Florian Peil

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Florian PeilTerrorismus - wie wir uns schützen können
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Terrorismus - wie wir uns schützen können
Terrorismus - wie wir uns schützen können
 (1)
Erschienen am 18.10.2016

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Rezension zu "Terrorismus - wie wir uns schützen können" von Florian Peil

"Viele Selbstmordattentäter tragen vor ihrem Anschlag Mützen oder Baseballkappen"
R_Mantheyvor 2 Jahren

Diese äußerst wichtige Information findet der Leser dieser Broschüre auf Seite 105. Schlanke Beine und ein merkwürdig dicker Oberkörper sind ebenfalls äußerst verdächtig. Trifft man auf solche Menschen, dann sollte man sich ihnen feinfühlig nähern und lauschen, ob sie nicht Gebete vor sich hin murmeln. Denn dann wird es wirklich gefährlich. Kommt noch ein starrer Blick dazu, dann kann man eigentlich nur noch mitbeten. 

Es tut mir wirklich leid, aber ich kann bei solchen Hinweisen nicht mehr ernst bleiben. Jedesmal, wenn in Europa Terroristen zugeschlagen haben, kommen im Fernsehen garantiert Leute zu Wort, die verkünden, dass sie sich davon überhaupt nicht verwirren lassen werden, weil sonst schließlich die Attentäter ihr Ziel erreicht hätten. Eine ähnliche Botschaft trägt auch der Autor vor sich her, doch der Inhalt seines Büchleins ist ein ganz anderer. Seine Ratschläge laufen nämlich auf ein grundsätzlich verändertes Verhalten hinaus. Wenn man ihnen folgt, dann kann man nicht mehr entspannt sein: Man beobachtet seine Umgebung aufmerksam und sucht sie auf in einem klar definierten Sinne verhaltensauffällige Menschen ab, bestimmt Fluchtwege und richtet seine eigene Position entsprechend aus. 

Wer dann noch fröhlich verkündet, die Terrorgefahr sollte unser Leben nicht beeinflussen, leidet offenbar unter gewissen Verdrängungszwängen. Dessen ungeachtet enthält diese Broschüre eine durchaus nützliche Aufzählung von allgemeinen Verhaltensregeln und  von Ratschlägen für den Fall, dass man tatsächlich von solchen Ereignissen betroffen sein sollte. Ob jeder Leser sie dann auch wirklich umsetzen kann, erscheint mir eher zweifelhaft. Sie bedeuten nämlich in erster Linie fürs Allgemeine eine ständige Aufmerksamkeit und in akuten Situationen eine erhebliche Beherrschung von Körper und Geist, die in zielgerichtetes rationales Handeln mündet, um aus einer solchen Situation möglichst schadlos zu entkommen. Ohne situatives Training wird das kaum gelingen. Die beobachtbaren hysterischen Reaktionen oder das interessierte Gaffen in relativer Nähe zu solchen Ereignissen (beispielsweise in München) sprechen nämlich nicht die Sprache der Rationalität. 

"Jeder Einzelne kann etwas gegen die Bedrohung durch den Terrorismus tun", heißt es gleich zu Beginn des Textes. Man müsse die Bedrohung verstehen, denn das würde uns die Angst nehmen. Deswegen versucht der Autor seine Leser erst einmal auf den Weg der Angstfreiheit zu drängen. Mir fällt es allerdings schwer, zu glauben, dass die Angst verschwindet, wenn man weiß, was Terroristen wollen. 

Wenn ein Anschlag geschehen und man nicht unmittelbar betroffen ist, dann empfiehlt der Autor folgendes Verhalten: den Terroristen keine Aufmerksamkeit schenken, die eigene Angst annehmen, mediale Überdosis meiden, nicht provozieren lassen und (ganz wichtig) keine Vorbehalte gegen die Religion der Terroristen entwickeln. 

Danach folgen Ausführungen zum Vorgehen von Terroristen. Der Text befasst sich fast ausschließlich mit Terroristen, die ihrem Propheten folgen und nur ganz am Rande mit Links- oder Rechtsterrorismus in Deutschland. In diesem Zusammenhang geht der Autor auf die Planung und die Ausführung verschiedener Aktionen solcher Leute ein und erklärt, wie man dies eventuell im Vorfeld erkennen kann. Dann erklärt er, wie man sich vernünftig verhält, wenn man unmittelbar von Anschlägen betroffen wird. 

Obwohl ich erhebliche Zweifel daran habe, dass sich Menschen in solchen Fällen tatsächlich untrainiert so verhalten, wie es der Autor richtig erläutert, kann man gegen den größten Teil seiner Ratschläge nichts sagen. Sie treffen einfach zu. Was man allerdings stark anzweifeln kann, ist die grundsätzliche Aussage dieses Textes. Wenn man sich tatsächlich gegen Terrorismus schützen könnte, gäbe es ihn nicht. 

Es fällt mir schwer, diesen Text zu bewerten. Fast alle konkreten Hinweise und Aussagen dieser Broschüre treffen zu. Dennoch halte ich ihren tatsächlichen praktischen Nutzen aus den oben erläuterten Gründen für sehr gering. 

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