Ich, Adrian Mayfield

von Floortje Zwigtman 
4,6 Sterne bei83 Bewertungen
Ich, Adrian Mayfield
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zuendegelesens avatar

Eine Geschichte, die Zeit braucht. Es lohnt sich.

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Auf jeden Fall ein Buch zum Mitfiebern.

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Inhaltsangabe zu "Ich, Adrian Mayfield"

London 1884. Adrian Mayfield ist keine 17 und Lehrjunge bei einem Maßschneider in Soho. Als er eines Tages seine Anstellung verliert, sitzt er völlig mittellos auf der Straße. Bei einem ehemaligen Kunden, einem Kunstmaler namens Augustus Trops, findet er zunächst Unterschlupf und beginnt, Modell zu sitzen. Beim Modellsitzen bleibt es nicht, zu Adrians allergrößtem Erstaunen: Ja, er liebt Männer! Im London dieser Zeit ein Verbrechen. Durch Trops erhält Adrian Zugang zu den erlesensten Künstlerkreisen Londons, an deren Spitze Oscar Wilde im Café Royal thront. Adrian beginnt Gefallen zu finden an dieser dekadenten Gesellschaft, an ihren Eskapaden, ihrem Witz, ihrer Freizügigkeit und Intelligenz. Doch weder ein Zuhause noch wahre Freunde findet er hier, auch wenn er das feine Spiel der Verkleidungen und Scheinmanöver bald perfekt beherrscht. Zu viel trennt ihn von dieser illustren Gesellschaft. Am wohlsten fühlt er sich noch bei Vincent Farley, einem reichen jungen Maler, für den er als Modell arbeitet.Doch auch der verlässt im August London, und so bleibt Adrian nur der Weg in das Etablissement in der Little College Street, um nicht zu verhungern. Sind Adrians Träume von der großen Liebe und einem Zuhause nur Luftblasen? Wunschträume, auf deren Erfüllung einer wie er sowieso nicht hoffen darf?

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783836957328
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:512 Seiten
Verlag:Gerstenberg Verlag
Erscheinungsdatum:28.01.2013

Rezensionen und Bewertungen

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    zuendegelesens avatar
    zuendegelesenvor 7 Monaten
    Kurzmeinung: Eine Geschichte, die Zeit braucht. Es lohnt sich.
    Eine Geschichte, die Zeit braucht. Es lohnt sich.


    MeinungBuchcover, die schon beim Ersten hinsehen einen Eindruck vermitteln, sind gut. Cover, die eine doppeldeutige Interpretation liefern, sind noch viel besser. Man sieht eine minimalistische Strichzeichnung von Adrian, wie er etwa auf einem Bett oder auf einem Podest in Pose sitzt. Etwa zwischen Laken?Die Doppeldeutigkeit, die dieses Cover mit sich bringt, gefällt mir im Nachhinein ausgesprochen gut. Anfänglich war ich nur von der Einfachheit begeistert. Doch nach Beendigung des Buches erschien es perfekt und stimmig.Was leider weniger gut ist, das Buch hat keinen Schutzumschlag. Und bei weißen Büchern kann man da aufpassen, wie man will, sie bleiben einfach nicht weiß. Sehr schade, aber dafür glänzt der Inhalt um so heller.
    London eignet sich als Kulisse schon ziemlich gut. Nicht weniger gut, als jeder andere Ort dieser Welt, doch verbindet man mit London eben eine gewisse Erwartung von den bereits bekannten Sehenswürdigkeiten und so weiter. Und wenn es dann auch mal in der Zeit weit nach hinten geht, wie in diesem Buch – nämlich 1884 – ist die Kulisse natürlich besonders wichtig für den Leser. Schließlich hat man zu dieser Zeit selbst nicht gelebt und da sind detailreiche Beschreibungen und authentische Darstellungen schon unverzichtbar. Und ich denke, dass Floortje Zwigtman als Autorin hier gute Recherchearbeit geleistet hat, denn das Bild hat in meinem Kopf durchweg funktioniert. Die Beschreibungen waren ausreichend genug, um sich auch selbst noch eine eigene Vorstellung davon zu machen. Was mir als Leser natürlich auch wichtig ist.
    Die Charaktere sind sehr belebt und authentisch beschrieben. In ihrer Sprache, ihrem Ausdruck, ihrer Gestik und Mimik, einfach alles. Sie sind durchweg perfekt dargestellt und beschrieben. Die Kleidung, ihre Haltung. Ich könnte hier noch vieles mehr aufzählen, aber das wäre einfach zu viel.Die Autorin hat ein feines Händchen für historische Figuren in Verbindung mit fiktiven Charakteren. Natürlich fehlt mir einiges an Hintergrundwissen zu den historischen Figuren (etwa wie Oscar Wilde, Alfed (Bosie) Douglas, Alfred Taylor), aber kurze Suchanfragen haben zu Tatsachen der Handlung geführt. Das bestätigt für mich, dass dieses Buch weitestgehend stimmt.Beim Lesen ist es manchmal verwirrend, die Personen zu trennen, weswegen ich das Dramatis Personae hinten im Buch jedem Leser nur empfehlen kann. Dort sind nämlich alle noch mal auf einem Blick zu finden.
    Ein Buch, in dem Personen wie Oscar Wilde vorkommen, dürfte natürlich auch sehr mit Lyrik gefüllt sein. Was auch tatsächlich der Fall ist. Mir gefiel die Mischung der verschiedenen Ferse, die in die Geschichte mit einfließen und aus welchem Grund sie mit einfließen.Der Schreibstil der Autorin ist angenehm zu lesen und beflügelt. Sehr anschaulich beschreibt sie die Situationen, manchmal hält sie auch kein Blatt vor den Mund, was wieder zu einem glaubwürdigen Sprachbild führt.Jede zauberhafte Zeile, die ich in diesem Buch lesen durfte, war ein Lesegenuss.Manches hat mich mit einem Gefühl zurückgelassen, wo ich zunächst das Buch für einen Augenblick zur Seite legen musste, um es sacken zu lassen. Die vielen markieren Sätze kann ich leider nicht zitieren, deswegen gibt es hier einen ganz langen:
    Mein Schädel steckte voller Worte. Heimtückischer, verführerischer Worte, die sich zwischen alten, zerlesenen Buchdeckeln verbargen, bereit, einen zu überfallen, sobald man das Buch zu öffnen wagte. Sie konnten dich bezaubern, dir schmeicheln, Angst einjagen, dich in Schwierigkeiten bringen und verrückt machen, haargenau wie Menschen. Aber anders als bei Menschen nahm man ihnen das nicht übel. Selbst wenn sie einen zum Weinen brachten, taten sie das auf so schöne Weise, das man ihnen dafür dankbar war.
    Seite 235, übers. Rolf Erdorf.
    Wer nach diesem Absatz nicht schwach wird und zu diesem Buch greift, verpasst echt was.Dieses Buch war für mich eine Reise in das London Ende 1800, was schon besonders war. Was aber noch viel besser war, war die Geschichte und wie sie sich entwickelt hat.Ich konnte mir ungemein viele Notizen für Nachforschungen machen, einfach, weil mein Wissensdurst so groß wurde und meine Neugierde gleich mit.Die Sprache ist das wohl größte Kriterium, warum ich mich so in dieses Buch verliebt habe.Meine Wunschliste an klassischer Literatur (oooh ja, und wie sie darin vorkommt!), wurde auch nicht kleiner!
    BewertungWenn ein Buch mit solcher Thematik und solcher Tiefe beeindrucken kann, kann es nur gut sein. Natürlich gibt es Stellen, die sich etwas in die Länge gezogen haben, aber ich habe mich davon nicht einschüchtern lassen, trotz zwischenzeitlicher Unlust, zu lesen.
    Fazit
    Man sollte sich die Mayfield-Trilogie vielleicht wirklich mit Zeit durchlesen, dem Geschehen aufmerksam verfolgen und auch zwischen den Zeilen lesen. Man kann aus diesem ersten Teil schon so viel mitnehmen. Und ich hoffe wirklich, dass dieser Teil eine würdige Fortsetzung hat, die ich ebenso gerne lesen möchte.

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    Amilyns avatar
    Amilynvor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Toller Schreibstil, sympathischer Protagonist, interessante Story - leider mit einigen Längen.
    Oh hell, Adrian!

    Der 16jährige Adrian Mayfield lebt mehr schlecht als recht im London des 19. Jahrhunderts. Von 7 bis 21 Uhr arbeitet er in einer Herren-Boutique und teilt sich ein Zimmer mit seinen beiden Kollegen, mit denen er auch seine spärliche Freizeit verbringt. Eines Tages betritt ein außergewöhnlicher Kunde den Laden. Adrian freundet sich mit ihm an, wird in die Londoner High Society eingeführt, kündigt seinen Job und arbeitet als Kunstmodell bei einem reichen jungen Maler. Währenddessen stellt Adrian nach und nach fest, dass er eine Vorliebe für Männer hat...

    Ich habe das Buch für eine Lese-Challenge ausgesucht, bei der ich dieses Jahr mitmache (so wie die meisten anderen Bücher, die ich dieses Jahr rezensiere auch). Der Punkt war ein Buch zu lesen, mit einem Protagonisten, "der eine andere sexuelle Orientierung hat als Du". Also habe ich hier bei lovelybooks.de nach "Homosexualität" gesucht und bin auf Ich, Adrian Mayfield gestoßen.

    Dieses Buch ist der Auftakt einer dreiteiligen Reihe über den jungen Adrian Mayfield, der eigentlich nur auf der Suche nach der Liebe ist. Schwierig genug, wenn man plötzlich feststellt, dass man sich zum eigenen Geschlecht hingezogen fühlt - noch schwieriger, weil "Sodomie" zu seiner Zeit noch unter Strafe gestellt wurde. 


    Das Buch nimmt sich diesbezüglich viel Zeit, gibt dem jungen Adrian viel Raum, um sich an den Gedanken zu gewöhnen, ein "warmer Bruder" (wie er sich selbst bezeichnet) zu sein, was ich sehr schön fand. Als er es schließlich akzeptiert, ist es auch nicht mehr der Rede wert und wird als selbstverständlich angesehen, was ich ebenfalls als sehr angenehm empfand. Es ist keine Geschichte über einen Mann, der sich unbedingt in einen anderen Mann verlieben will, sondern einfach eine Geschichte über einen Mann, der sich verlieben will.

    Der Schreibstil ist sehr schön, sehr leicht. Da Adrian aus dem "einfachen Volk" kommt, ist seine Sprache nicht steif oder angestrengt, sondern locker und wirklich gut zu lesen. Das einzige, was mich gestört hat, waren die doch sehr anstrengenden Längen. Da nützte auch der schöne Schreibstil nichts mehr - einige Seiten habe ich nur überfliegen können, z. B. als ein Gedicht 6 Seiten lang durchgekaut wurde... Das war mir einfach zu viel.

    Der Roman wird übrigens als Jugendbuch verkauft. Ich selbst würde es aber nicht unbedingt als Jugendbuch bezeichnen, einfach, weil der Schreibstil zwar leicht und sehr gut lesbar ist, aber nicht "jugendlich" genug (ich weiß nicht, wie ich es besser ausdrücken soll). Ja, der Protagonist ist erst 16 Jahre alt, aber in der Zeit, in der er lebt, gilt man mit 16 schon als erwachsen, und auch sonst ist die Geschichte meiner Meinung nach eher etwas für Erwachsene, und ich meine nicht unbedingt die Schilderungen der sexuellen Handlungen (wobei die auch nur ein sehr kleinen Teil der Handlung einnehmen). Ich würde es einfach nicht als eine typische Jugendbuch-Geschichte bezeichnen, daher finde ich die Kategorisierung etwas unglücklich gewählt. Bei mir läuft es unter "Drama" ;)

    Fazit: ein schönes Buch, eine sympathische Hauptfigur, ein bisschen Geschichte, mit ein paar Längen (wenn es Längen hat, dann wirklich sehr anstrengende). Letztendlich aber einfach eine schöne Geschichte. Ein kleines Sternchen weniger wegen der Längen, aber jedes andere der 4**** kommt von mir von Herzen :) 

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    Nespavanjes avatar
    Nespavanjevor 4 Jahren
    Kurzmeinung: Zwigtmann entführt uns mit ihrer Geschichte in die Zeit Oscar Wildes, und ja er taucht auch als Nebenprotagonist auf.
    "Oh hell" wieso hab ich bloß so lange gewartet es zu lesen!

    Zum Inhalt:

     

    In diesem Roman geht es, wie der Titel bereits verrät, um Adrian Mayfield. Er ist 17 Jahre alt und stammt aus dem ärmlichen East London, meistens erwacht er morgens mit einem „oh Hell“ Gefühl auf. Denn gerne arbeitet und wohnt er bei den griechischen Herrenausstatter nicht, die Umstände zwingen ihn dazu, und als er eines Tages diese Stellung verliert, kann er seiner Familie nicht die Wahrheit sagen. Er flüchtet zu Augustus Trops, einer seiner Kunden beim Herrenausstatters und Augustus zeigt Adrian eine für den jungen Mann ganz neue Seite Londons.


    Meine Meinung:

     

    „Ich, Adrian Mayfield“ ist einer der Romane, die sich irgendwie ungelesen in mein Bücherregal geschummelt haben und dort als Kleinod gewartet hat, um von mir gelesen zu werden. Ich hab den Versuch vor einiger Zeit bereits gestartet, bin aber über das erste Kapitel, das mich damals ein wenig gelangweilt hat, nicht hinweggekommen. Ich hab es als gebundenes Buch besorgt und muss hier die wirklich etwas zu klein geratene Schrift kritisieren. Derweil gibt es dieses Buch noch nicht als eBook, hier könnte ich ja die Schrift ganz leicht vergrößern, aber auch wenn es diese Möglichkeit gegeben hätte, ich hätte dennoch die gebundene Variante besorgt; mir gefällt nämlich das Cover unheimlich gut. Seis drum. Ich war nach der Hälfte von der Geschichte rund um Adrian Mayfield so begeistert, dass ich mir sofort auch die anderen beiden Teile bestellt hab.

     

    Zwigtmann entführt uns mit ihrer Geschichte in die Zeit Oscar Wildes, und ja er taucht auch als Nebenprotagonist auf. Ein kleiner Tipp am Rande: Wer noch nicht „das Bildnis des Dorian Gray“ gelesen hat, sollte es nun schleunigst nachholen. Oder zumindest nachdem er Adrian Mayfield gelesen hat. Das eine oder andere Detail nimmt direkten Bezug auch auf diese Geschichte und manchmal konnte ich die eine oder andere Parallele ziehen. Mir war die Figur des Adrian Mayfield sympathisch, so wie eigentlich die vielen anderen Charaktere in diesem Roman. Allerdings bleiben einem gewisse Andeutungen, gerade was die damalige zur Strafe verfolgte Sodomie angeht und die Lebensgeschichte von Oscar Wilde die sich indirekt auch auf Adrian Mayfield auswirkt, wahrscheinlich verborgen, wenn man sich im vorhinein nicht wirklich damit auseinander gesetzt hat. Die Autorin gibt allerdings dadurch auch kleine, aber feine Einblicke in das Leben am Ende des 19. Jahrhunderts und man kann sich dann schon vorstellen, dass man(n) es nicht gerade leicht hatte, vor allem wenn man zu dieser Zeit ein sogenannter „Sodomit“ war(=ich benutze dieses Wort, nur im Zusammenhang mit diesem Roman. Es liegt mir fern jemanden mit diesem Wort zu diskreditieren). Andere Details waren dann doch ein wenig mehr ausgearbeitet und man könnte hier der Autorin auch ein bisschen Langatmigkeit vorwerfen. Ich für meinen Teil finde, dass diese Passagen aber gerade, den Reiz in diesem Roman ausgemacht haben und kann es kaum erwarten die nächsten beiden Teile zu lesen.

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    Ein LovelyBooks-Nutzervor 6 Jahren
    Rezension zu "Ich, Adrian Mayfield" von Floortje Zwigtman

    Ein absolut fantastisches Buch! Einen genauen Bericht über dieses Lesevergnügen findet Ihr auf meinem Blog, genau hier:
    http://twineetys.blog.de/2013/01/18/adrian-mayfield-15441504/

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    Zauberberggasts avatar
    Zauberberggastvor 6 Jahren
    Rezension zu "Ich, Adrian Mayfield" von Floortje Zwigtman

    Es ist ein tolles Buch, soviel vorweg. Ich habe es geradezu verschlungen und habe wirklich gedacht ich wandere mit dem guten Adrian durch das Londoner „Fin de siècle“ um 1900. In jedem Fall vom Schmöker- und Interessenfaktor eines meines Jahreshighlights, so viel steht schon fest.

    Zum Inhalt:

    Der sechzehnjährige Adrian Mayfield ist der Sohn eines gescheiterten Schauspielers, der es durch Glück zum Besitzer einer Schankstube gebracht hat. Nachdem Adrian, seine Schwester Mary Ann und der Angestellte „Gloria“ den Laden eine längere Zeit allein geschmissen haben, verliert ihn der an Alkohol- und Spielproblemen leidende Vater durch seine Misswirtschaft. Adrian kommt als Ladendiener bei einem Herrenschneider namens Procopius unter, wo er den exzentrischen Maler Augustus („Gussy“) Trops kennenlernt. Adrian verliert seine Anstellung durch eine unbedachte Äußerung und kommt zunächst bei dem Dandy Trops unter. Da ihm langsam bewusst wird dass er sexuell gesehen dem eigenen Geschlecht zugeneigt ist, beginnt er mit Trops eine Affäre von der beide profitieren: Adrian bekommt Obdach und Nahrung, während Trops sich sowohl als Maler als auch als Mann an dem schönen jungen Mann labt. Durch Trops wird Adrian in die Welt der exzentrischen Londoner Intellektuellen eingeführt, die sich als Erkennungszeichen die in der Natur so nicht vorkommende „green carnation“ (= grüne Nelke) ausgedacht haben. Hier vermischt sich die Fiktion des Buches mit der Welt des „Fin de siècle“ und ihren Angehörigen, die zum Teil tatsächlich existiert und die Epoche geprägt haben; allen voran der Dichter Oscar Wilde und sein schöner Geliebter „Bosie“ (Lord Alfred Douglas, der mit seinem Vater, dem Marquess of Queensberry auf Kriegsfuß stand), der Zeichner Aubrey Beardsley und vielen anderen mehr.
    Adrian fängt an bei dem aus einer reichen Versicherungsfamilie stammenden Maler Vincent Farley Modell zu sitzen, der ihn allerdings nicht als Lustobjekt betrachtet. Doch als die Saison der Neige zugeht und alle reichen Londoner über den Sommer ins Ausland fliehen muss Adrian anderweitig versuchen sein Geld zu verdienen…
    Bei dem Eintauchen in die neue Welt wird ihm nach und nach bewusst dass es vor allem eins ist, das ihm nach wie vor fehlt: die Liebe.

    Einfach köstlich und lebensecht wie Floortje Zwingtman den jungen Adrian aus der Ich-Perspektive heraus charakterisiert. Die Londoner Cockney-Art von Adrian bringt das Buch in die Nähe des Schelmenromans, obwohl die gesamte Triologie doch eigentlich noch mehr in die klassische Tradition des Bildungsromans zu verorten ist: ein junger Mann entwickelt sich zum Erwachsenen indem ihm allerlei Erlebnisse begegnen, die ihn zu dem machen, was er wird.

    Vom Sujet her bekommt man einen ganz besonderen Einblick in die Welt der nachviktorianischen Ära, deren Gesellschaft der Bohème eine war, die es nie zuvor gab und die es wohl in dieser Ausprägung nicht mehr geben wird. Die Künstler (als Portraitmaler oder Schauspieler) sind einerseits gefeierte Stars, andererseits doch Außenseiter (vor allem wenn sie dekadente Sujets malten oder Gedichte schrieben, die diese Themen aufgriffen). Hinzu kommt natürlich die homosexuelle Subkultur, die durch die bestehenden Gesetze und gesellschaftlichen Anfeindungen kriminalisiert wurde und im Untergrund existieren musste. Dem spießbürgerlichen Milieu wurde außerdem die Maske abgezogen, die es sich in der viktorianischen Zeit aufgesetzt hatte.

    Schön finde ich dass sich dieses Buch auch an Jugendliche wendet, die zum Lesezeitpunkt im Alter des Protagonisten sind. In diesem Zusammenhang ist es wundervoll, wie unverkrampft Zwingtman mit dem Thema Homosexualität umgeht. Es ist gut dass sie in ihrem Buch bewusstmacht dass die „love that dare not speak its name“ (aus dem Gedicht „Two Loves“ von Lord Alfred Douglas, 1894) heute glücklicherweise sprechen darf.

    Das Buch stotzt außerdem vor Intertextualität und Intermedialität und alle, die sich ein wenig mit dieser Zeit beschäftigt haben werden berühmte literarische Werke, die damals geschrieben und rezipiert wurden sowie Gemälde, Zeichnungen etc. wiedererkennen.

    Was soll man zu diesem Buch sagen außer: sinnlich, augenzwinkernd, ernsthaft, wahr und unterhaltsam: was will man mehr? Ich freue mich schon auf die nächsten beiden Bände!

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    Platzmangelvor 7 Jahren
    Rezension zu "Ich, Adrian Mayfield" von Floortje Zwigtman

    Adrian Mayfield gehört nicht zu den Reichen. Und doch schafft er es, in die Kreise um Oscar Wilde eingeführt zu werden, geht zu Pferderennen, trägt teure Anzüge und liest klassische Bücher.
    Und er geht anschaffen.

    Der Schreibstil ist gut, teils sogar gehoben. Die Story verspricht viel und doch hält sie für meinen Geschmack eher wenig. Irgendwie sprang der Funke nicht über, ich hätte mir mehr Gefühl gewünscht, das bei mir ankommt.

    Und ich frage mich auch, warum dieses Buch als Jugendbuch deklariert ist - je nachdem wie man "Jugend" definiert, finde ich die Geschichte schon fast zu anspruchsvoll für einen, sagen wir mal, 16-jährigen Leser.

    Ob ich die Folgebände noch lesen werde, ist jedenfalls fraglich.

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    TheSaintvor 7 Jahren
    Kurzmeinung: Danke für die Rezensionen... liegt schon seit einiger Zeit in meiner Bibliothek und sollte demnächst angegangen werden! :-)
    Rezension zu "Ich, Adrian Mayfield" von Floortje Zwigtman

    Der erste Band einer "Coming-of-Age"-Trilogie... In London des Jahres 1894 begegnen wir dem Lehrjungen Adrian Mayfield, der lustlos in einem Modesalon arbeitet. Dort taucht eines Tages der sehr beleibte Kunstmaler Augustus Trops auf, um sich einen neuen Anzug zu kaufen. Nachdem sich eben dieser Mann einem anderen Lehrjungen unsittlich genähert hatte, wird beim nächsten Anmessen des Anzuges Adrian dazu verdonnert, die Anprobe abzuschließen und so beginnt mit dieser schicksalhaften Begegnung derAufbruch des jungen Mayfield in eine Welt der Literaten und Maler - denn Augustus Trops ist ein Mitglied des "purpurnen Hofstaates" : eines illustren Kreises von Künstlern, dessen Mittelpunkt Oscar Wilde darstellt.
    Durch die Armut Adrian's und die hartnäckigen und später auch erfolgreichen Annäherungsversuche von Augustus sowie dessen gesellschaftlichen Umfelds lernt der junge Mayfield alsbald ein Leben der käuflichen Liebe und der Erpressung und des Einbruches kennen... aber auch die Wirren der ersten romantischen Momente sowie der ersten Liebe.
    Die Autorin zaubert mit diesem Roman eine wunderbar lebhafte, klar beschriebene Atmosphäre des viktorianischen Englands und verwebt leicht und warmherzig den Skandal um "die Liebe, die keinen Namen nennt", den Oscar Wilde und Lord Alfred "Bosie" Douglas durch ihre stete Brüskierung der Öffentlichkeit los traten, mit liebenswerten und glaubhaften Figuren ihrer Fantasie.
    Man will sofort mit Band zwei beginnen...
    Ein sehr zu empfehlender Roman, welcher den belgischen Jugendliteraturpreis "Golden Owl" sowie den niederländischen Jugendliteraturpreis "Golden Kiss" verliehen bekam!

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    bondvor 8 Jahren
    Rezension zu "Ich, Adrian Mayfield" von Floortje Zwigtman

    Auch ein Liebling..wie alles was sich um Oscar Wilde abspielt_
    Ja, er liebt Männer! Im London dieser Zeit ein Verbrechen. Durch Trops erhält Adrian Zugang zu den erlesensten Künstlerkreisen Londons, an deren Spitze Oscar Wilde im Café Royal thront. Adrian beginnt Gefallen zu finden an dieser dekadenten Gesellschaft, an ihren Eskapaden, ihrem Witz, ihrer Freizügigkeit und Intelligenz. ..Am wohlsten fühlt er sich noch bei Vincent Farley, einem reichen jungen Maler, für den er als Modell arbeitet. Teil 2 gibt unter dem Namen"Versuch einer Liebe"..ganz Klasse--

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    Daniliesings avatar
    Daniliesingvor 9 Jahren
    Rezension zu "Ich, Adrian Mayfield" von Floortje Zwigtman

    Ich, Adrian Mayfield ist unter der aktuellen Jugendliteratur definitiv etwas Besonderes. Man vereine den Schreibstil von Charles Dickens mit dem von Oscar Wilde und kombiniere das Ganze mit einer moderenen Note – dann weiß man so ungefähr, was die niederländische Autorin Floortje Zwigtman hier geschaffen hat.

    Die Geschichte um den 16-jährigen Adrian Mayfield, der zu Beginn als Schneiderlehrling in Soho arbeitet, fesselt den Leser von Anfang an. Grund hierfür ist nicht etwa ein extrem rasanter Handlungsverlauf, sondern vielmehr der treffende Erzählstil der Autorin. Sie schafft es die Atmosphäre im London zum Ende des 19. Jahrhunderts derart real darzustellen, dass man beim Lesen eine geistige Zeitreise in die damalige Kultur und Gedankenwelt vollführt.

    Umso erstaunlicher wird es somit für den Leser, wenn sich Adrian plötzlich entschließt, seinen gehassten Job beim Schneider aufzugeben und sich stattdessen mit dem Künstler Augustus Trops einzulässt. Durch ihn gelangt er in eine ganz neue Welt, nämlich die der Kunst. Er wird selbst zum Model. Zudem stellt sich dem jungen Adrian immer mehr die Frage nach seiner sexuellen Gesinnung und der wahren Liebe. Dem Leser ist klar, dass Homosexualität in dieser Zeit kein einfaches Thema ist – selbst heute ist es das ja für viele nicht – und wie muss es dann wohl dem armen Adrian damals erst ergangen sein? Wie kann man sich in einer solchen Situation nur fallen lassen und frei fühlen?

    Adrian kann außerdem nicht ewig bei Trops bleiben und findet lange Zeit keinen festen Platz in dieser erwachsenen und schon damals sehr schnelllebigen sowie oftmals rücksichtslosen Gesellschaft. Hautnah erlebt der Leser mit, wie es Adrian ergeht und wie es ist, sich in diesem Alter allein durchschlagen zu müssen.

    Ich, Adrian Mayfield ist auf jeden Fall ein sehr kluges und geistreiches Jugendbuch. Es ragt aus der Masse an Harry-Potter-Abklatschen und ach-so-romantischen Vampir-Liebesschnulzen heraus. Dennoch fehlt es diesem hervorragenden Roman keinesfalls an Spannung.

    Glücklicherweise findet Ich, Adrian Mayfield in Adrian Mayfield – Versuch einer Liebe eine gelungene Fortsetzung, die den ersten Band erstaunlicherweise an Begeisterungsfähigkeit sogar noch übertrifft.

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    Ein LovelyBooks-Nutzervor 9 Jahren
    Rezension zu "Ich, Adrian Mayfield" von Floortje Zwigtman

    Dieses Buch erzählt die Lebensgeschichte des jungen Adrian Mayfield, der im viktorianischen London 1884 aufwächst und sich mehr oder weniger allein durchs Leben schlagen muss. Nachdem er bei seinem bisherigen Arbeitgeber gefeuert wurde, landet Adrian auf der Straße, wo er sich zunächst mit "Modellsitzen" über Wasser hält. Bald schon aber bemerkt er, dass sein verdientes Geld nicht zum Leben reicht und er beginnt sich zu prostituieren. "Ich, Adrian Mayfield" ist ein Buch über Freundschaft, Liebe, Ansehen und Vertrauen. Floortjie Zwigtman beschreibt wunderbar das Leben zu dieser Zeit und scheut sich auch nicht bei pikanten Szenen ihre natürliche Wortwahl beizubehalten. Es war interessant und unterhaltsam, doch leider für meinen Geschmack nicht fesselnd oder gar brisant.

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    Gespräche aus der Community zum Buch

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    Dreamcrystalls avatar
    Ich habe nun vor einiger Zeit die beiden Mayfield-Bücher nochmals gelesen und bin nun beim Dritten Band angekommen und bin nun ein wenig ratlos, weil ich einfach kaum Bücher dieser Art finde. Kann mir jemand weitere gute Bücher empfehlen, die einen eventuell historischen Hintergrund und Homosexuelle Liebe beinhalten? (Der Hintergrund wäre gar nicht so wichtig) Die Geschichte sollte nicht eine dieser typischen "Kerl trifft anderen Kerl/ Frau trifft andere Frau und sie haben sofort die Liebe ihres Lebens und machen ganz viel Liebe" sein. Danke im Vorraus :)
    Noa1702s avatar
    Letzter Beitrag von  Noa1702vor einem Jahr
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