Florian Scheibe

 3.4 Sterne bei 18 Bewertungen
Autor von Kollisionen und Weiße Stunde.
Florian Scheibe

Lebenslauf von Florian Scheibe

Florian Scheibe, geboren 1971 in München, hat Kulturwissenschaft und Geschichte in Bremen und Paris (M.A.) sowie Regie an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (dffb) studiert. Nach Tätigkeiten als Aufnahmeleiter, Regieassistent, wissenschaftlicher Mitarbeiter und als Lektor arbeitet er heute als Drehbuchberater und als freier Autor. Seine Texte erschienen in Anthologien und in Literaturzeitschriften und wurden genau wie seine Kurzfilme mehrfach ausgezeichnet. 2012 erschien sein Debütroman "Weiße Stunde", mit dem er für den Debütpreis im Buddenbrookhaus nominiert war. Im Jahr darauf war er Stipendiat der Autorenwerkstatt des Literarischen Colloquiums Berlin (LCB). Ende August 2016 erschien sein zweiter Roman "Kollisionen" bei Klett-Cotta. Florian Scheibe lebt mit seiner Familie in Berlin.

Alle Bücher von Florian Scheibe

Florian ScheibeKollisionen
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Kollisionen
Kollisionen
 (18)
Erschienen am 27.08.2016
Florian ScheibeWeiße Stunde
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Weiße Stunde
Weiße Stunde
 (0)
Erschienen am 01.02.2012

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Neue Rezensionen zu Florian Scheibe

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MikkaGs avatar

Rezension zu "Kollisionen" von Florian Scheibe

Trügerische Schwerelosigkeit
MikkaGvor 4 Monaten

Kollisionen.

Zusammenprall. Zwietracht. Zwist. Zerwürfnis. Aufprall.

Der Titel des Buches und die Überschriften der fünf Teile der Geschichte lassen das Konfliktpotential bereits erahnen. Hier prallt einiges aufeinander: verschiedene Lebensentwürfe, soziale Schichten, Generationen. Und wie das so ist bei heftigen Kollisionen, geht dabei einiges zu Bruch.

Carina und Tom sind ein Paar wie aus einer Hochglanzbroschüre. Jung, dynamisch, erfolgreich, inklusive schicker Loftwohnung mit atemberaubendem Blick über die Stadt. Ihr Leben könnte perfekter kaum sein – wäre da nicht der unerfüllte Kinderwunsch, der zunächst dazu führt, dass Sex zur Pflichterfüllung nach Zeitplan wird, dann zur klinisch sterilen Prozedur in der Kinderwunsch-Klinik.

An Mona hingegen ist nichts Hochglanz. Sie ist 16, drogensüchtig und schwanger, lebt von Schuss zu Schuss. Das Kind war (natürlich) weder geplant noch erwünscht. Sie bewegt sich im Drogenmilieu, das paradoxerweise direkt vor Carinas und Toms Haustür liegt; das Viertel erobert sich durch Gentrifizierung mehr und mehr Wohnraum für wohlhabende Erfolgsmenschen, noch wurden die Dealer und Junkies jedoch nicht vertrieben.

Monas Leben kollidiert im wahrsten Sinne mit dem von Carina, als diese Mona mit dem Fahrrad umfährt – und das Mädchen wutentbrannt ins Gesicht schlägt, als sie den Babybauch bemerkt.

An dieser Stelle glaubt man als Leser vielleicht, man wisse, wie die Geschichte ausgehen wird.Man kann das Happy End für alle Beteiligten schon am Horizont sehen.

Aber so einfach macht es der Autor sich und dem Leser nicht. Er erzählt seine Geschichte in zunehmend rascher wechselnden Perspektiven, die sich gelegentlich überlappen, und spielt dabei mit den Erwartungen des Lesers. Auch hier: Kollisionen.

Während die Probleme von Mona so offensichtlich sind, dass sie einem quasi ins Gesicht schreien – sie braucht Nahrung, eine Wohnung, Unterstützung für ihr Baby, Hilfe bei ihrem Kampf gegen die Drogen –, sind die Konflikte von Carina und Tom wie feine Risse in ihrem Selbstbild, die sich immer weiter ausbreiten, bis alles zersplittert und auseinander bricht.

Das Ende ist dann so unerwartet wie konsequent.

Die Geschichte entwickelt einen unwiderstehlichen Spannungsbogen – obwohl ‘Bogen’ vielleicht das falsche Wort ist. Die Spannung setzt sich zusammen aus vielen kleinen und großen Konflikten, Katastrophen und fatalen Entscheidungen. Ein Spannungsmosaik, vielleicht. Ein Spannungspuzzle.

Ich war begeistert von “Kollisionen”. Nur manchmal schlich sich nach meinem Empfinden ein Misston ein, wenn die Geschichte dann doch in Klischees verfällt: Der frustrierte Tom, der sich entmannt fühlt von seiner Unfruchtbarkeit, wird bezirzt von der blutjungen Praktikantin Soph. Mona kommt aus einer reichen Familie, wurde von einer emotional kalten Mutter aber in die Drogensucht getrieben.

Aber abgesehen von diesen kleinen Misstönen sind die Charaktere wunderbar gezeichnet. Sie sind nicht immer sympathisch, aber immer glaubhaft und authentisch. Ich konnte ihre Wünsche und Ängste nachvollziehen und ihr Verhalten verstehen, selbst wenn ich ihre Entscheidungen nicht für die besten hielt. Am Schluss, wenn alle Beteiligten ihr Leben aus den Scherben wieder zusammensetzen, sind sie veränderte Menschen mit drastisch veränderten Lebensstilen. Von außen betrachtet vielleicht beschädigt, aber auch gewachsen an ihren persönlichen Kollisionen.

Was die einzelnen Splitter der Geschichte zusammenhält ist der Schreibstil.

Denn der ist grandios: bildgewaltig findet er die ungewöhnlichsten, gewagtesten Metaphern, selbst für das Alltägliche oder gar Profane. Manchmal ist das vielleicht ein wenig zu viel, ein kleines bisschen bemüht, aber meist macht er in meinen Augen aus diesem Buch ein literarisches Kleinod.

FAZIT

Lebenswelten prallen aufeinander: Carina und Tom sind erfolgreich, wohlhabend und leiden unter ihrem unerfüllten Kinderwunsch. Mona ist 16, drogensüchtig und schwanger. Das Happy End scheint offensichtlich, doch der Autor erzählt seine Geschichte jenseits des Offensichtlichen – in großen und kleinen, inneren und nach außen getragenen Konflikten.

Ich habe das Buch an nur zwei Abenden gelesen und  war sehr angetan von den rund geschriebenen Charakteren und vor allem dem außergewöhnlichen Schreibstil.

Diese Rezension erschien zunächst auf dem Buchblog 'Mikka liest von A bis Z':
https://wordpress.mikkaliest.de/2018/07/02/florian-scheibe-kollisionen/

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Rezension zu "Kollisionen" von Florian Scheibe

Toll geschrieben, aber nicht immer ganz plausibel
Ein LovelyBooks-Nutzervor 2 Jahren

Die Architektin Carina und die drogensüchtige Mona prallen bei einem Fahrradunfall aufeinander – eine Begegnung, die nicht ohne Folgen bleibt. Die eine wohnt in einem schicken Loft, die andere mal in einer Einrichtung, mal auf der Straße. So unterschiedlich die beiden sind, kreisen die Gedanken beider Frauen immer wieder um dasselbe Thema: ein Baby. Carina wünscht sich sehnlichst ein Kind, wird aber einfach nicht schwanger von ihrem Freund, dem Journalisten Tom. Mona hingegen hat ein ganz anderes Problem: Sie will das Kind loswerden, das sich ungewollt in ihrem Bauch eingenistet hat.

Wunderbar bildhaft aus wechselnden Perspektiven

Florian Scheibe zeigt uns die Ereignisse abwechselnd durch Carinas, Monas und Toms Augen. Manche Szenen werden dabei noch einmal aus einem anderen Blickwinkel wiederholt. Da sich die Sichtweisen der drei Protagonisten stark unterscheiden, wird das niemals langweilig, im Gegenteil. Manchmal lässt der Autor auch geschickt im Dunkeln, um welche Figur sich eine Szene dreht und sorgt dadurch für so manchen Überraschungsmoment. Die Erzählart und die Sprache haben mich von der ersten Seite an überzeugt.

Eine Reihe an Kollisionen

Der Titel passt hervorragend zum Buch, denn der Zusammenprall zwischen Carina und Mona ist nicht die einzige Kollision in diesem Buch. Schade fand ich, dass die beiden Frauen relativ wenig miteinander zu tun haben. Ich erfahre als Leserin zwar anschaulich, wie unterschiedlich ihre Lebenswelten sind, hätte aber nach der Beschreibung mehr Begegnung zwischen Mona und Carina erwartet. Sie treffen zwar immer wieder aufeinander, lernen einander aber niemals wirklich kennen.

Carinas Kinderwunsch hat massiven Einfluss auf ihre Beziehung, die daher relativ viel Raum in diesem Buch einnimmt. Das ist teils hochinteressant, manchmal aber auch klischeehaft oder deutlich überspitzt. Letzteres gilt nicht nur für den Konflikt zwischen dem Paar mit unerfülltem Kinderwunsch, sondern auch für andere Ebenen der Handlung. Mir persönlich hätte ein Fokus auf wenige zentrale Konflikte und eine etwas stillere Geschichte besser gefallen, aber das ist eine Frage des individuellen Geschmacks.

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Fornikas avatar

Rezension zu "Kollisionen" von Florian Scheibe

Gegensätzliche Welten
Fornikavor 2 Jahren

An einem warmen Sommertag kollidiert das Fahrrad der Mittdreißigerin Carina mit der 16jährigen Mona. Ihre Leben weisen erstaunliche Parallelen auf: Carina wünscht sich schwanger zu werden, Mona ist es. Erstere injiziert sich deswegen Hormone, letztere drückt ihr tägliches Quantum Heroin. Beide wohnen sie im selben Viertel, an entgegengesetzten Enden der sozialen Leiter und treffen im Laufe der nächsten Wochen und Monate immer wieder aufeinander.

 Florian Scheibes Roman zeigt gute Ansätze, konnte meine Erwartungen jedoch nicht gänzlich erfüllen; immer wieder ist die Handlung leider zu vorhersehbar, zu klischeebeladen (ich denke hier z.B. an Toms Reaktion auf den gesteigerten Druck o.ä.), was mir doch ein bisschen den Lesespaß genommen hat. Die Gegensätze der beiden Frauen werden anhand verschiedenster Situationen dargestellt, die dann doch öfter mal völlig konstruiert wirken; nicht zuletzt, weil die beiden in der ach so großen Großstadt wohnen und sich mit einer Häufigkeit über den Weg laufen, die dann doch eher zu einem 100-Seelen-Dorf gepasst hätte. Scheibe greift aktuelle Themen auf, unbequeme Themen wie vorgetäuschte Toleranz, Armutsgefälle, Menschen, die durch soziale Raster fallen etc., nicht immer erlaubt er sich dazu jedoch mehr als einen oberflächlichen Blick, sodass der sozialkritische Aspekt dann doch schnell mal unter den Tisch fällt. Positiv bleibt mir Scheibes Erzählstil im Gedächtnis, sein Gespür für gelungene Szene- und Perspektivwechsel, sein flüssig zu lesender Stil. Ein Körnchen Wahrheit steckt in vielen seiner Aussagen, er hat sie jedoch für mich unter Wert verkauft.

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Gespräche aus der Community

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abas avatar


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Die anspruchsvolle Gegenwartsliteratur ist 2016 wieder dabei!

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Florian Scheibe hat seinen neuen großen Roman »Kollisionen« im Klett-Cotta Verlag veröffentlicht. Wir würden gerne mit euch eine Leserunde zum Buch starten. Seid ihr dabei?

HIER GEHT ES ZUR LESEPROBE

Infos zum Buch:

»Der dramatische Zusammenprall zweier Welten: Florian Scheibe erforscht mit unheimlicher Präzision die Psychologie seiner Figuren.« Michael Krüger

An einem Sommertag fährt die Architektin Carina mit dem Fahrrad die sechzehnjährige Punkerin Mona an. Für beide verläuft der Unfall glimpflich, und doch verknüpfen sich ihre Lebenswege auf dramatische Weise. Denn Mona ist schwanger – und Carinas Kinderwunsch seit Langem unerfüllt. Ein Roman über die Kollisionen unterschiedlicher Lebensentwürfe.

Carina und ihr Partner, der Journalist Tom, wohnen in einer Dachgeschosswohnung mit Blick über die Stadt. Dass der Park vor ihrer Haustür nicht der sauberste ist, stört sie genauso wenig wie die unmittelbare Nähe zur Drogenszene. Dort, unter der Hochbahn, lebt die sechzehnjährige Mona, seit sie von zu Hause abgehauen ist. Normalerweise gibt es zwischen beiden Welten nur wenige Berührungspunkte, doch nun werden sie auf schicksalhafte Weise zusammengeworfen: Denn während sich Carina und Tom seit Langem vergeblich ein Kind wünschen, ist Mona ungewollt schwanger … Scharfsichtig erzählt Florian Scheibe vom Zusammenprall sozialer Gegensätze, ohne dabei das Gespür für die inneren Nöte seiner Figuren zu verlieren. Mit einem Sinn für die bisweilen absurde Komik menschlichen Strebens entwirft er einen schillernden Gesellschaftsroman über die Konflikte unserer Gegenwart.

Kurzinfo zum Autor:

Florian Scheibe, geboren 1971 in München, hat Kulturwissenschaft, Geschichte und Filmregie studiert. Er lebt mit seiner Familie in Berlin, wo er als freier Autor arbeitet.Seine Homepage finden Sie unter: www.florianscheibe.de.


TanyBees avatar
Letzter Beitrag von  TanyBeevor 2 Jahren
Ich habe meine Rezension auf Amazon gepostet: https://www.amazon.de/review/R13C15H642TV3O/ref=pe_1604851_66412761_cm_rv_eml_rv0_rv dabei ist mir aufgefallen, dass es dort sehr viele positive Stimmen gibt. Es freut mich ja immer wenn ein Buch die "richtigen" Leser findet :)
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Zusätzliche Informationen

Florian Scheibe wurde am 22. April 1971 in München (Deutschland) geboren.

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