Newton - Wie ein Arschloch das Universum neu erfand

von Florian Freistetter 
4,0 Sterne bei6 Bewertungen
Newton - Wie ein Arschloch das Universum neu erfand
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So hat man Newton noch nie gesehen

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Kurzweiliger&amüsanter kann man auf so wenig Seiten wohl kaum so viel über den Tausendsassa Newton erzählen. Plus: Partywissen ohne Ende...

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Inhaltsangabe zu "Newton - Wie ein Arschloch das Universum neu erfand"

Im 17. Jahrhundert war es höchste Zeit, dass ein Genie auftauchte und Schneisen ins Dickicht des Unwissens schlug. Isaac Newton war dieses Genie. Und ein Arschloch. Science Buster Florian Freistetter zeigt, wie intrigant und hinterhältig Newton wirklich war und dass sein Hass auf Robert Hooke und Gottfried Wilhelm Leibniz keine Grenzen kannte. Gleichzeitig beweist er, dass Newton die Physik niemals revolutioniert hätte, wenn er nicht solch ein Kotzbrocken gewesen wäre. Wenn Genialität auf Streitsucht trifft – und dabei ein kosmisches Arschloch herauskommt, davon erzählt Freistetters Buch mit schonungslosem Humor.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783446254602
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:208 Seiten
Verlag:Hanser, Carl
Erscheinungsdatum:13.03.2017

Rezensionen und Bewertungen

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    aus-erlesens avatar
    aus-erlesenvor 2 Monaten
    Kurzmeinung: So hat man Newton noch nie gesehen
    Genie mit ordentlichen Macken

    Aktion gleich Reaktion. Er hätte es wissen müssen. Jede Aktion ruft eine gleichstarke Reaktion hervor. Doch Isaac Newton war dermaßen von sich überzeugt, dass Kritik an ihm abprallte wie ein Tennisball vom Center court. Oder besser, in ihm noch mehr Ehrgeiz hervorrief, der schon die Grenzen des guten Geschmacks übertrat. 
    Wenn man mit ihm spazieren ging, was ohnehin sehr selten vorkam, denn Newton war nicht unbedingt das, was man einen angenehmen Begleiter nannte, konnte es schon mal vorkommen, dass er wort- und grußlos umdrehte und sich seinen Forschungen hingab. Das war im 17. Jahrhundert. Forschung bedeutete damals eigentlich nur, dass man sein Wissen fast schon prahlerisch kundtat und wenn Fragen aufkamen sie mit einem Handstreich hinfort wischte. Physik, Chemie, oder gar Mathematik zu studieren, war nicht mit den Fächern der Gegenwart zu vergleichen. Auch die Literaturlisten, die am Anfang des Semesters ausgegeben wurden, waren eher übersichtliche Notizen denn echte Listen. 
    Isaac Newton wird in den Jahren nach seinem Tod 1727 (nach gregorianischem Kalender) als der Erfinder der heute gängigen Physik bezeichnet. Alles, was heute unter dem Begriff Physik erforscht wird, geht auf ihn zurück … salopp gesagt. Ihn als Urvater der Physik anzuerkennen, ist aber mehr Ehrerbietung als Wahrheit. Seine Forschungen dienen bis heute jedoch als Grundlagen. Die Geschichte vom Apfel, der ihm auf den Kopf fiel, und er somit der Erdanziehung auf die Spur kam, ist im Land der legenden anzusiedeln. Wahrscheinlicher ist es, das Newton bei einem seiner Spaziergänge eventuell einen fallenden Apfel beobachtet hat und einem ihm eigenen gedankenblitz hatte. Wie auch immer, dass alles, was hier bei uns den Halt verliert, nach unten fällt, ist Fakt. Ihn zu erklären, die Grundlagen für diese Erklärung zu schaffen, ist Newtons Verdienst. 
    Doch jede Medaille hat zwei Seiten. Newtons Rückseite ist wahrlich schwarz, tiefschwarz. Denn charakterlich war er – wenn man Autor Florian Freisetter, selbst Astrophysiker in Jena, glauben darf – nicht der angenehmste Geselle. Wer ihm in die Quere kam, bekam die Wucht seiner Wut zu spüren. Plagiatsvorwürfe und ein nicht gerade soziales Verhalten brachten ihm den Ruf als Arschloch ein. Legendär sein Streit mit seinem deutschen Pendant Gottfried Wilhelm Leibniz. Die Missachtung des Anderen betraf aber beide Parteien. Die Diskreditierung der Arbeiten ging ziemlich weit. Man stelle sich vor, dass soziale Netzwerke damals schon bestanden hätten. Der Krieg der Posts wäre in die Geschichte eingegangen.
    Florian Freistetter nimmt kein Blatt vor den Mund, um Isaac Newton zu würdigen, ihn aber gehörig den Kopf zu waschen. Als Akademiker war Newton ein Revolutionär. Aber einer, der sich nicht vollständig von der Vorstellung eines höheren Wesens, das all unsere Geschicke leitet, lösen konnte. Als Wächter der königlichen Münzprägestätte ging Newton mit Geschick und unbändigem Einsatz gegen Fälschungen vor. Theologie und Alchemie (die heute wahrlich nicht mehr als ernstzunehmende Wissenschaft im engeren Sinne angesehen wird) waren ihm genauso nah wie die Beleuchtung der Bewegung innerhalb unseres Sonnensystems. Einstein gilt heute als der genialste Kopf der Physik. Doch auch er wäre ohne Newtons Vorarbeit nicht weit vorangeschritten. Einstein war einfach sympathischer. Und deswegen ist er vielen heute näher als Isaac Newton. Er hätte es wissen müssen…

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    franzzis avatar
    franzzivor 10 Monaten
    Kurzmeinung: Kurzweiliger&amüsanter kann man auf so wenig Seiten wohl kaum so viel über den Tausendsassa Newton erzählen. Plus: Partywissen ohne Ende...
    Der letzte Magier

    Isaac Newton. Das ist der, dem ein Apfel auf den Kopf fiel und der daraufhin die Physik mit seiner Gravitationstheorie revolutionierte. Das ist der, nach dem eine Standardeinheit der Physik benannt ist, welche die Gewichtskraft eines Körpers misst. Newton, das ist der, von dem Farin Urlaub sinkt: Newton hatte Recht. 
    Aber womit eigentlich? Wer über den großen Denker nicht viel mehr weiß, als dass er ein großer Denker war, irgendwie revolutionär, mit dem Apfel halt und irgendwas mit Mathe, Physik und Astronomie, für den hat Florian Freistetter genau das richtige Buch geschrieben. Denn: "Newton - Wie ein Arschloch das Universum neu erfand" erzählt in ungewöhnlich lockerer und extrem kurzweiliger Art und Weise, warum es sich lohnt, mehr über Newton zu wissen - und liefert das Basiswissen zur Person, seinen Gedanken und Erfindungen sowie der heutigen Bedeutung des Ganzen gleich mit. Als Sahnebonbon gibt es Fakten aus der Kategorie "Unnützes Wissen", die das Buch noch unterhaltsamer machen.
    Das klingt zum Beispiel so:"Wenig Schlaf, Essen im Stehen, Vorlesungen in leeren Räumen und eine ewige Abneigung gegen Unkraut: Isaac Newton erfüllte schon früh alle Kriterien eines verwirrten Professors."
    Aber es geht auch konkreter. Oder wussten Sie schon, dass der Mann, der die Physik revolutionierte, der englischen Krone die das Problem mit den Falschmünzern nahezu vollständig vom Hals schaffte, um die Erfindung der Zeit und der Uhr wetteiferte und zeitgleich mit Leibniz die Integralrechnung erfand, all diese herausragenden Ergebnisse mehr oder weniger als Nebenprodukte abwarf, weil er sich eigentlich hauptsächlich für Theologie und, ja, halten Sie sich fest, Alchemie (ja, das mit dem Stein der Weisen und dem Stein zu Gold und so), beschäftigte?!
    "Die Arbeit von Isaac Newton begründete das in den nächsten Jahrhunderten dominierende mechanistische Weltbild. Newton selbst glaubte aber an eine ganz andere Welt. Der gesamte Kosmos und die ganze Materie waren in dieser Sicht von einem göttlichen Geist durchdrungen, und den galt es zu erkennen und zu verstehen. Die Alchemie war daher auch kein Hobby, oder - wie man immer wieder hören konnte - etwas, das er erst spät in seiner Karriere tat, als sein Verstand nicht mehr so scharf war wie früher. Wenn schon, dann wäre es eher angebracht, Newtons physikalische Forschung als "Hobby" zu bezeichnen, die er zwischen seine theologischen und alchemistischen Studien quetschte."
    Diese Erkenntnis erklärt auch, warum Newton von John Maynard Keynes beschrieben wurde mit: "Newton war nicht der Erste des Zeitalters der Vernunft. Er war der letzte Magier." (zit. n. freistetter)
    Dabei schreibt Freistetter seine Interpretation des Newtonschen Lebens und Schaffens nicht streng chronologisch auf, sondern sortiert es nach Themen, für die sich Newton interessierte, und nach Charaktereigenschaften, die ihn ausmachten. So erklärt er eben auch recht eindrücklich, warum Newton ein Arschloch war: Er pflegte, hundsbeleidigt auf all jene zu reagieren, die es wagten, seine Thesen und Arbeiten zu kritisieren - oder gar nachweislich zu verbessern und überzog sie mit rufschädigenden Schmähkampagnen und Brieflawinen. Unter diesen Opfern war unter anderem der große Leibniz. Dabei belegt Freistetter seine Schilderungen stets eng mit Zitaten und Literaturbelegen, auch Newton selbst kommt zu Wort. 
    Das ist lehrreich und macht großen Spaß zugleich. Besser geht das Lustmachen und Nahebringen von Wissenschaftsgeschichte nicht. Und was zum Lernen für unser Tun im Hier&Jetzt gibt es nebenbei auch noch. Selbst wenn wir nicht einmal annähernd solche Universalgenies sind, wie die, über die Freistetter so grandios schreibt:
    "Stellen wir uns einen Moment lang eine Welt vor, in der zwei so große Geister wie Newton und Leibniz Freunde sind, die sich gegenseitig unterstützen und antreiben, anstatt einander zu bekämpfen und aufzuhalten. In dieser Welt hätte Newton seine Arbeit nicht vor der Welt verborgen, sondern gemeinsam mit Leibniz die Mathematik in ungeahnte Höhen treiben können. Stattdessen hatten zwei der größten Wissenschaftler aller Zeiten nichts besseres zu tun, als sich gegenseitig mit Dreck zu bewerfen."

    Kommentare: 2
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    M
    michael_lehmann-papevor einem Jahr
    Die „anderen Seiten“ des Genies betrachtend


    Die „anderen Seiten“ des Genies betrachtend

    Frisch von der Leber weg, fast umgangssprachlich und immer mit einem klaren Blick auf die nicht sonderlich beglückenden Seiten Isaac Newtons, so „schreibt“ sich Freistetter durch die Erkenntnisgeschichte des eigenwilligen Genies, der, zwischenmenschlich betrachtet, eine Katastrophe nach der anderen lancierte.

    Nicht umsonst schreibt George Bernhard Shaw:

    „Newton war in der Lage, erstaunliche Fähigkeiten mit einer Leichtgläubigkeit und einem Wahn zu kombinieren, die selbst für einen Hasen eine Schande darstellen würden“.

    Ein Zitat, das Freistetter wie eine Überschrift über sein Werk stellt und dem er im Verlauf der Lektüre absolut gerecht wird. Denn so hat man Newton landläufig nun wirklich noch nicht kennengelernt.

    Ein Egoist von Gottes Gnaden, ein streitbarer Fiesling, der es scheinbar darauf anlegte, es sich mit jedem menschlichen Wesen zu verderben, dass in Reichweite geriet.

    Und dabei gelingt es Freistetter durchaus, diese Faszination für den Wissenschaftler Newton ebenso im Buch anklingen zu lassen, wie der gelinde Abscheu gegenüber einem menschlichen „Ekelpaket“.

    „Lieber als mit anderen Menschen beschäftigte sich Newton daher mit der ihn umgebenden dinglichen Welt“.

    Und selbst als Lehrer an der Universität scheint das nicht anders gewesen zu sein. Denn keinerlei Berichte oder Aufzeichnungen ehemaliger Studenten lässt sich finden.

    „Wenige kamen und noch weniger verstanden ihn“, diesen nachlässigen, schlampig wirkenden Gelehrten, der auch kein Problem damit hatte, die leeren Wände „anzureden“. Hauptsache ohne Kompromiss. Denn wie in der Wissenschaft, so auch im menschlichen Umgang, eindeutig dominant und kein bisschen einsichtig oder wenigsten höflich lebte Newton sein Leben.

    Wovon schon der erste Auftritt in der wissenschaftlichen Öffentlichkeit kündet. Der leiseste Anhauch von Kritik wurde unbarmherzig öffentlich beantwortet, wie der rege Schriftkehr der Anfangsjahre zeigt.

    „Er vertrug die Kritik so schlecht wie ein kleines Kind, und ebenso trotzig verhielt er sich auch“. Was auch damit zusammenhängen könnte, dass Newton ein „Geheimniskrämer“ erster Güte ebenfalls war, wie Freistetter erläutert und damit auch die mangelnde Empathie Newtons in den Raum stellt. Denn kein bisschen war dieser in der Lage, Kollegen Zeit zu geben, seine seit Jahren überlegten und dann ad hoc veröffentlichten Thesen in Ruhe sinken zu lassen.

    Und dennoch, „was in der Physik seit 1687 (dem Zeitpunkt der Veröffentlichung der „Principa“, Newtons Magnus Opus) erreicht wurde, bleibt im Grunde nur eine Randbemerkung zu den „Principa“.

    Freistetter gelingt, ohne das „Denkmal“ des Wissenschaftlers zu beschädigen, den unsympathischen Menschen Newton Seite für Seite dem Leser sehr nahe zu bringen und damit ein schillerndes, anregend zu lesendes biographisches Bild zu vermitteln.

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    Kaivais avatar
    Kaivaivor 4 Monaten
    cdlxs avatar
    cdlxvor 8 Monaten
    V
    Vala_Maldoranvor 9 Monaten

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    Pressestimmen

    Der Science Buster Florian Freistetter über den genialen Egomanen Isaac Newton – eine Biographie, wie es sie noch nicht gegeben hat

    "Erfrischend respektlos ist dieses historische Porträt eines Ausnahmegenies. Und doch immer geprägt von großer Sachkenntnis und Bewunderung. Ein sehr lehrreicher Lesespaß!" P.M. 06/17
    "Neu ist der Blickwinkel, mit dem Freistetter Newtons Verhalten auf seine Tauglichkeit für den heutigen Wissenschaftsbetrieb abklopft. Die Unterschiede zu den gegenwärtigen Gepflogenheiten arbeitet er gekonnt heraus. (…) Ein sprachlich gut lesbares und kenntnisreiches Buch (.)." Gerrit Stratmann, Deutschlandradio Kultur, 19.04.17

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