Florian Huber

 4.2 Sterne bei 20 Bewertungen

Lebenslauf von Florian Huber

Florian Huber, Dr. phil., geboren 1967 in Nürnberg, studierte Geschichte und Volkswirtschaft in Köln und arbeitete von 1998 bis 2006 als Redakteur und Regisseur beim NDR-Fernsehen. Er ist Autor zahlreicher Dokumentarfilme, unter anderem «Der Bombenkrieg» (ARD, 2004), «Wenn Tote stören. Vom Sterben an der Mauer» (ARD, 2007) und «Duell in den Wolken – Der letzte Flug des kleinen Prinzen» (ZDF, 2008). Zuletzt erschien «Meine DDR. Leben im anderen Deutschland » (2008).

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Erscheint am 19.02.2019 als Hardcover bei Rowohlt.

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Rezension zu "Kind, versprich mir, dass du dich erschießt" von Florian Huber

Kind, versprich mir, dass du dich erschießt
NicolePvor 3 Monaten

Nach dem zweiten Weltkrieg nahmen sich 1945 tausende Menschen das Leben. Eltern töteten ihre Kinder, Kinder ihre Eltern, bevor sie sich selbst umbrachten. Ganze Familien löschten sich auf diese Art selbst aus. Aber warum taten sie das? Stellten sie sich ihre Zukunft so düster vor, dass ein Weiterleben nicht vorstellbar war? Historiker Florian Huber zeigt einen Einblick in das Denken und Fühlen der damaligen deutschen Bevölkerung.

Das Buch ist in vier Teile gegliedert. Zu Beginn wird der Leser langsam an die Geschehnisse des Jahres 1945 in dem Ort Demmin herangeführt, danach auch an verschiedene Orte in ganz Deutschland. Immer wieder stellt sich die Frage, warum die Menschen sich nach Ende des Dritten Reiches das Leben nahmen.

Einen Einblick in das damalige Zeitgeschehen gibt es im dritten Teil. Dieser beschäftigt sich mit der Zeit zwischen beiden Weltkriegen und wie es den Menschen erging. Beim Lesen dieses Teiles kommt ein wenig Hintergrundwissen, welches eine Ahnung davon liefert, was die Menschen erlebten und ihr Denken beeinflusste. Ihre Ängste und die Wut über den verlorenen Krieg trieben sie in die Arme von Personen, die ihnen von einer neuen besseren Welt erzählten. Viel zu gerne glaubte die große Masse ihnen, dass das Leben in Deutschland wieder gut werden würde. Tatsächlich wurde es dies für die meisten auch. Kann ein Mensch, der dem Volk soviel Gutes tut, ein schlechter Mensch sein?

Der vierte Teil erläutert den Umgang bzw. Nichtumgang der Bevölkerung im neuen Deutschland mit ihrer Vergangenheit im Dritten Reich. Plötzlich waren die Deutschen die Opfer des Krieges, und die Alliierten die Befreier des armen deutschen Volkes. Das Grauen wurde von anderen Menschen verübt, und die Selbstmorde wurden totgeschwiegen.

„Kind, versprich mir, dass du dich erschießt“ bietet einen Einblick in das Denken und Fühlen der damaligen Zeit. Das Buch wird von denen erzählt, die sie erlebten. Es basiert auf Tagebüchern, Briefen, Berichten und Erinnerungen. Die Texte sind gut zu lesen und erreichen den Leser emotional, denn die Gedanken und Gefühle der Menschen zwischen den Weltkriegen sind keineswegs nur Geschichte.

Das Buch fordert seinen Leser heraus, über die Vergangenheit nachzudenken. Die Jahre 1933 bis 1945 können sich immer wieder, überall und in ähnlicher Form wiederholen und Menschen ihre Zukunft nehmen. Insbesondere der dritte Teil zeigt auf, wie einfach und schnell sich Menschen verführen lassen.

Oft musste ich eine Lesepause einlegen, um das Gelesene sich setzen zu lassen. Das Buch ist definitiv keine leichte Kost. Der Fokus auf die Selbstmorde und wie es überhaupt so weit kommen konnte ist eine andere Sichtweise auf diese Zeit. In vielen anderen Büchern taucht dieser Abschnitt der deutschen Geschichte entweder gar nicht oder nur als Randnotiz auf.

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Patnos avatar

"Hinter der Tür warten die Gespenster" habe ich auf der Leipziger Buchmesse 2017 am Stand des Piper Verlags entdeckt.

Das deutsche Familiendrama der Nachkriegszeit sprach mich sofort an. Vom Autor Florian Huber hatte ich noch nicht gehört.

Um es vorwegzunehmen, das Buch ist kein Roman, geht eher in Richtung Sachbuch und enthält eine Sammlung von Tagebuchaufzeichnungen, Briefen und Erinnerungen aus der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg. Es sind Erlebnisse von Helden und Antihelden, in deren Mittelpunkt ihre Familien stehen.
In kurzen Abschnitten geht der Autor auf einzelne Familienschicksale ein, die er im Laufe des Buches immer wieder aufgreift. Manches ist schockierend und berührend zugleich.
Als Beispiel möchte ich die Geschichte der Familie Ludin erwähnen, die mich schon sehr zum Nachdenken angeregt hat. Hanns Elard Ludin war als Gesandter des deutschen Reiches in der Slowakei für die Deportation von 70000 Juden politisch verantwortlich und wurde dafür zum Tode verurteilt. Und doch war Hanns auch ein vielfacher Familienvater, der geliebt hat und zurückgeliebt wurde. Seine Gedanken und Gefühle in den letzten Stunden seines Lebens sind mir nahegegangen.
Auch die im Buch beschriebene Entnazifizierung empfand ich als Farce. Sicher wurden Exempel statuiert, aber mit einer netten Empfehlung unter Freunden wurde man freigesprochen. Die Menschen versteckten sich gern hinter ihrem Idealismus, nach dem Motto "Verdrängen und Schweigen".
Ein Zitat aus dem Buch fand ich in diesem Zusammenhang so treffend und wahrscheinlich ist es kennzeichnend für endende Epochen der Geschichte.

"Aber die Ehemaligen saßen nicht nur in den Ministerial- und Abgeordnetenbüros. Man sah sie in schwarzen Roben und weißen Kitteln in den deutschen Gerichts- und Krankenhausfluren, wo sie im dritten Reich das Recht des Stärkeren und die Medizin des Höherwertigen praktiziert haben."

Der Krieg hat die Familien schwer belastet. Während die Frauen versucht haben, sich allein mit ihren Kindern durch die schwere Zeit zu kämpfen, kehrten die Männer nach Kriegsende und Gefangenschaft, als Wracks und gebrochene Männer in den Schoß der Familie zurück. Man war sich sehr fremd geworden.

Die Nachkriegsjugend wuchs heran, Halbstarke mit ihren Motorrädern, die zum Schrecken der 50er Jahre wurden.

Florian Huber gelingt es vortrefflich, den Leser mit seinen Texten in die Zeit nach 1945 zu versetzten. Er hat einen intelligenten Sprachstil, der auch für einen "Nichtfachmann" anschaulich und gut verständlich zu lesen ist. Es ist eine Enzyklopädie entstanden, die die Entwicklungen der Frauen, Männer und Kinder in dieser Epoche auf bemerkenswerte Weise widerspiegelt.
Am Ende des Buches findet der Leser tabellarisch aufgelistete Zitatnachweise sowie ein umfangreiches Quellenverzeichnis.

Diese ergreifende Lesereise durch die Nachkriegsjahre konnte mich fesseln und meinen Blick für das damalige Zeitgeschehen schärfen. Viele interessante Informationen und Gedanken nehme ich mit. Meine 5 Sterne-Leseempfehlung!

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Buecherschmauss avatar

Im Dritte Reich galt die Familie als die „Keimzelle des Volkes“. Sie wurde idealisiert, kontrolliert und indoktriniert. Aber was blieb von ihr übrig nach dem Zusammenbruch? Welche Spuren hinterließen die Jahre der nationalsozialistischen Herrschaft? Und wie lange wirkten diese Einflüsse fort? Vielleicht sogar bis in unsere heutige Zeit?
Spannende Fragen, die in etlichen wissenschaftlichen und populärwissenschaftlichen Werken, in unzähligen literarischen Texten und – in neuerer Zeit besonders beliebt – in bestimmten TV-Formaten diskutiert wurden und werden. Spannende Fragen, da sie zumindest die in den Vierziger bis Siebziger Jahren Geborenen direkt betreffen. Sind sie doch alle in Familien groß geworden, die von den Auswirkungen der Jahre 1933 bis 1945 (und gewiss etlicher Jahre davor und danach), geprägt wurden, sei es als Söhne und Töchter, sei es als Enkelkinder. Meist wurde in den Familien über diese Zeit zu wenig oder aber auch zu viel, aber das Falsche erzählt (die heldenhaften Kriegserlebnisse, augenfeuchte Bekenntnisse zur alten Kameradschaft oder die Mär vom gloriosen Autobahnbau). Aber in den Fotoalben begegneten wir ihnen, den schneidigen Soldaten in ihren Ausgehuniformen, die beim Weiterblättern auf den Fotos plötzlich fehlen oder aber kaum wiederzuerkennen, abgemagert, ausgemergelt, mit einem merkwürdigen Ausdruck in den Augen uns entgegenblicken. Was passiert in den Familien mit solchen Leerstellen oder aber mit solch gebrochenen Menschen in ihrer Mitte.
Dieser Frage versucht Florian Huber in seinem Buch „Hinter den Türen warten die Gespenster“ nachzugehen. Er tut das auf seine Art – er ist Historiker aber auch TV-Filmproduzent. Man kennt die Formate, in denen Zeitzeugen in Erinnerungsschnipseln, untermalt mit raunender Erzählerstimme und suggestiver Musik zusammengeschnitten werden zu einem „Zeitpanorama“. Hier geschieht das Gleiche in Textform. Verschiedene Familien werden anhand von Tagebuchaufzeichnungen, Briefen, Gesprächen vom Kriegsende bis in die Sechziger Jahre und darüber hinaus betrachtet.
Schwerpunkte werden gelegt bei den Frauen, die den Alltag während des Krieges, das Überleben und die Versorgung der Kinder im Alleingang bewältigen mussten und auch den größten Teil des Wiederaufbaus schulterten; bei den Kindern, die ihre Väter kaum kannten, die durch die Übertragung verantwortungsvoller Aufgaben frühzeitig erwachsen und selbstständig wurden und oft zur Mutter eine besondere Beziehung aufbauten; und natürlich bei den Männern, durch die Kriegserlebnisse zu hohem Maße traumatisiert, enttäuscht und verbittert, in den Nachkriegsgegebenheiten völlig orientierungslos, umso mehr, je später sie heimkehrten, verunsichert in ihrer Rolle als Familienoberhaupt. Diese Gruppen trafen nun aufeinander und sollten eine „heile“ Familie bilden, gerade in Notzeiten Sehnsuchtsort für viele. In den meisten Fällen klappte das nicht so reibungslos, reagierten die Väter mit übertriebener Strenge, mit Aggressionen und oftmals Gewalt und entfremdeten sich so von Kindern und Ehefrauen. Die Scheidungsrate stieg dramatisch.
Die Sachverhalte sind, wenn auch hinlänglich bekannt, sehr interessant. Zumindest zu Beginn gelingt es Florian Huber aber nicht, ein wirklich schlüssig aufgebautes Ganzes daraus herzustellen. Die herangezogenen Quellen wirken zu beliebig, die Konstruktion, wenn auch chronologisch aufgebaut, nicht ganz schlüssig und vor allem die (auch sprachliche) Darstellung zu boulevardesk. Ab der Mitte des Buches wird dies besser. Besonders gut ist der Autor, wenn er sich von den Einzelquellen etwas wegbewegt und Gesamtzusammenhänge herstellt. Da wird das Buch dann auch relevant. Das ist leider bei der Zitierung der Quellen oft nicht der Fall. Wenn er zum Beispiel Heinrich Bölls „Haus ohne Hüter“ heranzieht, wird deutlich, um wie viel aufschlussreicher die Lektüre des Originalwerks für die Thematik wäre. Ähnlich geht es mit Wolfgang Borcherts „Draußen vor der Tür“ oder Angelika Senffts „ „. Huber hat den von ihm zusammengetragenen Zeitzeugnissen zu wenig zuzufügen. Und für eine bloße Zusammenfassung sind seine fast 350 Seiten zu viel. Da kommt es zu etlichen Redundanzen.
Wie gesagt, das Buch steigert sich ab der Mitte deutlich und bietet dann auch einige spannende Aspekte. Insgesamt aber verspielt es leider ein wichtiges Thema und kommt über das Niveau einschlägiger TV-Formate nicht hinaus.

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