Flavio Steimann

 4 Sterne bei 2 Bewertungen
Autor von Bajass und Aperwind.

Alle Bücher von Flavio Steimann

Bajass

Bajass

 (2)
Erschienen am 27.08.2014
Aperwind

Aperwind

 (0)
Erschienen am 01.01.1989

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Rezension zu "Bajass" von Flavio Steimann

(Keine) Kriminalgeschichte
tindernessvor 4 Jahren

Ich hatte eher zufällig zu dem Buch gegriffen und vom raschen Überfliegen des Klappentextes eigentlich nicht erwartet, eine Kriminalgeschichte in Händen zu halten. Was der Schweizer Autor Flavio Steimann hier vorgelegt hat, das entzieht sich letztendlich auch jeder Etikettierung. Eine Kriminalgeschichte ist es doch, aber wenig interessieren den Erzähler die Opfer, kaum auch die möglichen Täter. Steimann stellt den Kommissar in den Mittelpunkt, seine Beobachtungen und Bewußtseinszustände, seine Überlegungen und Befürchtungen. Aber auch das erscheint letzten Endes nicht so zentral wie eigentlich angenommen. Fast zufällig ergeben sich die Ermittlungen, fast zufällig die Verfolgung des Täters und dann, am Ende des schmalen Romans von knapp 130 Seiten ergibt sich an einem überraschenden Schauplatz ein zwangsläufiges Ende. Die Ermittlungen sind Nebensache, fast so, wie jeder Beruf zur Nebensache werden kann, wenn einem das Leben erst richtig im Griff hat.

Es ist nicht so, dass der Erzähler mutwillig mit uns spielt, es ist eher so, dass das Leben nicht so ist, wie es vorgibt, zu sein. Es ist weniger moralisch, weniger zielorientiert, weniger wertvoll und weniger spektakulär als alle behaupten. Dem trägt der Roman, der von seiner Form doch eher eine Erzählung ist, auf eindringliche Art Rechnung. Die Erwartungshaltung des Lesers/der Leserin wird permanent hinterfragt, auf die Probe gestellt und jene, die leichte Krimikost gewohnt sind, werden wahrscheinlich bitter enttäuscht. Der Fall wird gelöst werden, vielleicht aber auch nicht.

Was aber steht dann im Zentrum der Geschichte? Wahrscheinlich die Sprache, die Detailtreue, die Liebe zur unaufdringlichen aber allgegenwärtigen Reflexion dessen, was den Ermittler umgibt. Zeitlich angesiedelt in der Schweiz um 1900 trägt der Roman der Zeit auch sprachlich Rechnung. Vieles an Stil und Vokabular ist dem heutigen Sprachverständnis auf seltsame Weise entrückt. Als ob die Alten sprächen, denkt man/frau beim Lesen und ist gleichzeitig gefesselt von der Eloquenz und Präzision des Sprechens. Altmodisch ist es nie, manchmal vielleicht etwas geschwätzig.

Wo bleiben die Helden, mag man/frau sich fragen, egal ob im postiven oder negativen Sinn? Die Antwort ist: Es gibt keine, weil es wohl keine existieren dürfen im Universum des Flavio Steimann. Widersprüche ja, aber Helden niemals.

 Ich beginne bereits beim Schreiben dieser Rezension den Plan zu fassen, das Buch ein zweites Mal zu lesen, um vielleicht noch mehr darin zu entdecken. Was könnte wohl besseres geschehen bei einem Leseabenteuer?

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