Florian Kolfhaus

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Autor von Via Dolorosa, Der aufgeweckte Siebenschläfer und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Florian Kolfhaus

Via Dolorosa

Via Dolorosa

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Erschienen am 22.03.2012
Der aufgeweckte Siebenschläfer

Der aufgeweckte Siebenschläfer

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Erschienen am 10.10.2014
Ganz Dein, Maria

Ganz Dein, Maria

 (0)
Erschienen am 01.01.2014

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Rezension zu "Via Dolorosa" von Florian Kolfhaus

Rezension zu "Via Dolorosa" von Florian Kolfhaus
Ein LovelyBooks-Nutzervor 6 Jahren

Kreuzweg war damals und Kreuzweg ist immer: Von Anfang an verstand die Kirche den Opfergang Jesu als Akt der Liebe des göttlichen Sohnes, der mit seiner alle Dimensionen sprengenden Tat das Böse und Schlechte aller Menschen aller Zeiten, ihre Sünden in Gedanken, Worten und Werken, gesühnt und damit zugleich den Tod als gerechten Lohn menschlicher Schlechtigkeit besiegt hat. So gehört der Kreuzweg neben dem Rosenkranz zum kostbaren Kernbestand der Volksfrömmigkeit, vielfach ist er in Worte gefasst und auch vertont worden. Wie beim Rosenkranz ist letztlich eine Form persönlichen Empfindens, ein inneres Mitgehen die notwendige Bedingung, die geistlichen Gewinn verspricht und ohne die eine solche Gebetsform hohl und äußerlich bleibt.
Umso dankbarer muss man Florian Kolfhaus sein, Regensburger Diözesanpriester und Kuriendiplomat, der einen sehr persönlichen Beitrag zum Kreuzweg-Beten beigesteuert hat. In leidenschaftlichen, ja glühenden Worten und zugleich weit von jedem Kitsch entfernt gelingt es Kolfhaus, dem Leser das Unglaubliche zu vergegenwärtigen, dem das ganze Menschengeschlecht seine Rettung verdankt.
Sein Betrachtungsbuch wird von einer fulminanten Einführung in das Geheimnis von Leiden und Sterben Jesu eingeleitet, die den Grund legt für die eingehende Schilderung des blutigen Geschehens. Denn um das handelt es sich zweifelsohne, was beim Kreuzweg betrachtet wird. Dabei geht es Florian Kolfhaus darum, das Karfreitagsgeschehen nicht nur als Liebesopfer von Seiten Christi zu deuten. Schon zu Beginn macht er klar, dass das Christentum die Bezeichnung als Religion des Kreuzes nicht nur deswegen verdient, weil Jesus am Kreuzesstamm aus Liebe gelitten hat, sondern eben auch, weil das Kreuz „auf den Schultern eines jeden Jüngers Jesu liegt, ja zu liegen hat“. Denn Jesus ist kein Weisheitslehrer, der zeigen will, wie der Schmerz dieser Welt zu überwinden sei: „Er verspricht nicht Freiheit vom Leid, im Gegenteil!“ So wie Gott seinem eigenen Sohn Schmerz zugemutet hat, so müssen auch wir uns auf den Weg des Leides gefasst machen, aber nicht, weil Gott „am Schmerz Freude hätte, sondern weil es um die größere Liebe geht. (...) Er will, dass wir leiden, damit wir Liebende werden.“ Denn das Leiden brenne alles weg, was nicht Gott ist und helfe dem Menschen so, sich nach Gott auszustrecken, sich wieder ihm zu nähern. Das ist harte Kost, christliches Schwarzbrot sozusagen.
Aber Kreuzestheologie, wie Kolfhaus sie vertritt, nährt wirklich, macht immun gegen die Schaumgespinste der Selbsterlösungstheorien und stärkt dann, wenn man – in bitteren Stunden – der Stärkung bedarf. Viktor Frankl, der Psychiater, der das KZ überlebte und die Logotherapie begründete, konnte bezeugen: Der Mensch kann fast alles aushalten, wenn er einen Grund dazu sieht, wenn er ein Wozu vor Augen hat. Jesus litt aus Liebe zu seinen gefallenen Geschöpfen. Wir sollen, wir müssen leiden, um ihm nachzufolgen, aber vor allem, um in der Liebe zu wachsen. Und eben nur um der Liebe willen kann man das Kreuz überhaupt umarmen und annehmen. Die Andacht des Kreuzwegs steht so gegen das kuschelige Wohlfühl-Christentum, wie der Zeitgeist es verlangt. Kolfhaus: „Nur weil Jesus uns zu Liebenden machen will, bürdet er uns das Kreuz auf und erlaubt, dass wir leiden. Er will nicht unser Leid, er will unsere Liebe.“ Philosophisch, auch theologisch, lasse sich die Frage nach dem Sinn des Leidens nicht befriedigend beantworten: „Was bleibt, ist die Liebe, die unter Tränen eine Hand festhält, die sie durch die Nacht führt.“
Es entspricht diesem realistischen Zugang zum Heilsgeheimnis, dass der Autor das Karfreitags-Geschehen nicht aus der Distanz einer Erzählerperspektive schildert, sondern den Herrn selber zu Wort kommen lässt, also in der Ich-Form schreibt. Das erhöht die Eindringlichkeit und vergegenwärtigt noch besser, was damals geschah: „Ich trage nicht Holz auf meinen Schultern, das für das Feuer bestimmt ist. Ich trage die Welt. Ich trage, wie ein Lasttier, die Menschen und jeden Einzelnen. Ich trage Dich. Jede Sünde, jede böse Tat, ist ein Hieb in meine Flanken, ist eine Wunde, die schmerzt und die mich doch nur dazu drängt, weiterzugehen.“ Viele Farbfotos der Jerusalemer Via Dolorosa und der anderen Orte des Leidens sind dem Band beigegeben und tragen zur Verlebendigung bei.
Beim Schlussgebet wechselt die Perspektive, nun spricht der Betrachter und der Leser wird hoffentlich zustimmen, wenn es heißt: „Auch mein Herz hat einen Stich bekommen, von dem es sich nicht mehr erholen kann. Du hast es verwundet! (...) Noch immer fragt mich mein Verstand, ob es nicht einen anderen Weg gegeben hätte, der weniger steil, weniger schmerzensreich gewesen wäre. Du hättest ihn nicht gehen müssen – ein Wort aus Deinem Mund hätte genügt, alles neu zu machen – aber Du bist wegen mir nach Golgotha hinaufgestiegen.“ So ist es, das ist der geheime Grund für das, was am Karfreitag geschehen ist und nach der Logik der Liebe, die nur Gott kennt, geschehen musste. Es ist gut, dass ein junger Priester, der die Kirche verantwortlich nach außen vertreten soll, so tief in dieses Geheimnis der äußersten Zuwendung Gottes seinen Geschöpfen gegenüber eingetreten ist, dass ein Kirchendiplomat sich auch als Seelsorger versteht. Florian Kolfhaus' Betrachtung zum Kreuzweg ist eine wertvolle Bereicherung, die dem, der sich anrühren lässt, einen Weg zum besseren Mitvollzug der Kar- und Ostertage weist.

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