurde, entscheidet sich Raskolnikow doch und legt ein Geständnis ab. Er kommt in ein sibirisches Arbeitslager und Sonja begleitet ihn und besucht ihn täglich. Raskolnikow zeigt keinerlei Reue am Mord, er bereut nur diesen gestanden zu haben.
    Ganz zum Ende des Buches wird angedeutet, dass die Liebe zu Sonja und der Glaube an die Zukunft aus Raskolnikow einen anderen Menschen machen könnten (es steht aber offen, wie genau dieser Mensch aussehen würde). Der Verlauf seines weiteren Lebens sei aber möglicherweise Stoff für eine neue Geschichte…“aber unsere jetzige Geschichte ist zu Ende.“ (so endet das Buch)



    Alles in Allem finde ich das Buch sehr schön. Manche Kapitel ziehen sich zwar auch in die Länge, aber es ist es wert auch das durchzustehen. Einige Kapitel sind sehr spannend, krimihaft und wieder andere Kapitel haben ihre eigenen Reize.
    Sehr gut finde ich die Unterschiede der verschiedenen Persönlichkeiten, die teilweise nur durch Dialoge genau dargestellt werden. Überhaupt sind im Buch Dialoge und teilweise auch Gedanken/Selbstdialoge vorherrschend.
    Sehr interessant finde ich die Einführung in die allgemeinen sozialen Verhältnisse im Russland der Zeit. Ich hatte oft ein sehr klares Bild vor Augen, was auf eine gute Beschreibung hindeuten lässt.

    Dostojewskij hat eine teilweise gnadenlose Art die Protagonisten zu beschreiben. Ich habe sehr viele Bilder über die Szenen und Schauplätze im Kopf, wie das nicht immer bei Büchern der Fall ist. Ich habe jetzt schon ein Gefühl, dass ich das Buch vermissen werde.
    Ich kann mir das Buch sehr gut als Theaterstück vorstellen und werde mich erkundigen, ob das irgendwann einmal in meiner Umgebung aufgeführt wird.

    Bei der von mir gelesenen Ausgabe handelt es sich um eine Neuübersetzung von Swetlana Geier. Sie hat sich sogar getraut, den Titel neu zu übersetzen, da sie meinte, der Ursprüngliche Titel „Schuld und Sühne“ sei keiner, der dem Sinn des Titels treu bleibe (Siehe unten Wikipedia). Ich glaube, dass Svetlana Geier als Übersetzerin sehr stark versucht hat, das zu übersetzen, was Dostojewskij meinte. Sie kennt ihn sehr gut und hat seine wichtigsten Werke übersetzt. Es gibt auch eine sehr interessante Doku über sie "Die Frau mit den 5 Elefanten". Ich glaube auch, dass es viel am Übersetzer liegt, wie treu er dem Original bleibt und ich glaube Frau Geier war genau das am Wichtigsten.



    Zitate:

    Zitat: "Siehst du, Rodion: hör zu und sag deine Meinung. Ich will es so. ... Es fing an mit der Anschauung der Sozialisten. Diese Anschauung ist ja bekannt: das Verbrechen ist ein Protest gegen die anormale soziale Einrichtung – und sonst nichts, sonst gar nichts, andere Gründe gelten nichts, und fertig! ...«
    ...
    »Da lügst du schon wieder!« rief Porfirij Petrowitsch.
    ...
    »Andere Gründe gelten nichts!« unterbrach ihn Rasumichin hitzig. »Ich lüge gar nicht! ... Ich will dir ihre Bücher zeigen: alles geschieht bei ihnen darum, weil ›das Milieu einen hereingezogen hat‹ – und weiter nichts! Das ist ihre Lieblingsphrase! Daraus folgt direkt, daß, wenn man die Gesellschaft normal einrichtet, alle Verbrechen sofort aufhören, weil es dann nichts mehr geben wird, wogegen zu protestieren, und alle werden im Nu Gerechte sein."

    Zitat über Artikel: " Ich glaube nur an meinen leitenden Gedanken. Dieser besteht eben darin, daß die Menschen überhaupt nach dem Naturgesetz in zwei Kategorien[334] zerfallen; in die Niederen (die Gewöhnlichen), das heißt, sozusagen, das Material, das einzig zur Fortpflanzung gleicher Individuen dient, und in eigentliche Menschen, das heißt solche, die das Talent oder die Gabe haben, der Gesellschaft ihr eigenes neues Wort zu verkünden. Es gibt natürlich zahllose Zwischenstufen, doch die Unterscheidungsmerkmale der beiden Kategorien sind ziemlich scharf. Die erste Kategorie, das heißt ganz allgemein gesagt das Material, die ihrer Natur nach konservativen, soliden Menschen, leben im Gehorsam und lieben es, gehorsam zu sein. Meiner Ansicht nach sind sie auch verpflichtet, gehorsam zu sein, und das ist in keiner Weise erniedrigend für sie. Die Vertreter der zweiten Kategorie übertreten sämtlich das Gesetz, sie sind Zerstörer oder neigen dazu, je nach ihren Anlagen. Die Verbrechen dieser Menschen sind natürlich relativ und verschiedenartig; meistens fordern sie in den verschiedensten Manifestationen die Zerstörung des Bestehenden im Namen eines Besseren. Wenn aber so einer zur Verwirklichung seiner Idee meinetwegen über eine Leiche oder über Blut hinwegschreiten maß, so darf er sich innerlich, vor seinem Gewissen, meiner Ansicht nach, die Erlaubnis geben, über das Blut hinwegzuschreiten – übrigens je nach der Idee und ihrer Größe –, was ich Sie zu beachten bitte.
    Die erste Kategorie ist immer die Herrin der Gegenwart, die zweite – die Herrin der Zukunft. Die ersteren erhalten die Welt und vermehren sie quantitativ; die letzteren bewegen die Welt und führen[335] sie ans Ziel. Die einen wie die anderen haben das vollkommen gleiche Recht zu existieren. "

    Wikipedia:
    Der russische Originaltitel des Romans, Prestuplenije i nakasanie (Преступление и наказание), lässt sich nicht exakt ins Deutsche übertragen. Der geläufigste Übersetzungstitel ist Schuld und Sühne,
    trifft mit seiner stark moralischen Orientierung jedoch nicht die
    russischen Termini, die eher aus dem juristischen Sprachgebrauch
    stammen. Genauer ist die Übersetzung als Verbrechen und Strafe

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    irishladys avatar
    irishladyvor 5 Jahren
    Der Klassiker von Dostojewskij

    In Sankt Petersburg ermordet Raskolnikoff eine Pfandleiherin und ihre Schwester. Fortan muss er fürchten, von der Polizei überführt zu werden. Das ist es aber nicht allein. Sein Gewissen macht ihm Probleme. Teils muss er mit Fieber, Wahn etc. zurechtkommen, teils plagen ihn aber auch die seelischen Qualen. Freunde und Familie sind ratlos und Raskolnikoff weiß nicht, ob und wie er mit seiner Schuld umgehen soll. Anfangs von seinen Motiven überzeugt, zweifelt er. Für welchen Weg wird er sich warum entscheiden – sibirisches Arbeitslager oder unruhige Freiheit?

    Inhaltlich wie aber auch sprachlich ist dieser russische Klassiker nicht umsonst ein Klassiker geworden. Dostojewski klagt in seinem Werk die Zustände Russlands an, über so manche politische wie geistige Haltung wird philosophiert und fordert damit einen aufmerksamen Leser. Interessant fand ich die Motive Raskolnikoffs, die bezeugen, dass es ein Mord mit einer bestimmten Begründung war, die einem zum nachdenken anregt. Ich kann mir schon denken, dass bei der Veröffentlichung dieses Buches es zu vielen Diskussionen kam bzw. warum dieses Buch ein Klassiker wurde.

    Da ich dieses Buch zum 2. Mal relativ knapp hintereinander gelesen habe - meine erste Ausgabe war aus den 70er Jahren - war mir die Handlung schon klar und auch mit den vielen Persönlichkeiten hatte ich nun weniger Probleme als beim ersten Mal lesen.

    Sehr interessant war es für mich nun die beiden Ausgaben miteinander zu vergleichen. Meine alte Ausgabe hatte 400 Seiten und mir war klar, dass an manchen Stellen gekürzt wurde. Das führte dazu, dass ich beim Lesen schon merkte, dass einiges unbeantwortet bleiben wird oder sich nun eine Lücke auftut. Bei dieser Ausgabe jetzt haben sich alle meine Fragen beanwortet bzw. einiges konnte für mich jetzt aufgeklärt werden. Es reiht sich nun alles logisch aneinander, was bei mir zu einem Aha-Effekt führte und ich hatte nun nicht das Gefühl als hätte ich etwas verpasst.
    Daher lohnt sich diese Ausgabe schon sehr, besonders für mich und ich bin froh, dass ich diese Ausgabe nun auch noch gelesen habe. Ich habe nun wirklich das Gefühl, dass ich keine Leerstellen mehr habe und ich wirklich Schuld und Sühne bzw. Verbrechen und Strafe gelesen habe.
    Auch weitere Zusatzinformationen halfen mir das Buch zu verstehen und die Zeit Russlands und Dostojewski.

    Abzug gibts allerdings bei der Gestaltung des Buches. Die Seiten sind soo dünn, dass ich wirklich Angst hatte, dass mir eine Seite mal hopps geht oder sie zumindest einreißt. Ansonsten bin ich von der Übersetzung sehr angetan, da ich der Meinung bin, dass es flüssiger und leichter geschrieben wurde und verständlicher war als meine ältere Ausgabe. Vielen Dank dafür, dass D. jetzt in der "modernen" Zeit angekommen ist :)

    Verbrechen und Strafe ist gehobene Literatur, ein Klassiker halt, den man nicht einfach mal so nebenbei lesen kann. Man muss sich anstrengen und es ist kräfteraubend. Diese Ausgabe war aber definitiv nicht so anstrengend wie meine alte, was ich schon sehr schätze. Mit dem "neuen" Titel kann ich mich zwar nicht so anfreunden, aber nun gut.
    Ich bin froh, dass ich mich ins Russland vergangener Zeiten hab versetzen lassen, dass ich ein Dostowjeski gelesen habe und vor allem dieses Buch, aber ich werde Schuld und Sühne oder Verbrechen und Strafen sicherlich nicht ein 3. Mal lesen. Wer es aber noch nicht getan hat, sollte es schon tun und dafür eignet sich vor allem diese Ausgabe!


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    nirak03s avatar
    nirak03vor 5 Jahren
    Leider nichts für mich..................................................

    Gleich zu Beginn möchte ich sagen „Verbrechen und Strafe“ hat mir nicht wirklich gefallen. Ich gebe für dieses Buch nur 2 Sterne, ich werde versuchen hier zu erklären warum. Ich möchte aber damit niemanden davon abhalten dieses Buch selbst zu lesen.

    Wobei geht es in dem Roman „Verbrechen und Strafe“? Es geht um den Studenten Raskolnikow der eine alte Wucherin umbringt. Warum handelt er so? Dieses Verhalten zu erklären und zu durchleuchten davon erzählt der Autor. Er gibt Einblicke in das Leben des Studenten und seine Denkweise. Er erzählt von dem Umfeld in dem Raskolnikow lebt. Dostojewski lässt jeden zu Wort kommen, der auch nur ansatzweise mit Raskolnikow kontakt hat. Sei es die Polizei, die das Verbrechen aufklären soll, oder Nachbarn oder seine Familie (er hat Mutter und Schwester) auch sein Freund darf sich ausführlich äußern. Es gibt Seitenweise Diskusionen mit Gesprächspartnern und auch die Gedankengänge der Protagonisten werden ausführlich geschildert. Die Leben aller Personen werden erzählt und sie haben nicht unbedingt was mit dem Verbrechen von Raskolnikow zu tun. Mir war das alles viel zu viel. Ich hatte Probleme überhaupt in die Geschichte hineinzufinden und mich mit den Protagonisten anzufreunden. Dann waren mir die Diskusionen zu lang und viel zu ausführlich und auch zu philosophisch.  Ich fand einfach, dass das eigentliche Thema der Geschichte, (der Mord den Raskolnikow begann) zu kurz kam. Dostojewski ist mir im Laufe  der Geschichte einfach zu sehr abgewichen und hat ausführlich von anderen Protagonisten erzählt. Der Autor hat wirklich jedes Detail von allen Seiten beleuchtet und der russische Erzählstil macht das Lesen nicht gerade einfacher. Es gibt für jeden Charakter  etliche Kosenamen so dass es mir oben drein auch noch schwer fiel den Überblick nicht ganz zu verlieren. Hinzu kommt dann auch noch, dass russische Namen nicht immer leicht auszusprechen sind, was ich eigentlich nicht weiter tragisch finde, wenn mich denn die eigentliche Story fesselt was hier leider nicht der Fall war.

     

    Mein Fazit: Auch wenn „Verbrechen und Strafe“ ein Klassiker ist, ist er einfach nicht jedermanns Geschmack und für mich war das Buch einfach nichts. Ich fand ihn zu langatmig und dadurch teilweise einfach langweilig.  Die zwei Sterne gibt es von mir, weil es eben ein Klassiker ist und ich die eigentliche Mordgeschichte sowie Aufklärung gut fand.   

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    unclethoms avatar
    unclethomvor 5 Jahren
    Auch heute noch immer aktueller Klassiker


    Wenn man Dostojewskij liest, weiß man worauf man sich einlässt. Ich bin mit Freude an dies Buch herangegangen. Ich hatte es vor dreißig Jahren schon einmal gelesen. Aber es hat immer noch nichts von seinem Reiz für mich verloren. Die Art und Weise wie Dostojewskij seine Protagonisten beschreibt, wir er die Umgebung beschreibt, lässt einen tief eintauchen in die russische Seele. Es ist nach wie vor ein Genuss sein Buch zu lesen. Es ist ein Genuss in vielerlei Hinsicht, vor allem jedoch ist es die Sprache, die immer wieder gefällt.

    Dostojewskij beurteilen zu wollen ist schon fast anmaßend, aber ich tu es dennoch. 5 von 5 Sternen. Wobei für einen solchen Klassiker natürlich 5 Sterne eindeutig zu wenig sind.

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    JessSouls avatar
    JessSoulvor 5 Jahren
    Wenn Druck aus Menschen keine Diamanten macht...

    Dostojewskij´s Werk "Verbrechen und Strafe", auch unter "Schuld und Sühne" bekannt, handelt von dem ehemaligen Studenten Raskolnikow, der aus Mangel an Geld und aus Überzeugung eine Pfandleiherin ermordet und ausraubt, hinterher aber mit der Angst, gefasst zu werden, nicht umgehen kann.

    Dostojewskij hat einen auf Psychologie fundierten Kriminalroman verfasst, der von Dialogen und Monologen beinahe überschwemmt wird. Die fast karikative Darstellung der Charaktere ist gewöhnungsbedürftig, lässt sich aber wahrscheinlich sehr gut auf die russische Mentalität zurückführen.

    Die Erörterung der Beweggründe vieler Figuren ist beinahe zuviel des Guten, an anderer Stelle mangelt es dafür wiederum an Erläuterung. Auffallend sind auch die unzähligen Andeutungen zu gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Theorien seiner Zeit, wahrscheinlich könnte man allein mit der Analyse dieses einen Buches Monate verbringen.

    Insgesamt konnte mich dieses Buch zwar zum Ende hin ebenfalls fesseln, viele Charaktere waren für mich allerdings weder greifbar noch ihr Handeln nachvollziehbar, was allerdings weniger dem Buch bzw. Autor zu Lasten fällt, sondern vielmehr den vielen Jahren zwischen der damaligen und der heutigen Gesellschaft. Zumindest glaube ich, das es so ist, denn ich kann mir manchmal doch nur schwer vorstellen, dass sich die Menschen damals so überzogen benommen haben sollen. Deshalb beurteile ich die Figuren auch als karikativ.

    Interessant ist allerdings der psychoanalytische Ansatz und die Darstellung der Menschen und deren Reaktionen auf wachsenden gesellschaftlichen Druck, sowie einhergehend auf Armut, Perspektivlosigkeit und Missstände. Dabei wurden auch die Aspekte Glaube und Unglaube in das Geschehen und die Charaktere eingeflochten, was dieses Werk zu einer mehr als 700-seitigen Diskussion werden lässt.

    Ich bereue nicht, es gelesen zu haben, aber wenn ich nur an Schriftsteller wie Fontane denke, dann wird Dostojewskij niemals zu meinen favorisierten Autoren gehören, und ich glaube nicht, dass der Vergleich hinkt, lasse mich aber gern eines Besseren belehren.

    Ich frage mich allerdings inständig, warum hier fast ausnahmslos 5 Sterne vergeben werden? Traut sich niemand, einen Klassiker schlechter zu bewerten oder erschließt sich mir der Sinn nicht? Bisher konnte mir auch niemand die Frage beantworten, warum gerade dieses Buch zu den Klassikern gehört? Viele sagen: Aufgrund der Tiefe der Figuren, das ist für mich absolut nicht nachvollziehbar, da habe ich viele Bücher gelesen, die das besser konnten, z.B. "Der Klavierstimmer" von Pascal Mercier und der ist bis jetzt auch kein "Klassiker". Es tut mir leid, aber es geht mir hier wie mit moderner Kunst: Es wird manchmal, nicht unbedingt bezogen auf dieses Werk, in den Himmel gelobt, was nicht dorthin gehört!

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