Florian Schui Austerität

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Inhaltsangabe zu „Austerität“ von Florian Schui

Wie die Enthaltsamkeit in die Wirtschaftspolitik kam und warum sie immer scheitern wird. In Zeiten der Krise tritt – verlässlich, unvermeidlich, „alternativlos“ – die Politik der Sparsamkeit auf den Plan: Was könnte tugendhafter sein, als sündhafter Verschuldung mit Verzicht und Enthaltsamkeit zu begegnen? Auch heute steht Austerität wieder im Zentrum öffentlicher Debatten. Ihre Verfechter preisen sie als Fundament für künftiges Wachstum und die Rückkehr zur Stabilität. Ihre Kritiker warnen vor Abschwung und sozialer Ungerechtigkeit. Florian Schui betrachtet unsere heutige Diskussion im Kontext der jahrhundertealten Ideengeschichte der Austerität – einer Idee, die sich in der Wirtschaftspolitik hartnäckig hält, obwohl sie sich für die Bewältigung von Wirtschaftskrisen Mal um Mal als großer Fehler erwiesen hat. Der Wirtschaftshistoriker Florian Schui legt eine prägnante Analyse vor, die belegt: Ein enthaltsamer Staat mag zwar die Moral auf seiner Seite haben, nicht aber die wirtschaftliche Vernunft. Ein wichtiger Beitrag zu der Debatte, die Europa zu spalten droht.

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  • Macht systemisches Sparen Sinn?

    Austerität
    michael_lehmann-pape

    michael_lehmann-pape

    12. November 2014 um 12:36

    Macht systemisches Sparen Sinn? "Die Austeritätspolitik ist ökonomisch gescheitert: Die Staatsschulden sind kaum gesunken und das Wachstum ist weiterhin schwach". So beginnt Schui mit seinen Betrachtungen der Austerität und, letztlich, so endet er auch mit seinen Betrachtungen. Dazwischen aber bietet Schui (und das sehr verständlich, flüssig und unterhaltsam) einen genauen Blick auf die Entwicklung, die Geschichte, die grundlegenden Ziele und die (nicht sonderlich wirklich konstruktiven Folgen) einer Politik der Austerität. Ein hochaktuelles Thema. im Übrigen, angesichts der in der Verfassung verankerten Schuldenbremse, angesichts des tiefen Stolzes über einen "ausgeglichenen Haushalt" und angesichts der seit Jahren nun andauernden europäischen Anspannung und Anstrengung gerade auch des deutschen Druckes in Richtung von Reformen und Schuldenabbau. In klarer Argumentation wendet sich Schui in seinem Buch nun auch gegen den "Augenschein" einer (nur vermeintlich so scheinenden) "erfolgreichen deutschen Sparpolitik". Nicht Sparen ist oder war es, das den "deutschen Sonderweg" durch die Finanz- und Eurokrise erfolgreich hat sein lassen, sondern die starken Exporte und die damit verbundene, deutlich bessere wirtschaftliche Leistung im Vergleich mit den Nachbarländern (und auf deren Kosten im Übrigen), inklusive des ebenso klaren Kostenvorteils im internationalen Vergleich auf Kosten der Arbeitnehmer in Form des realen Absinkens der Löhne in Deutschland. Schui bringt bei seinen Darlegungen Differenzierungen und einen Blick auf das Gesamtbild und die dahinterstehenden Ursachen, der zwar in den einzelnen Betrachtungen nicht neu oder unbekannt ist, aber in diesem Zusammenhang erst seine gesamte Breite entfaltet. Ob so z.B. der mit dem Sinken der Löhne einhergehende Konsumverzicht tatsächlich Positives austrägt wird von Schui ebenso begründet bezweifelt, wie er "die schwarze Null" als nicht förderlich bewertet. Und wer einfach über deutsche Straßen fährt, den Reformstau bei anderen öffentlichen Verkehrsmitteln und fast der gesamten Infrastruktur dabei mit erlebt, ist durchaus bereit, Schuis Ausführungen Recht zu geben. Der Preis für das Sparen scheint erkennbar hoch zu sein und unter Umständen auf Kosten der gesunden Substanz zu gehen. Ob man Schui in seiner Begründung für die starke Haltung der Austerität durch die jahrhundertealte Tradition asketischer christlicher Ethik nun folgt oder nicht, spielt für das Ergebnis dabei weniger eine Rolle. Das Hochhalten der Sparsamkeit als übergeordnetes Ziel fordert einen hohen Preis, der auf Dauer dem Land deutlich mehr schadet, als dass eine schwarze Null nutzen würde. Das auch Schuis konstruktiver Vorschlag letztlich einer Umverteilung von Gewinnen und Vermögen (des reichen Teils der Bevölkerung) nicht neu ist, spricht dabei nicht gegen die Richtigkeit dieser Erkenntnis. Wobei auffällt, dass Schui zwar rege und aus der Geschichte heraus überzeugend argumentiert, sich mit nackten Zahlen und Finanzdaten aber nicht aufhält. Ob nicht ein unstrukturiertes "Weiter so" ebenso starke Risiken bergen würde (wie an manchen südeuropäischen "Haltungen" abzulesen), das kommt in diesem Werk deutlich zu kurz. Wobei man Schui soweit zustimmen muss, dass materielle Ressourcen ja genügend vorhanden wären, sich im Lauf der letzten Jahre mit zunehmender Geschwindigkeit aber zu sehr im Besitz nur einer bestimmten Gruppe konzentrieren und damit der allgemeinen Gesellschaft kaum mehr zur Verfügung stehen. Ein interessantes Werk mit Schwächen im Blick auf "harte Fakten", in dem Schui die Wertschätzung und das Prinzip der Sparsamkeit in seiner historischen Entwicklung Schritt für Schritt vor Augen führt und dessen Wirksamkeit ebenso begründet stark in Zweifel zieht.

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