Florian Homm 225 Jahre Knast

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Inhaltsangabe zu „225 Jahre Knast“ von Florian Homm

53 Jahre und 153 Tage in Freiheit. Doch jetzt soll er 225 Jahre ins Gefängnis. Florian Homm. Der Zweimeterhüne, "Plattmacher" und einstige skrupellose Hedgefonds-Manager. Von seinen Häschern verfolgt kommt es in Florenz zum Showdown: Er wird vor den Augen seiner Familie entführt und ins Florenzer Gefägnis Sollicciano gebracht. Die Strippen ziehen die US-Justiz und das FBI, die Homm um jeden Preis in den Vereinigten Staaten vor Gericht stellen wollen. Die Folgen sind selbst für Homm, der im härtesten Business der Welt zuhause war und in Venezuela niedergeschossen wurde, die Hölle: soziopathische, allmächtige Gefängniswärter, die Häftlinge wie menschenverachtende, sadistische Sklaventreiber behandeln. Korruption, Selbstverstümmelungen, gewalttätige Auseinandersetzungen, Selbstmordversuche und Drogenmissbrauch sind unter den Häftlingen an der Tagesordnung. Doch Homm nimmt den Kampf auf. Von seiner Familie, Freunden und früheren Weggefährten verlassen, unheilbar an MS erkrankt und unter ständiger Angst, doch an die USA ausgeliefert zu werden, kämpft er um sein Leben. Was folgt ist ein Thriller. Die lang erwartete Fortsetzung des Spiegel-Bestsellers „Kopf Geld Jagd“.

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  • "Wenn du wissen willst, wer deine Freunde sind, verschaff dir eine Gefängnisstrafe."

    225 Jahre Knast
    R_Manthey

    R_Manthey

    14. November 2015 um 19:12

    "Hör zu du Klugscheißer. Willst du, dass ich deinen Kopf gegen diese Wand schlage, bis dein Gehirn rausspritzt? Hörst du mich? Hast du das verstanden? Leg dich ja nicht mit mir an. Nie wieder." Das sind Sätze aus dem Munde eines Mannes, der von sich behauptet, Maria, die Mutter Gottes, hätte ihn auf den rechten Weg geführt und seine Seele vor dem Ruin gerettet. Und nun würde er von ihr dazu berufen worden sein, ihre Botschaft in die Welt zu tragen, damit "andere Seelen in Not auch von ihrer großen Gnade profitieren können." Wer nicht glauben kann oder will, dass eine gezielte kalte Gewaltandrohung und die Gnade der Mutter Gottes irgendwie zusammen in einen Kopf passen, der kennt Florian Homm nicht. Man mag seine vorgebliche Bekehrung nicht glaubhaft finden und auch dieses Buch schulterzuckend und voller Unverständnis beiseite legen, doch dann verpasst man eine Gelegenheit für eine seltene Vorführung einer tief gespaltenen Seele. Homm selbst hat sich in seinem Vorgängerbuch Kopf Geld Jagd - Wie ich in Venezuela niedergeschossen wurde, während ich versuchte, Borussia Dortmund zu retten. selbst als Psychopathen bezeichnet. Damals war er noch vor Kopfgeldjägern untergetaucht. Aber nach drei Jahren und 153 Tagen wurde er in Florenz festgenommen. Es drohte ihm die Auslieferung in die USA, wo ihm der Prozess gemacht werden sollte. Die Höchststrafe für die ihm dort zur Last gelegten Vergehen, die im Buch nicht wirklich präzise erläutert werden, liegt dort bei mehrfach lebenslänglich oder 225 Jahren Knast ohne die Möglichkeit einer Bewährung. In Deutschland gibt es keine Anklage gegen ihn. Wer Homms Geschichte oder gar ihn nicht kennt, sollte vorher sein erstes Buch lesen. Oder er muss sich mit der Zusammenfassung des Geschehens aus Homms Sicht am Anfang dieses Buches begnügen. Was Homm dann im Weiteren schildert, sind seine Bemühungen, sich der drohenden Auslieferung in die USA zu entziehen, was ihm letztlich gelungen ist. Wen das auch nicht besonders interessiert, kann den Text vielleicht als Information über die Korruptheit der italienischen Justiz und der unfassbaren Zustände in italienischen Gefängnissen lesen. Selbst wenn nur ein Bruchteil von Homms Beschreibungen stimmt, dann kann man allein deswegen den Glauben an all das verlieren, was angeblich die gelebten europäischen Werte sein sollen. Oder man sieht, wie weit Beschwörungsformeln aus Sonntagsreden und die Realität von einander entfernt liegen. Homm war und ist einer der meistgesuchten Leute auf einer Liste des FBI. Er beschreibt in diesem Buch, welchen Druck die amerikanischen Dienste auf die angeblich souveränen Staaten Europas ausüben, wenn sie etwas erreichen wollen. Gesetze und Regeln anderer Nationen scheren sie nicht. In Homms Fall führte dieser Druck dazu, dass Italien (und damit die EU) eine Reihe von Gesetzen brach. Die Erwartung einer mehrfach lebenslänglichen Gefängnisstrafe ohne Bewährung sind "weder mit der Europäischen Menschenrechtskonvention noch mit der italienischen Verfassung vereinbar". Da Homm unter chronisch-progressiver Multipler Sklerose leidet, hätte er schon allein deswegen gar nicht in Haft kommen dürfen. Dass ihm Medikamente verweigert wurden, krönt die Sache noch. Es gab nie einen formalen Auslieferungsantrag der USA, was an sich schon ein Grund ist, Homm in Freiheit zu lassen. Über seine partielle Isolationshaft muss man in diesem Zusammenhang erst gar nicht reden. Warum die Sache dennoch am Ende für ihn nach 15 Monaten glimpflich ausging, kann man im Buch nachlesen. Selbstverständlich darf man über Homms Taten und seinen Charakter ganz unterschiedlicher Meinung sein. Allerdings sollte man dazu auch die Tatsachen wirklich kennen und nicht nur auf Beschreibungen aus seiner Sicht zurückgreifen müssen. So gesehen ist sein Buch lediglich eine sehr interessante Beschreibung eines Teils seines Schicksals, die mit der Schilderung von skandalösen Zuständen in Europa verbunden wird. Man lernt in diesem Buch einen Menschen und einen Stück seiner Lebensgeschichte aus dessen Sicht kennen, die soweit abseits der Normalität liegt, dass sie fast unglaublich erscheint. Egal, was man über Homm denkt - sein Überlebenswille und seine Intelligenz sind erstaunlich, ebenso wie seine Kaltblütigkeit und sein psychopathischer Hang. Eine sehr seltsame und seltene Mischung, die entweder fasziniert oder abstößt. Oder beides gleichzeitig macht.

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