Flavio Steimann Bajass

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Inhaltsangabe zu „Bajass“ von Flavio Steimann

Ein Roman über die Kunst, die richtige Gelegenheit zu ergreifen, in einer Zeit des Umbruchs um 1900. Schweiz, zu Beginn des 20. Jahrhunderts: In jahrhundertelang kaum veränderte bäuerliche Traditionen dringt langsam, aber unaufhaltsam die Moderne ein. Eisenbahnlinien, Telegrafenmasten, Verheißungen von Freiheit. Die alte, demütige Gesellschaft scheint sich nur noch wie Aprilschnee in schattigen Talsenken zu halten - doch der kann hartnäckig sein. In kunstvoller Sprache und stimmungsvollen Bildern, die Erwartungen des Lesers immer wieder überraschend, erzählt Flavio Steimann von Albin Gauch. Gauch ist Ermittler bei der Polizeibehörde in einer kleinen Stadt und steht kurz vor dem Ruhestand. Die Angst vor einem tauben Bein plagt ihn, und er zweifelt zunehmend am Sinn seines Tuns. Da wird ein altes, kinderloses Bauernpaar im Wald erschlagen aufgefunden, das Bauernhaus ist durchwühlt, der schwachsinnige Knecht als Zeuge nicht zu gebrauchen, das Dorf weiß von nichts oder schweigt. Nur mithilfe eines Fotos, eines Mantelknopfs und eines gipsernen Schuhabdrucks stellt Gauch dem Mörder nach, unerwartet weit über die Grenzen des heimatlichen Tals hinaus, auf einem Auswandererschiff, das Kurs auf New York genommen hat. Flavio Steimann streift mit seiner Geschichte eines Namenlosen, den der Hunger aus der Heimat und als dann um die halbe Welt treibt, auch die dunklen Seiten der Schweizer Vergangenheit: Armut, Verdingkinder, Rückständigkeit.
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  • (Keine) Kriminalgeschichte

    Bajass
    tinderness

    tinderness

    Ich hatte eher zufällig zu dem Buch gegriffen und vom raschen Überfliegen des Klappentextes eigentlich nicht erwartet, eine Kriminalgeschichte in Händen zu halten. Was der Schweizer Autor Flavio Steimann hier vorgelegt hat, das entzieht sich letztendlich auch jeder Etikettierung. Eine Kriminalgeschichte ist es doch, aber wenig interessieren den Erzähler die Opfer, kaum auch die möglichen Täter. Steimann stellt den Kommissar in den Mittelpunkt, seine Beobachtungen und Bewußtseinszustände, seine Überlegungen und Befürchtungen. Aber auch das erscheint letzten Endes nicht so zentral wie eigentlich angenommen. Fast zufällig ergeben sich die Ermittlungen, fast zufällig die Verfolgung des Täters und dann, am Ende des schmalen Romans von knapp 130 Seiten ergibt sich an einem überraschenden Schauplatz ein zwangsläufiges Ende. Die Ermittlungen sind Nebensache, fast so, wie jeder Beruf zur Nebensache werden kann, wenn einem das Leben erst richtig im Griff hat. Es ist nicht so, dass der Erzähler mutwillig mit uns spielt, es ist eher so, dass das Leben nicht so ist, wie es vorgibt, zu sein. Es ist weniger moralisch, weniger zielorientiert, weniger wertvoll und weniger spektakulär als alle behaupten. Dem trägt der Roman, der von seiner Form doch eher eine Erzählung ist, auf eindringliche Art Rechnung. Die Erwartungshaltung des Lesers/der Leserin wird permanent hinterfragt, auf die Probe gestellt und jene, die leichte Krimikost gewohnt sind, werden wahrscheinlich bitter enttäuscht. Der Fall wird gelöst werden, vielleicht aber auch nicht. Was aber steht dann im Zentrum der Geschichte? Wahrscheinlich die Sprache, die Detailtreue, die Liebe zur unaufdringlichen aber allgegenwärtigen Reflexion dessen, was den Ermittler umgibt. Zeitlich angesiedelt in der Schweiz um 1900 trägt der Roman der Zeit auch sprachlich Rechnung. Vieles an Stil und Vokabular ist dem heutigen Sprachverständnis auf seltsame Weise entrückt. Als ob die Alten sprächen, denkt man/frau beim Lesen und ist gleichzeitig gefesselt von der Eloquenz und Präzision des Sprechens. Altmodisch ist es nie, manchmal vielleicht etwas geschwätzig. Wo bleiben die Helden, mag man/frau sich fragen, egal ob im postiven oder negativen Sinn? Die Antwort ist: Es gibt keine, weil es wohl keine existieren dürfen im Universum des Flavio Steimann. Widersprüche ja, aber Helden niemals.  Ich beginne bereits beim Schreiben dieser Rezension den Plan zu fassen, das Buch ein zweites Mal zu lesen, um vielleicht noch mehr darin zu entdecken. Was könnte wohl besseres geschehen bei einem Leseabenteuer?

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    • 9
    tinderness

    tinderness

    07. October 2014 um 10:58

    ;-)